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Zwischen Akten und Auslöser: Naturfotograf Thomas Block im Interview

Thomas Block bei den Moorfröschen im Müritz-Nationalpark. | Foto: Sandra Bartocha
Nach Michael Poliza stammt auch der zweite Fotolieferant für die neue Globetrotter-App aus der Zunft der Naturfotografen. Aber die Bilder des steuerberatenden Fotofachmanns Thomas Block waren einfach zu gut ... 4-Seasons.de sprach mit ihm über steuerlich absetzbare Betriebsausgaben, bequeme Reiseziele und das harte Geschäft der Naturfotografie.

Thomas, du bist Steuerberater. Ist die Fotografie wirklich nur Hobby, oder laufen die Ausgaben für dein Equipment vielleicht doch unter »Betriebsausgaben«?

Mittlerweile ist die Naturfotografie tatsächlich mehr als nur ein Hobby und ich bin sehr glücklich, einen guten Weg gefunden zu haben, die Tätigkeit in meiner Steuerberatungskanzlei und meine Fotoreisen unter einen Hut zu bringen. Da ist es sehr hilfreich, dass ich mein eigener Chef bin ...

 
Rana arvalis – ganz schön blau diese Moorfrösche. | Foto: Thomas Block

Wann hast du die Leidenschaft fürs Fotografieren entdeckt?

Schon sehr früh, bereits als Kind habe ich mit der Agfa-Box meines Urgroßvaters herumhantiert. Zu meiner Konfirmation habe ich dann meine erste Spiegelreflexkamera geschenkt bekommen. Übrigens eine Canon – dieser Marke bin ich bis heute treu. Nach Abschluss der Schule habe ich dann lange mit mir gerungen, welchen beruflichen Weg ich einschlagen soll: Fotografie oder Steuerberatung. Ich habe mich letztlich für die Sicherheit entschieden, was ich nie bereut habe. So bin ich heute finanziell unabhängig und kann das fotografieren, was mich interessiert und nicht das, was der Markt verlangt.

 

Als fotografische Schwerpunkte nennst du Florida und Schottland. Was haben diese Ziele, was andere nicht haben?

In Florida haben die meisten Tiere nur eine sehr geringe Scheu gegenüber Menschen, dies betrifft übrigens auch Arten wie Fischadler und Silberreiher, die auch in Deutschland heimisch sind, hier jedoch eine sehr große Fluchtdistanz haben. Will heißen: hier kommt man einfach nicht ran an die Tiere. Aufgrund der geringen Scheu der Tiere ist es im Sunshine-State möglich, diese zu fotografieren, ohne sie in ihrem natürlichen Verhalten zu stören. Auch wer seine Fotoausflüge mit einem Familienurlaub verbinden will, findet in Florida das perfekte Reiseziel. Die Wege sind kurz und man kann den Sonnenaufgang und die Dämmerung für die Motivjagd nutzen und den Rest des Tages mit den Lieben verbringen. Während ich mich in Florida auf die Tierwelt konzentriere, steht in Schottland zumeist die Landschaftsfotografie im Vordergrund. Ich liebe diese schroffe wilde Landschaft, die man am besten auf ausgedehnten Trekkingtouren erkundet.

 

Du begleitest Fotoreisen als Coach und Reiseleiter. Arbeit oder Vergnügen?

Vor allem ist es ein toller Ausgleich zu meinem Bürojob. Mir macht es großen Spaß, draußen zu sein, die Menschen für die Natur an unseren Reisezielen zu begeistern und meine Erfahrung weiterzugeben.

 
Larus atricilla – die nordamerikanische Aztekenmöwe heißt in ihrer Heimat Laughing Gull. Bei dem Motiv hat sich sicher auch der Fotograf ins Fäustchen gelacht. | Foto: Thomas Block

Viele Fotografen geizen eher mit Tipps, getreu dem Motto »jede Mücke sticht«. Wieso teilst du dein Wissen so gerne?

Ja, tatsächlich ist es so, dass es zwei Fraktionen bei den Naturfotografen gibt: Die weitaus größere Gruppe gibt kaum etwas preis und manch einer strickt gar mystische Entstehungsgeschichten rund um seine Bilder, um das Publikum zu beeindrucken. Das hat aber selten noch etwas mit der Realität zu tun. Die Fotografen, die ich bewundere, wie beispielsweise Sandra Bartocha, momentan eine der erfolgreichsten Naturfotografinnen in Europa oder der Unterwasserfotograf Alexander Mustard, gehen da einen ganz anderen Weg: Sie teilen ihr Wissen großzügig mit Kollegen, vor allem durch die neuen Medien wie beispielsweise Facebook. Da ich selbst oft von Tipps anderer Fotografen profitiere, gebe auch ich mein Wissen gerne weiter. So bekommen wir hoffentlich mehr schöne Fotos zu sehen!

 
4-Seasons Tipp
 

19. Internationales Naturfoto-Festival

 

Naturfoto-Festival Lünen was auf den ersten Blick ein wenig nach Provinz klingt, ist in Wirklichkeit das Festival-Ereignis der deutschen und internationalen Naturfoto-Szene mit mehreren Tausend Besuchern.

 

Vom 28.-30.10.2011 geben sich in Lünen die nationalen und internationalen Stars der Naturfotoszene aus 28 Nationen die Klinke in die Hand. Dabei fühlen sich nicht nur Profis und Fachpublikum in dem bunten Gemenge wohl. Neben Live-Vorträgen, Seminaren und Ausstellungen bieten Produktpräsentationen und Workshops auch interessierten Neulingen Einblick in die Welt der Naturfotografie. Ein großer Fotomarkt informiert über Neuheiten im Bereich der Fototechnik. Trotz der Größe des Festivals bietet die Veranstaltung viel Raum zur Kommunikation und zum persönlichen Austausch.

Mehr Infos zum Festival unter www.gdtfoto.de.

 

Ardea alba – ganz schön große Klappe. Der Silberreiher ist weltweit heimisch und damit der am weitesten verbreitete Reiher. | Foto: Thomas Block
Bekommt man die auch in der deutschen Heimat?

Unbedingt! Trotz der großen Bevölkerungsdichte gibt es viele wunderschöne Flecken in Deutschland. Im Frühjahr habe ich die Insel Rügen und den Nationalpark Mecklenburg-Vorpommern besucht –  unglaublich, was man dort vor die Linse bekommen kann. Aber auch meine Heimat im Bergischen Land lockt mit vielen Motiven. Selbst in Ballungszentrum wie dem Ruhrgebiet findet man tolle Fotospots. Bemerkenswert ist dort, dass die Tiere ähnlich wie in Florida eine geringere Scheu zeigen als auf dem »platten Land«. Wir Naturfotografen hinterlassen bei unseren Fernreisen nicht selten einen riesigen CO2-Fußabruck. Alleine das ist ein wichtiger Grund, sich fotografisch vermehrt heimischen Gefilden zu widmen.

 

Mit wie vielen Kollegen musst du dein »Revier« teilen?

Seit der digitalen Fotorevolution und dem allgemeinen Trend »zurück zur Natur« boomt die Naturfotoszene. Vor 30 Jahren waren Naturfotografen echte Exoten und nicht selten verschrobene Eigenbrötler. Naturfotografie heute ist eine Massenbewegung geworden und es ist schön zu sehen, wie junge Fotografen mit ungewöhnlichen frechen Bildideen die Szene erobern.

 

Bildergalerie: Thomas Block – Highlights der Naturfotografie

 

Was die etablierten Profifotografen nicht unbedingt freut, oder?

Wer am Markt bestehen will, muss eben besser sein als die Masse. Aber wer alleine von der Naturfotografie leben muss, steht wirklich in einem harten Wettbewerb. Die Bildhonorare für Naturfotos sind durch die Angebotsflut in den letzten 10 Jahren drastisch gesunken und so verwundert es nicht, wenn manchmal mit harten Bandagen gekämpft wird.

 

Für viele Fotografen ist das Thema Internet noch immer ein rotes Tuch – weil dort kaum Geld zu verdienen ist?

Generell ist es für professionelle Fotografen immer schwieriger, angemessene Honorare für ihre Bilder zu erzielen. Microstock-Agenturen und Hobbyisten, die qualitativ gutes Bildmaterial für wenig Geld anbieten, drücken die Preise bei den etablierten Agenturen. Man darf nicht vergessen, dass für Naturfotos oft kostspielige Reisen erforderlich sind und nur selten tritt für Fotografen der Glücksfall ein, dass er wie beim Eisbären Knut genau das Motiv in seinem Portfolio hat, das gerade vom Markt verlangt wird.

 
Nicht nur Tiere, sondern auch Landschaften weiß Thomas Block gekonnt in Szene zu setzen – egal aus welcher Perspektive. | Foto: Thomas Block

Du sitzt im Vorstand der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen. Was steckt dahinter?

Die Gesellschaft Deutscher Tierfotografen e.V. feiert in diesem Jahr ihr 40jähriges Bestehen und ist mit mehr als 1.000 Mitgliedern Europas größte Naturfotografen-Vereinigung. Die GDT steht für authentische Naturfotografie, dies bedeutet im digitalen Zeitalter vor allem, dass Naturfotografie in der Kamera entstehen soll und nicht durch nachträgliche digitale Manipulation am Rechner. Aber auch der Boom der Naturfotografie in den letzten Jahren stellt eine große Herausforderung für die GDT dar. Während sich früher Naturfotografen häufig aus dem Kreis der Biologen rekrutierten, sind es heute immer mehr Hobbyisten, die ohne biologisches Grundwissen mit der Kamera bewaffnet durch die Landschaft stapfen. Die GDT möchte hier für ein besseres Verständnis der Natur und ihren Schutz werben. Mehr Infos über uns und unsere Arbeit gibt es auf www.gdtfoto.de.

 

4-Seasons Info
 

Wer ist Thomas Block?

 

Thomas Block ist 1968 im Bergischen Land geboren, wo er auch heute noch lebt und Mitinhaber einer Steuerberatungskanzlei ist. Seit seiner Kindheit begeistert er sich für Fotografie. Seit rund einem Jahrzehnt ist sein Steckenpferd die Naturfotografie, die ihn vor allem wegen ihrer vielen Facetten begeistert und vor immer neue Herausforderungen stellt. Um die Welt in Florida, einem seiner liebsten Reiseziele, fotografisch noch besser erkunden zu können, steht derzeit eine weitere Fortbildung als ausgebildeter Taucher in seinem Fokus. Neben der erfolgreichen Teilnahme an nationalen und internationalen Naturfotowettbewerben und Publikationen in Fachmagazinen ist er als Reiseleiter für Naturfotoreisen in Nordamerika tätig.

Weitere Infos zu Thomas Blocks Arbeiten und viele Tipps und Tricks rund um die Naturfotografie gibt es auf www.t-block.de.

 

Wanted: Fotos für die iPad-App

Der News-Feed der brandneuen iPad-App von Globetrotter Ausrüstung zeigte bereits Aufnahmen von Natur-Fotograf Michael Poliza und aktuell Bilder von Thomas Block.

Als nächster wird Janik Lipke Impressionen für die Globetrotter-App liefern mit Ergebnissen seiner letzten Costa-Rica-Reise. Janik ist Student und arbeitet bei Globetrotter Ausrüstung z. Zt. als studentische Aushilfskraft.

Sie wollen ihre Bilder auch unters Volk bringen? Oben rechts in der Randspalte gibt's das Teilnahmeformular — wir freuen uns auf tolle Fotos!

 
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