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Yvon Chouinard: »Abenteuer geschehen, wenn die Dinge schief laufen«

Foto: Patagonia
Der legendäre Gründer und Chef von Patagonia, Yvon Chouinard, gilt als Querdenker der Outdoor-Szene. 4-Seasons lud den 71-Jährigen anlässlich eines Vortrags bei Globetrotter Köln zum Interview – und bekam Erstaunliches zu hören.
 

Yvon, eben ist dein Buch »Let my people go surfing« auf Deutsch erschienen. Du schreibst, die Berufsbezeichnung »Businessman« sei dir peinlich, das klänge so nach »Alkoholiker« …

Im klassischen Sinn, ja. Aber auf das Business, wie wir es führen, bin ich sehr stolz. Wir machen es eben anders als andere.

 
Hier surft der Chef noch selbst. | Foto: Patagonia

Dein berühmtes Motto lautet »Management durch Abwesenheit«. Der Boss ist paddeln, surfen oder klettern – und das Geschäft läuft trotzdem. Wie geht das?

Das Geheimnis ist, die richtigen Leute zu holen. Und zwar von Anfang an. Man kann kein bestehendes Unternehmen nach dieser Philosophie umkrempeln. Man braucht unabhängige Leute, kluge und motivierte Leute, denen niemand sagen muss, was sie zu tun haben. Das funktioniert. Das Einzige, worauf es mir ankommt, ist, dass die Arbeit gemacht wird. Keiner nutzt das aus. Meine Leute handeln sehr verantwortungsbewusst.

 

Das klingt einerseits sehr modern, aber auch ein bisschen nach Hippie-Philosophie. Liegen da deine Wurzeln?  

Ein Hippie war ich nie, eher ein … Bohémien. In der Yosemite-Kletterszene gab es keine Hippies, nur Exzentriker. Damals, in den 1960ern, war das Klettern gefährlich und der Sex sicher. Heute ist es umgekehrt.

 

1968 bist du mit einigen Freunden im Auto von Kalifornien nach Patagonien getingelt, um dort den Fitz Roy zu besteigen. Unterwegs wart ihr surfen, skifahren und klettern. Die Mutter aller Roadtrips?

Von Mexico City bis hinunter nach Patagonien war die Straße komplett unbefestigt, in manchen Ländern gab es Revolutionen, Banditen oder beides. Manchmal wachten wir auf und Soldaten zielten mit Gewehren auf unsere Köpfe. Das war schon ziemlich wild. Heute ist die Panamericana breit und asphaltiert. Im Auto erlebt man so etwas nicht mehr. Aber ich habe kürzlich zwei Argentinier kennengelernt, die sind die ganze Strecke von Patagonien bis rauf nach Alaska mit dem Fahrrad gefahren – das war wohl manchmal noch abenteuerlicher als unsere Reise damals.

 
Stand beim Firmenname Pate: das wilde Patagonien. | Foto: Patagonia

Der halbjährige Trip inspirierte dich, deine Firma »Patagonia« zu nennen. Heute gilt Patagonia als Pionier in Sachen umweltverträgliches Wirtschaften. Haben deine Reisen und Expeditionen auf diese Geschäftsphilosophie abgefärbt?

Ich habe einige riskante Sportarten ausgeübt und dabei eine Menge gelernt, was ich auf mein Geschäft anwenden kann. Ich denke, meine Firma ist dazu da, um genau das in die Praxis umzusetzen, was schlaue Wissenschaftler zur Rettung der Erde vorschlagen. Das Problem ist, dass die Wissenschaftler selbst keine Möglichkeit haben, ihr Wissen anzuwenden. Sie können nur darüber reden. Wir dagegen tun, was getan werden muss und zeigen so, was gutes Business ist. Ein Beispiel: Als wir 1996 bei der Bekleidung auf Bio-Baumwolle umstellten, ging der Umsatz in den Keller, aber später auch wieder hinauf. Heute ahmen das viele nach. Wir sind da, um das Risiko einzugehen, das größere Firmen scheuen.

 

Warum meiden größere Firmen solche Risiken?

Eine Aktiengesellschaft kann ein Risiko erst eingehen, wenn klar ist, dass es gar kein Risiko mehr ist – weil ja das Geld anderen gehört. Ich fühle mich dagegen als freier Mensch. Geschäftsmann ist nie mein erster Berufswunsch gewesen. Und sollte ich mal mein Geschäft verlieren – na und? Ich verkaufte meine erste Firma »Chouinard Equipment« (heute »Black Diamond«, Anm. der Red.) im Jahr 1989 und bin in den Jahren danach noch zweimal dort gewesen ... Ich lebe im Moment und nicht in der Vergangenheit.

 

Also gibt es in Natur und Business kein Abenteuer ohne Risiko?

Eine »Abenteuerreise« aus dem Katalog ist doch kein Abenteuer. Man ist mit Führern unterwegs, muss sich um nichts kümmern, alles ist unter Kontrolle.  Abenteuer geschehen, wenn die Dinge schief laufen.

 
Chouinard ist Pionier am Fels und ebenso im Eis. | Foto: Patagonia

Wir führen unser Gespräch bei Globetrotter in Köln, dem größten Outdoor-Geschäft Europas. Auch Patagonia ist eine Riesenfirma mit über 1000 Leuten. Trotzdem steigt die Zahl der Menschen, die die Wildnis nur noch aus dem Fernseher kennen. Wie siehst du das?

Hier drinnen gibt es einen See, auf dem man Kajak fahren kann und eine Kletterwand – virtuelle Natur sozusagen. Die Kunden hier sind natürlich Outdoor-orientiert, aber ganz allgemein entfremden sich immer mehr Menschen von der Natur. Das ist der Grund, weshalb wir die Natur nicht so schützen wollen, wie wir es eigentlich sollten. Die Natur ist irgendwo dahinten. Wir sind nicht länger ein Teil von ihr, wir sind ja auch keine Tiere, sondern was Besonderes, und darum gelten die Gesetze der Natur nicht für uns ... meinen wir. Aber falsch! Wir sind auch nur große Säugetiere. Wir sind nicht Besonderes. Nahe an der Natur zu leben, lehrt einen das.

 

Brauchen wir, um der Natur nahe zu sein, perfekte Ausrüstung?

Vielleicht 10 Prozent von uns brauchen sie wirklich. 90 Prozent wollen sie nur haben. Aber so ist das: Verkaufe ich eine Kletterjacke, verkaufe ich einen Traum. Und selbst wer die Jacke nicht dazu benutzt, einen Berg zu besteigen, kann davon träumen, es irgendwann einmal zu tun.

 
Die Anfänge: Yvon stattet die Kletterszene mit Haken aus. | Foto: Patagonia

Aber Patagonia stellt doch auch Hightech-Ausrüstung her – oder wirst du im Regen lieber nass?

Der Philosoph Henry David Thoreau hat mal gesagt: Hüte dich vor jedem Abenteuer, das neue Kleidung erfordert (lacht). Fürchten wir uns so sehr vor der Natur, dass wir Angst haben, nass zu werden? Was ist falsch daran? Man spürt die Natur, und man stirbt nicht. Ich stelle zwar all diese Hightech-Kleidung her, aber persönlich versuche ich, mir das Leben einfacher zu machen. Vor zwei Jahren war ich zusammen mit Doug Tompkins – er hat The North Face gegründet – in Chile. Wir bestiegen den höchsten Berg in einem neuen Nationalpark, für den wir uns bei Patagonia engagieren. Da waren einige junge chilenische Bergsteiger dabei, die alles über uns wussten. Einer hatte auch mein Eiskletter-Buch von 1978 gelesen. Und eines Tages schaute er mich an und sagte: Yvon, ich muss dich mal was fragen: Ich weiß, dass dir Patagonia gehört – wie kommt es dann, dass du so einen Scheiß anziehst? Ich war verblüfft und sah an mir runter: Ich trug eine 20 Jahre alte Regenhose und sogar einige Sachen, die schon 1968 am Fitz Roy mit dabei waren. Das wurde mir da erst bewusst! Zu Hause war ich einfach zum Schrank gegangen und hatte irgendwas rausgenommen. Das Gleiche bei Doug: Er kam mit Tennisschuhen, Khakihose und Polohemd an und einer der jungen Burschen – alle perfekt gekleidet wie aus dem Katalog – fragte ihn am Auto: Hey Doug, wann ziehst du dich um? Darauf Doug: Ich bin fertig, lasst uns gehen!

 

Deine ersten geschäftlichen Erfolge hattest du als Schmied von Kletterhaken im Yosemite Valley. Dann kamen dir Zweifel am technischen Kletterstil, du hast das Haken-Schmieden deswegen aufgegeben. Siehst du das bei moderner Outdoor-Ausrüstung ähnlich?

Sagen wir mal so: Je mehr man von einer Sache versteht, desto weniger braucht man. Ich habe Erstbegehungen am El Capitan gemacht, von denen einige zehn Tage dauerten. Heute klettern das manche Leute solo und sind vor dem Mittagessen zurück. Sie tragen Shorts und T-Shirt, keine Bergsteigerjacke – dahin muss es gehen.

 

Können und Erfahrung machen also Ausrüstung überflüssig?

Die Ausrüstung ist eigentlich zu gut für das, was wir damit anstellen. Vieles ist unnötig. Aber der moderne Mensch aus dem Westen mag das so. Er möchte lieber Geld ausgeben als Erfahrung sammeln. Wer tauchen lernen will, geht doch heute zuerst in ein Geschäft und kauft das neueste Scubapro-Jacket. Doch es gibt andere Leute, die sagen: Ich möchte tauchen, aber ohne das ganze Zeug. Dann üben und trainieren sie, praktizieren Yoga-Atmung, und irgendwann können sie den Atem für fünf oder sechs Minuten anhalten. Das sind zwei grundverschiedene Ansätze. Mir persönlich ist zu viel Technologie in der Outdoor-Szene. Warum passt man sich nicht nach seinen Möglichkeiten der Umgebung an, statt sie mit großem Aufwand von sich fernzuhalten?

 

Kaufen die Leute Patagonia-Produkte nicht auch, um ihr ökologisches Gewissen zu beruhigen?

Gut so! Mir gefällt der Kunde, der Fragen stellt: Wie habt ihr dieses Teil hergestellt, woraus besteht es? Handelt euer Unternehmen verantwortlich? Was macht ihr mit eurem Gewinn? Kann man solche Kunden überzeugen, sind sie sehr loyal. Das macht uns krisenfest. Übrigens: Die letzten beiden Jahre mitten in der Wirtschaftskrise waren für uns geschäftlich die besten seit sehr langer Zeit.

 
Mitarbeiterinnen bei der ehrenamtlichen Arbeit in einem chilenischen Nationalpark. | Foto: Patagonia

Zur amerikanischen Präsidentenwahl 2005 hast du dich mit der Kampagne »Vote the Environment« engagiert. Wie lief das?

2005 regierte George W. Bush, der schlechteste Präsident und einer der größten Umweltzerstörer in der Geschichte unseres Landes. Über eine Reihe von Anzeigen habe ich versucht, den Amerikanern zu vermitteln, dass sie an die Umwelt denken sollen, wenn sie zur Wahl gehen. Und natürlich, dass sie überhaupt zur Wahl gehen. Wenn wir nicht die Erde retten können, brauchen wir auch keine Politik mehr. Auf einem toten Planeten gibt es kein Business, keine Religionen. Aber worum sorgten sich die Amerikaner? Eine Umfrage ergab, dass die Umwelt bei ihnen auf Platz 19 kommt. Und Bush wurde wiedergewählt.

 

Hat die Outdoor-Branche mehr Umweltbewusstsein als der Rest der Gesellschaft?

Leute, deren Leben und Geschäfte davon abhängen, eine gesunde Umwelt zu haben, sollten eigentlich mehr Verantwortung zeigen als der Durchschnitt. 2001 starteten wir die Aktion »1 Prozent für den Planeten«, an der sich heute etwa 1200 Unternehmen beteiligen. Alle unterstützen mit einem Prozent ihres Umsatzes Umweltaktivitäten ihrer Wahl. Da machen Yoga-Studios mit, Friseurgeschäfte, Lebensmittelhändler – aber nur sehr wenige Outdoor-Firmen. Das ist enttäuschend.

 

Hat dir schon mal jemand gesagt: Hör endlich mal auf mit deiner Umwelt! Du nervst!

O ja, meine Kinder (lacht). Junge Leute schalten ab, wenn man zu negativ wird. Es ist ja auch erschreckend, was die Wissenschaftler sagen. Ihr hier in Europa lebt in zwei, drei Jahren vielleicht in einer neuen Eiszeit – dann nämlich, wenn die Eiskappe auf Grönland weiter schmilzt und durch den Süßwasserzufluss plötzlich der Golfstrom abreißt. Das passiert ganz schnell. Dann gibt’s Gletscher runter bis Spanien.

 

Die Kletterszene betrachtet dich als Idol, aber du bist immer auch Surfer und Paddler gewesen. Wasser oder Fels – wo bist du wirklich zu Hause?

Letztendlich – am Meer, an der Küste. Ich mag die Berge, fühle mich dort gut, aber nicht zu Hause, denn ich kann in den Bergen meine Familie nicht versorgen. An der Küste kann ich fischen, meine Familie aus dem Ozean ernähren, und ich werde nicht erfrieren.

 
Der erste Firmensitz: ein Schuppen in Ventura, Kalifornien. | Foto: Patagonia

Haben Wellen und Felsen etwas gemeinsam?

Definitiv. Als wir mit unseren Erstbegehungen am El Capitan anfingen, wusste niemand, ob es möglich wäre, da oben zehn Tage lang zu überleben. Es gab keine Rettungsteams, es gab überhaupt nur etwa zehn Leute, die so etwas klettern konnten, und die waren woanders. Wenn wir also in Schwierigkeiten gekommen wären, hätten wir ein echtes Problem gehabt. Wir wussten nicht, mit wie wenig Wasser wir auskommen konnten. Manchmal war es so heiß, dass der Sichernde am Stand vor Durst und Erschöpfung ohnmächtig wurde. Ähnliches passierte damals, um 1960, beim Surfen. Niemand, der eine dieser wirklich großen Wellen surfte, wusste, ob sie dich so lange unten halten kann, dass du stirbst. Wir brachen ins Unbekannte auf, wir gingen an die Grenzen, beim Klettern wie beim Surfen. In der reinsten Form betrieben, ist beides sehr einfach. Der Solo-Kletterer braucht keine technische Ausrüstung. Er ist ein Tier, das klettert. Und der Surfer? Er braucht nur ein Surfboard. Sehr ähnliche Sportarten ...

 

Sind nur extreme Erlebnisse gute Erlebnisse?

Was wirklich zählt, das sind doch die Tage, an denen man bildlich auf der Kante balanciert. Dort ist der Ort, wo Evolution geschieht. Eben auch beim Sport: Man will ans Limit, aber nicht darüber hinweg, denn dann wäre man tot. Der Sport folgt der gesellschaftlichen Entwicklung: All die riskanten Sportarten – Wildwasserfahren, extremes Bergsteigen, Big-Wave-Surfen – wurden in den 60er- und 70er-Jahren populär. In den 80er- und 90er-Jahren ging es viel harmloser zu: Mal eben um die Häuser joggen, klettern in perfekt gesicherten Routen. Im Kajak verbrachten die Kids den ganzen Tag an einer Stelle und lernten nette Tricks – kamen aber nicht auf die Idee, mal große, wilde Flüsse zu befahren. Das sind die Kinder der ehemaligen Hippies, die genau betrachtet sehr konservativ aufgewachsen sind und heute an den Schalthebeln der Macht sitzen.

 

Warum war deine Generation wagemutiger?

Die aufregende Zeit in jedem Sport ist der Anfang. Ich hatte Glück, weil ich im goldenen Zeitalter des Kletterns begonnen habe. Als wir in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre unsere ersten Routen kletterten, gab es ungefähr 250 Kletterer in Amerika. Als ich mit Telemark-Skifahren begann, waren wir vielleicht 20 Leute. Kajakfahren – dasselbe! Wir durften vieles zum ersten Mal machen und brauchten niemandem nachzufolgen.

 

Heute sind alle Berge bestiegen und alle Flüsse gepaddelt. Wird die kommende Outdoor-Generation noch konservativer?  

Im Gegenteil. Die heute 15- bis 25-Jährigen sind wieder ganz anders als ihre Eltern. Sie gucken nicht mehr Fernsehen, sie ignorieren die Werbung – sie leben unter vielen Aspekten wirklich selbstbestimmt. Viele gehen im Winter nicht mehr snowboarden wie die Generation vorher. Sie stellen sich stattdessen wieder auf zwei Bretter und erfinden das Skifahren neu, fahren »unmögliches« Gelände. Ich setze große Hoffnungen auf diese Generation.

 

Hast du persönlich noch ein großes Ziel?

Eigentlich nicht. Ich lebe in den Tag. Aber das Beste, was passieren könnte, wäre sicher, wenn alle Unternehmen »grün« würden. Dann gäbe es keine Notwendigkeit für eine Firma wie Patagonia mehr und wir könnten den Laden zumachen. Das wäre ein Erfolg.

 
Angeln, Surfen, Klettern, Paddeln, Skifahren – Chouinard produziert Ausrüstung für alles, was er liebt. | Foto: Patagonia

Beobachtest du denn zumindest grüne Tendenzen im Business?

Die gibt es, sogar in Amerika. Der Handelskonzern Walmart ist das größte Unternehmen überhaupt und die elftgrößte Wirtschaftsmacht der Erde. Nur zehn Staaten machen, als ganze Volkswirtschaft betrachtet, mehr Umsatz als Walmart. Und mit Walmart arbeitet Patagonia tatsächlich eng zusammen – mit dem Ziel, dass Walmart immer mehr nachhaltig produzierte Bekleidung anbietet. Wenn ein Gigant wie Walmart damit anfängt, wird der Rest der Welt folgen.

 

Du hast also noch Hoffnung?

Was meinst du mit Hoffnung? Dass es uns gelingt, die Klimaerwärmung noch zu stoppen? Das glaube ich nicht, wir haben zu lange gewartet. Die Wissenschaftler haben uns genau gesagt, was zu tun ist – aber wir haben es nicht getan. Jetzt sagen sie, dass wir die Nahrungsmittelproduktion verdoppeln müssen, um die wachsende Bevölkerung zu ernähren ... Ich finde, das sieht alles sehr ernst aus. Aber für mich selbst heißt das auch, dass ich mich als ein Teil der Lösung betrachte, nicht als ein Teil des Problems. Es ist auch nicht so, dass wir bei Patagonia die Antworten auf alle Fragen hätten. Haben wir nicht. Aber wir haben die richtigen Fragen gestellt, und das früher und beharrlicher als andere.

 

Yvon, du hast Berge erstbestiegen, eine Weltmarke gegründet und im Umweltschutz vieles bewegt. Kannst du dich an einen perfekten Moment erinnern, als alles stimmte?

Das kommt darauf an, was man unter einem perfekten Moment versteht. Beim Sport, im Business und auch im Umweltschutz gab es natürlich viele schöne Erfolge. Aber einmal habe ich das Ruwenzori-Gebirge in Ostafrika bestiegen, an dessen Flanken der Nil entspringt. Ich stand also da oben auf dem höchsten Punkt – und musste pinkeln. Für einen kleinen Moment wurde ich so zur Quelle des Nils (lacht laut). Na, wie ist das?

 
4-Seasons Info
 

Mehr vom Patagonia-Chef

 

Als Sportler, Geschäftsmann und Umweltschützer hat Yvon Chouinard Maßstäbe gesetzt. Mehr zum Thema gibt es gedruckt, gefilmt und online …

 

Buch: Wem dieses Interview gefallen hat, dem sei Chouinards Buch »Let my people go surfing« empfohlen. Darin erzählt er die spannende Geschichte von Patagonia. Soeben ist das Buch unter dem (holperigen) Titel »Lass die Mitarbeiter surfen gehen« auch auf Deutsch erschienen (Redline Verlag, 24,90 €).

DVD: Bei der im Text erwähnten Reise nach Patagonien (inkl. Erstbegehung am Fitz Roy) entstand der Dokumentarfilm »Mountain of Storms« (auf Englisch, 52 min): 1968 gondelten Chouinard, Doug Tompkins (Gründer von The North Face) und Dick Dorworth von Kalifornien bis zur Südspitze Argentiniens. Neben der Kletterausrüstung nahmen die drei auch Ski und Surfbretter mit – und den Kameramann Lito Tejada-Flores, der das Abenteuer festhielt. Patagonia hat das ebenso unterhaltsame wie spannende Zeitdokument als DVD veröffentlicht (für 15 Euro über www.patagonia.com, in der Stichwortsuche »DVD« eingeben).

Online: Dass Yvon Chouinard nicht nur Sonntagsreden hält, dokumentiert Patagonia auf der Website www.patagonia.com mit ausführlichen Infos zu Umweltschutz-Aktivitäten, den »Footprint Chronicles« oder dem Projekt »1 % for the planet«.

 
weiterführende Artikel: 
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