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XXL-Reiseplaner: #49 Cordillera Darwin

Baden im Eis
Baden im Eis | Foto: Ralf Gantzhorn
Weiße Flecken auf der Landkarte gibt es nicht mehr viele. Ganz im Süden Chiles kann man noch welche finden.

Allgemeines

Am südlichsten Ende Südamerikas, abgetrennt vom Festland durch die Magellanstrasse, dehnt sich Feuerland als chaotisches Inselmeer bis in die Antarktis hinein. Der portugiesische Seefahrer Magellan gab der Gegend einst ihren Namen – ihn hatten die zahllosen Feuer überrascht, die die Ureinwohner zum Schutz gegen die ständige Kälte anzündeten. Der Archipel besteht aus einer Hauptinsel namens Isla Grande de Tierra del Fuego und vielen kleinen Nebeninseln, deren südlichste Kap Hoorn ist. Politisch teilen sich Chile und Argentinien seit 1881 Feuerland. Der zu Argentinien gehörende östliche Teil umfasst die halbe Hauptinsel und die Staaten-Insel im Südosten. Die rund 140.000 Argentinier wohnen hauptsächlich (jeweils ca. 60.000 Einwohner) in den beiden wichtigsten Städten, Rio Grande und Ushuaia. Der Rest lebt meistens von Schafzucht im nördlichen Teil der Hauptinsel. In chilenisch Feuerland, das den gesamten Westen und die Inseln südlich des Beagle-Kanals umfasst, wohnen gerade Mal 10.000 Menschen. Wichtigster Ort im Süden ist Puerto Williams, ein Marinehafen am Beagle-Kanal und Porvenir gegenüber von Puntas Arenas. Der Feuerland-Archipel hat insgesamt eine Fläche von rund 71.500 Quadratkilometern. 

Ähnlich wie Patagonien ist Feuerland klimatisch krass zweigeteilt: Der Norden Feuerlands wird von flachen, dürren und vom Wind durchtosten Ebenen beherrscht. Ganz anders der Süden und insbesondere der hier beschriebene Südwesten des Archipels. Hier schießen bis zu 2500 m hohe Berge plötzlich und ohne Übergang direkt aus den Fjorden empor - raue Küstenlandschaften liegen neben hochalpin anmutenden Gletschern, die sich ins Meer ergießen, und nur wenige Schritte weiter wuchert immergrüner Regenwald mit einer hochspezialisierten Bergflora. Mit über 6000 mm Niederschlag gehört der Westen Feuerlands zu den regenreichsten Gebieten der Erde. Es leben keine Menschen in diesem Teil der Welt.

 

Reiseziele

1. Monte Sarmiento und der Westen Feuerlands

Der Monte Sarmiento ist der westliche Eckpfeiler der Darwin Kordillere und nur per Schiff zu erreichen. Das geht entweder von Puerto Williams/Ushuaia aus per Segelboot (s. Segelboote in Feuerland) oder von Puntas Arenas/Puerto Hambre mit einem Fischerboot. In beiden Fällen liegt die Bootscharter bei ca. 500 €/Tag und Person.

2. Ushuaia

Ushuaia, auf der argentinischen Seite des Beagle-Kanal gelegen, ist der touristische Hauptort auf Feuerland (und bezeichnet sich selbst als südlichste Stadt der Welt). Die Stadt ist der Endpunkt der Pan Amerikana und aufgrund des internationalen Flughafens hervorragend an den Rest der Welt angebunden. Von Ushuaia aus lassen sich eine Reihe von Exkursionen und Trekkingtouren unternehmen. Die beliebtesten Tagesausflüge beinhalten die Estancia Haberton (die Farm von Thomas Bridges östlich von Ushuaia), eine Bootstour zu einigen Inselchen im Beaglekanal und natürlich den etwas westlich gelegenen Feuerland-Nationalpark. Dort lassen sich u.a. Biber beobachten. Nähere Informationen zu den Touren und örtlichen Veranstaltern erhält man im bestens organisierten Tourismusbüro in Ushuaia:

Ushuaia Turismo, Oficina central

San Martín 674, (9410) Ushuaia

Tel.: (54 2901) 432000 / 432001

Telefax: (54 2901) 434550, www.turismoushuaia.com

 

3. Puerto Williams

Puerto Williams ist das chilenische Gegenstück zu Ushuaia und liegt am Südufer des Beagle-Kanals. Allerdings verdankt es seine Existenz der Marine, der Tourismus steckt in den Kinderschuhen. Bei ca. 2500 Einwohnern leben nur wenige Menschen nicht direkt vom Militär. Touristische Highlights, die von Pto. Williams aus erreichbar sind, sind u.a. die 4-tägige Trekkingtour um die »Dientes de Navarino« – einem Gebirgsmassiv südwestlich des Ortes (im Wanderführer des Bergverlag Rother beschrieben), das Museum Martín Gusinde und der Aussichtspunkt Cerro la Bandera etwas südlich der Stadt. Im Dorf Villa Ukkika leben die letzten Yamana-Indianer bzw. Menschen, die sich als solche ausgeben. Ein Highlight ist vielleicht noch die Kneipe des Yachtsportclubs Micalvi, die auf einem ehemaligen deutschen Munitionstransporter aus dem ersten Weltkrieg untergebracht ist. Das Seemarnsgarn der lokalen Skipper ist im Preis für den besten Pisco Sour südlich des Beagle-Kanals mit inbegriffen.

 

Infos

Beste Jahreszeit

Der Südsommer, also die Monate zwischen Oktober und April. Eine Empfehlung für gutes Wetter gibt es nicht; eigentlich ist es immer schlecht oder zumindest abwechslungsreich. Die Niederschlagsmengen nehmen dabei generell von Südwest nach Nordost ab. Während am Monte Sarmiento also noch über 8000 mm Regen fallen, sind es in Ushuaia nur noch um die 800 und in Rio Grande ca. 400 mm. Die Temperaturen sind durch die Nähe zum Meer relativ ausgeglichen frisch (im Jahresmittel ca. 5°C). 

Anreise

Normalerweise mit dem Flugzeug nach Santiago bzw. Buenos Aires. Die Flugzeit beträgt zwischen 14 und 16 Stunden. Zur Einreise aus Deutschland, Österreich und der Schweiz benötigt man lediglich einen Reisepass, der noch mindestens sechs Monate gültig sein muss. Bei der Einreise erhält man dann ein Touristenvisum mit 90 Tagen Aufenthaltserlaubnis. Der Weiterflug nach Feuerland ist auf der argentinischen Seite leichter. Es bestehen Direktverbindungen von Buenos Aires nach Ushuaia. Wer über Santiago einfliegt, muss zunächst weiter nach Puntas Arenas und steigt dort in eine Propellermaschine der Firma DAP (www.aeroviasdap.cl) um. Diese fliegt je nach Wetterbedingungen mehr oder weniger pünktlich nach Puerto Williams. Ein Erlebnis für sich. 

Übernachtung

In den Städten in Pensionen oder Hostels, unterwegs ausschließlich auf Schiffen (s. dort) bzw. im Zelt. 

Fremdenverkehrsämter

Das chilenische Fremdenverkehrsamt SERNATUR (Servicio Nacional de Tourismo) unterhält in Deutschland, der Schweiz und Österreich kein eigenes Büro. Informationen können direkt angefordert werden bei:

Servicio Nacional de Turismo (SERNATUR)

Avenida Providencia 1550, Casilla 14082, Santiago de Chile

Tel.(0056) 2 731 83 00/84

Fax (0056) 2 251 84 69, 236 40 54

info@sernatur.cl

 

Auch das argentinische Fremdenverkehrsamt unterhält kein Büro im deutschsprachigen Raum. Informationen können auch hier direkt angefordert werden bei:

Dirección Nacional de Turismo, Santa Fe 883, Buenos Aires, Argentinien, Tel. (0054) 1 4312-2232 oder 0800-555-0016, www.turismo.gov.ar

 

Segelboote in Feuerland

Viele Ziele, ob Kap Hoorn oder die Kanäle, lassen sich in Feuerland nur per Boot erreichen. Angesichts dieser Tatsache hat sich in Puerto Williams eine kleine internationale Gemeinde von Skippern angesiedelt, die Törns von der Antarktis über die Falklandinseln bis zum Monte Sarmiento oder Kap Hoorn anbieten. Startpunkt der Reisen ist aufgrund des Flughafens und des besseren Lebensmittelangebotes fast immer Ushuaia in Argentinien. Da der interessante Teil Feuerlands jedoch in Chile liegt, müssen alle Boote im Anschluss zur Erledigung der Zollformalitäten nach Puerto Williams. Nachfolgend die Adressen von drei Deutsch sprechenden Skippern, die vom Autoren auch sämtlich empfohlen werden können:

 

1. »Santa Maria« bzw. »Santa Maria Austral« mit Skipper Wolf Kloss. Info: www.simltd.com

 

2. »Tari II« mit Micki Fischer Die Internetadresse für Törns mit der »Tari II« lautet: www.puertobeagle.com

 

3. »Polarwind« mit Osvaldo Escobar als Skipper. Seine Adresse lautet www.polarwind-expeditions.com

 

Literatur/Karten

Die hier vorgestellte Region, also das gesamte westliche Feuerland, wird in der gegenwärtigen Literatur nur im Bildband des Autors beschrieben (inklusive Karten). Antiquarisch zu erhalten und sehr zu empfehlen sind auch Schriften Alberto Agostinis

 

Patagonien und Feuerland, Ralf Gantzhorn, Bergverlag Rother 2010 (2. Auflage), ISBN 978-3-7633-7035-1

 

Rother Wanderführer Patagonien und Feuerland, Ralf Gantzhorn/Thomas Wilken, Bergverlag Rother 2011, ISBN 978-3-7633-4396-6

 

Zehn Jahre im Feuerland. Entdeckungen und Erlebnisse. De Agostini, Alberto M., 1924, F. A. Brockhaus

 

Esfinges de Hielo, De Agostini, Alberto M., 1958, spanisch über die Erstbesteigung des Monte Sarmiento. 

 

Über Gusinde: Der trauernde Blick. Brüggemann, Anne 1989, Martin Gusindes Fotos der letzten Feuerland-Indianer.

 

Gunther Plüschow, Silberkondor über Feuerland (Film und Buch), Koehlers Verlagsges, 2002, ISBN: 3782205987

 

Francisco Coloane, Feuerland, Ullstein Taschenbuch, ISBN 3-293-20133-4, EUR 8,90

 

Netz

www.ralf-gantzhorn.de (ausführliche Expeditionsberichte und Fotos)