XXL-Reiseplaner: #1 Patagonien

Foto: Ralf Gantzhorn
Pauschalreise? Nein danke! Wer den fast menschenleeren Teil des südlichsten Südamerikas wirklich entdecken will, der leiht sich ein Auto und schultert den Rucksack.
Beste Zeit: Oktober bis April. Zwischen Weihnachten und Ende Februar herrscht Hochsaison.
Reisedauer: Mind. 3 Wochen (besser 4 – 6 Wochen).
Preis: Ca. 7000 Euro (2 Personen, 3 Wochen, inklusive Flüge, Mietwagen, Unterkunft, Verpflegung).
Tipp: Dienstleistungen sind in Argentinien – gegen das Gesetz – für Touristen oft teurer als für Einheimische. Bei Preisverhandlungen also achtsam sein!
 
Wer Einsamkeit mag, wird Patagonien lieben.
Wer Einsamkeit mag, wird Patagonien lieben. | Foto: Ralf Gantzhorn

ALLGEMEIN

Charakter: Fantastische Rundreise durch die grandiose Natur Patagoniens. Von den bekannten Nationalparks im Süden Chiles und Argentiniens bis in die wenig bekannten Ecken dieser Sehnsuchtsregion.
Kosten im Detail: 80 bis 120 Euro/Tag für einen geländetauglichen Pick-up. Der Hin- und Rückflug über Santiago de Chile bzw. Buenos Aries nach Punta Arenas kostet etwa 1200 Euro. Ansonsten entsprechen die Preise in Patagonien mitteleuropäischem Niveau.
Voraussetzungen: Führerschein, Orientierungsvermögen und die Fähigkeit, einen Reifen zu wechseln, falls es nötig ist. Die Schwierigkeiten auf den vorgeschlagenen Wanderungen und Mehrtagestouren gehen über Trittsicherheit und das Tragen eines Rucksacks mit ca. 12 bis 15 kg Gepäck nicht hinaus.
Kinder? Warum nicht! Der Trip lässt sich auch mit (nicht ganz jungem) Nachwuchs machen. Hinsichtlich der Wanderungen muss man sich entscheiden, was man den Kleinen zumuten möchte. 
Tipp: Der Reiseanbieter Moser Active ist auf Wander- und Trekkingreisen in Patagonien spezialisiert, aber auch Segeltörns zum Kap Hoorn und den Gletschern Feuerlands sind möglich: www.moseractive.cl.
 

TRANSPORT

An-/Abreise: Von Deutschland fliegt man zunächst entweder nach Buenos Aires (Argentinien) oder nach Santiago de Chile. Von dort per Inlandflug weiter in den Süden. Wer – wie beschrieben – mit dem Mietwagen unterwegs sein möchte, sollte direkt einen Weiterflug nach Punta Arenas mitbuchen.
Herumkommen: Patagonien ist riesig, an die Dimensionen muss man sich als Europäer erst gewöhnen. Normalerweise ist man als Backpacker mit dem Bus unterwegs, zwischen größeren Ortschaften bestehen regelmäßige Verbindungen. Wer jedoch abseits der normalen Routen reisen möchte, sollte sich ein Auto leihen. Aufgrund der Zuverlässigkeit tut man das besser in Chile – oder gleich vorab in Deutschland. Eine gute Adresse ist der Anbieter www.chiletouristik.com aus Frankfurt am Main. Bedenken sollte man, dass die Straßen zwar deutlich besser sind als noch vor ein paar Jahren, zwischendrin aber immer noch die eine oder andere »ripio« (Wellblechpiste) zu fahren ist. Ein Übertritt des Fahrzeugs von Chile nach Argentinien ist beim Verleiher anzumelden. Man benötigt dafür eine besondere Versicherung. 
Routenvorschlag (bei ca. vier Wochen Zeit): 
Punta Arenas – PN Pali Aike – Rio Gallegos (zuvor Ausflug Pinguinera Cabo Virgenes) – PN Monte Leon – Puerto San Julian – Monumento Natural Bosque Petrificados (Estancia La Paloma) – Gobernador Gregores – PN Perito Moreno (Wanderung zur Laguna de los Tempanos) – Lago San Martin – El Chaltén (Wanderungen zum Fitzroy/Cerro Torre) – El Calafate (Ausflug zum Glaciar Perito Moreno) – PN Torres del Paine (Wanderungen) – Puerto Natales – Punta Arenas (siehe Karte).
 

 

ÜBERNACHTEN

Zelt/Hütte: Ohne Zelt kommt man in Patagonien nicht weit. In den Torres del Paine gibt es alternativ Hütten. Online-Reservierungen sind möglich unter www.fantasticosur.com (Refugios Torre Central, Torre Norte, Los Cuernos und Chileno sowie Campamentos Seron und Frances) und www.verticepatagonia.com (Refugios Paine Grande, Grey und Dickson sowie Campamento Los Perros). Am Fitzroy lediglich Zeltplätze mit Plumpsklo, keine Reservierung möglich. 
Pension/Hotel: Unterkünfte aller Preisklassen gibt es fast in jedem Ort. Schwieriger wird es in den abgelegenen Landesteilen, dort stört sich aber niemand an Wildcampern. In der Steppe ist das Campieren aufgrund des Windes allerdings häufig unmöglich, auch Wasser ist hier ein Problem. Treffpunkt für Trekker und (deutschsprachiger) Problemlöser bei Fragen jeglicher Art in Punta Arenas ist das B & B Hospedaje Maggallanes: www.aonikenk.com.
 
Der Perito-Moreno-Gletscher im Nationalpark Los Glaciares zählt zu den größten Touristenattraktionen Argentiniens. | Foto: Ralf Gantzhorn
Der Perito-Moreno-Gletscher im Nationalpark Los Glaciares zählt zu den größten Touristenattraktionen Argentiniens. | Foto: Ralf Gantzhorn

WISSENSWERT

Essen und Trinken: Egal wie man unterwegs ist – Proviant für mehrere Tage gehört entweder in den Rucksack oder ins Auto. Achtung beim Übertreten der Grenze (vor allem von Argentinien nach Chile): Das Einführen frischer Lebensmittel (Milch- und Fleisch­produkte, Obst) ist nicht erlaubt und wird streng geahndet. Wasser ist beim Wandern in der Kordillere stets reichlich und in guter Qualität vorhanden. In der Steppe umgekehrt, also immer einige Liter im Kofferraum dabei haben.
Karten: Karten über die Trekkingtouren am Fitzroy oder in den Torres del Paine sind vor Ort (El Chaltén, Puerto Natales) an jedem Kiosk erhältlich. Straßen­karten erhält man an den Tankstellen.  
Literatur: Rother Wanderführer: Patagonien und Feuerland, Ralf Gantzhorn u. Thomas Wilken, 272 S. mit 50 Wanderkärtchen, 3. Auflage 2016, 19,90 €.
Öffnungszeiten: In der Regel Montag-Samstag 10-20 Uhr; Banken 9-17 Uhr. Viele kleine Läden haben aber wesentlich längere Öffnungszeiten. Große Supermärkte auch Sonntags geöffnet.
Sprache/Verständigung: Spanisch mit dem jeweiligen Lokalkolorit. In den Touristenzentren wird Englisch gesprochen, außerhalb eher nicht. 
Zahlungsmittel: US-Dollar lassen sich überall in die lokale Währung (Pesos Argentinos und Pesos Chilenos) tauschen. Kreditkarten nur in größeren Ortschaften und im Supermarkt.
Sicherheit: Patagonien gilt als sichere Reiseregion. In größeren Orten wie Punta Arenas oder Calafate sollte man dennoch vor Langfingern auf der Hut sein.
Elektrizität: 230V Spannung, also geeignet für alle gängigen Ladegeräte; Steckdosenadapter notwendig. 
 
 
Globetrotter Magazin Info - Wandern

So weit die Füße tragen – die schönsten Hikes in Patagonien 

Ein Roadtrip mit dem Auto ist das eine, die atemberaubenden Landschaften Patagoniens zu Fuß zu erkunden das andere. Diese Wanderungen empfiehlt Autor und Patagonien-Profi Ralf Gantzhorn.

Nationalpark Los Glaciares / El Chalten
 
Auf den Loma del Pliegue Tumbado
Dauer: 7 Stunden | Höhendifferenz: 1100 Meter | Schwierigkeit: mittel
Bei gutem Wetter ist dieser Bergrücken die Königsloge für Ausblicke auf Cerro Torre und Fitzroy. Hinter dem Haus der Nationalparkverwaltung (in dem sich auch ein sehenswertes kleines Museum befindet) beginnt ein markierter Wanderweg, der zur Laguna Toro und auf den Loma del Pliegue Tumbado führt. Nach ca. 1,5 h teilt sich der Weg, hier rechts halten und so weit gehen wie Kondition und Wind es zulassen.
 
Auf den Lomo del Diablo
Dauer: 7 Stunden | Höhendifferenz: 1250 Höhenmeter | Schwierigkeit: mittel
Ein weiterer Aussichtsberg, dieses Mal jedoch auf Privatgelände, von dem der Fitzroy aussieht wie eine riesige Rakete. Ausgangspunkt ist das Reserva Los Huemules an der Strasse zwischen El Chalten und dem Lago del Desierto. Von dort wandert man zunächst durch Wald und später einem schottrigen Bergrücken bis zum Gipfel. Bei starkem Wind ist die Tour unmöglich. Hinweg wie Rückweg. Vor Beginn der Tour muss man sich anmelden!
 
Zu den Basislagern von Fitz Roy und Cerro Torre
Dauer: 5-7 Tage | Distanz: 60 km | Schwierigkeit: einfach
Fitz Roy und Cerro Torre sind die Symbolberge Patagoniens und auf dieser Tour erlebt man sie von ihrer schönsten Seite. Zunächst geht es von Chaltén zur Laguna Torre, wo sich der Cerro Torre spiegelt. In der Laguna de los 3, einem See oberhalb des nächsten Camps, ist es der FitzRoy. Und zum Abschluß wechselt man auf die Nordseite des Massivs, von wo man vom Paso del Cuadrado auf beide Granitriesen blickt. Ausser Trittsicherheit und einem Zelt benötigt man lediglich gutes Wetter.
 
Rund um den Cerro Torre
Dauer: 6–10 Tage | Distanz: 100 km | Schwierigkeit: schwer
Die »Vuelta« gehört zu den schwierigsten, aber auch spektakulärsten Trekkingtouren unseres Planeten. Im Mittelpunkt steht die wie mit Schlagsahne gekrönte Granitsäule des Cerro Torre, für viele der schönste Berg der Welt. Eine selbstständige Umrundung kommt nur für erfahrene Alpinisten mit Gletscherfahrung in Frage, ansonsten sollte man sich an einen der in Chaltén ansässigen Bergführer wenden. Eine gewisse Portion Stoizismus zum Aussitzen von Schlechtwetter ist Vorrausetzung zum Gelingen der Tour.
 
Nationalpark Torres del Paine
 
Zur Laguna Torres 
Dauer: 2 Tage | Distanz: 16 km, 900 Höhenmeter | Schwierigkeit: einfach
Pflichtausflug innerhalb des Nationalparks Torres del Paine ist die Wanderung zu einer Lagune unterhalb der drei namengebenden Türme. Man kann dies als Tagestour schaffen. Sinnvoller ist es jedoch von der Hosteria Las Torres (großer Parkplatz) in rund 4 bis 5 Stunden zum Campamento Torres aufzusteigen und dort zu übernachten. Zum Sonnenaufgang steigt man dann zur Laguna Torres und hofft auf gutes Licht. Nach dem zweiten Frühstück am Zelt geht es auf gleichem Weg zurück zum Ausgangspunkt.
 
In die Sierra del Toro/Laguna Verde
Dauer: Tagestour| Distanz: nach Lust und Laune | Schwierigkeit: einfach 
Den vielleicht schönsten Start einer Patagonienreise kann man an der Laguna Verge erleben. Der See liegt den Torres del Paine vorgelagert und ist (es sei denn man läuft zu Fuß in 5 Stunden von der Puente Weber rein) nur mit dem eigenen Fahrzeug zu erreichen. Dazu biegt man auf der Straße von Cerro Castillo in die Torres del Paine kurz vor Erreichen des Lago Sarmiento links (nach Westen) ab (Wegweiser Estancia Lazlo). Am Ende der Straße, vorbei an der Gäste-Estancia, befindet sich direkt am See ein freier Zeltplatz. Von dort führen Pfadspuren in die südlich gelegene Sierra del Toro.  Wie weit man geht hängt von Lust, Laune und dem Wind ab. Die Aussicht auf die gegenüber liegenden Berge ist in jedem Fall grandios. Trittsicherheit und Orientierungsvermögen (kein Weg!!!) sind Voraussetzung!
 
Unfassbare Landschaft in unendlichen Facetten. | Foto: Ralf Gantzhorn
Unfassbare Landschaft in unendlichen Facetten. | Foto: Ralf Gantzhorn
Rund um die Torres del Paine
Dauer: 7–9 Tage | Distanz: 130 km | Schwierigkeit: mittel
Der »Circuito« führt ein Mal entgegen dem Uhrzeigersinn rund um das gesamte Massif der Torres del Paine. Er gilt als schönster Trek Patagoniens. Schwierigster Abschnitt ist der Abstieg vom Paso John Garner, der bei Regen zu einer Rutschpartie von Baum zu Baum mutiert. Trotz der mittlerweile vorhandenen Hütten ist die Mitnahme eines Zeltes Pflicht. 
 
Das »W« in den Torres del Paine
Dauer: 5–6 Tage | Distanz: 76 km | Schwierigkeit: mittel
Die Kurzform des »Circuito«, für Trekker mit nicht ganz soviel Zeit. Und wer sich rechtzeitig auf den Refugios anmeldet, kann die Tour auch als Wanderung von Hütte zu Hütte durchführen. Im Mittelpunkt stehen die drei von Süden in die Berge führenden Täler, die jeweils im Rahmen eines Tagesausflugs erkundet werden. Am ersten Tag besucht man den Glaciar Grey, am zweiten das Valle Frances und am dritten den Aussichtspunkt direkt zu Füßen der Torres del Paine im Valle Ascencio.
 
Tipp: So leid es mir für Spätaufsteher tut, aber nahezu sämtliche Berge Patagoniens zeigen sich von Ihrer schönsten Seite bei Sonnenaufgang. Logisch, befinden sich doch sämtliche Treks und Wanderungen östlich von Cerro Torre oder Fitzroy. Die schönsten Stimmungen erlebt man an der Laguna Torre (Cerro Torre) bzw. der Laguna de los 3 (Fitzroy).