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Workshop: Digitalfotografie auf Tour

Lars Schneiders Fototipps auf 4-Seasons.de
Foto: Lars Schneider
Heute haben fast alle Globetrotter eine digitale Kamera dabei. Mit ihr wird jeder ein besserer Fotograf, da man die Ergebnisse sofort auf dem Bildschirm betrachten und notfalls gleich korrigieren kann. Wem trotzdem noch die Zuschauer beim »Beamer-Abend« einschlafen, sollte sich Rat vom Profi holen. 12 Fragen an Lars Schneider.

Gleich die Gretchenfrage: Spiegelreflex- oder Sucherkamera?

Eine Frage, die man sich kaum stellen muss, wenn man professionelle Ergebnisse will. Zwar gibt es einige passable Sucherkameras, aber allein durch den größeren Durchmesser von Optik und Sensor ist die Bildqualität bei Spiegelreflexkameras generell um ein Vielfaches besser. Außerdem ist das Zubehörangebot größer. Es gibt Blitzgeräte, Wechselobjektive, Fernauslöser, Filter – alles Dinge, die man als Fotograf früher oder später braucht. Nur das Gewicht spricht für Sucherkameras. Wer also nur »Knipsen« will, dem reicht auch eine gute Kompaktkamera.  

 
Ob »Running« in der Lüneburger Heide ...

Womit fotografierst du konkret?

Ich arbeite mit einer Canon 1 Ds Mark III, einer Canon 5 D und folgenden Objektiven: Fisheye, 16-35 mm, 24-105 mm, 100-400 mm und einem 100 mm-Makro-Objektiv. Dazu kommen das Canon Blitzgerät 580 EXII und ein portabler Studioblitz, zwei Stative und ein Unterwassergehäuse, Intervallauslöser, Aufheller und manch andere Kleinigkeit. Wenn ich überwiegend Landschaften fotografiere, nehme ich noch eine analoge Mittelformatkamera mit zwei Objektiven mit.

 
... oder »Rumhanging« im Yosemite – Schneider deckt alle Outdoor-Aspekte ab. | Foto: Lars Schneider

Geht es auch eine Nummer kleiner?

Es muss. Es wäre Wahnsinn, all diese Dinge immer dabei zu haben. Zwar habe ich durch eine umfangreiche Fotoausrüstung schon oft 30 Kilogramm schwere Rucksäcke zehn Tage durch die Wildnis geschleppt, aber das ist nicht optimal. Dann wird das Wandern zur Qual, was sich auch auf die Fotoausbeute niederschlagen kann, da man nicht mehr so mobil bei der Standortwahl ist. Am besten überlegt man sich vor der jeweiligen Tour genau, welche Situationen auftreten können und was man fotografieren möchte, und nimmt dann vielleicht nur ein Kameragehäuse und ein, zwei Objektive mit.

 

Welches Zubehör hilft mir auf meinem Weg zum besonderen Bild?

Eine Kamera ist nur so gut wie die Objektive davor. Hier bloß nicht sparen, sonst fehlen im schlimmsten Fall allen Bildern Brillanz und Schärfe – und alle Arbeit war vergebens. Wichtigstes Zubehör ist darüber hinaus ein Stativ, um für Landschaftsmotive mit Bedacht den richtigen Bildausschnitt zu finden. Auch ermöglicht es mir längere Belichtungszeiten, was Effekte wie »fließendes« Wasser und Aufnahmen von erleuchteten Zelten oder Menschen mit Stirnlampen überhaupt erst möglich macht.

 

Als Globetrotter setzt man sich zwar gern den Elementen aus, nicht aber seine Kamera. Wie schützt du diese vor äußeren Einflüssen?

Alles wird wasserdicht verpackt, egal ob auf Kajaktour oder bei einer Wanderung. Denn wasserdicht heißt auch staubdicht, und der Staub ist oft ein viel größeres Problem. Beim Objektivwechsel gelangt dieser oft ins Gehäuse und »langhubige« Tele-Zooms wirbeln ihn dann durch ihren Luftpumpeneffekt auf den Sensor – was zu unschönen Flecken im Bild führt. Beim Paddeln und Wandern nutze ich wasserdichte Beutel und Fototaschen von Ortlieb. Vor der Brust und in das Tragesystem des Rucksacks integriert, verwende ich eine große LowePro-Tasche, in die die Kamera und zwei Objektive sowie meine Speicherkarten passen.

 

Was macht der Wanderer, der im Outback von Hütte zu Hütte wandert, wenn sei Akku leer und der Speicherchip voll ist?

»Gute und authentische Bilder bekommt man nur, wenn man sich mit dem Thema auskennt.« | Foto: Lars Schneider

Für Touren bis zu zwei Wochen Länge hat mir die Kapazität von zwei großen Akkus bisher ausgereicht. Damit kann man über 4000 Bilder aufnehmen, und das sollte normalerweise ausreichend sein. Das Display wenig zu nutzen und bei Aufnahmen vom Stativ manuell scharf zu stellen, um den Strom für den Autofokus zu sparen, hilft ebenfalls. Was die Speicherkarten angeht, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man nimmt tatsächlich ausreichend Karten mit, was bei den heutigen Preisen machbar ist, oder man besorgt sich eine portable Festplatte mit einem Kartenslot für Speicherkarten, die Daten direkt von den Karten liest. Bei einer Kapazität von 80 oder 120 GB kann man da schon sehr viel fotografieren, muss aber auch daran denken, genügend Batterien für die Festplatte dabei zu haben. Auf Expeditionen, die deutlich länger dauern als zwei Wochen, werden Akkus oft über Solarpanels aufgeladen.

 

Du fotografierst sämtliche Outdoor-Disziplinen. Welche ist dir die liebste?

Die Themen Seekajak und Kanuwandern gefallen mir persönlich sehr gut. Zum einen, weil man auf dem Wasser Orte erreicht, an die keine Straße und kein Weg führen, zum anderen, weil das anfangs beschriebene Transportproblem nicht besteht. Neben einer umfangreichen Fotoausrüstung passt sogar noch eine Flasche Wein in die Bootsspitze! Die Themen Running und  Skifahren fotografiere ich ebenfalls sehr gern, weil dort die Action stimmt. Einsteigern würde ich genau die Disziplin empfehlen, die sie selbst am liebsten und häufigsten ausüben. Denn gute und authentische Bilder bekommt man nur, wenn man sich mit dem Thema auskennt. Da weiß man, wie das Paddel richtig gehalten wird, wie die Wanderstiefel korrekt geschnürt werden oder der Rucksack richtig sitzt.

 

Welche Zutaten braucht ein perfektes Foto?

Wilde Natur, dramatisches Wetter und einen guten Akteur, der weiß, was er tut. Dazu bis ins Detail authentische Ausrüstung, die auch optisch ins Bild passt. Und in den Augen des Models den Ausdruck von Glück, Erschöpfung und/oder Entschlossenheit.

 

Mit welchen einfachen Grundregeln kann auch Klein-Otto jedes Bild verbessern?

Mit dem Kajak verlässt Schneider ausgetretene Fotografenpfade und setzt Neuland gekonnt in Szene. | Foto: Lars Schneider

Outdoor-Fotos bedürfen einer guten Planung, bevor man nach draußen geht. Es ist wichtig, zu überlegen, welche Situationen man fotografieren will, um eine Tour oder ein bestimmtes Produkt gut rüberzubringen. Nah dran sein und ungewöhnliche Bildausschnitte finden, sind dann die nächsten Schritte. Der kleine Mensch vor großer Landschaft ist zwar beliebt, auf Dauer aber langweilig. Alle Leute, die auf den Bildern auftauchen, sollten sich möglichst in kräftigen Farben kleiden, auch Zelte, Rucksäcke oder Kajaks gehen in der Natur völlig unter, wenn sie grau, schwarz oder dunkelblau sind.

 

Wie motiviere ich meine Akteure vor der Kamera?

Nichts ist schlimmer, als Freunde mit dem Fotografieren zu nerven. Dann gibt es weder gute Bilder noch gute Stimmung. Immer vorher über Fotowünsche sprechen, und die »Models« mit Schokolade, einer kostenlosen Anreise o. ä. entlohnen. Eine CD mit den schönsten Fotos sollte nach der Reise selbstverständlich sein. Damit schafft man auch eine gute Grundlage für die nächste gemeinsame Tour.

 

Was muss ich tun, um meine Bilder in einem Magazin wie 4-Seasons gedruckt zu sehen?

Wenn man ein gutes Thema gut fotografiert hat und es dazu noch einen guten Text gibt, der über das Niveau eines Schulaufsatzes hinausgeht, beginnt das Klinkenputzen bei den Redaktionen. Aber: Ohne motivierte freie Mitarbeiter könnte kein Magazin und keine Zeitung bestehen, weshalb die Chancen generell nicht schlecht stehen, gute Arbeit auch veröffentlicht zu bekommen.

 

Sehnt sich nicht auch der engagierteste Outdoor-Fotograf mal nach einem Hotelbett?

Das kommt schon mal vor. Doch spätestens nach einer Nacht sehne ich mich wieder nach der Isomatte. Denn was gibt es Schöneres, als sein Zelt in völliger Einsamkeit aufzubauen und nach dem letzten Foto den Sternen zuzusehen, wie sie langsam am Himmel auftauchen.

 

4-Seasons Info
 

Mehr von Lars Schneider

 

Der Hamburger »Jung« ist einer der meistgebuchten Outdoor-Fotografen Europas. Aktuelle Arbeitsprobe ist der Globetrotter-Katalog Winter Spezial 08/09. Wer nun aber glaubt, dass Outdoor-Fotograf der Traumjob schlechthin sei, dem sei gesagt, dass etwa Lars‘ letzter drei-monatiger Kalifornientrip genau zwei freie Tage beinhaltete, der Rest war mit Locationsuche, Shootings und mehrtägigen Wanderungen gut gefüllt. Von Lars Schneider sind Reiseführer, Kalender und Bildbände erschienen, auch in Zeitschriften sind seine Reportagen gern gesehen. Sein jüngstes Werk heißt »Kajakträume – Genusstouren rund um die Welt« und ist bei Globetrotter erhältlich.

Wer selbst mal in einem solchen Bildband groß rauskommen will, kann sich bei Lars Schneider melden. Der Fotograf ist ständig auf der Suche nach engagierten Outdoor-Models. Einfach eine E-Mail mit zwei Bildern (Portrait und Ganzkörper) und der Angabe von Konfektionsgröße sowie besonderen Fähigkeiten (Feuerspeien, Klettern im 10. Grad, Weltmeister im Dauerkopfstand) an lars[et]outdoor-visions.com schicken. Unter www.outdoor-visions.com gibt es auch eine Übersicht des Schneiderschen Schaffens.

 
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