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Wilderness International: Vom Schüler zum Umweltbotschafter

Foto: Reinhard Mink
Zehn deutsche Schüler sind im vergangenen Jahr nach Kanada gereist, um die letzten Urwälder zu erkunden und die Cowichan-Indianer kennenzulernen. Wieder daheim setzen sie sich nun für den Erhalt der bedrohten Natur und Kultur ein. Initiator ist die Dresdner Stiftung Wilderness International.
Unser Freund, der Baum. | Foto: Sami Fayed

Das Klassenzimmer hat sich verändert: Zehn Jugendliche ­sitzen mit Angehörigen des Cowichan-Stamms in der ­kanadischen Wildnis. Ein Campingtisch ersetzt die Pulte, ein Tarp das Schuldach. So sieht das aus, wenn der Cowichan-­Indianer Qwustenuxum eine Lehrstunde in Sachen Fisch gibt.

Er schlitzt das Tier an der Bauchseite auf, hackt Schwanzflosse und Kopf ab. Die Schüler stehen im Halbkreis herum und sehen aufmerksam zu, denn sie sollen später selbst Fische ausnehmen. Plötzlich hält Qwustenuxum inne – und sagt mit sanfter Stimme: »Denkt daran, wir bedanken uns immer bei der Natur.«

Zwei Wochen haben die Schüler von Gymnasien aus Sachsen und Hessen in Barkley Sound verbracht, einer Bucht auf Vancouver Island, um dort eine Menge über die Natur und die Kultur der ­Indianer zu ­lernen. Zu diesem lehrreichen Abenteuer sind sie über die Dresdner Stiftung Wilderness International gekommen. Die Organisation kauft seit 2008 Waldflächen in Westkanada, um sie vor dem Zugriff der Holzkonzerne zu bewahren. »Bisher gehören uns das – wie die Indianer sagen – Land der Adler und das Land der Wölfe an der Nordwestküste«, berichtet Kai Andersch, einer der Gründer und Vorstandsvorsitzende von Wilderness International. Insgesamt sind es fast zwei Quadratkilometer. Doch die Zeit drängt. Auf Vancouver Island zum Beispiel sind nur noch zwei Prozent der Fläche mit Urwäldern bewachsen. Kai: »Als ­Nächstes möchten wir das Land im Tal der Grizzlys kaufen.« Die ­Waldkäufe finanziert Wilderness International großteils durch Sponsoren, ­genauer: durch den Verkauf von Waldpatenschaften. Für 50 Euro können Spender eine Patenschaft für 64 Quadratmeter geschützten Wald erwerben, deren Geokoordinaten auf der ­Urkunde und im Internet vermerkt werden.

Die Schüler konnten die Bedrohung des Paradieses hören, als sie den ­Koksilah Forest besuchten. Während sie ihre Schlafsäcke auf Moosflächen ausbreiteten, dröhnten im Hintergrund die Motor­sägen. Nur nachts war es still. Ehrfürchtig leuchteten die Jugendlichen mit den Taschenlampen die Stämme der über 1000 Jahre alten Bäume hinauf. »Wir haben uns so klein und unbedeutend gefühlt«, erinnert sich Jenin Ziemens vom Gymnasium Dresden-Bühlau. »Gleichzeitig wurde uns bewusst, was für große Schäden wir Menschen anrichten, wenn wir die Bäume zerstören.«

Wie bei Schätzing: das faszinierende »blaue Leuchten«. | Foto: Sami Fayed

Einmal jährlich schickt Wilderness International deutsche
Kids auf Wildnisexpedition nach Kanada. Sinn und Zweck der ­Sache: Die Schüler sollen nach ihrer Rückkehr deutsche Kinder und ­Jugendliche für den Naturschutz sensibilisieren, als sogenannte Umweltbotschafter. Dazu gehört es, dass sie Wander­­aus­stellungen organisieren, durch die sie Mitschüler führen. Mit ­ihren persönlichen Erlebnissen sowie Fotos und Videos be­ein-drucken sie die Gleichaltrigen mehr als jede Biologiestunde.

Die Umweltbotschafter sind jedoch nicht die einzigen Kinder und Jugendlichen, die sich hierzulande für den Erhalt der kanadischen Wälder einsetzen. Einmal jährlich organisiert ­Wilderness International in acht deutschen Städten sogenannte ­Wildnisläufe, an denen rund 70 Schulen teilnehmen. Die Schüler ­suchen zuerst Sponsoren, die einen vereinbarten Betrag pro ­gelaufener Runde spenden. Jeder Schüler, der mehr als 50 Euro erläuft, erhält eine Patenfläche. Zehn Wildnisläufe finden pro Jahr statt. Mit den knapp 100 000 absolvierten Kilometern ­konnten die Schüler schon 889 088 Quadratmeter ­Regenwald schützen – das sind 13 892 Klassenzimmer à 64 Quadratmeter.

Globetrotter unterstützt die Aktion

Laufen können viele Schüler, nach Kanada reisen immer nur ein knappes Dutzend. Wer zu den Cowichan-Indianern möchte, muss sich bewerben. Interessierte Neunt- bis Elftklässler stellen dabei ein Projekt vor, mit dem sie die Natur und Kultur in Kanada erforschen und schützen möchten. »Wichtig ist, dass sie im Inneren für die Sache brennen«, sagt Kai.

Bildergalerie: Wilderness International

Seit Jahren unterstützt Globetrotter Ausrüstung die Aktionen mit Equipment und sponsert Stipendien für zwei bis vier Umwelt­botschafter. Den Grundstein der Verbindung legte Kai vor rund 20 Jahren, als er sich für eine Kanadareise ausrüstete. ­Dabei traf er auf Klaus Weichbrodt, damals Filialleiter in Dresden, jetzt ­Filialchef in Köln. Klaus war gerade aus Kanada zurück­gekehrt, so kamen sie ins Gespräch – und pflegen den Kontakt bis heute: »Kai macht alles mit solch einem Engagement«, sagt Klaus, »er kämpft für die Wildnis und vermittelt das an die Schulklassen.«

Schau Anton, so zerlegt man einen Fisch. | Foto: Reinhard Mink

Auch die Begeisterung der Schüler hält an. Rund 20-mal schon haben die zehn Kanada-Reisenden seit ihrer Rückkehr Ausstellungen aufgebaut und Vorträge gehalten. Dabei haben sie von den Bäumen, den Langkanus und den Morgengesängen der Indianer erzählt. Momentan arbeiten sie an einem Kochbuch in deutscher und englischer Sprache. Unter den Zutaten finden sich Brenn­nesseln und in Algen eingelegter Fisch nach Cowichan-Art. »Wir hatten so eine schöne Zeit in Kanada und bei den Indianern«, sagt Theresa vom Gymnasium Dresden-Klotzsche. »Mit den Ausstellungen und dem Kochbuch möchten wir etwas zurückgeben.«

Drei Umweltbotschafter erzählen:

Ich wollte unbedingt Wale sehen – aber das erste Mal war ich zu früh, das zweite Mal zu spät auf dem Wasser. Mit dem Indianer Harold Joe, von dem ich auch das Schnitzen gelernt habe, bin ich dann weiter rausgepaddelt. Wir saßen im Kanu, als 200 Meter entfernt ein Buckelwal prustend nach oben kam. Er tauchte wieder unter und atmete 20 Meter vor uns noch einmal aus. Das war aufregend!
Es stimmt sicherlich, dass Wale freundliche Riesen sind – aber sie sind eben riesig!
 Egon Höfgen (18), Lößnitzgymnasium Radebeul

 

 

Seitdem ich »Der Schwarm« von Frank Schätzing gelesen habe,
bin ich fasziniert von dem blauen Leuchten tief unten im Meer;
das wollte ich unbedingt mal in echt sehen! In der zweiten Nacht in Kanada haben wir dann Steine ins Wasser geworfen – und plötzlich leuchtete es auf! Ich bin sofort ins Wasser gerannt und inmitten von Tausenden grün glitzernden Pailletten geschwommen. Die Indianer sagen, das passiert nur bei bestimmten Wassertemperaturen und beim richtigen Mondstand. Nach dem Abi möchte ich Biomedizinische Chemie studieren – um weiterzuforschen.
 Theresa Naacke (18), Gymnasium Dresden-Klotzsche

 

 

Wilderness International sucht Umweltbotschafter für Kanada – als ich das gelesen habe, verspürte ich pure Abenteuerlust. Dort konnte ich Urwälder schützen! Am meisten hat mich ein Besuch bei einer First-Nations-Familie beeindruckt. Sie sind sehr vorsichtig, ihre
Rituale nach außen zu zeigen. Mit uns aber haben sie Trommeln gebaut, und am Morgen weckten sie uns mit traditionellen Gesängen. Sie haben uns den respektvollen Umgang untereinander gelehrt, mit der Natur und den Tieren. Ich bin wirklich stolz darauf, Umweltbotschafterin zu sein.  

Jenin Ziemens (16), Gymnasium Dresden-Bühlau
 

4-Seasons Info

Ein Totempfahl für Köln! Und Schnitzkurse für die Kunden

Harold Joe vom Indianervolk der ­Cowichan kommt zur Globetrotter-
Filiale Köln, um dort einen Totempfahl aus einem mehr als hundertjährigen Baum zu schnitzen.

Am 23.8. um 11 Uhr legt er erstmals die Säge an. Der fertige Pfahl wird dann am 5.10. um 15 Uhr feierlich aufgestellt, begleitet von Tanz und Gesang der Cowichans; dazu sind selbstverständlich alle Kunden willkommen. Danach wird der Totempfahl vor der Kölner Filiale stehen. Außerdem veranstaltet Globetrotter Köln Schnitzworkshops: am 28.8. (12 – 13.30 Uhr) für Kinder von 10 bis 13 Jahren und am 3.9. (11 – 12.30) Uhr für Kinder von 14 bis 17 Jahren. Teilnahme­gebühr: 5 Euro. Schnitzworkshops für GlobetrotterCard-Inhaber: am 31.8. und 21.9. (jeweils 13 – 15.30 Uhr). Anmeldung am Infopoint der Filiale.

-> Wildnispate werden und den Regenwald retten: www.wilderness-international.org.
 

 
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