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Wiener Großstadt-Dschungel

Foto: Projekt »Wiener Wildnis«
Wien hat 1,7 Millionen Einwohner. Stimmt nicht! Es sind viele, viele mehr: Dachse, Rehe, Falken, Krebse, Reiher … Einige Fotografen haben sich auf die Pirsch gemacht und zeigen die wilden Seiten von Österreichs Hauptstadt.
Die Eltern von »Wiener Wildnis«: G. Popp und V. Popp-Hackner. | Foto: Projekt »Wiener Wildnis«

Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen? Haben Sie das schon erlebt? Wenn Füchse aus ihrem Bau schleichen und in Gärten Mäuse fangen? Wenn Rehe zwischen ­Gräbern äsen und Fledermäuse durch die Gassen jagen? Nachts sind dem Fotografen Georg Popp mit die besten Bilder gelungen. »Ich arbeite oft mit Lichtfallen, die von einer Infrarotschranke ausgelöst werden und die ich zum Beispiel vor einem Fuchsbau aufstelle«, erklärt der 45-Jährige. Dass er dafür eine Nikon D800 über Nacht auf einer öffentlichen Grünfläche zurücklassen muss – Berufsrisiko.

Vor einem Jahr erkannten Georg Popp und seine Frau Verena Popp-Hackner (43), die seit 20 Jahren als Landschaftsfotografen arbeiten, wie nah die Wildnis ist. »Wir wohnen am Stadtrand von Wien und bekommen oft Besuch von Füchsen.« So entstanden erste ­Bilder von Reineke auf der Terrasse. »Es gibt vereinzelte Fotos etwa von Wildschweinen in Berlin. Umfassend wurde das Thema Wildtiere in der Großstadt aber noch nicht umgesetzt«, sagt Popp. Er und seine Frau riefen die Multimedia-Initiative ­»Wiener Wildnis« ins ­Leben, die auf Facebook laufend ihre ­Tier­­begegnungen postet. Dabei geht es um einen möglichst scharfen Kontrast ­zwischen Wildlife und City. Popp: »Wenn bei einem ­Tierfoto nicht ­wenigstens ein Laternenpfahl im Hintergrund steht, taugt es mir nicht.«

 

Mit einem Grünflächenanteil von 50 Prozent ist Wien eine der grüns­ten Millionenstädte der Welt. Westlich grenzt das Mittel­gebirge Wienerwald an, im Osten der Nationalpark Donau-Auen. Andererseits wuchern die Wohngebiete und treibt die industrielle Landwirtschaft immer mehr Tiere in die Städte, wo das Nahrungs­angebot ganzjährig hoch ist und keine Pestizide eingesetzt ­werden. »Die geschätzt 4000 Wiener Stadtfüchse leben länger und vermehren sich besser als ihre ­Artgenossen auf dem Land«, sagt Popp. »Und Stadtbienen geben mehr Honig.«

Am Zentralfriedhof ist Winterstimmung. | Foto: Projekt »Wiener Wildnis«
Am Zentralfriedhof ist Winterstimmung. | Foto: Projekt »Wiener Wildnis«

Mittlerweile arbeiten für »Wiener Wildnis« auch die Fotografen ­Thomas Haider, Christine Sonvilla und Marc Graf sowie der Koordinator Michael Ganzwohl. Sie veranstalten urbane Fotosafaris, ­drehen Filme, halten Vorträge und bieten Schulstunden an. Ihre Arbeit soll auch der Aufklärung dienen, sagt Popp: »Wenn ich ­Ratten an weggeworfenen Pommes fotografiere, hat das für mich nichts Negatives – im Gegenteil, sie fressen unseren Müll weg. ­Vorurteile gegen Ratten stammen ja noch aus der Zeit der Pest.«

Von tierfreundlichen Bürgern erhält Popp häufig Tipps, wo eine spannende Spezies gesichtet wurde. Gibt es eine Tierart, die er noch nicht vor die Linse bekommen hat? Oder eine Szenerie? »Mir ist noch kein ­Wildschwein begegnet, weil ­sie nur bei schlechtem Nahrungsangebot in die Städte kommen. Und den Stephansdom haben wir noch nicht richtig im Bild. Also eine ­Bache mit ihren Frischlingen direkt vorm Steffl – das wär’s.«

Bildergalerie: »Wiener Wildnis«

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