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Weltwärts: Auf dem Jakobsweg gen Mexiko

Foto: Kara-Jane Schupfer
Im September geht Kara-Jane Schupfer aus Trier für ein freiwilliges soziales Jahr nach Mexiko. Doch vorher wanderte sie 39 Tage auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela um Spenden für ihre Entsendeorganisation zu sammeln. Zwar kam dabei kein so hoher Betrag wie erhofft zusammen, doch dafür lief der jungen Deutschen ein neuer Job über den Weg ...

Die letzten Kilometer tun weh. Sehr weh. Offene Blasen an den Füßen, heißer Sandstrand, lange Etappen und große Hitze bringen Kara-Jane an den Rand der Verzweiflung. Doch die junge Frau hat sich diese Strapazen selbst ausgesucht. Knapp 800 Kilometer ist sie in den letzten Wochen auf dem Camino de Santiago in Nordspanien marschiert – von Barcelona bis Fisterra. Und eben die letzten 100 Kilometer nach Fisterra werden zur Qual, denn gedanklich hatte Kara-Jane ihre Pilgerung schon in Santiago de Compostela beendet.

Ganze zwei Regentage musste Kara-Jane überstehen, bei 42 Wandertagen insgesamt kein schlechter Schnitt. | Foto: Kara-Jane Schupfer

Doch am Ende der Reise wird sich Kara-Jane vor allem an all die schönen Dinge erinnern: an das traumhafte Wanderwetter, die netten Albergues (so heißen die Herbergen für Pilgerer), an ihre Lieblingsorte Burgos und Villafranca del Bierzo, vor allem aber an die Begegnungen mit den Menschen. »Vom ersten Tag an wurde ich überall so herzlich aufgenommen, wie es nur ging. Nie habe ich ein solches Gemeinschaftsgefühl empfunden – ungeachtet des Alters, Bildungsgrades oder der sozialen Stellung. Ich habe echte Freunde gefunden unter Rentnern, Arbeitslosen, Hospitaleros, Studenten und Reisenden.«

 

Die Trias des Jakobsweges

Genug Zeit, um über das Leben zu sinnieren und Menschen kennen zu lernen, hat man auf dem Jakobsweg. In Burgos, einer Großstadt mit Kleinstadt-Charme in der autonomen Gemeinschaft Kastilien-León, erfuhr Kara-Jane von der Dreiteilung des Camino de Santiago: Bis Burgos sei es der Weg des Körpers, von Burgos nach Leon der des Geistes und von Leon nach Santiago der Abschnitt für die Seele.

Und diese Einschätzung sollte sich bewahrheiten. Bis Burgos lernte Kara-Jane, ihren Körper gut zu behandeln: Als erstes schickte sie zwei Kilogramm überschüssiges Gepäck zurück nach Deutschland und schnell gewöhnte sie sich an, sich jeden Morgen Zeit für die Fußpflege zu nehmen. Die eintönigen 200 Kilometer »Weg für den Geist« verbrachte Kara-Jane allein mit ihren Gedanken – und schließlich ihrem MP3-Player. Und pünktlich als sie die Berge von Leon am Horizont erblickte, war Kara-Jane soweit, ihrer Seele freien Lauf zu lassen.

Bevor's nach Mexiko geht, wird noch schnell der Jakobsweg unter die Sohlen genommen – na wenigstens spricht man da auch Spanisch. | Foto: Kara-Jane Schupfer
Für Kara-Jane ist der Jakobsweg eine Kurzfassung des richtigen Lebens:

  • Am Anfang scheint das Ziel unerreichbar weit weg, doch jeden Tag kommt man ihm ein Stück näher. Irgendwann will man gar nicht mehr ankommen und das Ziel scheint wie der Tod in weiter Ferne, dem man sich irgendwann stellen muss.
  • Man kommt an viele Wegeskreuzungen und muss sich für eine Richtung entscheiden.
  • Man weiß nicht, wo man am Ende des Tages landet, also hört man irgendwann auf zu planen.
 

Auf nach Cornwall!

An der Grenze zu Galizien. | Foto: Kara-Jane Schupfer

Auch war es nicht geplant, nach dem Jakobsweg sofort wieder die Koffer zu packen und weiterzuziehen. Nach der langen Wanderung wollte Kara-Jane sich eigentlich bis zum großen Mexiko-Abenteuer in der Heimat erholen. Doch wie so oft kam es anders. Auf dem Jakobsweg bekam sie das Angebot, in England am »Eden Project« als Freiwillige mitzuarbeiten. Und so ist Kara-Jane also jetzt in Cornwall und betreut das »Great Day Out Programme«, das jungen Obdachlosen, Straffälligen und Abhängigen einen kostenlosen Tagesausflug und eine gute Zeit ermöglicht.

Und auch dort ist Kara-Jane weiterhin auf Spendensuche: am 20. August veranstaltet sie in Cornwall eine Fundraising Party im mexikanischen Stil – mit südamerikanischem Essen, Spielen, Wettbewerben und einem Salsa-Lehrer.

 
4-Seasons Info

Weltwärts, nach Mexiko!

Kara-Jane Schupfer ist 23 Jahre alt und kommt aus Trier. Bis Ende Juni war sie auf dem Jakobsweg unterwegs um Spenden für ihre »weltwärts«-Entsendeorganisation »Internationale Jugendgemeinschaftsdienste« zu sammeln. Auf Ihrem Blog www.mariachi-sun.webs.com informiert sie über ihr aktuelles Eden-Project und die Vorbereitungen für den Freiwilligendienst in Mexiko.

 

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