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Weltumradlung: Rückenwind fürs Leben

Erwischt! Die Weltumradler ließen sich in Bolivien also auch mal ein Stück mitnehmen. | Foto: Andreas Krüger
Raus aus dem Alltag, rauf auf den Sattel: Der Globetrotter-Mitarbeiter Andreas Krüger und seine Freundin Johanna Brause sind 20 Monate lang rund 28 400 Kilometer weit durch 29 Länder geradelt. Nicht in Zahlen fassen lässt sich der Wert ihrer Erlebnisse.

Als langjährige Wahl-Hamburger seid ihr begeisterte Wassersportler. Warum seid ihr dann doch mit dem Fahrrad los?

Andreas: Auf eine Segelreise hätten wir noch jahrelang ­sparen müssen. 

Außerdem ist man als Segler auf dem Wasser und im Hafen, aber nicht bei den Menschen. Das war uns aber wichtig. 

Was fällt euch spontan ein, wenn ihr an eure Tour zurückdenkt?

Johanna: Die Taklamakan-Wüste in China. Da sind wir wochenlang durchgeradelt, fast immer mit Gegenwind. So alle 100 Kilometer tauchte ein Dorf auf, wo wir Wasser aufnehmen konnten. ­

Lange Kleidung schützt vor usbekischer Wüstensonne und strengen Blicken der Gläubigen in Buchara. | Foto: Andreas Krüger
Es war einsam. Plötzlich kam aus dem Nirgendwo ein Hirte, ein Uigure. In einem Tuch über seiner Schulter trug er eine Melone – seinen einzigen Wasservorrat, den er mit uns teilte. 

Andreas: Das Gegenteil erlebten wir in der Wüste in Turkmenistan. Autos aus Europa bretterten vorbei. Die waren mit einer Rallye unterwegs, alle bestens mit Proviant ausgerüstet, aber nur ein Einziger hielt an.

Habt ihr die Route im Voraus genau geplant?

Andreas: Wir wussten, dass wir durch Europa und Asien nach ­Singapur und unbedingt durch den Iran fahren wollten. Der Rest ergab sich, frei nach Kurt Tucholsky: »Entwirf deinen Reiseplan im Großen und lass’ dich im Einzelnen von der bunten Stunde treiben. Die größte Sehenswürdigkeit ist die Welt, sieh sie dir an!«

In eurem Reiseblog schreibt ihr, dass die Räder mit Gepäck rund 60 Kilo gewogen haben. Würdet ihr heute anders packen?

Andreas: Schnickschnack hatten wir nicht dabei. Ich würde aber einen von drei Schlafsäcken weniger mitnehmen. Stattdessen ­einen Wasserfilter, den mussten wir uns nachschicken lassen. Die Fotoausrüstung war der schwerste Posten, auf den ich aber auch heute nicht verzichten wollte.

Johanna: Unser Gepäck hat sich etwas ausgedünnt, zweimal ­haben wir Unnötiges heimgeschickt. Ich hatte sicher etwas zu viel Verbandszeug dabei – man wirft das deutsche Sicherheitsdenken eben nicht so schnell ab. Es hat uns stets gefreut, wenn wir andere Reisende trafen, die mit weniger Ausrüstung zurechtkamen. Meist waren es Engländer, die dann anstatt mit Dioden-Fahrradlicht mit einer Konservendose und Glühlampe unterwegs waren. 

 

 

4-Seasons Info

Johanna und Andreas persönlich

Andreas Krüger (42) arbeitet seit 2004 als Eventmanager in der Hamburger Globetrotter-Filiale. In Mönchengladbach geboren, kam er zum Geografiestudium an die Elbe, auf der er gerne paddelt. Die in Ratzeburg aufgewachsene Johanna Brause (31) hat es mehr mit Segeln und arbeitet als Ingenieurin bei der Hamburger Hochbahn. Gemeinsam haben sie Radreisen etwa durchs Baltikum unternommen. Im März 2011 starteten sie »mit dem Fahrrad von Hamburg um die Welt«, so der Untertitel ihres Reiseblogs cycle-the-world.de. Dort findet man neben spannenden Episoden auch die genaue Reiseroute. Sie führte von Hamburg nach Singapur, von Argentinien nach Peru, von Kanada entlang der Pazifikküste nach Los Angeles und schließlich von Spanien zurück nach Hamburg.

 

Wann und wie genau ging es los?

Andreas: Wir sind am 1. März 2011 in Hamburg gestartet. Erst mal den Elberadweg entlang. Bei Minusgraden und Nebel, doch wir fuhren dem Frühling entgegen, das hat uns sehr motiviert.

Und wann, würdet ihr sagen, habt ihr euch ganz auf die Tour eingelassen und nicht mehr in Gedanken in Hamburg gehangen?

Andreas: Als wir in Istanbul nach Asien kamen, das war ein Meilenstein für mich, danach waren die Gedanken an die Arbeit weg.

Johanna: Ja, die Ankunft in Istanbul – ich hatte Tränen in den
Augen. Bei mir hat’s aber noch bis in den Iran hinein gedauert, bis ich ganz auf der Reise angekommen war. In Rumänien und Bulgarien dachte ich noch: Ach, wir sind ja immer noch an der Donau. 

In eurem Blog habt ihr von Kriegsspuren in Kroatien und Serbien geschrieben. Was ist davon noch zu sehen?

Rohrzangenreperatur. | Foto: Andreas Krüger
Andreas: Einschusslöcher an Häusern, Schilder, die vor Minen warnen. Und das so nah dran, es ist Europa! Serbien ist wie eine Zeitreise 30 Jahre zurück: verschmutzte Luft, Ochsenkarren, sehr arme Menschen. In Novi Sad hatten wir unseren ersten Platten, von insgesamt 31. Es regnete, und wir schoben die Fahrräder unter das einzige Dach weit und breit – eine Kaserne. Uns war etwas mulmig, als Soldaten auftauchten. Doch sie brachten uns Tee.

Wie waren denn die Straßen? 

Johanna: Ganz unterschiedlich. Unvergesslich bleibt mir ein Weg vor Belgrad, der war so morastig, dass selbst Schieben nicht mehr ging. Erschöpft kamen wir durch ein Dorf. Ein Mann schüttelte bei unserem Anblick ungläubig den Kopf. Dann nahm er den Gartenschlauch und spritzte unsere Räder ab. Was für ein Geschenk! 

Andreas: Manchmal erschwerten auch Hunde die Weiterfahrt, zum Beispiel hinter der bulgarisch-türkischen Grenze. Sechs, sieben Straßenköter hefteten sich an unsere Hinterreifen. Es ging bergab, und wir radelten der Meute davon. Doch nach der nächsten Kurve führte die Straße steil bergan … Das schienen die Hunde gewusst zu haben. Schnell stiegen wir ab und schnappten uns Steine. Sobald wir den Hunden den Rücken zudrehten, kamen sie gefährlich nahe. Es dauerte lange, bis sie das Interesse an uns verloren und wir weiterfahren konnten.

Gab es neben den Reifenpannen auch größere Reparaturen?

Camperglück in der Türkei. | Foto: Andreas Krüger
Andreas: Vor der Reise hatte ich unseren Fahrradbauer gefragt, ob ich Werkzeug fürs Tretlager mitnehmen soll. Er verneinte. Prompt gab in der Türkei mein Innenlager den Geist auf … In einer Kleinstadt fanden wir einen Radladen. Der Mann holte eine Rohrzange und setzte sie an mein Edelrad an – ich musste mich wegdrehen, weil ich das nicht mit ansehen konnte. Aber mit Geschick allein war nichts zu machen. Auch im nächsten Radladen fehlte das passende Werkzeug. Die Jungs dort meinten, ich solle Fotos vom Tretlager machen und es beschreiben. Dann mailten sie die Fotos und Informationen, die ich mithilfe von Google Translate übersetzt hatte, an einen Fahrradladen in Istanbul. Dort organisierten sie prompt das richtige Tretlager, der Nachtbus brachte es die 1000 Kilometer zu uns, wo es am nächsten Tag eingebaut wurde – mit der Rohrzange. Und die Jungs stellten uns nur das Material in Rechnung.

Andreas, warst du aus türkischer Sicht ein schlechter Mann, weil du einer Frau zumutest, täglich stundenlang im Sattel zu sitzen? 

Andreas: Ja. Und immer kam die Frage, ob wir Kinder hätten. Auf unser Kopfschütteln folgte meist ein: »Kein Wunder, wenn ihr so viel radelt …« Die Iraner dagegen verstehen, dass man aus Spaß an der Bewegung auf dem Fahrrad sitzt. Dort haben sie sich eher gewundert, dass ich gekocht habe, während Johanna sich ausruhte. Zum Glück habe ich nicht auch noch abgespült, das hätte meine Autorität völlig untergraben.

Wurdest du, Johanna, im Iran anders behandelt als Andreas?

 

Johanna: Ja – beispielsweise wollte ich, um Geld zu tauschen, meinen Reisepass an der Hotelrezeption abholen. Man gab ihn mir nicht. Nur Andreas durfte meinen Pass in Empfang nehmen.

Andreas: Ich wurde in eine Rolle gedrängt, die ich nicht ausfüllen wollte: die des männlichen Beschützers. Wir waren beispielsweise mit einem Geschwisterpaar unterwegs. Als ein Mann hinter der Schwester herging und sie musterte, hätte ihr Bruder den Typen deswegen fast verprügelt. Ich dagegen merke so etwas gar nicht oder denke mir nichts dabei. In iranischen Augen war ich ein mieser Beschützer. Auf der anderen Seite erlebten wir unglaubliche Gastfreundschaft und reges Interesse an uns. Autofahrer hielten an, um uns mit kühlem Wasser oder Obst zu versorgen. Und bei jeder Gelegenheit wurden wir eingeladen.

Iran, Turkmenistan, Usbekistan, China … überall brauchtet ihr Visa. Wie habt ihr die organisiert?

Andreas: Ursprünglich wollten wir das Land für Land erledigen. Wir versuchten also in Istanbul, ein Visum für den Iran zu bekommen. Doch weder dort noch in Ankara hat das geklappt. Wir beschlossen daraufhin, eine Agentur in Deutschland zu beauftragen, uns sämtliche Visa zu besorgen. Der Nachteil an dieser Methode war, dass wir uns festlegen mussten, wann wir wo sein wollten. Wir schickten unsere Pässe also nach Deutschland, zum Glück hatten wir je zwei Pässe dabei. 

Runde Sache: Bolivien per Bike. | Foto: Andreas Krüger
Johanna: Die Wartezeit wollten wir uns mit einem Ausflug ans ­Mittelmeer verkürzen. Wir ließen unsere Fahrräder in der Pension und fuhren mit dem Bus los. Bis zu einem Kontrollposten. Als wir unsere Pässe zeigten, stellte sich heraus, dass wir versehentlich die Exemplare mit den Türkei-Einreisestempeln nach Deutschland geschickt hatten. Mit unseren 15 Wörtern Türkisch ließ sich nicht erklären, dass wir eigentlich mit den Fahrrädern in den Iran unterwegs waren, obwohl wir gerade in einem Bus Richtung Mittelmeer saßen …

Andreas: Dann fiel mir mein türkischer Globetrotter-Kollege Murat ein. Ich rief ihn in Hamburg an und schilderte unser Problem. Murat übersetzte unsere Geschichte geduldig den Beamten und auch dem Busfahrer und einigen Mitreisenden; das Telefon wurde immer weitergereicht. Schließlich ließ man uns wieder ein­steigen, Murat sei Dank.

Ihr hattet – laut eurem Reiseblog – nur ein Fünf-Tage-Visum für Turkmenistan, aber auch 500 Kilometer zu fahren, und das bei Sandsturm und bis zu 58 Grad. Wie habt ihr das geschafft?

Andreas: Wir wollten mit dem Sonnenaufgang losfahren. Doch schon am Grenzübergang kam dieser Zeitplan durcheinander. Die Formalitäten dauerten fast bis Mittag. Das einzige Durchleuchtungsgerät funktionierte nicht; alle wussten das, dennoch mussten wir unser gesamtes Gepäck durchschieben … Später hielten wir an, um eine Limo zu trinken. Dabei sanken die Fahrradständer drei Zentimeter tief in den heißen Asphalt ein. Johanna wollte die 500 Kilometer trotz der Hitze, der schlechten Straßen und des Gegenwinds durchziehen. Ich kapitulierte vor den letzten 70 Kilometern, und ein leerer Teerlaster nahm uns mit. Noch heute ­kleben schwarze Spuren davon an unseren Radtaschen.

Chinesische Flickschusterei am Klickpedalschuh. | Foto: Andreas Krüger

99 Tage seid ihr durch China geradelt, das einstige Land der ­Radfahrer. Wie ist es dort mit dem Verkehr? Und der Luft?

Andreas: In den Städten gibt’s Elektroroller, aber kaum mehr Fahrräder. Der Verkehr ist grässlich. Als Regel gilt: Wer sich ein Auto leisten kann, hat mehr Rechte als der Fahrradfahrer. 

Johanna: Die Luft in den Industriestädten ist übelst. Wir hatten jeden Abend schwarze Gesichter, das nannten wir Chinabräune. Auf dem Land ist es anders: gute Luft, traumhafte Landschaften.

In China ist das Zelten für Fremde verboten, ihr habt’s dennoch gemacht – und trotzdem gut geschlafen? 

Andreas: In China besteht Meldepflicht. Und man darf nur in ­solchen Unterkünften übernachten, die für Ausländer zugelassen sind. Doch wir sind durch einsame Gegenden gekommen, wo es weit und breit keine Unterkunft gab. An versteckten Plätzen ­bauten wir dann unser Zelt auf – und schliefen wunderbar. In der Wüste war das manchmal mühsam. Wann immer wir uns hinter einer Düne verkriechen wollten, mussten wir das schwere Fahrrad dorthin zerren.

Ging euch der viele Sand nicht auf die Nerven?

Johanna: Für mich war das sehr schwer. Ausgerechnet in der Taklamakan ging auch der Reißverschluss des Zeltes ­kaputt, alles war sandig. Unsere Strecke war sehr dem Wind ausgesetzt. Alle zehn Kilometer machten wir zehn Minuten Pause. Wir nutzten abwechselnd den Windschatten des anderen, denn wir mussten 130 Kilometer pro Tag vorankommen, um alle 24 Stunden an Wasser zu gelangen. Eine existenzielle Erfahrung. 

Mit 45 Kilo am Rad kann man göttlichen Beistand gut gebrauchen nicht nur auf tibetischen Passstraßen. | Foto: Andreas Krüger
Andreas: Wochenlang starrten wir auf Kilometersteine. Was ­waren wir erleichtert, als es »nur noch« 2000 Kilometer bis zur nächstgrößeren Stadt waren!

Waren Sand, Wind und ein defekter Reißverschluss die einzigen Unannehmlichkeiten? 

Johanna: Leider nicht. Ich hatte heftige Magenprobleme und einen aufgeblähten Bauch. Von den Symptomen her musste es Giardia sein, ein Dünndarmparasit, den man über verschmutztes Wasser oder Lebensmittel bekommt. Wir wussten, dass sich Giardia mit dem Wirkstoff Metronidazol behandeln lässt. Doch den gab es nur im weit entfernten Krankenhaus. Um schnell dorthin zu kommen und weil ich keine Kraft mehr in den Beinen hatte, blieb nichts anderes übrig, als den Bus zu nehmen.

War die Busfahrt nicht eine willkommene Abwechslung nach all den Wüstenkilometern?

Johanna: Abwechslung, ja. Aber nicht ganz willkommen, wenn
ich an das Rotzen und Räuspern der anderen Fahrgäste denke … ­Jeder Auswurf landete auf dem Fußboden. Eine junge Frau im modernen Kostüm biss herzhaft in einen Hühnerfuß und spuckte die Kralle direkt vor mir aus. Andererseits ekeln sich die Chinesen, wenn wir uns mit einem Taschentuch die Nase putzen. 

Andreas: Im Krankenhaus fanden wir zunächst niemanden, der ­verstand, was wir wollten. Sie boten uns allerlei Mittelchen mit Drachen darauf an … Irgendwann kam ein Arzt. Es gelang uns über Baidu, das chinesische Google, den Wirkstoff Metronidazol zu übersetzen. Der Arzt strahlte, als er uns für 62 Cent das Anti­biotikum gab. Für die Abrechnung brauchte er einen chinesischen Namen von mir. Sie nannten mich kurzerhand Mr. Biloun – keine Ahnung, was das bedeutet oder ob das ein gängiger Name ist.

Fahrrad sein in Malaysia – das muss schön sein. | Foto: Andreas Krüger

Später seid ihr durch chinesische Großbaustellen geradelt. Klingt ungemütlich …

Andreas: Das war krass. Wir sind durch unbeleuchtete Tunnel ­gefahren, wo mitten auf der Fahrbahn Gasflaschen lagen. In den Tunneln gibt es manchmal drei, vier Kreuzungen, und man hat keine Ahnung, welche Abzweigung man nehmen muss. 

Johanna: Vor einer dieser Baustellen hatten wir einen Platten. Eine Gruppe junger Ingenieure kam, um mit uns herum­zualbern und Fotos zu machen. Mir taten jedoch die einfachen Arbeiter leid, die da völlig ungesichert mitten im Verkehr schufteten.

Andreas: Nach mehr als drei Monaten China waren wir froh aus­zureisen. Trotzdem steht fest: Da müssen wir mal wieder hin. 

Ursprünglich hattet ihr eure Tour nur bis Singapur geplant. Wie kam es dann dazu, dass ihr nach Amerika weitergereist seid?

Fürchterlicher als jede Wüste: chinesische Tunnel. | Foto: Andreas Krüger
Andreas: Wir haben es meinem Arbeitgeber zu verdanken, dass wir nach dem veranschlagten Jahr die Reise verlängern konnten. Gegen Ende des Asientrips bekam ich eine Mail von meinem Chef, er ­wünsche uns weiterhin eine gute Reise – und freue sich dennoch ­auf meine Rückkehr. Also wohin im Anschluss an Singapur? Wir waren zwischen ­Australien und Süd­amerika hin- und her­gerissen. Letztlich flogen wir nach Argentinien, weil wir die Anden sehen wollten. Zunächst erlitten wir aber einen Kulturschock … 

Was genau hat euch in Südamerika einen Kulturschock versetzt?

Andreas: Auch in Asien hatten wir viele arme Menschen gesehen, aber alle gehen dort irgendeinem Geschäft nach, niemand ist untätig. In Südamerika schlug uns Lethargie entgegen, so nach dem Motto: »Du bist reich, also hilf mir!« Gleichzeitig fuhren wir den ganzen Tag an wunderschönen Weideflächen vorbei, die einen guten Zeltplatz abgegeben hätten, doch alle waren eingezäunt.

Johanna: Aber wir hatten auch wunderbare Momente. Eine Frau umarmte mich einfach, weil sie sich freute, dass wir durch ihr Land reisten. Oder man ließ uns im Krankenhaus übernachten, auf der Kinderstation, weil dies die schönsten Zimmer waren.

Schon süß. Aber wenn wir groß sind, jagen wir euch kilometerweit nach. | Foto: Andreas Krüger

Bolivien wurde kürzlich im »Travel&Tourism Competitiveness ­Report« aus 140 Ländern zum unfreundlichsten Reiseland ­erklärt. Könnt ihr das bestätigen?

Andreas: Nein, obwohl Falschgeld aus dem Automat kam und ­es in einem Dorf nicht möglich war, heißes Wasser zu ­bekommen. Die Leute sind nicht unfreundlich, doch es fehlt diese herzliche Gastfreundschaft, die wir in Asien kennenlernen durften. Vieles wird eben übers Geld definiert.

In den USA folgte eine Trennung auf Zeit, war das so geplant?

Alles roger: entspanntes Radeln in Kambodscha. | Foto: Andreas Krüger
Andreas: Nein, gar nicht. Schon seit einiger Zeit hatte ich ­einen wandernden Schmerz: mal Zahnschmerzen, mal in den ­Augen, mal ein Schmerz wie bei Verspannungen. Die amerikanischen Ärzte, die ich aufsuchte, konnten mir nicht helfen. Nach einiger Zeit begriffen wir, dass wir die Reise so nicht fortsetzen können. Schweren Herzens flog ich nach Deutschland – ohne zu wissen, wann ich wieder in unsere gemeinsame Reise einsteigen konnte.

Johanna: Mein Gedanke war: Wenn ich Andreas ohnehin nicht helfen kann, bleibe ich hier und führe unsere Reise weiter. So bin ich bis Los Angeles geradelt.

Wie hat es sich angefühlt, plötzlich allein unterwegs zu sein?

Johanna: Ich hatte viel mehr Gepäck und musste alle Aufgaben selbst erledigen. Vor allem aber hatte ich niemanden mehr, mit dem ich die Eindrücke teilen konnte. Dazu kommt, dass die USA kein Fahrradparadies sind: Mehrmals wurde ich von Autofahrern ­beschimpft und sogar mit Müll beworfen. Einmal fuhr ein Truck genau auf mich zu, um dann, als ich schon im Straßengraben war, wieder auf die andere Straßenseite abzubiegen. Vielleicht fand der Fahrer das lustig. 

Wie ging es bei dir weiter, Andreas?

Andreas: Nach vierwöchigem »Hotel Mama« und diversen Arzt­besuchen lag zwar immer noch keine Diagnose vor, aber ich war wieder so weit hergestellt, dass ich mit Johanna die europäischen Kilometer ­unter die Reifen nehmen konnte. In Barcelona haben wir uns ­getroffen und sind über Spanien, Frankreich und die Schweiz ­zurück nach Deutschland.

Überwog die Freude, zurückzukommen, oder die Wehmut, dass die Reise vorüber war?

Johanna: Ich hatte Schwarzbrot und Lakritze vermisst und kaufte gleich hinter der deutschen Grenze ein. Als wir dann am 2. November 2012 in Hamburg ankamen, war es kalt – das Wetter hat uns das Ende der Reise nach Kräften erleichtert. Gleichzeitig ­wurde uns bewusst, dass unser großer Traum nun zu Ende war.

Andreas: Bei Globetrotter gab’s eine Willkommensparty, das
war toll. Doch wir wussten nicht so recht, wo wir hingehörten. Wir ­hatten keine Wohnung mehr, krochen bei Freunden unter. Und
wir fühlten uns wie arbeitslos, denn unseren täglichen Job, das Fahrradfahren, den gab es nun nicht mehr. 

War es schwierig, wieder im deutschen Alltag anzukommen?

Der Schlauch hätte ja auch bei Sonne platzen können. Wollte er aber nicht. | Foto: Andreas Krüger
Andreas: Wir hatten ja optimale Bedingungen. Auch Johanna kam wieder bei ihrem alten Arbeitgeber unter. Die Reise ist längst zu Ende, aber das Ankommen dauert noch an. Man merkt, wie wenig Zeit einem hier für Gedanken bleibt, wie kostbar ein freier Tag ist.

Was bleibt von eurer Reise?

Johanna: Die Erkenntnis, wie wenig man braucht. Aber auch wie essenziell Luft, Wasser und Essen sind, das haben wir am eigenen Körper gespürt.

Andreas: Ich habe die Zusammenhänge erkannt, wie sich mit dem Klima die Landschaft und ­Kulturen ändern. Außerdem bleiben genau 13 769 Fotos. Und, noch wertvoller: die inneren Bilder ­sowie die ­Gesichter und Erlebnisse aus 29 Ländern.

 

 

4-Seasonson Info

»Cycle the world« on tour

Die nächste Reise von Johanna und Andreas führt durch die sechs Globetrotter-Städte: Ab Herbst zeigen sie in den Filialen eine Multimediashow ihrer Weltumradlung.

Die Termine:

  • 27.11. Köln
  • 28.11. Frankfurt/Main
  • 23.1. Hamburg
  • 30.1. Berlin
  • 31.1. Dresden
  • 11.2. München

Infos: cycle-the-world.de. Tickets gibt es in den entsprechenden Filialen. Wenn es jetzt in den Füßen juckt, der findet die passende Kaufberatung auf 4-seasons.de/radreise.

 
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Zerzaust vom Wind und verschwitzt an den Arbeitsplatz mit dem Fahrrad zu kommen, das schmeckt nicht allen Chefs. Doch wenn die richtige Infrastruktur zur Verfügung steht, gibt es nur Gewinner! zum Artikel
06.04.2011ArtikelOutdoorsportFahrradReise

Mit dem Fahrrad um die Welt – Teil 1

Am 01. März sind Andreas Krüger und seine Freundin Johanna aufgebrochen, die Welt zu erkunden. Und zwar mit dem Rad. 4-Seasons bleibt den beiden auf den Fersen und liefert regelmäßige Updates von den Weltumradlern. zum Artikel

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