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Wandern und Trekking in Peru

Laguna Huaypo: Blick in die Cordillera Urumba. | Foto: Oskar E. Busch
Peru-Kenner Oscar E. Busch gibt Tipps für die schönsten Wander- und Trekkingtouren zwischen Cordillera Blanca, Alitplano und Titicacasee.

 

Kein anderes lateinamerikanisches Land besitzt solch eine Vielfalt an unterschiedlichsten Landschaften wie Peru. Die Palette der geografischen Gegensätze vereint alle Klimazonen der Erde und reicht von der 2800 Kilometer langen wüstenhaften Küste, die vom kalten, fischreichen Humboldtstrom geprägt ist, zu den nahen, bis in fast 6800 Meter Höhe ragenden Andengipfeln, den endlosen Weiten des rauen Altiplano mit einer durchschnittlichen Höhe von 4000 Metern, der angrenzenden trockenen Hochwüste im Süden des Landes, die mit eisbepackten, teilweise noch aktiven Vulkanen gespickt ist, einige ebenfalls über 6000 Meter hoch, bis hinab ins feuchtheiße Tiefland des Amazonasbeckens, das zwei Drittel der Landesfläche Perus bedeckt.

Viñoyapampa: das herrliche Talende der Quebrada Honda. | Foto: Oskar E. Busch

Das höchste vergletscherte Gebirge der Tropen, der größte zusammenhängende tropische Gletscher, der höchstgelegene schiffbare See der Erde (15-mal größer als der Bodensee), die beiden tiefsten Canyons der Erde, bis zum Jahr 2006 die höchstgelegene Eisenbahnstrecke der Welt; einige Hauptquellflüsse des Amazonas, des größten Flusssystems der Erde, haben in den peruanischen Anden ihren Ursprung – diese Superlative ergeben sich alleine aus der kontrastreichen Topografie Perus.

Die Hauptanziehungspunkte für die meisten Peru-Reisenden sind die vielen sagenumwobenen Kulturdenkmäler der Inka und die Prunkbauten der spanischen Kolonialzeit. Viele Touristen kehren jedoch restlos begeistert von der grandiosen Landschaft zurück. Und alles ist zusätzlich mit einer vielfältigen exotischen Flora und Fauna, farbenprächtigen Indiomärkten und der köstlichen peruanischen Küche gewürzt – in einem Land, in dem alle Sinne auf ihre Kosten kommen.

Jeder Ausflug zu einem von Mythen umrankten Inkabauwerk führt durch eine der großartigsten und faszinierendsten Landschaften der Welt. Wer wird dabei nicht ins Staunen und Schwärmen geraten, und wen wird es nicht reizen, einmal durch unbekannte Hochgebirge zu streifen, gar einen Fünf- oder Sechstausender zu besteigen, durch Hochwüsten zu wandern oder vielleicht eine Bootsfahrt auf dem Amazonas zu wagen ...

Aber um den Schutz der einzigartigen Gebirgsregionen ist es leider miserabel bestellt. Es gibt in Peru zwar elf Nationalparks und einige Schutzgebiete (für Vicuñas beispielsweise), doch im Hochland der peruanischen Anden nur einen einzigen. Die wirtschaftlichen Interessen aller bisherigen Regierungen gestehen dem Bergbau Priorität zu und so wurden und werden weiterhin viele schützenswerte Gebiete zerstört.

 

Die peruanischen Anden

Die gewaltige Kette der Anden ist das längste zusammenhängende Gebirge der Erde. Es erstreckt sich auf 8000 Kilometer Länge von Kolumbien bis Feuerland und bildet nicht nur das Rückgrat Südamerikas, sondern auch die kontinentale Wasserscheide. Fast alle in den Anden entspringenden Flüsse beginnen hier ihre über 4000 Kilometer weite Reise zum Atlantik, obwohl der Pazifische Ozean im Norden Perus meist nur 100 Kilometer entfernt ist.

Huaripampa mit dem Ostgipfel des Nevado Chacraraju. | Foto: Oscar E. Busch

Die höchsten Gipfel der Kordilleren und gleichzeitig des gesamten amerikanischen Doppelkontinents befinden sich im argentinisch-chilenischen Grenzgebiet und erreichen mit dem 6959 Meter hohen Aconcagua (oft auch mit 6962 m angegeben) ihren höchsten Punkt. Der Peru-Atacamagraben, an der Küstenlinie des Pazifik von Südperu bis Nordchile verlaufend, hat eine Tiefe von mehr als 8000 Metern und somit eine noch größere Tiefe, als die höchsten Gipfel der Anden hoch sind. Das bedeutet den größten absoluten Höhenunterschied auf der Erde auf so kurzer Entfernung.

Bis zur Südspitze des Kontinents (in Chile und Argentinien) werden die Berge niedriger und erreichen nur noch maximal 3000 Meter Höhe.

53 Gipfel mit über 6000 Meter Höhe befinden sich in den peruanischen Anden und stellen somit auch einen der landschaftlich großartigsten Abschnitte Südamerikas dar. Das Hochland nimmt fast 30 Prozent der Landesfläche ein; im Norden sind es zusammenhängende Gebirgszüge mit den höchsten Bergen des Landes im Tropengürtel der Erde, während der wüstenhafte Süden von Vulkanen geprägt ist. So ist natürlich auch die Vegetation sehr verschieden. Während die tropische Cordillera Blanca eine für diese großen Höhen unerwartete Pflanzenfülle bis zur Schneegrenze in fast 5000 Meter hervorbringt, in der unter den leuchtenden Eisgipfeln sogar Kolibris von Blüte zu Blüte schwirren, ist der Süden des Landes von Trockenheit geprägt. Fels und Sand dominieren das Landschaftsbild der kargen Hochwüste, in die nur das gelbe Ichu-Gras, Kakteen und gelegentlich die grünen, aber knochenharten Llareta-Moospolster ein paar Farbtupfer bringen. Deutlich erkennbar ist der Gletscherrückgang, seit 1970 um 22 Prozent.

Zur Aufwertung zu einem Nationalpark hat es in den peruanischen Anden leider nur der über 4000 Meter hoch liegende Bereich der Cordillera Blanca geschafft, der Huascarán-Nationalpark.

 

Ein wesentliches Hilfsmittel unterwegs sind Kenntnisse der spanischen Sprache, denn außerhalb der Touristenhochburgen spricht niemand Englisch oder gar Deutsch.

 

Anforderungen

Der grundsätzliche Unterschied in den Anforderungen der Touren in Peru liegt in der Infrastruktur, die nicht mit jener der Alpen vergleichbar ist, sowie in den geografischen und klimatischen Bedingungen. So muss etwa für fast alle mehrtägigen Trekkingtouren nicht nur ausreichend Proviant, sondern auch ein Zelt mitgeführt werden, denn es gibt in den peruanischen Anden bislang nur drei Unterkunftshütten, allesamt in der Nördlichen Cordillera Blanca. Entsprechende Kondition und Belastbarkeit sind daher wesentliche Voraussetzungen.

Collota Pass: Blick zurück auf den Anmarschweg im Südosten. | Foto: Oskar E. Busch

Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist die extreme Höhe: Schon die Ausgangspunkte liegen in der Regel 2000 Meter höher als in den Alpen und oft sind Pässe mit rund 5000 Metern Höhe zu bewältigen. Die tatsächlich zurückgelegte Distanz einer Etappe wird wegen der gewaltigen Höhenunterschiede manchmal in keinem Verhältnis zur gelaufenen Zeit stehen. Die technischen Anforderungen der hier beschriebenen Touren sind hingegen nicht höher als auf heimischen Wanderwegen. Die Orientierung kann Probleme bereiten, denn Wegweiser gibt es bislang nur auf den viel begangenen Routen in der Cordillera Blanca. Aber bei längeren Touren ist in der Regel ein ortskundiger Arriero dabei.

 

Gefahren

In der Regel wird eine Reise ins Hochland von Peru zwischen Mai und September stattfinden. Das ist die Trockenzeit und somit die stabilste (aber auch die kälteste) Periode. Mit Wetterumschwüngen ist trotzdem immer zu rechnen. Aufgrund der Nähe zum Äquator ist es nur zwölf Stunden hell, die tägliche Gehzeit sollte also wenn möglich auf sechs bis sieben Stunden begrenzt sein, damit man nicht in die Dunkelheit gerät.

Eines muss auch klar sein: In entlegenen Gebieten auf medizinische Soforthilfe zu hoffen ist illusorisch, eine »Bergrettung« wie in den Alpen gibt es nicht.

 

Höhenkrankheit (Soroche)

Ein häufiges Problem auf einer Peru-Rundreise ist die Zeitknappheit. Nach einem aufreibenden, vielstündigen Flug und der Ankunft in Lima auf Meereshöhe mit sieben Stunden Zeitunterschied und in einer anderen Klimazone steht meistens gleich am nächsten Morgen der kurze Flug nach Cuzco auf dem Programm. Cuzco liegt schon auf 3400 Meter, der Titicacasee auf 3800 Meter Höhe!

Der Nevado Alpamayo mit seinem stark überwechteten Nordgrat. | Foto: Oskar E. Busch

Auf zu rasch begonnenen Trekkingtouren, die meist natürlich noch wesentlich höher führen, oder gar bei Bergbesteigungen, kann mangelnde Höhenanpassung zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. Das Thema Akklimatisation wird gerne unterschätzt. Jede einfache Wanderung in ungewohnt großen Höhen ist natürlich auch anstrengender, aber niemand braucht vor der Höhe Angst zu haben, wenn die Grundregeln beachtet werden: Langsam in größere Höhen vordringen und bei auftretenden Symptomen der Höhenkrankheit (soroche) wie Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Übelkeit sofort tiefer steigen!

Die Schneegrenze liegt etwa in Mont-Blanc-Gipfelhöhe (4810 m); so können auch normal begehbare Pässe auf technisch einfachen Wanderungen zur Gefahr werden: Auf 5500 Meter Höhe ist der Sauerstoff-Partialdruck nur noch halb so hoch wie auf Meeresniveau und fällt mit zunehmender Höhe noch weiter ab.

Die Einheimischen schwören zur Vorbeugung gegen die Höhenkrankheit auf mate de coca (Tee aus Kokablättern). Ein paar Tage Aufenthalt in Cuzco oder Huaraz zu Beginn einer Reise werden dem Körper jedenfalls gut tun. Zudem ist es sowieso zu empfehlen, während einer Südamerikareise etwas von der »mañana-Mentalität« der Einheimischen anzunehmen, einfach gelassener mit der Zeit umzugehen.

 

Hygiene

Aufgeräumt werden muss vor allem mit der immer noch grassierenden Furcht vor »Atahualpas Rache«. Die hygienischen Bedingungen in der Gastronomie sind wesentlich besser geworden, niemand braucht mehr Angst vor Ungekochtem oder Salat zu haben, selbst Speiseeis kann bedenkenlos probiert werden. Durch diese längst unbegründeten Sorgen bringt sich der Reisende nämlich selbst um das Kennenlernen der exzellenten peruanischen Küche.

Toiletten hingegen sind bis heute häufig ein Übel und vor allem für Frauen sehr gewöhnungsbedürftig.

 

Sicherheit

Die Kriminalitätsrate ist gegenüber früheren Jahren merklich zurückgegangen. Die Peruaner haben längst erkannt, dass der Tourismus eine unerschöpfliche Einnahmequelle ist, dass die Touristen sich auch auf viel einfachere Weise schröpfen lassen und dass deren Sicherheitsbedürfnis absoluten Vorrang hat. So gibt es im ganzen Land in den Touristenhochburgen eine eigene vielköpfige Touristenpolizei, die ständig präsent ist. Taschendiebstahl kommt vor, aber auch nicht häufiger als in unseren Breiten. Unachtsamkeit ist das wesentliche Kriterium. Ein arglos auf dem Wirtshaustisch herumliegender teurer Fotoapparat wird natürlich Begehrlichkeiten wecken.

Auf allen meinen Wanderungen, oft in entlegensten Gebieten, manchmal alleine und ohne Arriero (Viehtreiber), erlebte ich nie eine bedrohliche Situation. Ganz im Gegenteil, unglaublich gastfreundliche Indios, natürlich auch neugierig, bestimmen die Erinnerungen. Bei angestiegenem Alkoholpegel, auf fiestas beispielsweise, sollte ihnen jedoch besser aus dem Weg gegangen werden.

Sehr unangenehm können Begegnungen mit den häufig extrem aggressiven Hunden sein. Aber meist reicht schon das Andeuten, einen Stein aufheben und nach ihnen werfen zu wollen, und sie weichen zurück. Sollte man dennoch gebissen werden, so schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen, Tollwutgefahr!

 

Einkehr und Unterkunft

In den peruanischen Anden gibt es bislang nur drei Unterkunftshütten, die alle erst in jüngster Zeit in der nördlichen Cordillera Blanca entstanden sind, und somit entfallen auch die komfortablen Einkehrmöglichkeiten, wie sie das engmaschige AV-Hüttennetz in den Alpen bietet. In den Ausgangsorten finden sich manchmal schlichte Unterkünfte.

Camping Stillleben am Susucocha in der Nähe des Tapush Passes in der Cordillera Huayhuash. | Foto: Oskar E. Busch

Es muss zwar die gesamte Verpflegung für die Tour mitgenommen werden, doch der Hunger verringert sich in großen Höhen merklich. Sauberes Trinkwasser findet man überall (solange es noch Gletscher gibt), wenn man nicht gerade unterhalb einer weidenden Viehherde den Bach anzapft. Wer einen empfindlichen Magen hat, kann das Wasser desinfizieren oder filtern – sofern es nicht ohnedies abgekocht wird.

Die Rucksäcke werden in der Regel von den Pferden oder Mulis des begleitenden Arriero getragen.

Zelten darf man überall, wo es einem gefällt (außer im Nationalpark Huascarán, dort sind Plätze ausgewiesen). Es gibt kaum Wälder, also kein Brennholz; Lagerfeuerromantik entfällt somit. Die in den Gebirgen lebenden Indios benützen getrockneten Viehdung als Brennmaterial, Wanderer sollten einen Gaskocher dabeihaben.

 

Top-Touren aus dem Rother Führer

  • Santa Cruz – Llaganuco: Die populärste Tour in der Cordillera Blanca über zwei 4700-Meter-Pässe mit den schönsten Gipfeln ringsum (5 Tage).
  • Umrundung Alpamayo und Pucajirca: Lange und beschwerliche Runde mit grandioser Andenszenerie in der weißen Kordillere (10 Tage).
  • Laguna Parón: Auf bequeme Weise zum größten und schönsten Gebirgssee inmitten der Eiswelt der Cordillera Blanca (2 Std.).
  • Camposanto Yungay: Die weitläufige Gedenkstätte des 1970 durch ein Erdbeben zerstörte Städtchens Yungay am Fuß des Huascarán (1.30 Std.).
  • Puya Raimonds: Die seltenen Pflanzenwunder an der Laguna Jarpococha, einem unberührten See in der Weißen Kordillere (2 Tage).
  • Huayhuash-Umrundung: Hart und anstrengend, aber die wildesten Eisgipfel Perus an herrlichen Seen zu erleben ist die Krönung aller möglichen Wanderungen in der Cordillera Huayhuash (10 Tage).
  • Raura-Durchquerung: Stilles, kaum besuchtes Gebirge im Schatten der Huayhuash mit großer Minenstadt in Mont-Blanc-Gipfelhöhe (7 Tage).
  • Maras: Leicht erreichbares Dorf und eine einsame Kolonialkirche vor überwältigender Andenkulisse (2.45 Std.).
  • »Korridor« durch die Vilcanota: Eine abenteuerliche Durchquerung und nur für Wagemutige: überwiegend weglos bis auf 5300 Meter Höhe durch die unberührte Vilcanota (7 Tage).
  • Taquile: Es geht auch entspannt: Gemütliche Wanderung um die stille und verkehrsfreie Insel im tiefblauen Titicacasee (2 Std.).
 

Geografie

Peru ist gut dreieinhalbmal größer als Deutschland. Im Norden grenzt das Land an Ecuador und Kolumbien, im Osten an Brasilien, im Südosten an Bolivien und im Süden an Chile. Die natürliche Westgrenze bildet die 2800 Kilometer lange Pazifikküste. Gut die Hälfte des drittgrößten Landes Südamerikas ist (noch) von Urwald bedeckt, dem Einzugsgebiet vieler Quellflüsse des Amazonasstroms. 30 Prozent der Landesfläche sind Hochland und Gebirge und nur gut 10 Prozent bilden den schmalen wüstenhaften Küstenstreifen am Pazifischen Ozean.

 

Bevölkerung

Das rasante Anwachsen der Bevölkerung hat die Einwohnerzahlen in den letzten 30 Jahren auf gegenwärtig fast 30 Millionen Menschen verdoppelt. Mehr als 60 Prozent leben mittlerweile in den Städten, alleine im Moloch Lima etwa 10 Millionen, eine Vervierfachung gegenüber 1980. Entsprechend weiträumig umzingeln Elendsviertel in unsäglichen Verhältnissen die Städte. Beschönigend werden sie pueblos jovenes genannt, »junge Dörfer«. Über 40 Prozent der peruanischen Bevölkerung sind Indios, fast ebenso viele Mestizen, den Rest bilden Weiße, Schwarze, Mulatten und Asiaten.

Die Landessprache ist Spanisch (castellano), seit 1975 ist auch Quechua wieder offiziell zugelassen, das einst Staatssprache des Inkareiches war und auch heute noch von gut einem Viertel der Peruaner gesprochen wird. Daneben leben im Bereich des Titicacasees noch eine halbe Million Aymará-Indios mit gleichnamiger Sprache. Außerhalb touristischer Gebiete wird kaum Englisch gesprochen.

 

Religion

Detail an der Kirche La Compania in Arequipa. | Foto: Oskar E. Busch

Genau andersherum steht es oft mit der Religion. Die Peruaner sind ein strenggläubiges (meist auch sehr abergläubisches) Volk, die jedem Gotteshaus mit Respekt und Ehrfurcht begegnen, während sich die Gringos hingegen oft recht taktlos verhalten, etwa was die Bekleidung betrifft. Über 70 Prozent der Bevölkerung Perus bekennen sich zum katholischen Glauben, jedoch mit abnehmender Tendenz. Viele Hochlandindios fahren »zweigleisig«: Mehr als der katholischen Kirche vertrauen sie ihren Berggöttern, den Apus. Starken Zulauf erfahren die vielen Sekten.

 

Wirtschaft

Wegen der anhaltenden Landflucht in die Großstädte gerät die Landwirtschaft und damit die Versorgung der Bevölkerung immer mehr ins Hintertreffen. Die Landwirtschaft war einst vor der Fischerei wichtigster Wirtschaftsfaktor des Andenstaates. Die peruanischen Küstengewässer gehören dank des kalten Humboldtstromes zu den fischreichsten Meeresregionen der Erde, haben aber in den letzten Jahren durch Überfischung stark gelitten.

Chincheros: Der Souvenirmarkt ist vor der Kirche. | Foto: Oskar E. Busch

Peru besitzt reiche Bodenschätze, die Konzessionen für den Abbau sind in den letzten Jahren zunehmend an ausländische Bergbaufirmen verkauft worden. 2010 war schon ein Drittel des peruanischen Bergbaus in den Händen chinesischer Unternehmen. Das bedeutet, dass ein Großteil der eigentlich schutzwürdigen Hochgebirgsregionen Perus mehr und mehr der Ausbeutung von Bodenschätzen geopfert wird.

 

Geschichte und Politik

Peru ist in 25 Departamentos aufgeteilt, diese wiederum in Provinzen und Distrikte. Regiert wird das Land seit 1980 durch einen alle fünf Jahre demokratisch gewählten Präsidenten.

In präkolumbianischer Zeit war Peru Teil des gewaltigen Inkareiches, dessen Ausdehnung vom heutigen südlichen Kolumbien bis nach Chile und den Norden Argentiniens reichte. 1532 wurde das Inkareich von den Spaniern endgültig erobert.

Bis vor knapp 200 Jahren war das Land (gemeinsam mit Bolivien) spanisches Vizekönigreich. Die Unabhängigkeit von Spanien erlangte Peru am 28. Juli 1821. Danach folgten Jahrzehnte des Umbruchs, die Abschaffung der Sklaverei, der Salpeterkrieg zusammen mit Bolivien gegen Chile, der dem Land drei südliche Provinzen kostete. 1968 wurde eine Landreform begonnen. Bis 1980 war eine Militärregierung an der Macht.

Anschließend wurde in den fünf Jahren Amtszeit (von 1985 bis 1990) des jungen Präsidenten Alan García die noch frische Demokratie durch eine Misswirtschaft unvorstellbaren Ausmaßes destabilisiert. Das war auch der Nährboden für die Entstehung und Ausbreitung des Sendero luminoso, des »Leuchtenden Pfades«, einer Guerillabewegung, die große Landesteile in Anarchie und Gewalt stürzte, den wachsenden Tourismus für ein Jahrzehnt zum Versiegen brachte und das Land ausblutete. Bis zum Ende des Jahrtausends forderte die Gewalt des Sendero luminoso und die Gegengewalt des Militärs fast 70.000 Todesopfer.

Derselbe Alan García wollte nach Jahren des Exils wieder zurück in die Landespolitik und wurde im zweiten Anlauf 2006 erneut für fünf Jahre Präsident von Peru! Die Vergehen während seiner Amtszeit waren verjährt und der überwiegend jungen Bevölkerung unbekannt oder vergessen. Seit 2011 ist Ollanta Humala, ein Ex-Militarist und Linkspopulist, neuer Präsident von Peru.

Tag der Amtseinführung des Präsidenten ist der 28. Juli, der Unabhängigkeitstag und zugleich Nationalfeiertag ist. An den Tagen davor und danach herrscht eine Art Ausnahmezustand im Land. Alle Peruaner scheinen auf Reisen zu sein. Busfahrten und Flüge sind in den Tagen um den Nationalfeiertag restlos ausgebucht, freie Unterkünfte sind nur schwer und nur zu drastisch erhöhten Preisen zu finden.

 

Klima

Peru weist eine Geografie mit sehr unterschiedlichen Landschaftsformen und extremen Höhenunterschieden auf, somit ist das Land auch von klimatischen Gegensätzen geprägt. 30 Prozent der Landesfläche sind Hochland und Gebirge, mehr als die Hälfte (noch) von Urwald bedeckt, dem Einzugsgebiet des Amazonasstroms, der Süden hingegen von trockener Hochwüste gekennzeichnet, ebenso das schmale Band der Pazifikküste.

Entscheidenden Einfluss auf das Klima an der gesamten Westküste Südamerikas hat der kalte, dafür fischreiche Humboldtstrom. Fällt an der gesamten peruanischen Küste so gut wie nie Regen (Ausnahme »El niño« etwa im Sieben-Jahres-Rhythmus), ist das übrige Land in eine Trocken- und eine Regenzeit aufgeteilt. Im Hochland dauert die Trockenzeit und somit auch die beste Reisezeit von Mai bis Oktober, im Tiefland ist es genau umgekehrt. Die Temperaturen ergeben sich mehr durch die jeweilige Höhenlage als durch den Landschaftstyp.

Im Hochland sind extreme Temperaturunterschiede von 40 °Celsius und mehr zwischen Tag und Nacht üblich. Ab durchschnittlich 4300 Meter Höhe muss vor allem in der Trockenzeit mit nächtlichem Frost gerechnet werden, und im Süden des Landes, beispielsweise in den Hochlagen der Cordillera Vilcanota, aber auch in der Hochwüste können die Temperaturen bis auf -20 °Celsius abfallen! Am kältesten wird es während der Trockenzeit im Juli und August. Da erfrieren in den ärmsten Regionen (insbesondere im Departamento Puno) bis heute jährlich zahllose Menschen, vor allem Kinder.

Tag- und Nachtlänge sind wegen der Äquatornähe ziemlich gleich. Auch Sommer und Winter wie in Europa gibt es nicht, sondern eben Trocken- und Regenzeiten.

 

Umweltschutz

Rücksichtnahme und Schutz der Natur sind den Peruanern (wie in ganz Südamerika) noch weitgehend fremd und gleichgültig. Jeglicher Abfall wird gedankenlos aus dem Auto- oder Busfenster geworfen. Müll, vor allem leere Plastikflaschen, markieren die Landstraßen und in zunehmendem Maße auch die Wanderwege. Ein Umweltbewusstsein oder gar eine Umwelterziehung ist kaum vorhanden. Selbst im einzigen Nationalpark in den Bergen Perus hat die Verschmutzung enorm zugenommen, obwohl die Eintrittsgelder ja eigentlich zum Schutz und der Sauberhaltung dienen sollen. Aber für uns Gringos sollte es auf Wanderungen dennoch eine Selbstverständlichkeit sein, den anfallenden Müll wieder mitzunehmen.

 

Tierwelt

Die Kameliden (Lamas, Alpakas, Vicuñas und Guanacos) kommen im nördlichen Landesteil nur spärlich vor; ihre Heimat ist in erster Linie der Altiplano. Lamas und Alpakas sind Züchtungen und stammen vom Guanaco ab, das Vicuña – das kleinste und zierlichste der Kameliden – ließ sich nicht domestizieren. Es hat die kostbarste Wolle der Welt und war deshalb Ende der 1980er-Jahre fast ausgerottet. Erst strenge Schutzmaßnahmen und die Schaffung von Schutzgebieten verhinderten dies.

An der Laguna Ccasccana. | Foto: Oskar E. Busch

Dem Andenfuchs begegnet man schon häufiger; Rotwild (Taruco und das kleinere Venado) immer seltener. Der Puma hat offiziell ein Verbreitungsgebiet über die gesamten Kordilleren von Alaska bis Feuerland, kommt aber häufiger nur noch in Patagonien vor. Auch der Brillenbär musste sich in die entlegensten Gebirgszonen zurückziehen.

Das Symboltier der Anden, der Kondor, ist ebenfalls immer seltener zu beobachten. Dafür ist in felsigen Hochlagen noch häufig das Vizcacha zu sehen, ein kaninchengroßer Verwandter der Chinchillas.

 

Öffentliche Verkehrsmittel

In den letzten Jahren sind in fast allen größeren Ortschaften Busbahnhöfe entstanden, die den Überblick über die Reiseziele und das Angebot der vielen Busunternehmen erheblich erleichtern. Das Straßennetz wird immer umspannender, alle Fernverbindungsstraßen sind mittlerweile fast durchgehend asphaltiert, garantieren aber in der Regenzeit aufgrund häufiger Erdrutsche und auch Erdbeben nicht immer ein zügiges Vorankommen.

Es existieren noch 2000 Kilometer Eisenbahnstrecke, die hohen Preise machen den Einheimischen eine Bahnfahrt aber unerschwinglich. (Bis zur Privatisierung 1998 war die Eisenbahn das preiswerteste Verkehrsmittel.) Züge verkehren noch zwischen Cuzco und Puno, Cuzco – Machu Picchu, Puno – Juliaca – Arequipa und gelegentlich von Lima nach Huancayo und Huancayo – Huancavelica, natürlich jeweils auch in Gegenrichtung. Größere Städte sind mit einem Inlandsflugnetz verwoben, das von einer Vielzahl an Fluggesellschaften betrieben wird. Einziger internationaler Flughafen ist Lima.

Es gibt nahezu überall Colectivos (Sammeltaxis), meist Kleinbusse; normalerweise preiswert. Auch Taxifahren ist günstig, aber den Preis zum Ziel vorher aushandeln! Taxifahrer sind auch stets die besten Informationsquellen.

 

Zu Fuß unterwegs

Jeder kann überall im peruanischen Hochland seine eigene Wunschroute laufen, ohne auf kommerziell ausgerichtete Trekking-Organisationen angewiesen zu sein. Fast alle Touren führen über alte indianische Handelsrouten, die teilweise zu befahrbaren Pisten ausgebaut wurden. Es bedarf auch keinerlei Genehmigungen für Wanderungen oder Bergbesteigungen (Ausnahme: Huascarán-Nationalpark).

Die Laguna Wilcacocha mit traumhaftem Panoramablick über die Cordillera Blanca. | Foto: Oskar E. Busch

In den touristischen Hauptorten Cuzco und Huaraz gibt es natürlich unzählige Agenturen, die dem Wanderer ihre Dienste mal mehr, mal weniger professionell verkaufen wollen. Doch in nahezu allen Ausgangsorten für die Touren bieten ortskundige Arrieros ihre Begleitung mit Lasttieren an, denn für sie ist es ja auch eine willkommene Verdienstmöglichkeit. So braucht niemand seinen schweren Rucksack selbst zu schleppen.

In der Regel wird der Arriero mit warmem Essen mitverpflegt. Meist bekommt er einen Vorschuss ausbezahlt, um sich seinen individuellen Proviant nach seinen Vorlieben besorgen zu können. Pro Tag erhält ein Arriero durchschnittlich etwa 15 Euro.

Die Wege führen zu fast allen existierenden 53 Sechstausendern in Peru. Auf den Anmarschwegen und Etappen bis etwa 3300 Meter Höhe kann es tagsüber brütend heiß werden, ab etwa 4300 Meter Höhe muss mit Schneeschauern und nächtlichen Minustemperaturen gerechnet werden. Ein Zelt und ein guter Schlafsack sind deshalb für solche Unternehmungen das A und O. Wer nachts wegen Kälte nicht schlafen kann, verliert rasch seine Energie. Am kältesten wird es im Hochland trotz der Nähe zum Äquator in der Trockenzeit zwischen Mai und September, die auch Reisesaison ist.

Eintritt wird nur im Nationalpark Huascarán verlangt: 65 Soles für 30 Tage; 5 Soles für einen Tagesausflug. (Leider auch kaum zum Schutz der Landschaft, was die rapide zunehmende Verschmutzung beweist.) In allen Landesteilen, in jedem Gebirge wird den Touristen seit ein paar Jahren eine unterschiedlich hohe Gebühr abgeknöpft, ohne dass das Geld zum Schutz des Gebietes verwendet würde oder es der örtlichen Bevölkerung zugutekäme. Es ist eine üblich gewordene Abzockerei.

 

Karten

Für die meisten Landesteile gibt es Landkarten des IGN (Instituto Geográfico Nacional; früher: Militar) im Maßstab 1:100.000. Von der Cordillera Vilcabamba und von grenznahen Gebieten sind keine bzw. nur Karten mit zu kleinem Maßstab erhältlich. Die IGN-Karten sind zwar teilweise ziemlich alt, aber zur Orientierung auf Wanderungen unentbehrlich.

  • Instituto Geográfico Nacional, Avenida Aramburú 1190, San Isidro, Lima, www.ign.gob.pe.

Für die Cordillera Blanca (Nord und Süd je 1:100.000) und die Cordillera Huayhuash (1:50.000) gibt es neue AV-Karten, zu beziehen z.B. über den Deutschen Alpenverein oder Globetrotter.

Für die Region rund um Cuzco und den Inka-Trail ist zudem noch die Karte »Cuzco & Peru South«, International Travel Maps, ISBN 978-1-55341-547-3, im Maßstab 1:110.000 erhältlich.

 

Geld

Die Währung ist der Nuevo Sol (»Neue Sonne«), der Wechselkurs schwankt zwischen etwa 3,30 und 4 Soles für 1 Euro (abhängig vom Dollar-Kurs). Euros können mittlerweile überall gewechselt werden; in jeder Stadt gibt es Wechselstuben (Casa de Cambio), die das umständliche und zeitraubende Prozedere der Banken vermeiden.

Peru ist als preiswert zu bezeichnen. So kostet etwa die 400-km-Busfahrt von Lima nach Huaraz rund 10 Euro. Und wer auf überteuerte und meist für den amerikanisch-europäischen Geschmack verfälschte Touristen-Küche verzichten kann, wird um ein Vielfaches preiswerter und auch besser essen; Menüs gibt es ab etwa 1 Euro.

 

Einreise

Für Peru benötigt man einen noch mindestens sechs Monate gültigen Reisepass; bei der Einreise erhält man eine Aufenthaltsgenehmigung für 90 Tage, die bei Bedarf verlängert werden kann. Impfungen sind derzeit keine vorgeschrieben.

 

Telefonieren

  • von Deutschland nach Peru: 0051
  • von Peru nach Deutschland: 0049
 

Botschaften

Peruanische Botschaft in Deutschland, Mohrenstraße 42, 10117 Berlin, Tel. 030/206 41 03, www.botschaft-peru.de.

Deutsche Botschaft in Peru, Avenida Arequipa 4210, Lima (Miraflores), Tel. 0051 (0) 1/203 59 40, www.lima.diplo.de.

 

Notrufnummern

  • Polizei, allgemeiner Notruf: 105
  • Feuerwehr: 116
 

Touristische Informationen

 

4-Seasons Tipp

Wanderführer

Der Rother Wanderführer Peru von Oskar E. Busch (Bergverlag Rother, München, 1. Auflage 2013, ISBN 9783763344222) stellt 62 ausgewählte Ein- und Mehrtagestouren vor. Unterwegs trifft man auf eine überwältigende Andenszenerie, vergletscherte Berge, das Altiplano, Vulkane im Süden und die allgegenwärtige Inkakultur. Die ausführlichen und zuverlässigen Tourenbeschreibungen werden durch detaillierte Wanderkarten und aussagekräftige Höhenprofile ergänzt.

 

 
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Kommentare

Ein sehr ausführlicher und toller Artikel, danke dafür.

Mein Freund Uli und ich waren dort selbst 3 Monate unterwegs und können das nur bestätigen: die Einheimischen und speziell die Indios sind in der Regel unglaublich freundlich und hilfsbereit. Nur schade, dass dann oftmals doch Quechua statt Spanisch gefordert ist und der kulturelle Austausch über ein wenig Beschnuppern kaum hinausgeht.

Falls Ihr an einer Trekkingtour auf eigene Faust interessiert seid: wir schreiben auf unserer Seite http://www.dustyboots.blog sehr detailliert über die Touren in Peru, was man dafür benötigt sowie Grundlagen fürs Trekking in den Anden.

liebe Grüße,
Christiane