präsentiert von:

Wandern auf Mallorca

Panoramablick vom Gipfel der Massanella auf den Puig Major. | Foto: Philip Kahnis
Als beliebteste Insel Europas bietet Mallorca nicht nur Strand und Party, sondern auch abwechslungsreiche Küsten- und Bergwanderungen. Hier die wichtigsten Infos von Rother-Autor Rolf Goetz für alle, die auf der Balearen Insel wandern möchten.

 

Die Bucht von Camp de Mar. | Foto: Rolf Goetz

Mallorca ist Europas Ferieninsel Nummer eins. Lediglich zwei bis drei Flugstunden von Mitteleuropa entfernt, erwartet den Gast typisch mediterrane Lebensart, und dies an mehr als 300 Sonnentagen im Jahr. Mit einer Fläche von 3684 km² ist Mallorca die größte Baleareninsel. Mit rund 815.000 Einwohnern ist sie gleichzeitig auch am bevölkerungsreichsten. Mehr als die Hälfte der Mallorquiner lebt in der geschäftigen Metropole Palma. Im Unterschied zu den teils zersiedelten Küstenzonen ist das Inselinnere relativ dünn besiedelt. Die Gebirgsregion im Nordwesten, die gleichzeitig auch das bedeutendste Wandergebiet darstellt, ist fast menschenleer, sodass genügend Raum zur Erkundung der Natur bleibt.

Zwischen der bis fast 1500m hoch ansteigenden Serra de Tramuntana und der niedrigeren Serra de Llevant im Südosten macht sich eine fruchtbare Ebene breit. Sie steht für das bäuerliche Mallorca und ist die Kornkammer der Insel. Von Trockensteinmauern umfriedete Getreidefelder, dazu Mandel- und Johannisbrotbäume, weidende Schafherden und Hunderte Windmühlen prägen das Bild – Mallorca ist nicht nur eine Ferieninsel, sondern zeigt hier ein bodenständiges und ländliches Gesicht.

Insel mit vielen Gesichtern

Die größte Insel der Balearen zeigt sich für Naturfreunde überaus attraktiv und vielseitig. Abseits der in der Saison überlaufenen Küsten kommen im stillen Hinterland Wanderer und Bergsteiger voll auf ihre Kosten. Liebliche Täler, wildromantische Schluchten und nicht zuletzt der Gebirgszug der Serra de Tramuntana machen die Mittelmeerinsel zu einem sehr reizvollen Wanderziel, das mit unzähligen Aussichtsgipfeln und landschaftlichen Entdeckungen aufwarten kann.

Vom Wasser modellierte Felsen und Gumpen im Torrent de Mortix. | Foto: Rolf Goetz

Traumhaft schön präsentiert sich Mallorca besonders im Frühjahr, wenn Blumenwiesen und Hunderttausende von Mandelbäumen ganze Landstriche in einen blühenden Garten verwandeln. Und was Mallorca so sympathisch macht: Von den Bergen liegt das Meer fast immer in Sichtweite, Wander- und Badeferien lassen sich also sehr gut miteinander kombinieren.

Das »andere Mallorca« überrascht mit abwechslungsreichen Touren und einem gut ausgebauten Wegenetz. Als Endpunkt einer Wanderung bietet sich beispielsweise ein Kloster, eine Burgruine oder einer der 85 noch erhaltenen Wachtürme an, die aus Furcht vor Piraten einstmals rund um die Insel errichtet wurden. Und abseits der ausgetretenen Pfade findet sich selbst noch die eine oder andere einsame Badebucht. Etliche der Routen in der 2011 zum Welterbe der UNESCO erklärten Tramuntana wurden jüngst markiert und ausgeschildert, am GR 221 stehen fünf Berghütten für Wanderer offen, weitere sollen folgen.

Neben einfachen Strandspaziergängen und leichten bis mittelschweren Touren findet man auf Mallorca auch einige abenteuerliche Klippen- und Schluchtwanderungen, bei denen mitunter auf allen vieren die ursprüngliche Natur Mallorcas erkundet werden darf. Dabei folgt man den Spuren von Kalkbrennern, Köhlern und Schneesammlern, die ein weit verzweigtes Wegenetz hinterließen. Besonders romantisch geht es sich auf verschwiegenen Schmugglerpfaden, alten Reitwegen und vor allem den jüngst wieder instand gesetzten gepflasterten Pilgerwegen.

 

Anforderungen und Gefahren

Auf dem Dach des Piratenausgucks erinnert eine rostige Kanone an bewegte Zeiten. | Foto: Rolf Goetz

Die meisten Wanderungen verlaufen auf deutlichen Pfaden und Wegen. Dies sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass einige Touren eine gute Kondition, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Orientierungssinn erfordern. Beachtet werden sollte, dass sich die Schwierigkeiten bei ungünstiger Witterung erheblich erhöhen können. In der Tramuntana können plötzlich aufziehende Wolken die Sicht erheblich einschränken. Starke Regenfälle im Winter machen kurzfristig so manches Trockenbett (mall. torrent) zu einem reißenden Flusslauf.

 

Beste Jahreszeit

Auf Mallorca herrscht subtropisches Mittelmeerklima mit heißen, trockenen Sommern und milden bis kühlen, mitunter allerdings regenreichen Wintern. Schönste Jahreszeit ist das Frühjahr von Februar bis Mai, wenn die Wiesen und Hänge in ein buntes Blütenmeer getaucht sind. Im Sommer (ab Mitte Juni bis Anfang September) ist es für längere Touren mitunter zu heiß, es sei denn, man wählt schattige Waldrouten. Eine ausgesprochene Sommertour ist auch die Durchquerung des Torrent de Pareis. Der Herbst bietet ideales Wanderwetter und hat den Vorteil, dass die angenehmen Wassertemperaturen einen kombinierten Wander- und Badeurlaub möglich machen. Im Winter muss mit kühlem und regnerischem Wetter gerechnet werden, in der Tramuntana kann es in Lagen über 1000 Meter gelegentlich schneien.

 

Ausrüstung

Von einigen leichten Strandwanderungen abgesehen ist für alle anderen Touren solides Schuhwerk mit Profilsohlen notwendig. Nicht fehlen dürfen ausreichend Trinkwasser, Regen- und Sonnenschutz sowie für kühle Tage ein warmer Pullover. Ein Mückenschutz kann ebenfalls nicht schaden.

 

Anfahrt

Viele Wanderungen können mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden. Einen Bus- und Zugfahrplan mit den für Wanderer wichtigsten Verbindungen finde man hier: www.consorcidetransports.org.

 

Standorte und Unterkunft

Das Hauptwandergebiet Mallorcas ist der Gebirgszug Tramuntana, der sich auf einer Länge von rund 90 Kilometer von Andratx im Südwesten bis nach Port de Pollença im Nordosten erstreckt. Sofern man am »falschen Ort« wohnt, können die Anfahrtswege mitunter recht lang sein.

  • Südliche Tramuntana:
    Wanderziele im Südwesten, etwa La Trapa, Galatzó oder die Dracheninsel, sind bestens von den Ferienzentren Peguera, Santa Ponça, Palma Nova und Port d’Andratx erreichbar. Auch von der Bucht von Palma (S’Arenal) ist es nicht allzu weit. Für Individualreisende bietet sich das ursprünglich gebliebene Sant Elm an. Von den Ferienresorts an der Ostküste dagegen ist die Anfahrt in den Südwesten selbst im Mietwagen zu lang.

  • Zentrale Tramuntana:
    Bester Ausgangspunkt ist die heimliche Wanderhauptstadt Port de Sóller. Zu den in Deià und Valldemossa beginnenden Touren sind die Wege kurz, zum Stausee Cúber besteht ab Port de Sóller eine gute Busverbindung. Von der Bucht von Palma aus sorgt der Tramuntana-Tunnel auf der MA-11 für eine schnelle Anbindung.

  • Nördliche Tramuntana und Formentor:
    Im Nordosten sind Port de Pollença und die Bucht von Alcúdia gute Ausgangspunkte. Port de Pollença hat neben Pauschalhotels aller Preisklassen auch einfache 2- und 3-Sterne-Hotels für Individualreisende. Die Halbinsel Formentor liegt in Sichtweite und die am Kloster Lluc beginnenden Touren können auch mit dem Linienbus erreicht werden. Die Toplage mitten in den Bergen ist das Kloster Lluc selbst: Wer in der Klosterherberge wohnt, kann praktisch von der Klostertür aus loswandern.

  • Serra de Llevant:
    Für Touren zwischen Artà und dem Cap Ferrutx kommen als Standorte vor allem Cala Rajada und Cala Millor infrage. Doch auch von Cales de Mallorca, Cala d’Or und anderen Ferienorten an der Ostküste ist es nicht allzu weit. Aus dem Südwesten dagegen, etwa von Peguera aus, beträgt die Anfahrtszeit im Mietwagen fast zwei Stunden.

  • Süden:
    Touren entlang der Südküste lassen sich am besten von Cala d’Or und Còlonia de Sant Jordi aus unternehmen. Auch von der Bucht von Palma aus hält sich die Anfahrtszeit mit einer guten Stunde in Grenzen. Individualreisende sind in Cala Figuera gut aufgehoben.

 

Berghütten

Derzeit stehen dem Wanderer fünf ganzjährig bewirtschaftete Berghütten offen. Sie befinden sich alle entlang des Fernwanderweges GR 221. Die Refugi genannten Hütten bieten sich nicht nur als Ziel auf dem Weitwanderweg an, sondern sind auch gute Stützpunkte für Tagestouren. Weitere Berghütten sind in Bau oder Planung, darüber hinaus gibt es etliche unbewirtschaftete Schutzhütten.

 

Karten und Führer

Wer sich Karten zulegen will, sei auf die Autokarte im Maßstab 1:100.000 von Freytag & Berndt sowie auf die Kompass Wander-, Rad- und Freizeitkarte im Maßstab 1:75.000 verwiesen. Für die Wanderregion Tramuntana sind die drei Blätter »Mallorca Tramuntana Central«, »Mallorca Tramuntana Nord« und »Mallorca Tramuntana Sud« von Editorial Alpina im Maßstab 1:25.000 die beste Wahl. Ideal für die Region Sóller ist die 2013 ebenfalls bei Alpina erschienene Karte »Vall de Sóller« (1:15.000). Den Osten und Süden der Insel decken die vom Reise Know-How Verlag herausgegebenen Blätter »Mallorca Ost« und »Mallorca Süd« ab (Maßstab 1:40.000).

Die am besten sortierte Buchhandlung für Karten auf Mallorca ist die Casa del Mapa in Palma im Carrer de Sant Domènic (Nr. 11, Tel. 971225945). Ein schön bebildertes und handliches Bestimmungsbuch für botanisch Interessierte ist »Was blüht am Mittelmeer?« von Peter und Ingrid Schönfelder (Kosmos Naturführer).

 

Das Wegenetz

Was Mallorca für Wanderer so reizvoll macht, ist das vielfältige Wegenetz. Reitwege, alte Schmugglerpfade, Schneesammlerwege und Pilgerwege, dazu alles von einfachen Küstenpfaden bis zu alpin geprägten Gipfelsteigen – es gibt nichts auf Mallorca, was es nicht gibt. In den letzten Jahren hat man viele der alten Pilger- und Dorfverbindungswege restauriert, ein Lob gebührt dabei der Arbeit der Mauerbauschule Fodesma, die viele Wege neu gepflastert und Trockenmauern instand gesetzt hat. Vorbildlich restauriert sind beispielsweise der Camí de Castell d’Alaró, der Pflasterweg durch den Barranc de Biniaraix, der Pilgerweg Camí Vell de Lluc, der alte Postweg Camí des Correu und der Camí des ses Voltes des Galileu von Lluc zum Coll des Prat.

Wandertreff am Coll de l'Ofre vor der Silhouette des Puig Major. | Foto: Rolf Goetz

In jüngster Zeit wurden etliche Routen ausgeschildert und markiert. Abseits der beschilderten Routen sind viele Wege und Pfade mit Farbmarkierungen und Steinmännchen versehen. Diese eher provisorischen Zeichen sind naturgemäß Veränderungen unterworfen. Auf Felsen aufgemalte Farbpunkte und Richtungspfeile verblassen unter der mediterranen Sonne recht schnell, das Leben der Steinmännchen kann noch kurzfristiger sein. Und viele mallorquinische Wanderer möchten auf ihrer Insel so wenig Wegzeichen wie möglich sehen. Mitunter bedarf es also ein bisschen Pfadfindergespür, um auf dem richtigen Weg zu bleiben. So manchen Weg erobert sich zudem die Natur zurück. Die wuchernde Macchia benötigt nur wenig Zeit, um einen Pfad in einen undurchdringlichen Dschungel zu verwandeln. Mindestens einmal im Jahr organisiert der mallorquinische Wanderverein G.E.M. eine Aktion, um verwachsene Wege von Gestrüpp freizuschneiden.

  • Privatwege und gesperrte Wege:
    Viele Wanderwege auf Mallorca führen über privaten Grundbesitz. Einige wenige Landbesitzer unterbinden mit hohen Mauern und Stacheldraht strikt jeglichen Durchgang. Wege dieser Art sind mit Schildern wie Prohibido el paso (Durchgang verboten), Propiedad particular (Privateigentum) oder Camino particular (Privatweg) versehen. Manchmal bezieht sich das Verbotsschild lediglich auf den Autoverkehr. Doch so manche einstmals viel begangene Wanderungen, etwa die Route von der Finca S’Arrom nach Sóller oder der Aufstieg vom Coll de Sóller auf den Teix, sind bereits seit Jahren gesperrt. Andere Touren sind nur an bestimmten Wochentagen offen. Und für manche Tour wird für den Durchgang eine Maut kassiert.

  • Gatter und Tore:
    Wegen weidender Schafe und Ziegen ist die Mitnahme von Hunden auf vielen Wegen nicht gestattet. Die meisten Grundstücke sind von Trockenmauern (Tancas) mit Gattern und Toren eingezäunt. Diese gilt es, wieder so zu verlassen, wie sie angetroffen worden sind, entweder offen oder sorgfältig verschlossen.

  • Fernwanderwege:
    Der auf acht Tagesetappen ausgelegte GR 221 durch die Tramuntana ist bereits weitgehend fertiggestellt. Bewirtschaftete Berghütten stellen auf der 150 km langen Strecke die für Wanderer notwendige Infrastruktur. Außer dem Tramuntana-Fernweg ist mit dem GR 222 ein zweiter Weitwanderweg in Planung, der einmal von Artà im Nordosten der Insel durch die Zentralebene bis zum Kloster Lluc führen soll. Im Naturpark Península de Llevant sind die Etappen von S’Arenalet d’Aubarca über S’Alqueria Vella, Ermita Betlem und Betlem bereits ausgeschildert, die letzte Etappe von Caimari nach Lluc steht bereits seit mehreren Jahren offen.

Alle Touren sind im Rother Wanderführer ausführlich beschrieben.

  • Klosterruine La Trapa:
    Der Küstenklassiker in der südwestlichsten Ecke Mallorcas mit dem ultimativen Panorama auf die Insel Dragonera (3.20 Std.).

  • Der Reitweg des Erzherzogs Ludwig Salvator:
    Von Valldemossa auf schönem Weg auf ein aussichtsreiches Hochplateau über der Westküste ( 4.45 Std.).

  • Die Traumküste von Sa Costera:
    Vom Mirador de ses Barques geht es zu einer Agroturismo-Finca und dann an einem wildromantischen Küstenstrich zur berühmten Bucht von Sa Ca­lobra. Zurück geht es mit dem Schiff (4.40 Std.).

  • Tossals Verds:
    Paradetour durch die zentrale Serra de Tramuntana zur bekanntesten Berghütte Mallorcas, mit abenteuerlicher Querung des Torrent d’Almadrà (4.30 Std.)

  • Castell d’Alaró:
    Im lieblichen Tal von Orient beginnt ein Steig zur geschichtsträchtigen Burg von Alaró (3.00 Std.)

  • Torrent de Pareis:
    Imposante, doch sehr anspruchsvolle Schluchtwanderung, die nur von Wanderprofis in Angriff genommen werden sollte (5.00 Std.).

  • Sonntagstour um den Puig Roig:
    Die großartige Runde um den Tausender-Gipfel steht Wanderern nur sonntags offen (6.00 Std.).

  • Massanella:
    Der anspruchsvolle Steig auf den höchsten besteigbaren Inselgipfel führt durch eine eindrucksvolle Karstlandschaft (4.40 Std.).

  • Halbinsel Alcúdia:
    Der wunderschöne Rundweg macht mit der Halbinsel im Nordosten Mallorcas bekannt. Dazu gehören eine aussichtsreiche Gipfelbesteigung auf die Talaia d’Alcúdia und eine einladende Badebucht (4.40 Std.).

  • Naturpark Llevant:
    Aussichtsreiche Rundtour durch das erst in jüngerer Zeit erschlossene Wandergebiet im stillen Osten Mallorcas, inklusive sehr schöner Bademöglichkeit (6.00 Std.).

 

Vegetation und Tierwelt

Trotz der relativ überschaubaren Größe gliedert sich die Insel in verschiedene Vegetationszonen. Die Insellage begünstigte zudem die Herausbildung zahlreicher endemischer Pflanzen. In der Küstenzone findet sich die im ganzen Mittelmeerraum verbreitete Aleppokiefer. Ein Charakterbaum, der auch noch in Höhenlagen bis 1200 Meter ü. NN anzutreffen ist, ist die immergrüne Steineiche. Sie wächst teils in dichten Wäldern und spendet auf zahlreichen Wegen willkommenen Schatten.

Die Früchte des Erdbeerbaums setzen im Herbst leuchtende Farbtupfer. | Foto: Rolf Goetz

Auf ehemaligen Waldflächen findet sich die typisch mediterrane Macchia-Landschaft, eine ebenfalls immergrüne Buschvegetation aus Baumheide, Mastixsträuchern und im Frühsommer blühenden Zistrosen- und Ginsterarten. Allgegenwärtig ist das üppig wuchernde Diss- oder Schneidgras, das sich nicht selten wie eine Schlingpflanze um die Füße des Wanderers wickelt. Noch anspruchsloser und verkümmerter als die Macchia ist die lediglich meterhoch wachsende Garrigue-Strauchformation, zu deren Leitpflanzen das Balearen-Johanniskraut, der Kleinfrüchtige Affodill, die Meereszwiebel und würzige duftende Wildkräuter wie Rosmarin und Lavendel gehören. Botanische Highlights im Frühjahr sind Orchideen, zu den spektakulärsten zählen das Riesenknabenkraut, die Spiegelragwurz und die Pyramidenorchis. Im Herbst sind in voller Frucht stehende Erdbeerbäume ein Blickfang. Die kirschgroßen roten Früchte haben eine warzige Oberfläche, das mehlige Fruchtfleisch ist von unaufdringlichem Aroma. Größere Erdbeerwälder können beim Aufstieg zur Fita del Ram bewundert werden. Für subtropisches Flair sorgt die Zwergpalme (Chamaerops humilis). Die im Mittelmeerraum am weitesten verbreitete Palmenart kann bis zu sechs Meter hohe mehrstämmige Horste ausbilden, kommt jedoch meist nicht über eine Höhe von einem Meter hinaus. Besonders attraktive Exemplare der Zwergpalme finden sich im Bóquer-Tal und in der Serra Llevant.

Die Nummer eins unter den Kulturpflanzen ist der Ölbaum. Er wurde bereits vor zwei Jahrtausenden von den Römern auf die Insel gebracht. Manche der knorrigen und überaus vitalen Bäume sind bis zu 1000 Jahre alt. Olivenhaine werden fast auf jeder zweiten Tour der in diesem Führer vorgestellten Routen durchwandert, uralte Bäume sind beispielsweise auf den Wegen rund um Valldemossa, Deià, Sóller, Bunyola und im Tal von Bálitx zu entdecken.

Auch den Mandelbaum verdanken die Mallorquiner den einstigen römischen Besatzern. Wenn im Februar in Mitteleuropa noch tiefer Winter herrscht, verwandeln Millionen von Bäumen die Zentralebene Es Pla in ein zartrosa Blütenparadies. Mandelbäume stehen vielfach in Mischkultur mit dem Johannisbrotbaum, einem immergrünen Hülsenfrüchtler, der bis zu 20 cm lange, Karoben genannte Schoten hervorbringt.

Vogelkundler kommen auf Mallorca ebenfalls auf ihre Kosten. Allein im Feuchtgebiet von S’Albufera sind 200 Arten zu beobachten, darunter vor allem Stelzvögel und viele aus Mitteleuropa bekannte Wintergäste. Von den Greifvögeln am spektakulärsten sind der Mönchsgeier sowie der in den Steilküsten im Norden nistende Eleonorenfalke.

Verglichen mit der artenreichen Vogelwelt nimmt sich die übrige Fauna bescheiden aus. An Säugetieren sei die am Teix und Galatzó anzutreffende verwilderte Bergziege erwähnt. Die seltene Ginsterkatze oder der Baummarder sind nur mit viel Glück zu entdecken. Zu den wichtigsten Nutztieren gehört neben der Ziege und dem Schaf eine rabenschwarze Schweineart.

 

Umweltschutz und Naturparks

Umweltsorgen gibt es auf Mallorca mehr als genug. Ein immer wiederkehrendes Problem sind Waldbrände, die nachhaltig das Ökosystem der Insel bedrohen. Problem Nummer zwei ist die ebenfalls durch anhaltende Trockenheit verursachte Wasserknappheit, die nicht nur den Grundwasserspiegel absinken lässt, sondern durch nachdrängendes Meerwasser auch das Trinkwasser versalzt. Eine von Menschenhand inszenierte Umweltsünde ist die »Betonküste« in der Bucht von Palma. Die wie Krebsgeschwüre wuchernden Urbanisationen werden zu Recht als abschreckende Beispiele des Massentourismus angesehen.

Der kurze Steilanstieg zur Sa Talaia Moreia führt durch unwegsames Gelände. | Foto: Rolf Goetz

Doch nicht zuletzt der Tourismus führte in den letzten Jahren zur Neubesinnung. Mehr als ein Drittel Mallorcas steht mittlerweile unter Naturschutz und ist so vor der Bebauung geschützt. Mit 5000 Mitgliedern stärkste Umweltgruppe ist der 1973 ursprünglich von Vogelschützern gegründete Grup Ornitològic Balear (GOB), der immer dann aktiv wird, wenn neue Autobahnen, Golfplätze, Jachthäfen und Ferienkomplexe zur Diskussion stehen. Symbolisch für den erfolgreichen Kampf der Umweltschützer steht der Traumstrand Es Trenc, der durch massive Proteste der Bevölkerung von Hotelbauten bislang verschont geblieben ist. Ausgewiesene Naturparks bieten Naturfreunden und Wanderern beste Voraussetzungen, die natürliche Schönheit Mallorcas zu entdecken. Der erste der fünf mallorquinischen Naturparks wurde 1988 in dem Feuchtgebiet Albufera zwischen Port d’Alcúdia und Can Picafort eingerichtet, der jüngste 2001 auf der Halbinsel Llevant zwischen Artà und dem Cap Ferrutx, der für Wanderer etliche ausgewiesene Routen bereithält (Touren 48 bis 53). Der Parc Natural de Cala Mondragó schützt den reizvollen Küstenstrich bei Santanyì, der Parc Natural de Sa Dragonera die dem Südwesten Mallorcas vorgelagerte Dracheninsel. Als Nationalpark ist vor der Südküste der Miniarchipel Cabrera ausgewiesen. Die Hauptinsel Cabrera kann von April bis Oktober von Colònia de Sant Jordi aus mit einem Ausflugsschiff besucht werden.

 

Anreise

Mit dem Flugzeug: Der Flughafen Palma de Mallorca, ca. 8 km östlich der Inselhauptstadt, wird von zahlreichen Veranstaltern – überwiegend Chartergesellschaften – von allen großen Flughäfen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz angeflogen; die Flugzeit beträgt lediglich ca. 2 Std.
Mit der Fähre: Von Barcelona setzt ganzjährig ein- bis zweimal täglich eine Fähre nach Palma über; die Fahrtdauer liegt bei gut 7 Std., mit der Express-Fähre bei knapp 4 Std. Weitere Fähren zwischen spanischem Festland und Mallorca verkehren auf den Routen Dénia – Palma (ca. 5 Std.), Valencia – Palma (ca. 7 Std.) sowie Valencia – Alcúdia (ca. 6 Std.).

 

Camping

Es gibt keinen offiziellen Campingplatz auf Mallorca. Gezeltet werden kann lediglich auf dem Gelände des Klosters Lluc. Wildes Campen ist nur mit Erlaubnis des Grundbesitzers gestattet.

 

Geführte Wanderungen

Bei schwierigen Touren, etwa der Durchquerung des Torrent de Pareis oder der Besteigung des Puig de Massanella, kann die Führung durch ortskundige Wanderprofis sehr hilfreich sein. Vor Ort bieten die ausgebildeten Wanderführer Jaume Tort und Aina Escrivà Tagestouren in kleinen Gruppen und nach individuellen Wünschen an. Beide sprechen fließend Deutsch und Englisch. Kontakt aufnehmen kann man unter der E-Mail jaume.tort[at]gmail.com (es wird empfohlen, frühzeitig zu reservieren).

 

Notruf

Die zentrale Notrufnummer für Polizei, Feuerwehr, Ambulanz und Bergwacht ist 112.

 

Öffentliche Verkehrsmittel und Taxi

Die Busverbindungen auf Mallorca sind v.a. zwischen Palma und den größeren (Touristen-)Orten gut, kleinere abgelegene Ortschaften werden dagegen gar nicht oder nur selten am Tag bedient. Fahrpläne und -preise von Bussen und der Bahn Palma – Inca – Manacor (bzw. – Sa Pobla) findet man unter www.consorcidetransports.org. Taxistände gibt es in allen größeren Orten, die Preise sind oftmals an einer Tafel am Taxistand angeschlagen.

 

Sicherheit

Mallorca gilt als relativ sicher, Gewaltverbrechen sind selten, doch die Kleinkriminalitätsrate (Diebstahl, Autoaufbrüche) ist verhältnismäßig hoch. Deshalb sollte man auch keine Wertgegenstände im Auto deponieren oder unnötige Wertsachen mitführen.

 

Sprache

Auf Mallorca wird mallorquí, ein katalanischer Dialekt, gesprochen, der sich teils erheblich vom Kastilischen (dem Hochspanischen) unterscheidet und neben Spanisch offizielle Landessprache ist. Mallorquí findet sich auf Verkehrsschildern ebenso wie auf Speisekarten. In den Ferienorten wird großenteils auch Deutsch und Englisch gesprochen.

 

Telefon

Vorwahl nach Spanien/Mallorca 0034. Vorwahl von Mallorca nach Deutschland 0049, nach Österreich 0043, in die Schweiz 0041.

 

Spanisches Fremdenverkehrsamt

Turespaña, www.spain.info; Deutschland, Tel. 0180/3002647. Büros: Kurfürstendamm 63, 10707 Berlin; Grafenberger Allee 100, 40237 Düsseldorf; Myliusstr. 14, 60323 Frankfurt/M.; Postfach 151940, 80051 München.
Österreich, Walfischgasse 8, 1010 Wien, Tel. 01/15129580. Schweiz, Seefeldstr. 19, 8008 Zürich, Tel. 01/2536050.

 

Tourismusinformation Mallorca

O.I.T de Mallorca (Consell de Mallorca), Plaça de la Reina 2, E-07012 Palma de Mallorca, Tel. 0034/971173990, www.
infomallorca.net.

 

Web-Tipps

 

4-Seasons Tipp

Wanderführer

Der Rother Wanderführer Mallorca von Rolf Goetz (Bergverlag Rother, München, 11. Auflage 2013, ISBN 9783763341221) enthält 65 ausgewählte Touren an der Küste und in den Bergen der größten Baleareninsel. Die ausführlichen und zuverlässigen Tourenbeschreibungen werden durch detaillierte Wanderkarten und aussagekräftige Höhenprofile ergänzt. GPS-Tracks sind als Download erhältlich.

 

 

 
weiterführende Artikel: 
02.10.2010ArtikelOutdoorsportWandernReise

Südfrankreich: Wandern in der Provence

Zwischen den Schluchten von Ardèche und Verdon, dem Gipfel des Mont Ventoux und den Steilküsten der Calanques gibt es im Süden Frankreichs zahlreiche Ziele zu Fuß zu erkunden. Wanderführer-Autor Thomas Rettstatt gibt Tipps. zum Artikel
08.10.2010ArtikelOutdoorsportWandernReise

Wandern und Trekking in Neuseeland

Das Land der Maoris mit seinen vielen Trails und Tracks bietet Wanderern und Trekkern eine große Vielfalt. zum Artikel
09.10.2010ArtikelReise

La Réunion: Wanderparadies im Indischen Ozean

Aktive Vulkane, tiefe Schluchten und dichter Regenwald: Die französische Insel La Réunion bietet ausgezeichnete Wander- und Trekkingrouten mit exotischem Flair. Wanderführer-Autor Walter Iwersen kennt sich aus ... zum Artikel