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Vom Mont Blanc in die Welt: die Story von Millet

Foto: Archiv Millet
60 Jahre Erfahrung und Innovation, 60 Jahre Alpinismus. Die französische Marke Millet ist fest in den Bergen verwurzelt und hat nie ihre Authentizität verloren. Vielleicht, weil das gewaltige Mont Blanc-Massiv den Blick für das Wesentliche schärft und dem Unternehmen als optimales Testlabor dient.

Nimmt man es ganz genau, beginnt die Geschichte von Millet schon vor 90 Jahren: 1921 gründet Marc Millet in Lyon eine kleine Firma, die Proviantsäcke herstellt. Sieben Jahre später zieht man um nach Annecy – näher an die Alpen. Dort werden die Millets zunächst durch die Produktion von Einkaufstaschen mit Schulterriemen bekannt, ein paar Jahre später folgen erste Rucksäcke.

Ein Bestseller bei Globetrotter: die Softshell-Jacke Super Touring Evo. | Foto: Archiv Millet

Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, führen die Söhne René und Raymond Millet das Unternehmen im besetzten Frankreich weiter, unterstützen aber insgeheim die Resistance – unter anderem rüsten sie französische Widerstandskämpfer mit Rucksäcken aus. Dieses Engagement wird in Frankreich bis heute honoriert und trägt nicht unwesentlich zum guten Ruf von Millet bei.

Den wirklichen Grundstein für ihren Ruhm legen die Millet-Brüder allerdings nach Kriegsende. Als leidenschaftliche Bergsteiger entwickelten sie die ersten Alpin-Rucksäcke. René, Mitglied im französischen Alpenclub CAF, freundet sich mit dem jungen Alpinisten namens Louis an, der sich an der Produktentwicklung beteiligt. Als Louis und ein Freund eine Himalaya-Expedition planen, stattet Millet die Alpinisten aus. Am 3. Mai 1950 stehen Louis Lachenal und Maurice Herzog auf dem Gipfel der Annapurna. Es ist das erste Mal überhaupt, dass Menschen einen 8000er bestiegen haben – und dabei tragen sie Rucksäcke von Millet.

 

»Confiez vos charges à Walter Bonatti« bei Millet

Die Millet-Brüder tüfteln im Hintergrund ...

Mit der Annapurna-Erstbesteigung, die einen nationalen Freudentaumel auslöst,  beginnt die eigentliche Millet-Zeitrechnung. Es geht Schlag auf Schlag: Praktisch über Nacht ist Millet der bekannteste Rucksackhersteller Frankreichs. Das Unternehmen wächst, entwickelt neue Rucksäcke, unterstützt unzählige Expeditionen. 1959 nimmt Millet den berühmten Bergführer Walter Bonatti aus Courmayeur als technischen Berater unter Vertrag. Der Slogan »Confiez vos charges à Walter Bonatti« (»Vertrauen Sie Ihre Last Walter Bonatti an«) ist in aller Munde.

... Bonatti ist Berater und Aushängeschild. | Foto: Archiv Millet

In den 1960er-Jahren entwickelt sich Millet zu einem florierenden und international agierenden Unternehmen, immer inspiriert vom Geist des Bergsteiger-Mekkas Chamonix. 1964 setzt man neue Maßstäbe mit nahtlosen und gepolsterten Rucksackriemen. Als erster europäischer Hersteller ersetzt Millet die klassische Baumwolle komplett durch das leichtere und wasserunempfindliche Nylon. In ganz Europa werden Alpinismus und Bergwandern immer populärer, entsprechend brummt das Geschäft. 1975 geht ein zweites Millet-Werk in Frontenex, rund 50 Kilometer südlich von Annecy, in Betrieb. Zwei Jahre später wagte sich Millet auf neues Terrain: Die Rucksack-Marke präsentiert nun auch Bergsport-Bekleidung – zunächst Daunenjacken, Hosen und Jacken, teilweise aus dem brandneuen Material Gore-Tex.

Millet erweitert die Produktpalette bald und unterteilt sie in drei Linien: Expeditionsbekleidung, Wanderbekleidung und Skibekleidung. Die Kollektion wird gut angenommen: Die Bekleidung profitiert offenbar vom starken Image der Rucksack-Marke, dem solide aufgebauten Vertriebsnetz und den profunden Kenntnissen der Millet-Brüder über alles, was man in den Bergen wirklich braucht.

 

Vom Spezialisten zum Vollsortimenter - Millet rüstet auf

Parallel zum Verkaufserfolg beim alpinen Breitensportler unterstützt Millet in bewährter Manier die talentiertesten Bergsteiger ihrer Zeit. Reinhold Messner betritt 1978 den Everest-Gipfel als erster Mensch ohne Sauerstoffflaschen – aber mit einem Millet-Rucksack. Zwei Jahre später trägt der Südtiroler seinen Millet schon wieder auf den höchsten Berg der Welt, diesmal auf einer teilweise neuen Route und im Alleingang.  

Auch die Marke ist in den 80ern ganz oben angekommen. Wer in Frankreich einen Rucksack kaufen will, fragt im Laden einfach nach einem »Millet«. Der Bekanntheitsgrad der technischen Bekleidung ist ähnlich hoch, auch die Qualität verbessert sich durch die Verwendung moderner Materialien wie Polartec und Gore-Tex von Saison zu Saison.  

Lässig: die Kletterhose Roc Solid Pant. Die Alpin Vest ist DER Liebling vieler Outdoor-Frauen. | Foto: Archiv Millet

Im März 1987 gibt es wieder Grund zum Feiern. Dem französischen Alpinisten Christophe Profit gelingt, was Experten heute für die Geburtsstunde des modernen Extremalpinismus als Hochleistungssport halten: Profit bezwingt in einer Nonstop-Winterbesteigung – natürlich komplett ausgestattet mit Millet-Produkten – die Nordwände der mythischen Berge Eiger, Matterhorn und Grand Jorasses. Die »Trilogie« absolviert er solo in sagenhaften 42 Stunden – und geht damit in die Annalen des Bergsports ein. Als Hommage an diese Großtat hat Millet übrigens eine Jubiläumskollektion, die »Trilogy-Limited«, entwickelt.  

Die Kunden von Millet merken wenig davon, aber hinter den Kulissen erfolgt im Februar 1995 eine große Veränderung. Der große französische Outdoor-Ausrüster Lafuma übernimmt den kleineren Alpinspezialisten Millet. Die Marke Millet wird eigenständig weitergeführt, doch verspricht man sich als Schwergewicht im internationalen Outdoor-Markt mehr Potenzial und Synergien.

Über die ebenfalls zu Lafuma gehörende Marke Mac wird das Sortiment um Funktionsunterwäsche erweitert. Lafuma kauft außerdem den Kletterseilhersteller Rivory und vermarktet die Produkte über Millet. Nach dem gleichen Prinzip werden One Sport, ein Hersteller von Kletter-, Berg- und Wanderschuhen, sowie die Klettermarke Cousin eingegliedert. Millet wird zum echten Vollsortimenter. Auch neue Trends werden wachsam beobachtet: Bereits 2002, noch bevor die ersten extra breiten Latten auf den Tiefschneehängen gesichtet werden, lanciert Millet mit »Ride On« als eine der ersten Bergsportmarken eine eigene Freeride-Kollektion.

 

Aus Frankreich in die ganze Welt

Für alle Höhenlagen: Millet ist ein moderner Vollsortimenter. | Foto: Archiv Millet

Heute versorgt Millet Alpinsportler mit allem, was sie brauchen: von der Funktionsunterwäsche über Rucksäcke, Wetterschutzbekleidung und Schlafsäcke bis hin zu Berg- und Kletterschuhen, Seilen, Handschuhen und Accessoires. Der jährlich steigende Umsatz, inzwischen über 50 Millionen Euro, und der internationale Expansionskurs zeigen, dass die Franzosen auf dem richtigen Weg sind. Millet beschäftigt heute am Firmensitz in Annecy 65 Mitarbeiter und 20 technische Berater, die einen besonders guten Job haben: Sie dürfen die Produkte im großen Testlabor des Mont-Blanc-Massivs unter realen Bedingungen testen.

Um bei Millet arbeiten zu können, muss man gerne draußen sein. Die Mitarbeiter sind wie eh und je viel in den Bergen unterwegs und entwickeln noch immer die hochtechnischen Produkte, die sie dort brauchen. Zusätzlich sponsert Millet 70 Athleten weltweit. Nach 60 Jahren »Mountain by Experience«, so der internationale Claim, darf man in Annecy zum Jubiläum die Champagnerkorken knallen lassen: Millet hat sich dem breiten Outdoor-Markt geöffnet, ohne seine Kompetenz in der extremen Szene zu verlieren. Die Marke ist auch heute noch familiär, authentisch und unverwechselbar französisch – weltweit.

 

Ruhmreiche Ahnengalerie: Millet-Rucksäcke von 1950 bis 2000.

 

4-Seasons Info
 

Liberté, Égalité, Fraternité

 

Millets Engagement für eine bessere (Berg-)Welt

 

➜ Millet ist offizieller Ausstatter der prestigeträchtigen Chamonix Guide Company, der Bergrettung Tirol, der French National Union of Mountain Guides, des Französischen Alpenclubs, der Grupo de Alta Montaña Español, der Italienischen Bergrettung Soccorso Alpino und des Colorado Mountain Rescue Teams.

➜ Als Zeichen des Engagements für die Umwelt entwickelten die Franzosen ein eigenes Label: Low Impact. Damit werden ab sofort alle Produkte aus natürlichen Fasern oder recycelten Materialien gekennzeichnet.

➜ Eine große Anzahl von Produkten fertigt das Unternehmen aus Cocona, einer umweltfreundlichen, aus Kokosnuss-Schalen hergestellten Faser.

➜ In Frankreich sammelt Millet seit fünf Jahren alte Kletterseile – allein im Jahr 2009 stolze 177.623 Meter. Was passiert damit? Die Seile werden recycelt, zu Kleiderbügeln verarbeitet und für die Millet-Kollektionen benutzt.

➜ Seit vier Jahren wählt Millet im Rahmen des »Millet Expedition Project« jährlich einen Gewinner aus und lässt dessen Expeditionsträume wahr werden. Infos zur Bewerbung und dem Selektionsprozess unter www.millet-expedition-project.com, Infos über die letzte Gewinner-Expedition unter www.millet-expedition-blog.com.

➜ Aufräumaktion am Himalaya: Millet Korea und Millet Frankreich unterstützten gemeinsam den Koreaner Wan Yong Han bei seinem Projekt, alle vierzehn 8000er vom Müll zu befreien. Am K2 entsorgte er mit seinem Expeditionsteam beispielsweise zwei Tonnen Müll.

➜ 2011 findet an der Tournette Sources du Fier (nahe Annecy) zum achten Mal das TSF-Millet Race statt – ein zweitägiges Skitourenrennen mit 155 teilnehmenden Teams. Es geht über insgesamt 5000 Höhenmeter! Infos und Anmeldung unter www.tsf-millet.org.

Mehr über Millet: www.millet.fr