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Vaude – Öko mit System

Foto: Moritz Attenberger
Was andere gerade als Innovation entdecken, steckt bei Vaude längst in den Produkten: eine Firmen-Philosophie, die auf den verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Mensch setzt.
So nebenbei: Öko-Strom für 70 Haushalte. | Foto: Archiv Vaude

In Obereisenbach bei Tettnang, inmitten grüner Hügel und satter Weiden, sitzt Oberschwabens größter Privatproduzent von Ökostrom: Vaude. Der Strom aus der hauseigenen Photovoltaikanlage ist aber nicht das Kerngeschäft. Vaude ist Bergsportausrüster und »Outdoor-Vollsortimenter« – so nennt man im Branchenjargon jene großen Hersteller, die allein einen ganzen Trekking-Shop bestücken könnten: mit Kochern und Zelten, Schlaf- und Rucksäcken, Bekleidung und Schuhen, Kletterausrüstung und Fahrradtaschen. Vaude ist aber nicht nur eines der größten deutschen Outdoor-Unternehmen, sondern auch eines der innovativsten. Die umwelt- und familienfreundliche Philosophie wurzelt tief in der Firmengeschichte. Als Querdenker setzte Vaude-Gründer Albrecht von Dewitz bei seinen Produkten früh auf Nachhaltigkeit und Langlebigkeit. Bereits bei der Firmengründung 1974 richtete er einen Reparaturservice ein, um Produkten zu einer noch längeren Lebensdauer zu verhelfen. 35 Jahre später kümmert sich ein Team aus mittlerweile zehn Mitarbeitern darum, in die Jahre gekommene Ausrüstung wieder in Stand zu setzen. »Der Service ist so beliebt, dass manchmal sogar Konkurrenzprodukte auf unseren Nähtischen landen«, sagt Antje von Dewitz, die die Firmenleitung zum 1. Januar 2009 von ihrem Vater übernehmen wird.

Warum liegen einem Unternehmen, das – wie alle anderen – von Umsatz und Gewinn lebt, Langlebigkeit, Umweltschutz und soziales Engagement so sehr am Herzen? »Wir bieten Produkte für den Gebrauch in der Natur«, sagt Antje von Dewitz. »Umweltschutz ist deshalb für uns nur eine logische Konsequenz. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und haben beschlossen, der Umweltfreundlichkeit einen hohen Stellenwert einzuräumen.«

 

Vaude im Alleingang: 1994 startet Ecolog

bluesign-Qualität auch für Kids: Thermo-Shirt (25 Euro). | Foto: Archi Vaude

Solche »grünen« Statements hört man inzwischen allerorten, aber Vaude bietet auch Fakten: ein über Jahre entwickeltes und komplexes Ökomanagement, das von den Rohstoffen für die Produkte bis zur Umwelterziehung der Mitarbeiter-Kinder reicht. Das schafft man nicht von heute auf morgen.

Bereits 1994 wagte man – im Alleingang – einen revolutionären Schritt in Sachen Nachhaltigkeit und Recycling: Unter dem Label »Ecolog« stellte das Unternehmen Teile des Programms auf sortenreine Produkte um. Ecolog-Ausrüstung wird zu 100 Prozent aus Polyester gefertigt, so kann sie am Ende ihres Lebenszyklus ohne größere Umweltbelastungen recycelt werden. Der Teufel steckt allerdings im Detail: Reißverschlüsse aus reinem Polyester zum Beispiel gab es damals noch gar nicht, sie mussten erst entwickelt werden. »Ecolog war für uns ein Riesenprojekt«, erzählt Antje von Dewitz. »Unter den umgestellten Produkten waren auch Top-Seller wie die Lhasa-Jacke. Aus geschäftlicher Sicht sind solche Veränderungen durchaus riskant.«
Ironie der Geschichte: Bislang kamen nur wenige Ecolog-Produkte zum Recyceln zurück – offenbar halten sie einfach zu gut. Um auf mehr Rücklauf zu kommen, versucht Vaude nun, auch andere Hersteller ins Ecolog-Boot zu holen.

 

Bekleidung mit Öko-TÜV bei Vaude: bluesign

Equipment für alle Outdoor-Spielarten. Langfristig soll das gesamte Vaude-Sortiment nach bluesign-Richtlinien gefertigt werden. | Foto: Archiv Vaude

Noch umfassender als Ecolog ist ein anderes Großprojekt bei Vaude: »bluesign«. Dahinter verbirgt sich ein internationaler Qualitätsstandard mit hohen Anforderungen an die Textilproduktion: sorgfältiger Umgang mit Ressourcen, maximal schadstoffarme Textilien und eine umweltfreundliche Produktion. Sämtliche Materialien und Arbeitsschritte  werden geprüft. 2002 setzte Vaude als erster Hersteller der Sportbranche das Konzept auf einen ganzen Produktbereich um, nämlich die Base Layer-Kollektion. Die gesamte Herstellungskette der Funktionsunterwäsche, von der Faser bis zum fertigen Shirt, wurde bluesign-zertifiziert. Auch die Arbeitsplatzsicherheit, das Abwasser und die Abluft werden kontrolliert, ebenso die Optimierung des Ressourcenverbrauchs während der Produktion. Ein unglaublicher Aufwand, von dem der Kunde erstmal gar nichts mitbekommt.

2008 entschied sich Vaude sogar zur Vollmitgliedschaft bei bluesign. Das ehrgeizige Ziel: das Konzept Schritt für Schritt auf das gesamte Sortiment anzuwenden. Dafür müssen sich auch alle Zulieferbetriebe von Vaude prüfen und lizenzieren lassen – und nicht bei allen Lieferanten ist die Begeisterung groß. »Manchmal fühlen wir uns wie Asterix im gallischen Dorf«, sagt Antje von Dewitz. Sie weiß, dass noch einiges an Überzeugungsarbeit vor ihr liegt.

Trotzdem: Die naheliegende Frage, ob es ohne den Umweltidealismus nicht einfacher ginge, will sich die künftige Vaude-Chefin gar nicht erst stellen: »Wir leisten uns das, weil wir Beständigkeit dem schnellen Markterfolg vorziehen. Als reines Familienunternehmen sind wir keinem Shareholder verpflichtet – das ist bei Investitionen in den Umweltschutz ein riesiger Vorteil.«

 

Taschen aus PET-Flaschen von Vaude

Für den Rucksack: »Vaude Solar«. | Foto: Archiv Vaude

Das Engagement zieht aber auch Erfolgserlebnisse nach sich. Als sich Vaude für das EMAS-Zertifikat (ein Prädikat der Europäischen Union für vorbildliches Umweltmanagement) bewarb, staunten die EU-Experten über das bereits erreichte Niveau.

Auch die Kunden belohnen den Idealismus der Tettnanger mit steigendem Interesse: »Derzeit bemerken wir einen Wandel. Die Kunden fragen gezielt nach der Umweltfreundlichkeit von Herstellungsmethoden und Materialien. Das war früher nicht so«, sagt von Dewitz.

Während andere Hersteller diesem Trend noch hinterherlaufen, hat Vaude bereits die richtigen Produkte in den Shops: bluesign-zertifizierte Funktionsbekleidung für Kinder und Erwachsene, aber auch die großteils aus Recyclingmaterial hergestellte »Packs & Bags«-Kollektion der kommenden Saison. Die Taschen und Rucksäcke für den Alltagsgebrauch werden u. a. aus wiederverwerteten PET-Flaschen gefertigt. »Selten zeigten die Einkäufer spontan so großes Interesse an einer Kollektion.«  

Aber kommt ein Outdoor-Ausrüster bei aller Liebe zur Natur nicht doch irgendwann an einen Punkt, wo bewährte Materialien besser sind als Öko-Stoffe?
»Das ist so«, räumt Antje von Dewitz ein, »wenn es zum Beispiel um absoluten Wetterschutz geht, müssen wir auch auf Materialien zurückgreifen, die nicht recyclingfähig sind. Da hat die Funktion klar Vorrang. Anderswo gibt es wirklich hervorragende, hochfunktionelle Alternativen zu herkömmlichem Material – etwa Cocona oder Tencel.«

(Anmerkung der Redaktion: Mehr dazu im »Umwelt-Baukasten« unten).  

 

Kimmerle & Co.

Echter Familienbetrieb: Vaude leistet sich ein eigenes Kinderhaus. | Foto: Archiv Vaude

Ein Familienbetrieb ist Vaude im doppelten Sinn: Über die Hälfte der Mitarbeiter in Obereisenbach sind Frauen, denen man in Teilzeitmodellen ein Nebeneinander von Job und Familie ermöglicht. »Zuerst dachten wir, das wäre nicht im ganzen Unternehmen umsetzbar, aber heute setzen wir in allen Bereichen auf unsere Mütter«, sagt Antje von Dewitz, die selbst vier Kinder hat. »Teilzeitkräfte sind extrem effizient, motiviert und flexibel. Wenn es mal eng wird, hat man so auch einen Puffer.«

Schon im Jahr 2000 setzte Vaude mit dem Bau eines Kinderhauses auf eine familienfreundliche Personalpolitik, die zunächst skeptisch beäugt wurde – auch von den Mitarbeiterinnen. Aber nach zwei Jahren konsequenter Arbeit folgte ein wahrer »Babyboom«. Die Mütter können problemlos pausieren und sich später flexibel wieder eingliedern. »Es gibt Mitarbeiterinnen, die uns geplante Schwangerschaften vorab ankündigen, um die Organisation zu erleichtern – das ist schon ein großer Vertrauensbeweis«, sagt Antje von Dewitz.

Bildergalerie: Der Vaude Umwelt-Baukasten

Andere Mitarbeiter engagieren sich im Ökoteam und machen der Firma Vorschläge. So wie Matthias Kimmerle – der tüftelte erst privat an einem tragbaren Solarpanel für Trekker, um unterwegs GPS, Handy und Kamera aufzuladen. Nun kommt das Gerät Ende des Jahres auf den Markt – unter dem Namen »Vaude Solar« und kompatibel mit allen Rucksackmodellen der Firma.
Noch im Beratungsstadium sind Projekte wie ein möglichst ökologisches Heizsystem für das nächste Bauprojekt in Obereisenbach. Oder der Vorschlag, auf den Wiesen rund ums Firmengelände Merino-Schafe weiden zu lassen und die Wolle auch gleich zu nutzen. »Das könnte zu uns passen«, lacht Antje von Dewitz. 

 

4-Seasons Info
 

Vaude in Fakten

 
Zwei Querdenker: Albrecht und Antje von Dewitz. | Foto: Archiv Vaude

Die Vaude Sport GmbH & Co. KG wird 1974 gegründet, bei der Namengebung nimmt Albrecht von Dewitz einfach seine Initialen (vD). Anfangs vertreibt er Bergsportausrüstung und produziert eigene Rucksäcke. Bald kommen Zelte, Schlafsäcke und funktionelle Bekleidung hinzu, Vaude wird nach und nach zum Outdoor-Vollsortimenter. 1995 übernimmt Vaude die auf Trinkflaschen und Kocher spezialisierte Traditionsfirma Markill. Mit dem Kauf der Klettermarke Edelrid wird 2006 das Angebot um Kletterhartware erweitert. Heute ist Vaude eine der großen europäischen Bergsportmarken. 60 Prozent des Umsatzes erzielt man in Deutschland, 40 Prozent durch den weltweiten Export.

Am Stammsitz in Obereisenbach bei Tettnang arbeiten 420 Mitarbeiter im Bereich Produktentwicklung, Marketing, Vertrieb und Verwaltung, auch die hochfrequenzverschweißten Radtaschen werden dort hergestellt. Die Tochterfirma Edelrid in Isny beschäftigt 100 Mitarbeiter.

Weltweit verzeichnet Vaude 1300 Beschäftigte. Der Bergsportausrüster befindet sich seit der Firmengründung zu 100 Prozent in Familienbesitz. Zum 1. Januar 2009 übergibt Albrecht von Dewitz das Führungsruder an seine Tochter Antje, die bereits lange als Marketingchefin tätig ist.

 
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