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Trekking in Patagonien und Feuerland

Die »Drei Zinnen« Patagoniens: Torres del Paine | Foto: Ralf Gantzhorn
Zwischen Bariloche, Fitz Roy, Torres del Paine und Ushuaia – die Südspitze von Chile und Argentinien ist ein Sehnsuchtsziel für Trekker. Die Wanderführer-Autoren Ralf Gantzhorn und Thomas Wilken kennen sich aus ...

 

 

Die Zeiten ändern sich – manchmal schneller als man denkt. Komischerweise gilt dies ausgerechnet für eine der landläufigen Meinung nach so gottverlassene Gegend wie Patagonien. Musste man vor 30 Jahren, um zum Basislager des Fitz Roy zu gelangen, noch in einer lebensgefährlichen Aktion durch den Río Fitz Roy waten, steht dort heute eine solide Betonbrücke als Zugang des Dorfes El Chaltén. Böse Zungen behaupten sogar, der Ort würde sich zum Chamonix von Südamerika entwickeln. War der Nationalpark Conguillío noch vor 15 Jahren ein relativ schwierig zu erreichender Park im Norden des Seengebietes, ist es an warmen Sommerwochenenden mittlerweile dort so voll, dass hin und wieder die maximale Besuchsdauer auf drei Tage beschränkt werden muss.

Ein historisches Bild: Staub und Schotter auf dem Weg nach El Chaltén. | Foto: Ralf Gantzhorn

Man mag der Vergangenheit hinterhertrauern, fair wäre es nicht. Patagonien ist ein Teil dieser Erde und die Zivilisation entwickelt sich dort genauso weiter wie im Rest der Welt auch. Mit allen positiven wie negativen Begleiterscheinungen. So ist ein Stück Normalität in Patagonien eingekehrt, die wahrscheinlich auch viel zum Schutz der einmaligen Natur beiträgt. Man reist mittlerweile gut, bequem und schnell im Land. Einzelne Regionen sind vollständig auf Touristen eingestellt, andere noch völlig unerschlossen. Patagonien hat eine Menge zu bieten, für uns ist das südlichste Ende der Welt auch das schönste. Jedoch sollte man nicht enttäuscht sein, dass in den bekannteren Regionen der Hauch des Wilden Westens bereits vorübergeweht ist. Ein Pionierland ist Patagonien trotzdem noch, das Klima und die Weite des Landes sorgen schon dafür. Wer etwas Zeit mitbringt, dem wird sich eine Landschaft öffnen, deren Schönheit im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos macht. Man muss vielleicht jetzt nur etwas mehr danach suchen.

 

Endlose Weite – das Landschaftsbild

Eine Reise durch Patagonien gleicht einer Reise durch ein Niemandsland. Endlose graubraune Ebenen, nur spärlich bewachsen von wenigen Gräsern und Büschen, beherrschen das Bild so weit das Auge reicht. Trotzdem ist es gerade diese unglaubliche Leere, die wie für ein nie gehaltenes Versprechen von Freiheit und Weite steht und die die Gefühle der Menschen bestimmt. Schon Charles Darwin fragte sich nach seiner fünfjährigen Forschungsreise auf der Beagle: »Warum hat sich dann, und das geht nicht nur mir so, diese dürre Einöde so tief in mein Gedächtnis eingegraben?« Und W. H. Hudson fügte in seinem Buch »Idle Days in Patagonia« hinzu: »Es ist nicht die Einbildungskraft, es ist die Natur in dieser desolaten Landschaft, die uns aus einem Grund, den wir erst später erkennen, tiefer bewegt als andere.«

Kleiner Mensch vor großer Kulisse: Zwei Bergsteiger erreichen den Paso Marconi. | Foto: Ralf Gantzhorn

Im Kontrast zu den dürren und winddurchtosten Ebenen stehen die patagonischen Anden. Völlig unvermittelt ragen sie aus der Ebene auf, fast 3000 Meter über den smaragdgrünen Spiegeln der großen Andenseen. Aber auch hier wird der Blick nie eingeengt, kein von drohenden Gipfeln begrenzter Horizont beherrscht das Bild. Stets spannt sich ein Himmel über die Landschaft, dessen Klarheit und Farbintensität den besonderen Reiz dieser Gegend am südlichsten Ende der Welt ausmacht.

An der Südspitze des südamerikanischen Kontinents liegt das Land, das Fernando de Magallanes und sein Chronist Antonio Pigafetta, als sie im Winter 1520 an einer trostlosen, kalten Küste gestrandet waren, Patagonien nannten. »Eines Tages«, so heißt es in Pigafettas Bericht, »erblickten wir zu unserem Erstaunen an der Küste einen Mann von Riesengröße ... Dieser Mann war so groß, dass der Kopf des Größten von uns nur bis zum Gürtel reichte ... Unser Kapitän gab diesem Volk den Namen Patagonier.« Hierbei lehnte er sich an eine fiktive Gestalt, den Riesen »Pathagón« aus den »Novelas de Caballería« (Kapitel »Primaleon«) an, eine Sammlung von Rittergeschichten, die in jenen Zeiten große Beachtung fanden.

Patagonien, wie wir es heute kennen, ist eine geografische Bezeichnung für den Süden Lateinamerikas mit dem Río Colorado als nördliche Begrenzung. Drei Viertel dieser Landschaft gehören zu Argentinien, dessen Anteil im Westen von den Vulkanen und Zinnen der Andenkordillere und im Osten vom Atlantik begrenzt wird. Dazwischen liegt das patagonische Tafelland, eine breite Trockenzone, deren Strauch- und Büschelgrassteppe die Heimat von 15 Millionen Schafen ist. Nur knapp vier Prozent der argentinischen Bevölkerung leben in diesem etwa 765.000 km² (Deutschland = 357.000 km²) großen Teil des Landes. Auf 1 km² kommen nur 1,3 Einwohner, in der Provinz Santa Cruz sinkt die Bevölkerungsdichte auf 0,5 Einwohner/km² ab. Erschlossen wird dieses riesige Gebiet durch zwei Nord-Süd-Verbindungen: die parallel zur Atlantikküste verlaufende, asphaltierte Ruta 3 und die als Abenteuerstraße verrufene (mittlerweile aber zum Teil asphaltierte), längs der Anden gebaute Ruta 40.

Auf der Westseite der Anden erstreckt sich der schmale, bis zu 100 Kilometer breite chilenische Teil Patagoniens. Im äußersten Norden herrscht noch die klassische Dreigliederung Chiles in die Andenhauptkette, die Küstenkordillere und das dazwischenliegende, große chilenische Längstal vor. Südlich von Puerto Montt versinkt das Längstal im Meer, die Küstenkordillere setzt sich nach Süden in einem Gewirr von Inseln fort, deren größte die Insel Chiloé ist.

Der Westen Patagoniens gehört zu den niederschlagsreichsten Gebieten der Erde, dementsprechend ist die Vegetation von einem undurchdringlichen, immergrünen Regenwald geprägt. Eine Besonderheit der südlichen patagonischen Anden stellen die beiden Eisfelder dar, die zusammen ca. 18.000 m² groß sind und weite Teile der zentralen Anden bedecken. Nördlich des Südlichen Eisfeldes wird der chilenische Teil Patagoniens durch die Carretera Austral erschlossen. Parallel des südlichen Eises existieren keine Wege mehr auf chilenischem Gebiet, sodass der äußerste Süden Chiles auf dem Landweg nur über Argentinien erreichbar ist.

Die Magellanstraße, die Südamerikas größte Insel Feuerland vom Festland trennt, schließt Patagonien im Süden ab. Aufgrund der einheitlichen geografischen Gegebenheiten wird normalerweise auch Feuerland zu Patagonien gerechnet. Allerdings verläuft hier die Andenkordillere in Ost-West-Richtung, sodass die krasse klimatische Ost-West-Differenzierung Patagoniens einem Nord-Süd-Schema weicht: In Feuerland fällt im Süden der Regen und im Norden beherrscht der ewige Wind die flachen Ebenen.

 

Die Uhren werden umgestellt – Patagonien im Wandel

Patagonien wäre bestimmt ein hervorragendes Objekt, um die Relation zwischen der Kälte des Klimas und solchen Tugenden wie Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit zu studieren. Wie dem auch sei, Patagonien ist ein dünn besiedeltes Land weitab der politischen Zentren der jeweiligen Länder. Gerade einmal knapp drei Millionen Einwohner verteilen sich auf einer Fläche, die doppelt so groß wie die Bundesrepublik Deutschland ist. Kein Wunder also, dass hier noch viel Platz ist für so manche »Verrücktheit«. Auch scheint es, dass bedingt vielleicht durch die Weite des Landes und die relativ junge Geschichte (viele Menschen sind erst vor wenigen Jahren bzw. Jahrzehnten nach Patagonien gezogen) die Toleranz und Hilfsbereitschaft untereinander sehr groß ist. Dem Gast, sprich uns Wanderern und Bergsteigern, begegnet man in Patagonien normalerweise mit Respekt und auch Neugier. Bettelei, Diebstahl oder auch Raubüberfälle sind zum Glück noch Fremdworte am Ende der Welt.

Sattelfest: Gaucho auf der Estancia Río Capitán. | Foto: Ralf Gantzhorn

Dass man mit Touristen auch Geld verdienen möchte, ist völlig klar und legitim, aber man bekommt ja schließlich auch einiges geboten. Augenfällig ist, dass sich Patagonien in einem tief greifenden Strukturwandel befindet. Stellten früher die Estancias, riesige Schaffarmen, auf denen das »weiße Gold Patagoniens« weidet, die wirtschaftliche Grundlage des Landes dar, wurden diese in der Zeit des Wollpreisverfalls häufig an reiche Ausländer verkauft. Schilder mit dem Hinweis »Propiedad privada« künden nun davon, dass viele Argentinier sich nicht mehr frei – wie ehedem selbstverständlich – in ihrem eigenen Land bewegen können. Ein Zustand, der für politischen Streit sorgt.

Orte wie Calafate oder El Chaltén haben ihre Einwohnerzahl in den letzten fünf Jahren verdreifacht, ein Ende dieser Entwicklung ist noch nicht abzusehen. Nur leider schaffen es die Verantwortlichen nicht, auch die örtliche Infrastruktur entsprechend anzupassen. Ist ein Stromausfall in Calafate noch relativ romantisch und nicht genügend Wasser morgens aus der Dusche auch gut zu verkraften, sind wilde Müllberge am Rande von Ortschaften oder ungeklärte Abwässer in den riesigen Seen der Voranden schon weniger erfreulich.

Insgesamt ist der gesamte Süden Lateinamerikas eine Region im Aufbruch. Sinnbild dafür ist vielleicht die neu ausgebaute PanAmericana zwischen Puerto Montt und Temuco. Auf dieser wie eine Autobahn ausgebauten Straße zahlt man alle 50 Kilometer an Mautstationen nach französischem Vorbild die fällige Gebühr. Alles erinnert an Europa, es sieht aus wie in Bayern, selbst schwarz-weiße Kühe stehen auf der Weide. Nicht hineinpassen in dieses Bild wollen jedoch die Gauchos, die die Autobahn nutzen, um einige Kühe auf den nächsten Acker zu treiben.

 

Anforderungen

Die touristische Infrastruktur im Gebirge ist trotz zahlreicher aus dem Boden schießender Outdoor- bzw. Trekkingagenturen relativ primitiv. So sind nur die gängigen Wege in den Nationalparks Torres del Paine, Los Glaciares und Nahuel Huapi markiert, alles andere sind normalerweise von Pferden ausgetretene Siedlerpfade oder Wegspuren, die jedoch mit etwas Gespür für das Gelände gut zu finden sind. Eine wichtige Voraussetzung für das Trekking in Patagonien ist die Fähigkeit, einen etwa 15 bis 20 Kilo schweren Rucksack über längere Strecken tragen zu können. Auch sollte man trittsicher sein, denn oft sind Schotterfelder zu queren oder sumpfige Abschnitte zu überwinden.

 

Gefahren

Alltag in Patagonien: Flussquerung zwischen Lago Frías und Lago Argentino | Foto: Ralf Gantzhorn

Patagonien ist von Natur aus ein wildes Land, in dem es einige Spielregeln zu beachten gilt. Wichtig ist dabei vor allem eine Strategie zur Unfallvermeidung, denn wenn erst etwas passiert ist, kann es häufig zu spät sein. Einen Rettungsdienst nach europäischem Vorbild gibt es nicht, und bis man zu Fuß einen Arzt herbeigerufen hat, können Tage vergehen. Wählen Sie daher eine Tour aus, die Ihrem Wissensstand und Ihrer körperlichen Verfassung entspricht. Bereiten Sie sich nach Möglichkeit physisch und mental auf das angepeilte Ziel und die voraussichtlichen Anforderungen vor. Bedenken Sie dabei immer, dass sich das Wetter in Patagonien innerhalb von wenigen Stunden ändern kann und damit eventuell die Fortführung einer Tour unmöglich wird. Kalkulieren Sie immer Reservetage ein. Das gilt insbesondere für die Touren auf den beiden Eisfeldern, wo man wetterbedingt tagelang im Zelt festgehalten sein kann. Im Einzelnen sollte man sich auf folgende Bedingungen und spezielle Gefahren in den Anden einstellen:

  • Orientierung: Nebel tritt relativ selten auf, dafür gerät man auf den Hochplateaus im Norden oder den Touren im Bereich der Eisfelder umso häufiger in die Wolken. Während man sich im Seengebiet wahrscheinlich noch recht gut anhand der Markierungsstangen und Trittspuren orientieren kann, helfen im Süden nur gute Navigationskenntnisse mit Karten und Kompass oder am besten mit GPS. Gerade im Bereich der Eisfelder empfiehlt sich die Mitnahme eines GPS-Gerätes, mit dessen Hilfe die wichtigsten Wegpunkte fortlaufend eingetragen werden können, sodass man auch im »White Out« zumindest auf gleichem Weg zurückfindet.
  • Flussquerungen: Flussquerungen gehören zu den Standardsituationen in Patagonien. Manchmal müssen gleich mehrere Bäche an einem Tag durchwatet werden. Dazu sucht man sich zunächst eine geeignete Stelle, an der die Strömung nicht zu stark ist und die Wassertiefe auf keinen Fall Hüfthöhe überschreitet. Dann zieht man Stiefel und Hose aus und schnallt beides auf den Rucksack. Als geeignetes Schuhwerk haben sich Teva-Sandalen oder ein leichtes Paar Turnschuhe bewährt. Gehen Sie während der Flussüberquerung schräg gegen die Strömung und stützen Sie sich dabei mit beiden Stöcken ab. Bei Unsicherheiten bezüglich des nächsten Schrittes sollte man mit einem Stock vorfühlen, wie tief es werden wird. Der Hüftgurt des Rucksacks muss auf jeden Fall geöffnet bleiben, damit man das Gepäck im Notfall abwerfen kann. Am Nachmittag (durch die Schneeschmelze) oder nach starken Regenfällen kann es unmöglich werden, einen Bach zu durchwaten. In so einem Fall hilft nichts anderes als umzukehren oder den nächsten Morgen abzuwarten.
  • Schneefelder: Schneefelder werden entweder umgangen oder mit kräftigen (!) Schritten gequert. Sollten sie vereist sein, hat man besser Steigeisen im Gepäck.
  • Sturm: Wind ist das Markenzeichen Patagoniens und man kann sich, aus Mitteleuropa kommend, kaum vorstellen, wie stark dieser auf die unmittelbare Geländegängigkeit Einfluss hat. Der patagonische Wind weht ständig und sehr kräftig und ist dazu auch noch sehr böig. So kann es durchaus passieren, dass innerhalb von Sekunden der Wind nachlässt und anschließend wieder auffrischt. Er entfaltet dabei eine geradezu umwerfende Wirkung, dies ist insbesondere auf Geröllfeldern nicht ungefährlich. So wurde uns glaubwürdig von Menschen berichtet, die vom Wind knapp zwei Meter hochgehoben wurden und dann wie ein reifer Apfel zu Boden plumpsten. Da man sich vor starkem Wind nicht explizit schützen kann, hilft bei Sturm insgesamt nur eine vorsichtige Gehweise. Darüber hinaus ist natürlich die Ausrüstung, und hier insbesondere das Zelt, den windigen Umständen anzupassen.
  • Schotterfelder: Schotterfelder gehören zu den am häufigsten zu querenden Unannehmlichkeiten in Patagonien. Ob scharfkantige Lavaströme oder Blockströme aus Granit, überall liegt Schutt. Sicheres Gehen auf losem Untergrund sollte daher Voraussetzung auf allen leichten und mittelschweren Touren sein.
  • Sonne: So merkwürdig das vielleicht klingt, aber die liebe Sonne ist in Patagonien zumindest aus Sicht der Haut ein Problem. Die Sonneneinstrahlung ist aufgrund des Ozonlochs extrem stark, jedes Jahr erblinden durch das nahezu ungefilterte UV-Licht Hunderttausende von Schafen. Man sollte sich daher gut schützen, selbst Einheimische benutzen Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor. Besonders empfindliche Hautpartien sollte man bedeckt halten. Eine leichte Kopfbedeckung schützt das Gesicht. Auf Schneefeldern ist eine Sonnenbrille ein Muss! Zu beachten ist, dass man selbst bei bewölktem Himmel innerhalb weniger Minuten einen Sonnenbrand bekommen kann.
  • Tiere: Tiere, die dem Menschen gefährlich werden, gibt es in Patagonien nicht. Eine Begegnung mit dem einzigen größeren Raubtier der Region, dem Puma, ist nahezu auszuschließen. Sehr störend sind die Tábanos, Pferdebremsen, die im Hochsommer zu einer wahren Plage werden können. Etwas ekelig, je nach Betrachtungsweise, sind Vogelspinnen, die sowohl in den Steppen Patagoniens als auch im Regenwald des Bosque Valdiviano vorkommen. Sie greifen aber in der Regel den Menschen nicht an. Um unliebsamen Begegnungen vorzubeugen, sollte man jedoch generell den Inhalt seiner Stiefel überprüfen, bevor man in diese hineinschlüpft. An windstillen Tagen, zum Glück selten, können Mücken dem Trekker zur Last werden.
  • Zu guter Letzt sei auf die Mäuseplage auf den häufiger frequentierten Zeltplätzen, insbesondere in den Nationalparks Torres del Paine und Los Glaciares, hingewiesen. Nicht ordentlich verpackte Lebensmittel stellen eine willkommene Einladung für die Tiere dar, sich auch noch durch den teuersten Zeltboden zu knabbern. Essensvorräte sollte man daher am besten irgendwo wasserdicht verpackt aufhängen. Mäusekot und Dreck kann übrigens den Hanta-Virus übertragen, eine mehr als unangenehme Krankheit!
 

Höhenangaben

Höhenangaben in Patagonien sind meist das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind. Das gilt auch für den Rother Trekkingführer, so traurig das klingt. So sind die zu lesenden Zahlen für die Höhe von Hütten, Gipfeln oder Pässen als Orientierung zu verstehen, mehr nicht. Denn die Quellenlage ist schlichtweg mies. Selbst für so bekannte Gipfel wie den Fitz Roy variieren die offiziellen Angaben zwischen 3375 und 3460 Meter, in unbekannteren Gegenden konnten wir noch wesentlich größere Differenzen feststellen. Wir haben uns für die unseren Recherchen nach plausibelste Zahl entschieden. Und letztendlich ist es unserer Meinung nach auch fast egal, ob etwa das Refugio Otto Meiling 2050 Meter hoch ist (wie auf einigen Karten) oder 2000 Meter (wie nach unserem GPS), oder nur 1920 Meter, wie nach anderen Quellen. Der Weg ist der gleiche, die Aussicht so oder so.

 

Ausrüstung

Wasser und Wind sind die beiden prägenden Elemente bei der Wahl der für die patagonischen Anden geeigneten Ausrüstung. Die Ansprüche an das Material sollten dem rauen Klima entsprechend hoch sein.

Als Schuhwerk haben sich für die häufig über wegloses Gelände führenden Wanderungen knöchelhohe Berg- oder Trekkingstiefel mit Profilsohle und eingearbeiteter Membran bewährt.

Bei der Bekleidung gilt das Zwiebelschalenprinzip. Das bedeutet, dass man sich durch verschiedene dünne Lagen entsprechender Bekleidung optimal an die äußeren Gegebenheiten anpasst. Dadurch wird übermäßiges Schwitzen genauso vermieden wie bei Ruhepausen oder einem Temperatursturz zusätzliche Kleidung angezogen werden kann.

Als unterste Schicht ist Sport- oder Funktionsunterwäsche aus Schweiß ableitender Kunstfaser zu empfehlen. Darüber trägt man entweder einen dünnen Fleece oder ein Hemd aus dem gleichen Gewebe. Bei kälteren Temperaturen kommt ein weiterer Fleecepullover zum Einsatz, aufgrund der klimatischen Bedingungen am besten aus Windstopper-Material. Als Trekkinghose empfehlen sich weite Hosen mit zahlreichen Taschen, entweder aus einem Mikrofasergewebe oder einem schnell trocknenden Baumwoll-Polyester-Material.

Bei extremen Witterungsverhältnissen benötigt man als oberste Schicht eine robuste Regenjacke und -hose aus einem atmungsaktiven und absolut wasserfesten Stoff (Goretex, Sympatex etc.). Stets zum Gepäck gehören darüber hinaus dünne Handschuhe, Mütze, ein Halstuch und Gamaschen.

Um bei schlechten Sichtverhältnissen die Orientierung nicht zu verlieren, gehört ein Kompass in den Rucksack, bei schwierigen Touren ein GPS-Gerät.

Teleskopstöcke entlasten die Gelenke und sind ein unverzichtbares Hilfsmittel auf morastigen Wegen oder bei Flussquerungen.

Damit die Energieversorgung nicht zusammenbricht, ist genügend Nahrung mitzunehmen. Zu beachten ist, dass je nach Länge und Abgeschiedenheit der Wanderung Reservelebensmittel einzupacken sind. Als geeignete und in Südamerika erhältliche Lebensmittel für unterwegs haben sich morgens Müsli/Milchpulver und Tee/Pulverkaffee, mittags Trockenfrüchte/Schokolade/Kekse und Nüsse sowie abends diverse Nudel- und Reisgerichte bewährt.

Uralt und ganz schön faltig, der Glacias Frías. | Foto: Ralf Gantzhorn

Eine Trinkflasche mit einem Liter Inhalt pro Person gehört übrigens ebenfalls ins Gepäck. Der Schlafsack sollte einen Einsatzbereich von bis zu -15° Celsius aufweisen, bei Isomatten haben sich die selbst aufblasbaren bewährt. Da die Vegetation Patagoniens einige Spitzen aufweist, kann ein Reparaturset für die Matte den Schlaf retten.

Das Zelt ist im Normalfall der wichtigste Schutz unterwegs. Es sollte daher höchsten Ansprüchen an Stabilität und Material genügen. Bewährt haben sich Tunnelzelte oder, auf extrem dem Wind ausgesetzten Touren, geodätische Konstruktionen.

Der Rucksack sollte ein Fassungsvermögen zwischen 60 und 80 Litern besitzen und sich gut tragen lassen. Beim Kauf in den einschlägigen Fachgeschäften auf jeden Fall den Rucksack mit Gewicht anpassen lassen!

Wichtige Accessoires sind eine leichte Stirnlampe, Taschenmesser und Feuerzeug. Hinsichtlich des richtigen Kochers gehen die Meinungen etwas auseinander. Wir empfehlen Benzinkocher, da diese sowohl leicht als auch effektiv sind. Das entscheidende Argument für einen Benzinkocher ist jedoch der überall erhältliche Brennstoff. Am besten kauft man in Südamerika gereinigtes Benzin, in Chile als »bencina blanca« bekannt, in Argentinien »solvente« genannt.

 

Trinkwasser

Wasser ist normalerweise reichlich vorhanden und in den höheren Lagen auch von guter Qualität. Im Bereich von Viehweiden sollte man es jedoch vor der Verwendung desinfizieren. In Gebieten, in denen Wasser Mangelware ist, wird bei den jeweiligen Touren gesondert auf Wasserquellen hingewiesen. Dies betrifft insbesondere die wüstenhaften vulkanischen Plateaus im Norden.

 

Einkehr und Unterkunft

Einkehrmöglichkeiten unterwegs findet man nur in den wenigen touristisch erschlossenen Regionen, bei Touren in abgelegeneren Gebieten hingegen kaum; Restaurants oder Gasthöfe im europäischen Sinn noch weniger. Andererseits gibt es auch in kleinen Dörfern oder am Straßenrand oft Lebensmittelläden oder Kioske, die manchmal auch warme Mahlzeiten anbieten. Bei den einzelnen Touren wird jeweils auf diese Möglichkeiten hingewiesen.

Urgemütlich und eine echte Alternative zum Zelt: die Refugios in der Comarca Andina. | Foto: Ralf Gantzhorn

Trekking in Patagonien beinhaltet normalerweise immer ein Zelt. Dieses kann man im Prinzip aufschlagen, wo sich Platz und Gelegenheit bieten. Voraussetzung dafür ist erstens die Bereitschaft, im Zweifelsfall den privaten Besitzer des Geländes zu kontaktieren, und zweitens, den Platz sauber zu verlassen. Dieses zwar nirgends schriftlich fixierte, aber bisher praktisch überall angewandte patagonische »Jedermannsrecht« funktionierte so lange hervorragend, wie sich nur wenige Besucher in die Parks verliefen. In den populären Gebieten wie am Fitz Roy hat sich das mittlerweile geändert. Von der Parkverwaltung sind Zeltplätze eingerichtet worden, und (zumeist primitive) sanitäre Einrichtungen sorgen dafür, dass nicht überall kleine, übel riechende Haufen die Umgebung verunstalten. In den Torres del Paine ist man sogar noch einen Schritt weitergegangen, indem man Hütten nach alpinem Vorbild gebaut hat (Zelten in unmittelbarer Umgebung ist jedoch im Gegensatz zu den Alpen weiterhin erlaubt, zum Teil allerdings kostenpflichtig). Ähnliches gilt für die Umgebung von Bariloche. In beiden Gebieten gilt es jedoch zu beachten, dass die Hütten besonders im Hochsommer hoffnungslos überfüllt sind, man also doch auf das Zelt zurückgreifen muss. In den meisten anderen Gegenden kann man weiterhin frei zelten.

 

Anfahrt

Fast alle Ziele in den patagonischen Anden sind mit dem Bus erreichbar. Nähere Hinweise finden sich in den jeweiligen Tourenbeschreibungen.

 

Beste Jahreszeit

Als beste Jahreszeit wird in Patagonien normalerweise der Südsommer angesehen, also die Monate von Dezember bis Ende März. Aufgrund der enormen geografischen Länge des Landes (ca. 1500 km) gibt es natürlich große Unterschiede zwischen dem Norden und Süden. So ist das Seengebiet deutlich milder als Feuerland. Generell gilt: Je weiter man nach Süden kommt, desto unwirtlicher das Klima und desto kürzer der Sommer.

In den letzten Jahren ist aber die Tendenz festzustellen, gerade außerhalb der normalen Saison nach Patagonien zu fahren, um etwa abseits jeglichen Trubels Schneeschuhwanderungen durchzuführen. Die immer leichtere und bessere Ausrüstung auf dem Markt macht Winterreisen auch für »Normaltouristen« attraktiv. Daher wird im Folgenden eine kurze Charakterisierung der Jahreszeiten mit den wichtigsten Vor- und Nachteilen gegeben. Eine Garantie für irgendeine Periode des Jahres mit stabilem Wetter gibt es im Übrigen nicht.

  • Oktober bis Dezember: Frühling in Patagonien. Die Tage werden länger, die Bäume tragen ein erfrischendes Grün und viele Sträucher der präandinen Zone blühen. Trekkingtouren in tiefer gelegenen Regionen sind normalerweise möglich, für Pässe oder Hochplateaus sind jedoch Schneeschuhe erforderlich. Im Seengebiet wird diese Zeit des Jahres häufig für Skibesteigungen der Vulkane genutzt. Weiter im Süden, so sagt die Legende, stellen sich einige längere Schönwetterperioden, insbesondere um den Monatswechsel von November auf Dezember, ein. Der Wind weht normalerweise kräftig.
  • Januar bis Februar: Ferien in Argentinien und Chile und Hochsommer in Patagonien. Nach Weihnachten bzw. Silvester herrscht viel Betrieb in den Anden, es kann schon ab und zu mal eng werden. Die Temperaturen können bis 30° Celsius steigen, die Wahrscheinlichkeit dafür ist jedoch relativ gering, denn der Sommer gilt als die sturmreichste Zeit des Jahres. Weht kein Wind, sind die Tábanos, Pferdebremsen, ein das Wohlbefinden deutlich beeinträchtigender Faktor. Im Seengebiet laden die großen Seen zum Baden ein.
  • März bis Mai: Der Herbst kann wunderschöne klare Tage mit fantastischen Farben hervorbringen. Muss er aber nicht. Insgesamt eine wunderschöne Zeit zum Wandern. Im Seengebiet gilt zu beachten, dass ab April die Regenzeit einsetzt. Es regnet dann noch mehr als sonst.
  • Juni bis September: Ab Juni herrscht Winter in Patagonien. Bariloche und einige andere Orte im Norden werden zum Mekka für Skifahrer. Der äußerste Süden hingegen verfällt in eine Art Winterschlaf. Zwar wird es aufgrund der Nähe zum Meer nicht richtig kalt, aber die Tage sind kurz und Schnee liegt bis in die Tallagen. Winterstürme gibt es selbstverständlich auch, insgesamt weht der Wind jedoch deutlich weniger als im Sommer.
 

Karten

Landkarten werden in Chile und Argentinien von den zuständigen Institutos Geográficos Militar (IGM), den militärgeografischen Instituten, herausgegeben. Leider gilt für beide Länder, dass die dort erhältlichen Karten ungenau bzw. häufig sogar falsch und veraltet sind. Wanderwege sind so gut wie nie eingetragen und wenn, handelt es sich meist um uralte Routen, die längst nicht mehr existieren. Für den Trekker sind diese Karten nicht nur teuer (knapp 30 US-Dollar/Stück), sondern oft auch noch unbrauchbar. Wer sich trotzdem dafür interessiert: Verkaufstellen gibt es in Santiago bzw. Buenos Aires.

  • Instituto Geográfico Militar, Dieciocho 369 (Metrostation Tuesca), Santiago, Chile; Tel. 0056 2/460 68 63, www.igm.cl
  • Instituto Geográfico Militar, Avenida Cabildo 381, Buenos Aires, Argentina; www.geoargentina.gov.ar

Da in Patagonien die wenigsten Trekkingrouten markiert sind, ist eine Karte oft unentbehrlich. Eine missliche Situation, die dazu geführt hat, dass in den bekannteren Trekkinggebieten private Verlage die Aufgabe des IGM übernommen und gute Karten herausgegeben haben. Empfehlenswert sind die Karten der argentinischen Verlage Zagier & Urruty (www.patagoniashop.net) und Aoneker (www.aoneker.com), die deutlich hochwertiger sind als die IGM-Karten. Hinweise zu den am besten geeigneten und vor Ort erhältlichen Karten finden sich bei den jeweiligen Touren. Meist helfen auch die von den Guardaparques herausgegebenen Faltblätter schon ein Stück weiter.

Die beste chilenische Straßenkarte ist die Mapa Rutero, die in den Guía Turistel abgedruckt ist und auch die argentinischen Grenzgebiete abdeckt. Die beste Straßenkarte Argentiniens ist die vom Automobilclub ACA herausgegebene Karte, erhältlich in allen ACA-Büros. Sehr empfehlenswert sind auch die einzelnen Provinzkarten des ACA, mit allgemeinen Informationen und Ausschnittskarten der touristisch interessanten Gebiete auf der Rückseite.

 

Verhaltensregeln in der patagonischen Natur

Patagonien bietet dem Besucher eine einzigartige Naturlandschaft, in der es als Gast einige Regeln zum Erhalt derselben zu befolgen gilt:

  • Respektieren Sie privates Eigentum. Bevor Sie ein Zelt auf privatem Gelände aufstellen, sollten Sie die Erlaubnis einholen.
  • Markierte Wege nicht verlassen. Indem Sie auf dem Weg bleiben, vermindern Sie die Wahrscheinlichkeit, empfindliche Vegetation zu zerstören, und Sie minimieren die Folgen der Erosion.
  • Kein offenes Feuer, auch wenn alle Argentinier und Chilenen das Gegenteil praktizieren. In vielen Nationalparks haben nicht vernünftig gelöschte Lagerfeuer zu verheerenden Waldbränden geführt.
  • Nehmen Sie Ihren Müll wieder mit! Eigentlich selbstverständlich, oder?
  • Vergraben Sie Toilettenabfälle weit entfernt von Wasser, Wanderwegen, Zeltplätzen und Hütten! Sanitäre Anlagen sind so gut wie nicht vorhanden.
  • Vorsicht mit Wasser. In stärker frequentierten Gebieten und in Gebieten, in denen Vieh weidet, sollten Sie das Trinkwasser vorsichtshalber abkochen.
  • Hinterlassen Sie am Zeltplatz nichts außer Ihren Fußspuren!
 

Wandern mit Kindern

Wackelige Hängebrücken bereiten Kindern und Eltern Sorgen: über dem Río Azul. | Foto: Ralf Gantzhorn

Viele Wanderungen in Patagonien sind aufgrund der fehlenden Infrastruktur, der Länge und des rauhen Klimas für Kinder wenig geeignet. Dennoch finden sich Touren, die für Familien gut machbar und interessant sind. Diese sind mit dem entsprechenden Symbol im Tourenkopf gekennzeichnet.

 

Checkliste Ausrüstung

- Zelt - Stirnlampe - Funktionsunterwäsche
- Kocher + Reparaturset - Teleskopstöcke - Fleecepullover
- Kochgeschirr + Besteck - Signalpfeife - Trekkinghosen
- Brennstoffflasche + Feuerzeug - Körperpflegemittel - Regenjacke
- Wassersack + Trinkbecher - Toilettenpapier - Regenhose
- Zelt + Isomatte - Papiere + Geld - Trekkingschuhe
- Kompass + Karten + GPS - Kamera - Gamaschen
-  Rucksack + Regenhülle - Tagebuch + Stift - Sandalen oder Turnschuhe
- Schlafsack + Isomatte - dünne Unterziehsocken - Mütze
- Taschenmesser - Wollsocken - Sonnencreme
- Handschuhe - Halstuch - Sonnenbrille
 

Top-Touren aus dem Rother Führer

  • In die Sierra Nevada: Duftende Araukarienwälder und ein rauchender Vulkan im Nationalpark Conguillío im chilenischen Seengebiet (2 Tage).
  • Über den Paso de las Nubes: Gletscher und Dschungel im Schatten des »Donnerberges« im Nationalpark Nahuel Huapi in der Nähe von Bariloche (3 Tage).
  • Im Valle Cochamó: Auf einem 300 Jahre alten Pfad durch ein einsames Hochtal direkt über dem Pazifik von Cochamó nach El Arco (3 Tage).
  • Zu den Cascadas Escondidas: Waldspaziergang zu versteckten Wasserfällen im Parque Pumalín, dem größten privaten Naturschutzgebiet der Welt, gegründet von ehemaligen The-North-Face-Boss Doug Tompkins (2 Std.).
  • Cerro Lindo (2135 m): Atemberaubende Berglandschaft oberhalb des ehemaligen Austeigerzentrums El Bolsón (2 Tage).
  • Cerro Mocho (2394 m): Abenteuertour für erfahrene Hochalpinisten in die kristalline Welt des Nördlichen Patagonischen Eisfelds (5 Tage).
  • Das »W« in den Torres del Paine: Der Klassiker im Nationalpark Torres del Paine – für alle, denen die komplette Umrundung der Torres zu aufwändig ist (5 Tage).
  • Pali Aike – Cráter Morada del Diablo: Schwer zu erreichen und im kleinsten Nationalpark Chiles: Schwarze Vulkanberge im Niemandsland nordöstlich von Punta Arenas (5 Std.).
  • Am Fitz Roy und Cerro Torre: Von El Chaltén durch traumhafte Natur zur den Basislagern der patagonischen Symbolberge (5 Tage).
  • Dientes Circuit: Südlicher geht es nicht: Einsame Trekkingrunde unter Bibern, Adlern und Kondoren am Ende der Welt (5 Tage).
 

Sehenswert – Ziele außerhalb der Anden

Auch wenn es aus der Sicht eines Trekkers so erscheinen mag: Patagonien besteht nicht nur aus den Anden. Mehr als drei Viertel des Landes bauen sich aus den flachen, vom Wind beherrschten Ebenen auf, deren Dimension sich für den Europäer erst nach und nach erschließt. Stunden-, ja manchmal tagelang kann man durch die patagonische Halbwüste fahren, ohne wirklich den Eindruck zu haben, es hätte sich etwas verändert. Aber auch diese auf den ersten Blick äußerst langweilige Landschaft hat ihre Reize, auch wenn diese häufig versteckt sind und etwas untergehen angesichts der Weite des Landes. Einige der klassischen Ziele außerhalb der Anden sollen hier erwähnt werden:

Die »Cueva de las Manos«

Etwa 50 Kilometer nordöstlich von Bajo Caracoles, einem kleinen Ort inmitten der patagonischen Pampa, liegt das vielleicht bedeutendste kulturhistorische Monument im Süden Lateinamerikas versteckt. Es handelt sich um die Cuevas de las Manos im Tal des Río Pinturas, dessen Cañon allein schon einen Besuch wert ist. An den Wänden dieser Höhle sind die Negativabbildungen von insgesamt 829 Händen und diverse Jagdszenen der früher die Steppe Patagoniens bevölkernden Tehuelche-Indianer zu sehen.

Die Archäologen haben mithilfe radiometrischer Methoden herausgefunden, dass die ältesten Zeichnungen ungefähr 9300 Jahre alt sind und die Höhle vor circa 600 Jahren verlassen wurde. Dazwischen lassen sich drei Perioden mit unterschiedlicher Farb- und Motivauswahl erkennen. Wer sich für den Besuch dieses geradezu zu einem Wahrzeichen Patagoniens gewordenen Monuments interessiert, sollte in Perito Moreno zur Touristeninformation gehen. Von dort werden während der Saison täglich Touren sowohl zum Río Pinturas als auch zu einigen Estancias der Umgebung organisiert.

Die versteinerten Wälder (Bosques Petrificados)

Es gibt in Patagonien zwei versteinerte Wälder. In beiden sind Araukarienstämme durch die in vulkanischen Sedimenten enthaltene Kieselsäure versteinert worden. Der kleinere der beiden ist bekannter und leichter erreichbar. Er heißt »José Ormachea« und befindet sich etwa 100 Kilometer westlich von Comodoro Rivadavia bei dem Örtchen Sarmiento. Mehrere Meter lange Stämme liegen inmitten einer spektakulären Steppenlandschaft, der Untergrund ist übersät mit versteinerten Holzsplittern. Das Monumento Nacional Bosques Petrificados, etwa 150 Kilometer südlich von Comodoro Rivadavia, ist deutlich schwerer zu erreichen, verdient jedoch seinen Namen zu Recht, denn bis zu 30 Meter lange versteinerte Baumriesen sind zu besichtigen.

Die Atlantikküste

Die Ostküste Patagoniens ist ein Tierparadies ohnegleichen. Auf der Peninsula Valdes existiert die einzige See-Elefantenkolonie auf dem südamerikanischen Kontinent. In der Bucht von Puerto Pirámides treffen sich jedes Jahr zwischen Juli und November etwa 700 Glattwale zur Paarung und Kinderaufzucht. Bei Punta Tumbo brüten ca. 700.000 Magellanpinguine, weitere große Pinguinkolonien existieren bei Camarones und Cabo Vírgenes. Für Tierliebhaber ein Muss.

 

Vom Winde verweht – Klima und Wettergeschehen

Patagonien liegt ungefähr auf derselben geografischen Breite wie Mitteleuropa, dennoch unterscheidet sich das Klima grundlegend. Drei Gründe sind dafür maßgeblich: Erstens spielt die Lage als einzige Landmasse im südlichen Ozean eine Rolle, zweitens sind die Nähe zur Antarktis und drittens die Ausrichtung der Anden in Nord-Süd-Richtung wichtige Faktoren.

Vom Winde geformt: Südbuchen an den Hängen der Anden. | Foto: Ralf Gantzhorn

Südlich des 30. Breitengrades liegt der Kontinent im Bereich der Westwindzone. Der Wind treibt die über dem Pazifik mit Feuchtigkeit angereicherten Luftmassen auf die Andenkordillere zu. Hier sind sie gezwungen aufzusteigen und kühlen sich dabei ab. Da kältere Luft weniger Feuchtigkeit speichern kann als warme, fängt es an zu regnen bzw. – in den höheren Lagen – zu schneien. Dabei gehören die an den Westhängen der Anden gemessenen Niederschlagsmengen von 2000 bis 8000 mm/m² zu den absoluten Spitzenwerten auf unserem Planeten.

Auf der Rückseite des Gebirges sinkt die nun trockene Luft ab und es entstehen die berühmten Fallwinde. Verstärkt wird dieser Effekt durch die starke sommerliche Sonneneinstrahlung über der patagonischen Steppe. Dort erwärmt sich die Luft und steigt auf. Dadurch wird wie bei einem Staubsauger die herabsinkende Luft von der Kordillere angesaugt.

Die Niederschläge nehmen generell von West nach Ost ab. Während die Osthänge der Anden noch 400 bis 600 mm/m² Regen erhalten, gehen die weiten Trockensteppen auf der argentinischen Seite Patagoniens nahezu leer aus. Die patagonischen Anden bilden damit eine der schärfsten Klimascheiden der Welt.

Die Jahreszeiten sind in Patagonien klar definiert, allerdings aufgrund der Schrägstellung der Erdachse denen auf der Nordhalbkugel entgegengesetzt. Der 21. Juni ist der kürzeste Tag im Jahr und zugleich Winteranfang, der 21. Dezember ist auf der Südhalbkugel der längste Tag des Jahres und Sommeranfang. Erfreulich ist im Frühsommer das lange Tageslicht von maximal 18 bis 19 Stunden.

Die Temperaturen nehmen generell von Nord nach Süd ab. Während im Seengebiet der Sommer durchaus mit hiesigen Verhältnissen verglichen werden kann, steigt im Süden das Thermometer selten über 15° Celsius. Im Winter schneit es in den Bergen und die Temperaturen können selbst an der Küste unter den Gefrierpunkt fallen. Allerdings ist auch hier ein starkes West-Ost-Gefälle festzustellen: Während in Chile die Temperaturen aufgrund der Nähe zum Meer als gemäßigt gelten, schwanken sie im Bereich der patagonischen Steppen deutlich von minimal –20° Celsius bis maximal +30° Celsius.

Beherrschendes Element des südpatagonischen Wettergeschehens ist der Wind. Er kommt (fast) immer aus Westen, mit den Nuancen Süd- bis Nordwest, und weht insbesondere im Sommer nahezu ununterbrochen in Sturmstärke. Glaubt man den Berichten der Bergsteiger, ist das Wetter in Patagonien durchgehend schlecht. Es stürmt, es regnet und es ist kalt. Wir möchten nun nicht behaupten, dass das Wetter in den Anden durchgehend gut ist, aber Kletterer haben nun mal eine etwas eingeschränkte Sicht der Dinge: Häufig sitzen sie in irgendwelchen Schneehöhlen unterhalb der Einstiege und können nicht nach draußen, so stark bläst der Wind. Was sie in diesem Moment jedoch nicht wissen (sondern bestenfalls ahnen) können, ist, dass es im Tal häufig ganz anders ist. Dort scheint die Sonne, es weht ein angenehmes Lüftchen und sämtliche Fotografen sind begeistert über die fotogenen linsenförmigen Wolken über den Gipfeln. Auch muss man sagen, dass die Vorurteile über das schlechte Wetter nur für Südpatagonien gelten, im Norden und insbesondere im Seengebiet herrschen ganz andere Verhältnisse.

Auffallend ist, dass sich das Geschehen am Himmel schneller verändert als irgendwo sonst auf der Welt. Zwischen strahlend blauem Himmel und wütendem Schneesturm liegen oft nur wenige Stunden, üblicherweise begleitet von einem rapiden Abfall des Luftdrucks. Weitere Anzeichen einer Wetterverschlechterung sind milchig-graue, sehr hohe Wolken, hinter denen die Sonne nur noch mattgelb zu erkennen ist. Ein anderer Anhaltspunkt für eine mehr oder weniger wahrheitsgetreue Wetterprognose unterwegs ist die Richtung, aus der der Wind weht: Ein kalter Südwind bedeutet eine Wetterbesserung, während Nordwest- bis Westwind kein Ende der wahrscheinlich feuchten und stürmischen Situation erhoffen lässt. Kommt der Wind aus Südwest, bringt er meistens veränderliches Wetter mit Schauern und ein wenig Sonne.

Schönwetterperioden dauern in den südpatagonischen Anden im Schnitt etwa ein bis zwei Tage, dann kündigt sich normalerweise das nächste Tief an. Drei- bis viertägige Sonnenfenster liegen auch noch im Bereich des Möglichen, alles darüber hinaus bedeutet eine kleine Sensation.

Zum Abschluss dieses Kapitels sei noch eine Bemerkung zur allgemeinen Klimaveränderung erlaubt. Gerade in Patagonien, dessen Temperaturgeschehen von der Durchschnittstemperatur der umgebenden Meeresströme abhängt, ist im wahrsten Sinne des Wortes zurzeit viel in Bewegung. Wahrscheinlich muss man sich sogar beeilen, möchte man kalbende Gletscher oder die schimmernde Pracht der Eisfelder noch in voller Größe bewundern. Wie auch bei uns, folgt in Patagonien ein Supersommer dem nächsten, Temperaturrekorde halten maximal bis zum nächsten Jahr. Dementsprechend ziehen sich die Gletscher zurück, und zwar in einem Tempo, das beängstigend ist. Der Upsala-Gletscher, der größte Gletscher auf der argentinischen Seite des Südlichen Eisfeldes, zog sich allein im Jahr 1994 um 700 Meter zurück. Der mächtigste Gletscher Feuerlands, der Marinelli-Gletscher, existiert nur noch zur Hälfte: Er hat in den letzten 50 Jahren knapp 15 Kilometer seiner Länge eingebüßt.

 

Bedroht – die Pflanzen- und Tierwelt

Flora

Patagonien, das sich über fast 18 Breitengrade erstreckt, verfügt entsprechend seinen unterschiedlichen klimatischen Bedingungen über eine artenreiche Flora. Besonders hervorzuheben ist der an der Westküste Chiles beheimatete gemäßigte Regenwald, der von übergeordneter Bedeutung ist. Nur fünf Prozent der gemäßigten Regenwälder der Erde liegen auf der Südhalbkugel: in Chile, Argentinien, Neuseeland und Tasmanien.

Der patagonische Regenwald, der durch die Atacama-Wüste im Norden und die patagonischen Steppen im Osten von anderen Gebieten ähnlicher Vegetation abgeschnitten ist, stellt eine biogeografische Insel dar. Aufgrund dieser isolierten Lage und seiner ungestörten Entwicklung sind 90 Prozent aller Arten endemisch, das heißt, sie kommen nur hier vor. Die Beschaffenheit des patagonischen Waldes hängt von der Temperatur und den Niederschlagsverhältnissen ab.

In Gebieten mit Temperaturen überwiegend oberhalb des Gefrierpunktes und hohen Niederschlagsmengen wächst ein dichter, immergrüner, an die Tropen erinnernder Regenwald, der Bosque Valdiviano; er kommt vor allen Dingen im Bereich nördlich des Lago Buenos Aires vor, südlich davon beschränkt sich die Verbreitung des immergrünen Waldes auf die regenreichen Küstenabschnitte Chiles. Hier besteht er großteils aus den immergrünen Südbuchenarten Coigüe (Nothofagus dombey) – in Argentinien Coíhue geschrieben –, Rauli (Nothofagus alpina) und Roble (Nothofagus obliqua). Dichter Bambusunterwuchs, die Caña Colihue (Chusquea couleou), macht das Fortkommen ohne Machete praktisch unmöglich.

Oberhalb von etwa 600 Metern und an den trockeneren Leehängen der Anden können wie im Süden nur noch drei Baumarten, die immergrüne Guindo (Nothofagus betuloides), die Lenga (Nothofagus pumilio) und die Ñire (Nothofagus antarctica), beides Laub abwerfende Arten, den härteren klimatischen Bedingungen widerstehen. Gemäß den nach Süden generell abnehmenden Temperaturen sinkt die Waldgrenze von etwa 1500 Meter in Araukanien auf etwa 600 Meter in Feuerland ab.

Besonders auffällig und damit geradezu charakteristisch für bestimmte Regionen sind jedoch nicht die Südbuchen, sondern zwei Nadelhölzer: Im Norden, in der araukanischen Region, ist die Araukarie (Araucaria araucana) der beherrschende Baum. Diese Urpflanzen mit ihrem eigenartigen, einem Regenschirm vergleichbaren Aussehen, werden bis zu 40 Meter hoch und etwa 1500 Jahre alt. Die Araukarie ist ein lebendes Fossil, da diese Art schon seit etwa 200 Millionen Jahren mehr oder weniger unverändert auf der Erde existiert.

Eine weitere, besonders erwähnenswerte Nadelbaumart ist die Alerce (Fitzroya cupressoides). Die Alerce, das südamerikanische Äquivalent zur nordamerikanischen Sequoia, wird bis zu 4000 Jahre alt und fast 70 Meter hoch. Sie gehört damit zu den ältesten noch lebenden Pflanzen auf der Erde. Das Holz dieser Bäume ist aufgrund seiner Verwitterungsresistenz besonders begehrt, sodass von den ursprünglich ausgedehnten Alerce-Beständen nur noch wenige, hauptsächlich in den Nationalparks, übrig geblieben sind.

An verschiedenen Blütenpflanzen fallen im dichten Unterholz der patagonischen Wälder besonders die rot gefärbten auf. Zu nennen sind u.a. Fuchsien (Fuchsia magellanica), die Wasserfallblumen (»flora de la cascada«) und die im Frühherbst blühende chilenische Nationalblume, die Copihue (Lapegeria rosea). Am Straßenrand der Carretera Austral wachsen die bis zu einen Meter großen, rhabarberähnlichen Blätter der Nalca (Gunnera scabrosa), aus denen die Einheimischen ein Kompott zubereiten.

Die Wälder südlich des Lago Buenos Aires bzw. auf der Leeseite der Anden sind relativ einfach auch ohne Machete zu durchstreifen. Der Unterwuchs besteht hier vor allen Dingen aus totem Holz. Auffallend sind die vielen Flechten, im Volksmund »barba del viejo« (Altmännerbart) oder »barba del chivo« (Ziegenbart) genannt, die blau bis gelbgrün von den Ästen hängen. Sie geben den Wäldern ein verwunschenes, märchenhaftes Aussehen. Im Süden, vor allem auf Feuerland, gesellen sich zu diesen Flechten »Chinesische Laternen«, farbenprächtige Halbparasiten.

Östlich der Anden bedeckt eine karge Steppenvegetation das Land. Beherrschend sind verschiedene Tussockgräser, die sowohl als Nahrung für die Schafe als auch deren natürlicher Konkurrenz, den Guanakos, dienen. Sind die Standortbedingungen selbst für diese genügsamen Grasarten zu hart, wächst als klassischer Desertifikationsanzeiger die Mata Negra (Chiliotrichiam amelloides) auf dem felsigen Untergrund. Dieser hässliche schwarze Strauch hat sehr tief reichende Wurzeln und bedeckt zunehmend weite Teile der durch Schafzucht verödeten Landesteile.

Bekanntester Strauch der patagonischen Trockensteppe ist natürlich die Calafate (Berberis buxifolia). Wer von den Früchten dieses stacheligen Strauchs ist, so heißt es, wird stets nach Patagonien zurückkehren. Farbklekse im Übergangsbereich zwischen den Anden und der Steppe sind die sonnenhungrigen Blüten des Feuerbusches (Embothrium coccineum), in Patagonien »notro« genannt, und die gelben, äußerst stacheligen Polster des Neneo (Mulinum spinosum).

Fauna

Eine von der Kolonialisierungsepoche bis zur Gegenwart anhaltende Tendenz, die Natur in nützliche Produktionsflächen umzuwandeln, hat in Patagonien zu einem tief greifenden Landschaftswandel geführt. Infolge dieser Strukturänderungen werden Tier- und Pflanzenarten ihres natürlichen Lebensraumes beraubt und in die unwirtschaftlichen Zonen zurückgedrängt. 243 der 684 in Chile vorkommenden Tierarten sind gefährdet, 50 Arten sind akut vom Aussterben bedroht. Im Rahmen von Naturschutzprojekten wird nun versucht, den Tieren in Nationalparks und Reservaten einen geschützten Lebensraum zu bieten.

Huscht türkisgrün durchs Unterholz: Liolaemus Tenius (patagonische Eidechse). | Foto: Ralf Gantzhorn

Das größte Raubtier ist der in ganz Patagonien vorkommende, jedoch äußerst selten zu beobachtende Puma (Felis concolor). Obwohl er offiziell unter Schutz steht, zahlen die Besitzer der großen Estancias auch heute noch ein Kopfgeld auf seine Erlegung. An unzugänglichen Felskanzeln nistet der König der Anden, der Kondor (Vultur gryphus). Mit seiner gigantischen Flügelspannweite von bis zu 3,20 m ist er häufig entlang der Anden hoch am Himmel kreisend zu sehen. Huemules (Andenhirsche) oder Pudúes (Zwerghirsche) wird man dagegen wohl selten zu Gesicht bekommen. Sie leben nur noch in einigen sehr abgelegenen Teilen der patagonischen Anden und sind akut vom Aussterben bedroht. Das charakteristische Tier Patagoniens ist das Guanako (Lama guanicoe), eine von vier in Südamerika vorkommenden Kamelarten. Vor allem in den Nationalparks Perito Moreno und Torres del Paine und auf Feuerland hat sich der Bestand dieser kuschelig aussehenden Tiere mit den braunen Knopfaugen erholt. Die patagonische Steppe wird weiterhin von Beutelratten, Stinktieren (Zorrino), Gürteltieren (Piche), Grau- und Rotfüchsen (Zorro) und natürlich dem patagonischen Strauß, dem Nandu (Pterocnemia pennata), bevölkert.

In den Regenwäldern und Übergangszonen fallen besonders die vielen verschiedenen Vögel auf: Kreischend überfallen einen manchmal ganze Scharen von Papageien. Kolibris, die trotz des harten Klimas selbst an der Südspitze Feuerlands vorkommen, sieht man häufig vor den Blüten der Fuchsien schwirren. Der auffallendste Vogel der Wälder ist aber sicherlich der Magellanspecht (Campephilus magellanicus), dessen Männchen einen scharlachroten Kopf auf sonst schwarzem Rumpf besitzt. Schwarzhalsschwäne (Cygnus melancoryphus), Ibisse (Theristicus caudatus) und Magellangänse (Chloephaga picta) lassen sich in den meisten Seen und Buchten Südpatagoniens beobachten, während Flamingos in den Salzlagunen der patagonischen Steppen nach Nahrung fischen.

Unangenehme Plagegeister kommen in Patagonien natürlich ebenfalls vor: An windstillen Tagen (zum Glück selten) machen einem Mücken an den Seen und Flüssen das Leben zur Qual. Völlig unbeeindruckt vom Wind sind die Tábanos, eine Pferdebremsenart, mit bunt schillernden, großen Augen. An warmen Tagen im Dezember und Januar schwirren sie stundenlang um die Köpfe ihrer Opfer. Hat man eine erlegt, sind sofort Hunderte von Geschwistern zur Stelle. Eine Warnung sei an dieser Stelle ebenfalls noch ausgesprochen: Sollte man im Spätherbst in den bekannteren Trekkinggebieten wie den Torres del Paine oder rund um den Fitz Roy zelten, wird wahrscheinlich auch das teuerste Zelt am nächsten Morgen Löcher aufweisen. Grund dafür ist die alljährliche Hungersnot unter den parkeigenen Mäusepopulationen. Und wenn Mäuse in Patagonien Hunger haben, fressen sie einfach alles.

Abseits der kontinentalen Fauna bildet die patagonische Küste das Habitat einer arten- und zahlreichen Meeresfauna. Allein in der Kolonie von Punta Tombo leben schätzungsweise 700.000 Magellanpinguine. Etwa 700 der weltweit 4500 Glattwale treffen sich alljährlich an den Gestaden der Halbinsel Valdes zum Liebesspiel. Auf der Isla de Pájaros findet man unzählige Arten von Seevögeln.

 

Sympathisch – Menschen und Kultur

Argentinien und Chile

Patagonien gehört politisch zu Argentinien und Chile. Obwohl beide Länder als die »europäischsten« Staaten Südamerikas gelten, sind jedoch einige grundlegende Mentalitätsunterschiede festzustellen. Die Chilenen haben den Ruf, »die Preußen Südamerikas« zu sein. So funktioniert etwa die Post reibungslos, die Korruption ist für südamerikanische Verhältnisse nahezu unbekannt und auf viele Dinge kann man sich verlassen.

Die Argentinier sind »loco«. Dieses Wort kann man zwar übersetzen, es bedeutet so viel wie »verrückt«, erfahren muss man es jedoch selbst. In Argentinien wird in diesem Zusammenhang ein Witz erzählt: Im Himmel stehen die verschiedenen Länder Südamerikas bei Gott und beschweren sich: »Herr! Du hast Argentinien alles gegeben. Sie haben den besten Boden, Gold, Erdöl usw. Warum haben wir nichts davon?« Da lächelt der Herr weise und antwortet: »Ich gab Argentinien jedoch auch den Argentinier.« Daraufhin beschwerte sich niemand mehr.

Den Unterschied zwischen beiden Ländern erfahren heißt zum Beispiel einen Kaffee zu trinken: In Chile bekommt man als »café con leche« einen Topf heißes Wasser, eine Tasse und zwei Dosen mit Kaffee- und Milchpulver serviert. Daraus darf sich dann jeder selbst seinen Kaffee zusammenrühren. In Argentinien serviert der normalerweise mit einem alten abgetragenen schwarzen Anzug bekleidete Kellner neben einem frisch zubereiteten Milchkaffee aus der Espressomaschine ein Glas kaltes Wasser und diverse kleine Porzellanschälchen, deren Funktion ihm wahrscheinlich selbst nicht klar ist.

Sprache

Sowohl in Argentinien als auch in Chile spricht man Spanisch, in Lateinamerika weithin als »castellano« bezeichnet. Lokale Sprachen, wie die der Mapuche Araukarniens oder das etwas altertümliche Deutsch der Einwanderer im Seengebiet, spielen kaum noch eine Rolle. Innerhalb des Castellano hat sich in Argentinien der starke Einfluss der italienischen Einwanderer niedergeschlagen. Es gibt viele Worte, die nur dort gebräuchlich sind und die Aussprache unterscheidet sich grundsätzlich von der des Hochspanischen: die Diagraphen »ll« und »ch« werden wie bei uns »sch« ausgesprochen, gelispelt wird gar nicht. In Chile sprechen die Menschen mit sehr hoher Stimme und schnell. Zudem wird an viele Worte die Verniedlichungsform »ito« angehängt. Daher ist das chilenische Spanisch im Allgemeinen für Ausländer relativ schwer nachzuvollziehen.

Essen und Trinken

Sowohl in Argentinien als auch in Chile isst man gut. Hervorzuheben ist insbesondere die argentinische Küche, die einige der besten Eigenschaften Italiens, Frankreichs, Spaniens und selbst Deutschlands (man denke nur an die Schokolade in Bariloche) miteinander verbindet. In Chile gibt es fantastische Fischgerichte. Serviert wird dazu in beiden Ländern ein hervorragender Wein und vorweg ein Pisco Sour, das chilenische Nationalgetränk. Auf der nächsten Seite finden Sie eine kleine Übersicht der wichtigsten Gerichte auf einer chilenischen bzw. argentinischen Speisekarte.

 

Die Urbevölkerung

Patagonien war eines der letzten Gebiete, in das die Menschen der Frühzeit auf der Suche nach neuen Nahrungsquellen zogen. Nach der zurzeit am weitesten verbreiteten Theorie geht man davon aus, dass die ersten »Amerikaner« vor etwa 30.000 Jahren die Beringstraße von Sibirien kommend überquerten. Im Lauf der Jahrtausende drangen sie immer weiter nach Süden vor und erreichten den Norden von Argentinien und Chile vor etwa 13.000 Jahren. Circa 11.500 Jahre zurückdatierte Funde am Río Cachapoal zeigen die ersten Spuren von Jägern in Patagonien. Etwa 10.000 Jahre alte Reste entdeckte man in einer Höhle an der Magellanstraße. Dies zeigt, dass kurz nach Ende der letzten Eiszeit der letzte Zipfel des südamerikanischen Kontinents von Menschen erschlossen wurde.

Als die ersten Conquistadores im 16. Jahrhundert den Süden des amerikanischen Kontinents erreichten, fanden sie ein Land vor, das nur sehr dünn und mit einer kulturell inhomogen entwickelten Bevölkerung besiedelt war. Im Gegensatz zu den Städten Mesoamerikas oder dem Reich der Inkas lebten in Patagonien großteils nomadisierende Gruppen, die in Höhlen, Hütten oder Tierhautzelten wohnten. Im Seengebiet und in der heutigen Region Araukanien waren die verschiedenen Stämme der Mapuche (Picunches, Huilliches, östlich der Anden die Pehuenches) beheimatet. Etwa 500.000 Mapuche lebten zwischen dem Illapel-Tal und der Insel Chiloé in kleinen Dorfgemeinschaften. Sie ernährten sich großteils vom Ackerbau. Die nährstoffreichen Samen der Araukarie bildeten ebenfalls ein wichtiges Grundnahrungsmittel.

In den Kanälen südlich von Chiloé bis zum Golfo de Penas lebte das Volk der Chonos. Sie wohnten auf hölzernen Kanus und ernährten sich fast ausschließlich vom Fischfang. Im äußersten Süden bis zur Magellanstraße war das Volk der Alacalufes beheimatet. Sie jagten Seelöwen und tauchten im eisigen Wasser nach Muscheln und anderen Meeresfrüchten. Die Alacalufes waren damit in heute fast unvorstellbarer Art und Weise den extrem harten Lebensbedingungen des südwestlichen Patagoniens angepasst.

Die weite Steppe Patagoniens war Heimat der nomadisierenden Tehuelche. Sie machten Jagd auf Strauße und Guanakos und wohnten hauptsächlich in Höhlen, in denen sie zahlreiche Wandmalereien hinterließen. Bekanntestes Beispiel dafür ist die Cueva de los Manos am Río Pinturas. Aber auch in der Weite der patagonischen Steppe findet man zahlreiche Zeugen ihrer Jagdleidenschaft, wie Pfeilspitzen aus Obsidian oder »boleadores« (Bola-Kugeln). In den Steppen Feuerlands bis zur Darwin-Kordillere lebten etwa 4000 Ona (oder Selknam), die mit Pfeil und Bogen Guanakos jagten. Von ihrer hochwüchsigen Statur wurde der Begriff der »Gente Grande«, »große Menschen«, abgeleitet.

Den südlichen Schlusspunkt der menschlichen Besiedlung bildeten schließlich die Wassernomaden der Yamanas (oder Yaganes). Sie lebten auf den Gewässern zwischen Beagle-Kanal und Kap Hoorn. Im eiskalten Wasser tauchten sie nach Meerestieren, auf ihren Kanus glimmte immer ein kleines Feuer. Charles Darwin, der auf seiner zweiten Reise mit der Beagle die Yamanas kennenlernte, bezeichnete sie als die elendsten Kreaturen, die ihm je zu Gesicht gekommen waren, und machte sich über ihre Sprache lustig. Erst ein britischer Missionar, Thomas Bridges, erkannte 1856 den wahren Reichtum ihrer Sprachkultur. Er gründete auf Haberton die erste Estancia Feuerlands und begann dort ein Wörterbuch der Yamanas-Sprache zu erstellen. Bis zu seinem Tod sammelte Thomas Bridges 32.430 Wörter und Begriffe und schuf damit ein einzigartiges Dokument eines mittlerweile untergegangenen Volkes.

 

Entdeckung und Kolonialepoche

Nur zehn Jahre nach der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus segelte Amerigo Vespucci entlang der Ostküste Südamerikas. 1516 war es Juan de Solis, der als erster Europäer die Mündung des Río de la Plata erreichte. Im Jahre 1520 suchte Fernando de Magellanes einen neuen, sicheren Seeweg zu den Reichtümern Indiens und entdeckte die nach ihm benannte Passage im Süden des Kontinents.

1529 beauftragte Kaiser Karl V. Francisco Pizarro mit der Eroberung Perus und ernannte ihn zum Vizekönig der eroberten Gebiete. 1535 gründete der ebenfalls von Kaiser Karl V. ausgesandte Piedro de Mendoza Buenos Aires, musste die Siedlung nach Indianerangriffen jedoch wieder aufgeben. Bis 1600 hatten sich im gesamten Raum des heutigen Argentiniens etwa 5000 Spanier niedergelassen, die dem Vizekönig von Peru unterstanden. Im Westen der Kordillere machte sich Pizarros Mitstreiter Diego de Almagro im Jahre 1536 von Cuzco in Peru auf den Weg nach Süden. Von den Reichtümern der Inka geblendet, suchte er nach ähnlichen Schätzen und gelangte bis zum Aconcagua-Becken (nördlich von Santiago). Enttäuscht vom armen Chile, kehrte er nach Peru zurück.

Vier Jahre später unternahm der unerschrockene Feldmeister Pizarros, Pedro de Valdivia, eine erneute Expedition. Er eroberte vordergründig das Land und gründete die ersten Städte wie Santiago (1541), La Serena (1544), Concepcíon (1550) und Valdiva (1552). Im Süden verteidigten die Mapuche jedoch erfolgreich ihre Heimat, sodass die meisten Gründungen von Pedro de Valdivia schnell wieder aufgegeben werden mussten. Der Fluss Biobio bildete für fast 300 Jahre »la frontera«, die Grenzlinie. Pedro de Valdivia starb 1553 im Kampf gegen den sagenhaften Araukaner Lautaro.

Um 1700 hatte Chile etwa 100.000 Einwohner. Im Jahre 1778 wurde Chile selbstständiges Generalkapitanat und elf Jahre später hob der irischstämmige Gouverneur Ambrosio O’Higgins die Zwangsarbeit der Indios für Minen- und Großgrundbesitzer auf. Er gründete neue Städte und legte Straßen und Werften an. Um 1800 zählte Chile 500.000 Einwohner, davon etwa 15.000 Spanier und bereits 150.000 Kreolen. Im heutigen Argentinien wurde im Jahre 1776 die Provinz La Plata von der Vorherrschaft Limas losgelöst und zum Vizekönigreich La Plata erhoben.

 

Die Unabhängigkeit

Am 25. Mai 1810 beriefen in Buenos Aires (nach dem Einmarsch Napoleons in Spanien) kreolische Bürger und Milizangehörige einen Kongress ein, der den spanischen Vizekönig absetzte. Am 18. September desselben Jahres konstituierte sich in Santiago del Estero die erste selbstgewählte Nationalregierung. Der Vizekönig von Peru wollte die chilenischen Unabhängigkeitsbestrebungen unterdrücken und besetzte 1813 mit einem Expeditionsheer Concepción. Bernardo O’Higgins, der Sohn des Ex-Gouverneurs, stellte eine nationale Truppe auf und schlug die Eindringlinge zurück.

Bei einer zweiten Invasion Limas erlitt O’Higgins jedoch bei Rancagua eine entscheidende Niederlage und floh über die Anden nach Mendoza. Der Gouverneur der argentinischen Provinz Cuyo, José de San Martín, sah seinen Staat vom spanisch beherrschten Chile bedroht und stellte zusammen mit O’Higgins ein Befreiungsheer auf. 1817 überquerten sie mit über 5000 Bewaffneten die Anden und besiegten die Spanier in der Schlacht von Chacabuco. O’Higgins wurde Director Supremo von Chile. Am 12. Februar 1818 wurde die Unabhängigkeit Chiles anerkannt. Lima entsandte weiter spanientreue Truppen. Diese wurden am 5. April 1818 bei Maipu vernichtend geschlagen. 1820 befreiten San Martín und der in chilenischen Diensten stehende britische Vizeadmiral Lord Cochrane mit einer Landungsflotte Lima. Am 28. Juli 1821 konnte Peru seine Unabhängigkeit erklären.

Infolge der Unabhängigkeitserklärungen konstituierten sich in beiden Ländern Verfassungsorgane. Aufgrund von Klassengegensätzen kam es jedoch zu Bürgerkriegen. 1830 stellte Diego Portales in Chile die Ordnung wieder her und wurde zum Schöpfer der Republik. Ab 1856 wurden deutsche Einwanderer angeworben, die das chilenische Seengebiet besiedelten. Um 1900 hatte Chile drei Millionen Einwohner.

In Argentinien wurde 1835 der als Sieger aus den Bürgerkriegen hervorgegangene General Juan Manuel de Rosas zum Gouverneuer von Buenos Aires ernannt. Nach einem blutigen diktatorischen Regime wurde dieser 1852 von einer Freiwilligenarmee unter Justo José de Urquiza gestürzt. Von 1868 bis 1874 schritt die Entwicklung Argentiniens unter Präsident Domingo Faustino Sarmiento schnell voran. Hunderttausende von Einwanderern strömten ins Land und Eisenbahnstrecken wurden gebaut.

 

Der soziale Fortschritt

Ab 1880 begann Argentiniens goldenes Zeitalter, das bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges dauerte. Eine riesige Zahl europäischer Einwanderer strömte ins Land. Mit Tiefkühlschiffen wurde Rindfleisch exportiert. Das Land wurde jedoch nur von einer Handvoll Leute regiert, die Arbeitermassen waren unzufrieden. Im Sog der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er-Jahre radikalisierte sich das Land.

Im Zweiten Weltkrieg blieb Argentinien wie während des Ersten Weltkrieges strikt neutral, sympathisierte jedoch aufgrund des hohen spanischen, italienischen und deutschen Bevölkerungsanteils mit den Achsenmächten. 1943 putschte sich eine Gruppe von jungen Offizieren, zu denen auch Oberst Juan Domingo Perón gehörte, an die Macht. Als Staatssekretär im Ministerium für Arbeit leitete er ein umfangreiches Programm sozialer Reformen ein. In wenigen Jahren schlossen sich über 5 Millionen arme Arbeiter seiner Gewerkschaftsbewegung an.

Den Militärs wurde Peróns Macht unheimlich und man ließ ihn verhaften. Seine Lebensgefährtin Eva (Evita) Duarte und die Arbeiterführer organisierten daraufhin einen gigantischen Aufmarsch der Descamisados (»Hemdlosen«) und Perón wurde wieder freigelassen. Bei den Präsidentschaftswahlen von 1946 gewann Perón mit einer Mehrheit von 54 Prozent.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war Argentinien ein reiches Land. Die Löhne der Industriearbeiter stiegen zwischen 1945 und 1948 um 50 Prozent, die der Staatsbediensteten um 35 Prozent. So war es nicht verwunderlich, dass Argentinien 1951 Perón mit überwältigenden 67 Prozent wiederwählte. Perón und seine sozialpolitisch engagierte Frau Eva Duarte de Perón wurden zu charismatischen Leitfiguren der Politik der sozialen Gerechtigkeit. Nach Missernten, sinkenden Exporten, leeren Kassen aufgrund von Misswirtschaft und dem Tod seiner Frau Eva sank Peróns Popularität allerdings. Er wurde 1955 von einer wachsenden Opposition zur Abdankung gezwungen und ging nach Madrid ins Exil.

In der Folgezeit litt Argentinien unter politischer Orientierungslosigkeit. Eine Reihe von Regierungen versuchte sich und es kam zu Putschen und Aufständen der Arbeiter. 1973 gewann der peronistische Präsidentschaftskandidat Hector J. Cámpora die Wahlen. Perón wurde aus dem Exil zurückgeholt und von zwei Millionen Menschen am Flughafen als neuer Hoffnungsträger begrüßt. Er wurde neuer Präsident, seine neue Frau Isabel als Vizepräsidentin vereidigt. Der plötzliche Tod Peróns am 1. Juli 1974 brachte seine Frau an die Macht. Aufgrund der wachsenden wirtschaftlichen Probleme steuerte sie unter dem Einfluss von José López Rega, einer finsteren Gestalt und Begründer einer Terrorgruppe, einen immer härteren Rechtskurs.

In Chile verlagerte sich ab 1900 die Regierungsgewalt vom Präsidenten auf das Parlament. Ab 1940 setzte eine verstärkte Industrialisierung ein. Ab 1964 profilierte sich der Christdemokrat Eduardo Frei Montalva als erster moderner Reformer Chiles. Großgrundbesitzer wurden enteignet, Minifundien zusammengelegt. 1970 kam der Sozialist Salvador Allende an die Regierung. Unter seiner Präsidentschaft wurden die Schlüsselindustrien, Banken und Versicherungen verstaatlicht. 1971 nationalisierte er den Kupferbergbau und vertrieb die nordamerikanischen Konzerne aus dem Land. Daraufhin setzte eine systematische Untergrundarbeit des amerikanischen Geheimdienstes CIA ein: gesteuerter Preisverfall an der Kupferbörse, Einfrieren von Auslandskrediten und massiver Kapitalabzug. Eine allzu rasche Reformpolitik ließ dazu das System aus dem Ruder laufen. Es kam zu Streiks, Landbesetzungen und Warenengpässen.

 

Die Militärdiktaturen

In Argentinien ergriff im März 1976 eine Militärregierung unter General Jorge Rafael Videla die Macht. Im sogenannten »Schmutzigen Krieg« ließen Todesschwadronen mehr als 15.000 Menschen spurlos verschwinden. 1982 wurden unter Videlas Nachfolger General Leopoldo Galtieri die britischen Malvinen (Falklandinseln) besetzt. Mit diesem unsinnigen Unterfangen versuchte das Militär von den innenpolitischen Problemen (Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit, Inflation) abzulenken. Nach nur zwei Monaten eroberten die Briten die Falklandinseln zurück, Argentinien kapitulierte. General Galtieri trat drei Tage später zurück und wurde durch General Reynaldo Bignone ersetzt. Bignones Versuch, die Inflation einzudämmen, scheiterte. Die Junta kam 1983 unter massiven Druck und musste nach Demonstrationen demokratische Wahlen zulassen.

Am 11. September 1973 putschte sich in Chile das Militär unter General Augusto Pinochet Ugarte an die Macht. Präsident Salvador Allende wurde im Regierungspalast La Moneda tot aufgefunden. Tausende von Oppositionellen wurden im Nationalstadion von Santiago interniert. Im ganzen Land wurde gefoltert und getötet. Der Ausnahmezustand wurde verhängt. Die Verfassung, einschließlich der Grund- und Freiheitsrechte, wurde außer Kraft gesetzt.

In den folgenden Jahren waren schätzungsweise 180.000 Menschen inhaftiert. Die Geheimpolizei DINA war für Verhaftungen und Verfolgungen verantwortlich. Die Colonia Dignidad, die Siedlung des in Deutschland wegen Missbrauchs Minderjähriger gesuchten Baptistenpredigers Paul Schäfer, diente der DINA als Folterlager. Neoliberale Wirtschaftsreformen scheiterten, die wirtschaftliche Situation des Landes verschlechterte sich.

1978 verpflichtete sich Pinochet unter dem Druck der Vereinten Nationen, seine Regierung per Volksbefragung zu legitimieren. 75 Prozent der Chilenen stimmten unter Ausübung von Druck und nach Wahlfälschungen für Pinochet. Mit einer neuen Verfassung versuchte Pinochet 1980 die bestehenden Machtverhältnisse zu sichern. Wieder stimmten nach Einschüchterungen 67 Prozent der Chilenen für Pinochet.

1981 geriet die chilenische Volkswirtschaft, nach einer Aufwertung der Währung, in eine tiefe Krise. Tausende von Chilenen zogen in sogenannten Hungermärschen durch die Straßen Santiagos. Ab 1984 erholte sich die Wirtschaft, die Arbeitslosigkeit ging zurück. Dennoch verschärften sich die sozialen Spannungen. 1988 wurde eine Volksabstimmung darüber durchgeführt, ob Pinochet der einzige Kandidat bei den nächsten Präsidentenwahlen sein dürfe. Da 54 Prozent der Abstimmenden für mehrere Kandidaten votierten, kam es 1989 zu freien Wahlen.

 

Demokratisches Argentinien und Chile

Im Oktober 1983 gewann die Unión Civica Radical die freien Wahlen in Argentinien. Raúl Alfonsín wurde Staatspräsident. Erst jetzt kamen die Gräueltaten des Militärregimes langsam an die Öffentlichkeit. 1985 verurteilte man die verantwortlichen Generäle Videla, Viola und Massera zu langen Freiheitsstrafen. Doch Alfonsín bekam die galoppierende Inflation von über 1000 Prozent und die Wirtschaftskrise nicht in den Griff. Bei vorgezogenen Parlamentswahlen kamen 1989 die Peronisten mit ihrem Präsidentschaftskandidaten Carlos Menem an die Macht. Menem zwang Argentinien die strengsten Sparmaßnahmen seiner Geschichte auf.

Staatsunternehmen wie die marode Telefongesellschaft ENTEL oder die Fluggesellschaft Aerolíneas Argentinas wurden privatisiert. Allein spanische Unternehmen investierten in einer Art moderner Konquista mehr als 6,2 Milliarden Dollar und erwarben rund 14 Prozent des käuflichen Staatsbesitzes. Massenentlassungen folgten, die Inflation ging von sagenhaften 4923 Prozent auf 1,7 Prozent (1995) zurück. 1995 wurde Menem wiedergewählt. Sein neuer Wirtschaftsminister, der ehemalige Zentralbankpräsident Roque Fernández, startete ein neues Sanierungsprogramm, um die hohe Arbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen. Dabei wurde die einheimische Währung an den US-Dollar gekoppelt, was dazu führte, dass der Peso völlig überbewertet war und Argentinien für kurze Zeit eine Scheinblüte erlebte.

Als Ende 2002 das Finanzsystem zusammenbrach, fürchten Hunderttausende um ihre Ersparnisse. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, das Vertrauen in die politische Klasse des Landes war endgültig dahin. Nach einer Reihe verschiedener Übergangspräsidenten gewann im Mai 2003 Nestor Kirchner, zuvor Provinzgouverneur in Santa Cruz, die Wahl. Mit ihm zog erstmals seit langer Zeit etwas Kontinuität und Verlässlichkeit in den Präsidentenpalast ein. Die Wirtschaft hat sich erholt, eingeschränkt profitiert auch die Bevölkerung vom Aufschwung. Besonders in Patagonien wurde in die Infrastruktur investiert. Die Wahlen im Oktober 2007 entschied schließlich seine Frau Cristina Kirchner für sich, was auch für eine gewisse Kontinuität spricht.

1989 gewann der demokratische Kandidat Patricio Aylwin Azócar die Wahlen in Chile. Er wurde Präsident, Pinochet blieb Oberbefehlshaber des Heeres. Eine »Nationale Kommission der Wahrheit und Versöhnung« dokumentierte die Verbrechen des Militärregimes. 250.000 Chilenen kehrten aus dem Exil zurück. Aylwin strebte ein Wachstum mit sozialgerechter Ergebnisverteilung an. Die statistische Zahl der Armen (weniger als 250 US-Dollar Monatseinkommen) sank um 900.000 auf 3,1 Millionen Menschen. 350.000 neue Arbeitsplätze wurden geschaffen, die Arbeitslosenquote lag bei drei Prozent. Im März 1994 wurde der christdemokratische Kandidat Eduardo Frei Ruiz-Tagle zum Staatspräsidenten gewählt. Die Wirtschaftssituation verbesserte sich weiter. Chile, der »Tiger Südamerikas« genannt, gehörte wieder voll zur internationalen Gemeinschaft und wurde ein beliebter Wirtschaftsstandort. Von 2000 bis 2006 war Präsident Ricardo Lagos Escóbar als Repräsentant einer Mitte-/Links-Koalition im Amt. Abgelöst wurde er 2006, als Michelle Bachelet als erste Frau Präsidentin des Landes wurde. Ihr folgte 2010 Sebastián Piñera von der Nationalen Erneuerung.

 

Angeln

Die patagonischen Seen gelten als eines der besten Angelreviere der Welt. Speziell zum Fliegenfischen kommen Angler aus aller Welt nach Patagonien.

 

Anreise

Die Einreise nach Chile bzw. nach Argentinien erfolgt meist über den Flughafen der jeweiligen Hauptstadt, also Santiago de Chile bzw. Buenos Aires. Ein Visum ist für Reisende aus der Europäischen Union und der Schweiz nicht notwendig, die Vorlage eines mindestens noch drei weitere Monate gültigen Reisepasses reicht. Wer direkt weiter nach Patagonien möchte, fliegt von Santiago aus entweder nach Puerto Montt (Ausgangsort für das Seengebiet), Balmaceda (Mittelpatagonien, Region um Coyhaique) oder Puntas Arenas (Torres del Paine, der Süden).

Wer Argentinien als Tor zu seinem persönlichen Patagonientrip nützt, muss zunächst in Buenos Aires den Flughafen wechseln (Bus-Shuttle von Ezeiza zum Aeroparque Jorge Newbery, Dauer: etwa eine Stunde). Als nationale Flughäfen zur Erkundung des argentinischen Teils von Patagonien bieten sich Bariloche (Seengebiet), Trelew (Atlantikküste, Peninsula Valdez) oder El Calafate (Nationalpark Los Glaciares) an.

 

Bademöglichkeiten

Im Seengebiet lässt sich im Sommer zum Teil herrlich baden. Die großen Seen erwärmen sich bis etwa 20° Celsius, schwarze Lavasandstrände laden zum Relaxen ein. Dazu gibt es zahlreiche Thermalquellen. Im mittleren und südlichen Teil Patagoniens sind die Gewässer normalerweise zu kalt.

 

Bergführer / Agenturen

In fast jedem größeren Touristenort buhlen Dutzende von Reiseagenturen um die Gunst der Gäste. Angeboten wird von »Mini-Trekking« über »Rafting« bis zum »Freeclimbing« alles, was der Generation »fun« Spaß machen könnte. Da es keine einheitlichen Standards gibt, ist die Qualität des angebotenen Service äußerst unterschiedlich. So kann sich etwa nahezu jeder als Bergführer bezeichnen, ob derjenige sich aber auch selbstständig die Steigeisen anziehen kann oder gar eine Spaltenbergung beherrscht, wird nicht kontrolliert. Es ist also Vorsicht geboten, wobei sich zunehmend die Spreu vom Weizen trennt.

 

Fahrrad

Fahrradtouren im zentralen Patagonien sind aufgrund des Klimas, der gigantischen Entfernungen oder der Straßenverhältnisse nur etwas für Masochisten. Empfehlenswert ist jedoch der Norden inklusive der kompletten Carretera Austral.

 

Fremdenverkehrsämter

Das chilenische Fremdenverkehrsamt SERNATUR (Servicio Nacional de Turismo) unterhält in Deutschland, der Schweiz und Österreich kein eigenes Büro. Informationen können direkt angefordert werden bei: www.sernatur.cl.

In der im Stadtteil Providencia gelegenen Zentrale spricht man Deutsch und Englisch. Am internationalen Flughafen von Santiago hat SERNATUR ebenfalls einen Informationsstand. In Chile selbst unterhält SERNATUR in jeder größeren Stadt ein Informationsbüro. Auskünfte erteilen auch die zuständigen Botschaften.

Auch das argentinische Fremdenverkehrsamt unterhält im deutschsprachigen Raum kein Büro. Informationen können ebenfalls direkt angefordert werden bei: www.turismo.gov.ar.

Informationsbüros gibt es auch an den Flughäfen Ezeiza und Jorge Newbery in Buenos Aires. Die Botschaften erteilen ebenfalls Auskünfte. In den einzelnen Provinzen Argentiniens gibt es in allen größeren Städten Informationsbüros.

 

Geld

In Chile zahlt man mit chilenischen Pesos (1 Euro sind ungefähr 625 Pesos), in Argentinien heißt die Währung ebenso Peso, für einen Euro bekommt man aber nur etwa 6,75 arg. Pesos. Insbesondere der argentinische Peso unterliegt starken Schwankungen, sodass der US-Dollar eine Art Leitwährung darstellt. Für unterwegs hat es sich bewährt, immer etwas Geld in bar mitzuführen und ansonsten auf die Kreditkarte (Masters, Visa, American Express) zurückzugreifen. Diese wird normalerweise in allen größeren Restaurants, Supermärkten, Hotels und selbst an Tankstellen akzeptiert. Dollars oder Euro lassen sich entweder in der Bank (schlechte Kurse) oder einer sogenannten »Casa de Cambio« tauschen. Bargeld bekommt man in allen größeren Orten aus dem Automaten

 

Gesundheit

Für den Aufenthalt in Patagonien müssen keine besonderen gesundheitlichen Vorkehrungen getroffen werden. Es sind keine speziellen Impfungen notwendig, es gibt weder Malaria noch Cholera. Nichtsdestotrotz ist es empfehlenswert, Standardimpfungen wie Typhus, Polio, Hepatitis und Tetanus aufzufrischen. Die medizinische Versorgung ist, wenn vorhanden, auf recht hohem Standard. Vor der Abreise sollte man sich bei seiner Krankenversicherung über eventuell notwendige Kostenübernahmen informieren. Eine Auslandsreisekrankenversicherung sollte Pflicht sein. Medikamente bekommt man in jeder Apotheke (farmacia), die meisten Ärzte sprechen zumindest ein rudimentäres Englisch.

 

Internetadressen

Agenturen (Auswahl): www.aquamotion.cl (Puerto Varas); www.terraluna.cl (Puerto Guadal); www.moseractiv.cl (Puerto Natales); www.companiadeguias.com.ar (Ushuaia); www.dragondelapatagonia.com (Puerto Natales).

Fremdenverkehrsbüros: www.turismo.gov.ar (Argentinien, spanisch/englisch); www.sernatur.cl (Chile, spanisch); www.visit-chile.org (spanisch/englisch/französisch).

Tourismusportale: www.welcomeargentina.com (guter Reiseführer, spanisch/englisch); www.argentinaturistica.com (englisch/spanisch); www.argentina-online.de (deutsche Privatseite, viele Infos); www.chile-web.de; www.turistel.cl (der chilenische Michelin-Führer, sehr informativ, spanisch).

Tourenangebote: www.suedamerikatours.de.

Nationalparks: www.parquesnacionales.gov.ar (Argentinien); www.conaf.cl (Corporación Nacional Forestal, Chile, gut gemacht); www.parquepumalin.cl.

Landkarten: www.chileturcopec.cl (die besten Karten Patagoniens!). Es gibt an Copec Tankstellen auch Hefte mit Karten und Infos, aufgeteilt in Norden, Mitte und Süden, dazu die Nationalparks.

Umweltschutz: www.patagonialandtrust.com.

Klettern: www.pataclimb.com; www.cochamo.com.

Wetter: www.wxmaps.org (Vorhersage für ganz Südamerika, englisch, sehr gut); www.accu-wether.com (Vorhersage für Lago Viedma); www.meteochile.cl (chilenischer Wetterbericht); weather.msn.com.

 

Klettern

Patagonien ist das Traumland für Bergsteiger und Kletterer. Die Gipfel von Fitz Roy und Cerro Torre sind weltbekannt und bieten fantastischen Granit. Die wichtigsten Klettergebiete sind natürlich die Region von El Chaltén und die Torres del Paine. Aber auch im Norden gibt es schöne Kletterfelsen, die den Vorteil haben, längst nicht so wetterabhängig zu sein. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang insbesondere das Valle Cochamó südlich von Puerto Montt und die Umgebung des Refugio Frey bei Bariloche.

 

Literatur

Allgemein:

  • Agostini, Alberto Maria de: Ande Patagoniche. Società Cartografica Giovanni de Agostini, Mailand 1949 (die »Bibel«, leider kaum noch zu bekommen).
  • Agostini, Alberto Maria de: Zehn Jahre im Feuerland. Brockhaus Verlag, Leipzig 1924 (ins Deutsche übersetzter Feuerlandklassiker).
  • Bamberg, Maria: Ella und der Gringo mit den großen Füßen. Kore Edition, Freiburg 1998.
  • Bourseiller, Philippe: Patagonien. Delius Klasing, Bielefeld 2001 (wunderbarer Bildband über die patagonischen Gauchos, leider ein den Bildern nicht entsprechender Text voller Fehler).
  • Buscaini, Gino/Metzeltin, Silvia: Patagonien – Traumland für Bergsteiger und Reisende. Bruckmann, München 1990 (eines der besten Bücher über Patagonien, vergriffen).
  • Chatwin, Bruce: In Patagonien. Reise in ein fernes Land. Rowohlt, Hamburg 1990 (umstrittener Klassiker der Reiseliteratur).
  • Chouinard, Yvon: Let My People Go Surfing. The Education of a Reluctant Businessman. The Penguin Press, New York 2005.
  • Crouch, Greg: Enduring Patagonia. Random House, New York 2002.
  • Dauer, Tom: Cerro Torre. Mythos Patagonien. AS Verlag, Zürich 2004 (lesenswerte Bergmonografie).
  • Gantzhorn, Ralf: Patagonien und Feuerland, Bildband mit ausführlichem Informationsteil für Wanderer und Kletterer, Bergverlag Rother, 2. Auflage, München 2010 (Standardwerk).
  • Gebhard, Peter: Patagonien – Feuerland. Rosenheimer Verlag, Rosenheim 1996 (guter Bildband).
  • Hudson, William Henry: Idle Days in Patagonia. Dutton & Co., 1917; El Calafate Editores, Buenos Aires 2000.
  • Neruda, Pablo: Ich bekenne, ich habe gelebt. Luchterhand, Frankfurt 1991.
  • Pigafetta, Antonio: Mit Magellan um die Erde (Herausgeber: Robert Grün). Weitbrecht Verlag, Stuttgart 2001.
  • Plüschow, Gunther: Silberkondor über Feuerland. Ullstein, Berlin 1929; Neuauflage mit Anhang: Mittler Verlag, Bielefeld 2007.
  • Rohrbach, Carmen: Patagonien. Frederking & Thaler, München 2008.
  • Theroux, Paul: Der Alte Patagonien-Express. Hoffmann und Campe, Hamburg 1997.

Reiseführer:

  • Chesterton, Matt: Time Out Guide Patagonia. Ebury Press, 2006.

Wander-/Trekking-/Reiseführer:

  • Hohl, Andreas: Trekking-Guide Argentinien. Tyrolia, Innsbruck 2006.
  • McCarthy, Carolyn: Trekking in the Patagonian Andes. Lonely Planet, Victoria 2009.
  • South American Handbook, Trade & Travel Verlag, wird jährlich aktualisiert.

Die besten Reiseführer inklusive Straßenkarten für Chile sind die Guía Turistel, eine Art Michelin, die allerdings nur in spanischer Sprache erhältlich sind. Sie werden in Santiago an jedem Kiosk verkauft.

 

Nationalparks

In Chile und Argentinien dienen Nationalparks in erster Linie dazu, Eintritte zu kassieren. Die Preise variieren stark. Neuerdings kann man sich einen »Pass« für alle Parks in Chile besorgen. 10.000 Pesos Chilenos für Einzelpersonen und 40.000 Pesos für Familien.

Es gibt einige Parks mit Spezialausrichtung für Behinderte: www.conaf.cl/parques-nacionales/visitanos/accesibilidad

 

Notruf

Die Nummer für den Fall der Fälle lautet in Chile 131 und in Argentinien 101.

 

Post

Postämter (correo) gibt es in fast jedem größeren Ort. Briefe und Postkarten nach Europa brauchen im Durchschnitt sieben Tage. Die Post in Argentinien ist weniger zuverlässig als die chilenische.

 

Preise

Patagonien ist teuer und definitiv kein Billigreiseziel. Generell liegen die Preise zwar etwas unter dem mitteleuropäischen Niveau; eine Übernachtung in einfachen Hotels ist ab etwa 12 bis 15 US-Dollar zu bekommen (siehe auch »Unterkunft«), eine Mahlzeit im landestypischen Restaurant ab fünf bis sieben US-Dollar. Allerdings wird in den meisten Hotels und Restaurants mittlerweile deutlich mehr verlangt, insbesondere in den touristischen Hochburgen wie Calafate oder Puerto Natales, wo das Preis-/Leistungsverhältnis langsam aus den Fugen gerät. Recht preiswert sind dagegen Bus- und Taxifahrten und auch Kleidungsstücke. Für Touren mit einheimischen Bergführern oder anderen Reiseführern muss dagegen schon etwas tiefer in die Tasche gegriffen werden.

 

Reisen im Land

Argentinien und Chile bieten alle Voraussetzungen für Reisen auf eigene Faust, denn die Infrastruktur in beiden Ländern ist hervorragend. Die Wahl des Transportmittels hängt von der zur Verfügung stehenden Zeit und natürlich von der Reisekasse ab.

Das Flugnetz der bedeutendsten nationalen Fluglinien LAN Airlines, Sky Airline und Ladeco oder Aerolíneas Argentinas erfasst alle größeren Städte und wichtigen Feriengebiete. Die Flüge lassen sich bereits von Deutschland aus buchen, was oftmals sogar billiger ist als im Land. Kleinere Orte werden von regionalen Gesellschaften angeflogen.

Das Busnetz, Patagoniens wichtigstes Transportsystem, umfasst – mit nur wenigen Ausnahmen – alle wichtigen Orte und Dörfer. Nur im Bereich der Ruta 40 sollte man nicht unbedingt auf einen Bus warten. Die Preise für Busreisen sind relativ teuer. Überlandbusse verkehren meist nachts und bieten neben Liegesesseln auch einen Bordservice an.

Die meisten Eisenbahnen wurden in Argentinien und Chile privatisiert und aufgrund der besseren Busverbindungen eingestellt. Züge verkehren in Chile nur noch von Santiago nach Puerto Montt. Legendär ist der von Paul Theroux beschriebene Alte Patagonien-Express, der auch heute noch von Ingeniero Jacobacci nach Esquel fährt.

Schiffsreisen auf den Kanälen Patagoniens und Feuerlands sind – gutes Wetter vorausgesetzt – ein einmaliges Landschaftserlebnis. Empfehlenswert sind vor allem Bootstouren über den Lago Todos los Santos nach Bariloche in Argentinien und die Fährverbindungen zwischen Puerto Montt und Puerto Natales bzw. Puntas Arenas und Puerto Williams auf Feuerland. Wichtig bei allen Fährfahrten, auch für die Fährpassagen von Puerto Montt oder von der Insel Chiloé in Richtung Carretera Austral, ist eine rechtzeitige Buchung. Reservierung und Informationen: Transmarchilay (Angelmó 1666, Puerto Montt, Tel. 0056 65/27 04 30/-31).

Mietwagen, Camper und Wohnmobile sind die unabhängigsten Reisemittel und mittlerweile sowohl in Chile als auch Argentinien in allen Variationen zu haben. Wer gut Spanisch spricht, kann sein Glück bei einem der zahlreichen kleineren Unternehmen vor Ort probieren. Ansonsten bieten sich die internationalen Verleiher an, wo man einen Wagen am besten bereits von Deutschland aus bucht. Das größte Angebot in Deutschland hat Camper-Adventures/Reisebüro Kapner: www.camper-adventures.com.

Die Preise für Mietwagen sind akzeptabel. Für einen Pick-up (Camioneta), der bei den rauen Straßenverhältnissen angebracht ist, muss man inklusive Versicherung und unbegrenzten Kilometern ungefähr 70 US-Dollar pro Tag rechnen. Vierradfahrzeuge kosten ungefähr das Doppelte. Die Fahrzeugmieten schließen meist eine Teilkaskoversicherung mit Selbstbeteiligung (500 US-Dollar) ein. Vollkaskoversicherungen sind gegen Aufpreis (15 US-Dollar/Tag) möglich. Wichtig: Wer mit seinem Auto in ein anderes Land reisen möchte, benötigt eine notariell beglaubigte Bescheinigung seiner Mietwagenfirma! Für einen chilenischen Mietwagen ist für Argentinien eine Zusatzversicherung abzuschließen. Argentinische Versicherungen sind auch in Chile gültig. Die Preise für einen Camper/ein Wohnmobil beginnen bei ca. 110 US-Dollar/Tag. So ein Wohnmobil ist dann schon komplett ausgestattet und verfügt über Dusche und WC und Schlafplätze für bis zu drei Personen.

 

Reiseveranstalter

Patagonien gehört zum festen Bestandteil des Programms der großen Reiseveranstalter. Die wichtigsten Veranstalter für Trekking-Reisen sind:

 

Sicherheit

Ganz Patagonien ist weiterhin als sicheres Reiseziel zu bezeichnen. Die Kriminalität ist nicht höher als in Mitteleuropa auch. Kleinere Diebstähle und Gaunereien sind natürlich trotzdem nie auszuschließen. Wer sein Gepäck gut im Auge behält, sollte diesbezüglich aber keine Probleme bekommen. Auch die Transporte der Busunternehmen funktionieren reibungslos. Gewaltverbrechen sind sehr selten und kommen, wenn überhaupt, vor allem in den Großstädten vor. Davon gibt es in Patagonien aber streng genommen keine. So sollte man insbesondere bei der Ankunft in Santiago oder Buenos Aires darauf achten, in welchen Stadtteilen man sich bewegt. In allen größeren Städten Patagoniens patrouilliert eine Touristenpolizei, welche extra zum Schutz der Reisenden abgestellt wurde. Wertvolle und vor allem die aktuellsten Hinweise im Bezug auf Gefahrenregionen ergeben sich aus Gesprächen mit Einheimischen (im Hotel nachfragen). Auch das Auswärtige Amt weist auf seiner Homepage auf die aktuelle Sicherheitslage der Länder hin, wobei deren Warnungen aber zumeist stark überzogen sind.

 

Strom

Elektrische Geräte werden in Argentinien und Chile mit 220-Volt-Wechselstrom (50 Hz) betrieben. Während in Chile die Anschlüsse mit unseren Steckern kompatibel sind, empfiehlt sich für Argentinien die Mitnahme eines amerikanischen Adapters. Anzumerken ist, dass die flachen Euro-Stecker (meist) überall passen.

 

Telefon

Der Telekommunikationsmarkt wird in beiden Ländern von mehreren Unternehmen hart umkämpft. Ortsgespräche, nationale und internationale Gespräche sind sowohl von öffentlichen Telefonzellen mit Telefonkarte als auch von Telefongeschäften mit geschlossener Kabine (Centro de Llamados in Chile bzw. Locutorio in Argentinien) aus möglich. Von Argentinien und Chile aus lautet die Vorwahl für Deutschland 0049, für Österreich 0043 und für die Schweiz 0041. Die Vorwahl für Gespräche von Europa nach Argentinien lautet 0054, nach Chile 0056; die Null für die Ortsvorwahl entfällt.

 

Trinkgeld

Im Restaurant ist ein Trinkgeld von etwa zehn Prozent gebräuchlich und nicht in der Rechnung inbegriffen. Es ist üblich, zuerst das Wechselgeld zu nehmen und dann ein Trinkgeld liegen zu lassen. Mitarbeiter an Tankstellen, Hotels und Parkplätzen erwarten häufig ebenfalls etwas Trinkgeld.

 

Unterkunft

Sowohl in Chile als auch in Argentinien sind für den Touristen Übernachtungsmöglichkeiten aller Preis- und Leistungskategorien vorhanden, von der einfachen Unterkunft in einem kleinen Dorf bis zum Fünf-Sterne-Hotel in den Städten.

Die einfachsten und günstigsten Unterkünfte, meist mit Familienanschluss, findet man in Hospedajes oder Residenciales. Die meisten dieser Unterkünfte bieten mittlerweile heiße Duschen und akzeptable hygienische Bedingungen. Der Übernachtungspreis (meist mit Frühstück) liegt bei etwa 8 bis 12 US-Dollar pro Person.

Sogenannte Hosterías, luxuriöse Landhotels, findet man oft an landschaftlich reizvollen Orten. Die Preise schwanken je nach Ausstattung und können in einigen Luxusanlagen bis zu 300 US-Dollar pro Doppelzimmer betragen. Hostales sind meist einfachere Hotels, während Cabañas Holzbungalows sind. Hotelpreise entsprechen durchaus den europäischen Standards, wobei Qualität und Service jedoch oft zu wünschen übrig lassen. Sie beginnen bei etwa 40 US-Dollar pro Doppelzimmer. Generell sollte man sich in allen Unterkünften vorher die Zimmer zeigen lassen.

Campingplätze findet man auch in abgelegenen Gebieten, man sollte mit 12 bis 15 US-Dollar rechnen. Die Ausstattung umfasst normalerweise heiße Duschen, ein Restaurant oder einen Kiosk. In den Nationalparks besitzen die Plätze oft keine Infrastruktur, sind dafür aber häufig auch kostenfrei.

 

Wäsche

Schmutzige Wäsche lässt man am besten waschen. In fast allen größeren Touristenorten wird ein entsprechender Service von den Hostals und Pensionen angeboten. Darüber hinaus finden sich in allen größeren Städten Schnellwäschereien (Lavanderías), wo man für etwa fünf bis acht US-Dollar einen großen Beutel Wäsche waschen und trocknen kann.

 

Zeitverschiebung

Der Zeitunterschied zu Deutschland beträgt minus vier bzw. fünf  Stunden. Wenn es also in Deutschland 12.00 Uhr Mittag ist, dann ist es in Buenos Aires 8.00 Uhr morgens. Während der mitteleuropäischen Sommerzeit beträgt der Zeitunterschied eine Stunde mehr.

 

Zollbestimmungen

Bei der Einreise ist eine Zollerklärung auszufüllen, die meist schon vor der Landung im Flugzeug verteilt wird. Beachten Sie, dass nach Chile keine frischen Lebensmittel (Obst, Käse, Fleisch oder Wurstprodukte) importiert werden dürfen. Letzteres gilt auch für die Einreise aus Argentinien nach Chile.

 

4-Seasons Tipp

Wanderführer

Der Rother Wanderführer Patagonien und Feuerland von Ralf Gantzhorn und Thomas Wilken (Bergverlag Rother, München, 2., aktualisierte Auflage 2013, ISBN 9783763343966) stellt 50 ausgewählte Wanderungen und Trekkingtouren z.B. im Seengebiet, zu den Basislagern von Cerro Torre und Fitz Roy, über das Nördliche und Südliche Innlandeis und auf Feuerland vor. Die ausführlichen und zuverlässigen Tourenbeschreibungen werden durch detaillierte Wanderkarten und aussagekräftige Höhenprofile ergänzt.

Ebenfalls empfehlenswert ist der Bildband Patagonien und Feuerland von Ralf Gantzhorn (Bergverlag Rother, München, 3. Auflage 2013, ISBN 9783763370351). Neben zahlreichen inspirierenden Aufnahmen, finden sich hier auch noch einige Zusatzinfos, die den Wanderführer ergänzen.

 

 
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