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Traumtour: Island mit Kindern

Foto: Michael Neumann
Ein Urlaub in Island mit Kindern könnte so schön sein ... ist es auch. Eine entspannte Entdeckungsreise zwischen Reykjavík und Landmannalaugar.
Landmannalaugar bedeutet »die warmen Quellen der Leute vom Land«. Die Berge dort sind aber auch ganz schick. | Foto: Michael Neumann
Landmannalaugar bedeutet »die warmen Quellen der Leute vom Land«. Die Berge dort sind aber auch ganz schick. | Foto: Michael Neumann

Ja, ich gebe es zu: Meine Kinder, drei an der Zahl, dürfen KiKA gucken. Regelmäßig. Und sie lieben es. Besonders die Reportagen im Stile von »Willi wills wissen« und »Pur+« mit Eric. Und auch wenn sie oft wie eingerastet davorsitzen, so scheint doch was anzukommen im Kinder­hirn. Anders ist es nicht zu erklären, dass sie auf die Frage, wo denn der nächste gemeinsame Sommerurlaub zu verbringen sei, unisono »Island« krähen. Bitte wie, bitte was? Meine­n Einschub, dass das eine Insel im Nordmeer sei und kein tropisches Badeparadies, wischten sie beiseite mit Kinderlogik. Warm sei es in Island schließlich auch – und zwar in den heißen Quellen und auf den Vulkanen. Aha! Und Papa? Ja? Du darfst auch Fotos machen für deine Zeitung. Die Zeitung ist in diesem Falle das 4-Seasons, welches Sie gerade in den Händen halten.

Imposant: der Ófærufoss in der Feuerschlucht Eldgjá. | Foto: Michael Neumann
Imposant: der Ófærufoss in der Feuerschlucht Eldgjá. | Foto: Michael Neumann

Da Kinderwunsch zwar nicht Befehl ist, wohl aber berücksichtigt sein will – Stichwort Familienfrieden –, mache ich mich sogleich daran, mir einen Eindruck über die zu erwartenden Kosten zu verschaffen. Zwar könnte ich als Redakteur auch die Pressekarte spielen und beim Tourismusverband um eine Unterstützung für eine Recherche­reise ersuchen, doch stünde das einer objektiven Berichterstattung, ob man sich Island als Familie überhaupt ­leisten kann, im Wege. Eine erste Onlinesuche in Sachen Flug bringt dann auch gleich Ernüchterung. Zwei Erwachsene und drei Kinder, das macht bei Icelandair weit über 3000 Euro. Pffff! Okay, wird wohl doch eher die Ostsee ... Ich vertage das Projekt und studiere fortan genau das KiKA-Programm. Nicht, dass Eric und Willi als Nächstes über St. Moritz oder die Karibik berichten …

Ein paar Tage später bimmelt mal wieder eine Mail im Posteingang der 4-Seasons-Redaktion, die mit ihrem Absender WOW Air wohl nur haarscharf am Spamfilter vorbeigesegelt ist. Der isländische Low-Cost-Flieger mit Sitz in Reykjavík fliegt erst seit Juni 2012 und ist daher noch nicht jedem bekannt. So wie mir. In jedem Fall unter­breitet deren Pressemeldung ein beinahe unanständiges Angebot: Kinder bis elf Jahre fliegen im Sommer 2014 in Begleitung ihrer Eltern umsonst. Gelesen, gedacht, gebucht!

Zauberwort antizyklisch

Warmbadetage in Landmannalaugar. | Foto: Michael Neumann
Warmbadetage in Landmannalaugar. | Foto: Michael Neumann

Bleibt noch die Frage nach Transport und Unterkunft. Auch hier folgt auf den ersten Blick Ernüchterung. Das gut ausgebaute Bussystem käme theoretisch zwar infrage, scheidet praktisch aber aufgrund des kleinen Zeitfensters von neun Tagen und einer doch recht langen To-do-Liste der Kinder (neben heißer Quelle und Vulkane­n noch Reiten, Schneeballschlacht, Wikinger, Geysire, Elfe­n, Wasserfälle, Softeis, Hotdogs ...) aus. Die Mietwagenpreise wiederum erscheinen uns im August doch eher sportlich. Zumal wir unbedingt einen geländegängigen Wagen wollen, damit wir die mit einem F gekennzeichneten Straßen im Hochland befahren können. Allrad und vor allem eine gewisse Bodenfreiheit sind dort Pflicht. Denn Brücken, so lese ich, sind Mangel­ware, meist führt der Weg schnurstracks durch den mehr oder weniger reißenden Fluss.

Beim Studieren der Preislisten fällt jedoch auf, dass sich die Reisekosten in der letzten Augustwoche stellenweise halbieren. Neben­saison, ick hör’ dir trapsen. Wobei die Isländer nicht zwische­n Hauptsaison und Nebensaison unterscheiden, sondern zwische­n Sommer- und Wintersaison. Winter Ende August? Sollte uns das zu denken geben? Egal, packe­n wir halt noch einen Fleece mehr ein.

Feh­lt nur noch die Unterkunft. Doch dieser Aspekt ist schnell geklär­t: Zelten. Und das, so entnehmen wir dem Reiseführer, ist bei den vielen einfachen, aber schön gelegenen Campingplätzen in Island definitiv kein Kostenfaktor.

Von der Sonne geweckt – auch wenn die Temperaturen einen nicht unbedingt »aus dem Zelt brennen« ;-) | Foto: Michael Neumann
Von der Sonne geweckt – auch wenn die Temperaturen einen nicht unbedingt »aus dem Zelt brennen« ;-) | Foto: Michael Neumann

Und so sitzen wir, Sam, Matti, Kalle, Kathi und Michi, Ende Augus­t im Flieger nach Island. Und wir sind nicht allein, der Flieger ab Stuttgart ist bumsvoll. Grund dafür, so sagen die Experten, sei die Finanzkrise Islands und der Ey-ja-fjal-la-jö-kull. Erstere hat das vormals hohe Preisgefüge der »Schweiz des Nordens« spürbar eingebremst, zweiter war jüngst die perfekte PR-Aktion, kostenlos inszeniert von Mutter Natur für die Medien dieser Welt. Als der Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen 2010 über Woche­n eine beeindruckende Asche­wolke in die Atmosphäre spuckte, hielt er nicht nur über 100 000 Flüge am Boden und die Bevölkerung in Atem, sondern verstärkte auch das Bild eines ungezähmten Naturparadieses vor den Toren Europas. Und so zählte Island mit seinen 300 000 Einwohnern 2014 über eine Million Touristen, für dieses Jahr rechnet man gar mit 1,2 Millionen.

Tanz auf dem Vulkan

Landschaften wie Postkarten, an denen man sich nicht sattsehen kann. Mittig durchfahren geht aber gut. | Foto: Michael Neumann
Landschaften wie Postkarten, an denen man sich nicht sattsehen kann. Mittig durchfahren geht aber gut. | Foto: Michael Neumann

Und auch 2014 war der Vulkanismus in Island ein großes Thema.  Sehr zur Freude meiner Kinder. Schon vor unserem Abflug kündeten seismische Aktivitäten von einem bevorstehenden Ausbruch am Bárdarbunga. Anders als der Eyjafjallajökull, der sehr prominent neben der Island-umspannenden Ringstraße im Süden der Insel liegt, thront der Bárdarbunga im Niemandsland am Rande des Vatnajökull. Er war in der Vergangenheit zwar nicht als große Ascheschleuder aufgefallen, aber was würde passieren, wenn er unter dem Gletschereis eruptieren würde, und nicht daneben, wie von den Experten vorausgesagt?

Schön: Der Seljalandsfoss ist zu Recht ein Touristenmagnet. | Foto: Michael Neumann
Schön: Der Seljalandsfoss ist zu Recht ein Touristenmagnet. | Foto: Michael Neumann

Die ersten Tage verwöhnt uns das Wetter mit voll campingtauglichen Temperaturen und einer leichten Brise. Von Winter keine Spur. Auf dem Programm die touristischen Klassiker: Geysir, Gullfoss und Seljalandsfoss. Auf den Campingplätzen treffen wir auf gut ­gelaunte Touristen aus aller Welt, die alle völlig verzaubert von Islan­d sind. Jeder hat ein paar Tipps parat, was man aufkeinen Fall verpassen sollte. Pórsmörk zum Beispiel. Die kleine Ansiedlung am Ende einer durchaus anspruchsvollen F-Straße ist Ausgangs- beziehungsweise Endpunkt einer der schönsten Zweitageswanderungen Islands. Für die Kinder ist schon die Straße dorthin ein Erlebnis. Als Papa mit dem Auto vor der ersten der über ein Dutzend Furten bis Pórsmörk anhält, ist die Auf­regung groß. Mit dem Auto durch einen reißenden Fluss? Papa spinnt. Die gletschertrübe Brühe lässt keinen Rückschluss auf die Wassertiefe zu. Und so beherzigen wir die erste Regel aller Furtdurchquerungen: Wenn Zweifel ob der Machbarkeit bestehen, entweder vorher zu Fuß durchwaten oder warten, bis ein Isländer vorbeikommt und vorfährt. Der Local, der wenig später in einem sogenannten Superjeep auftaucht, bremst noch nicht einmal runter, bevor er mit seinen Ballon­reifen und seinem ganzen Meter Boden­freiheit mittig durchbrettert. Also gut: Geländegang rein, Scheibenwischer an und ihm unter dem Kreischen der Kinder hinterher. Wow. Einige Furten später schwappt sogar mal Wasser über die Motorhaube bis zur Windschutzscheibe, doch alles geht gut.

Kleine Touren von Basislager

In Pórsmörk angekommen, unternehmen wir Tageswanderungen, so weit die Kinderfüße tragen. Die Überschreitung Richtung Küste und Skógafoss, vorbei am vorerst erloschenen Eyjafjallajökull, müssen wir jedoch vertagen aufs nächste Mal, unser Kleinster ist noch kein Aspirant für die Goldene Wandernadel.

Wasserfallhöhle, direkt neben dem populären Seljalandsfoss. | Foto: Michael Neumann
Wasserfallhöhle, direkt neben dem populären Seljalandsfoss. | Foto: Michael Neumann

Nächster Halt unserer Islandtour für Anfänger ist Landmanna­laugar. Hier, weitab von der Zivilisation im Hochland, startet der wohl schönste Wanderweg Islands, der Laugavegur. Die farbigen Hügel links und rechts des Weges suchen weltweit ihresgleichen, und es gibt sicher kaum einen outdooraffinen Menschen auf dieser Welt, der nicht schon mal an einem Bild dieser surrealen Landschaft hängen geblieben ist. Und auch, wenn wir kinderbedingt dort nicht die ganz großen Sprünge machen können, so ist der dortige Zeltplatz dennoch das perfekte Basislager für kleine wie große Tagestouren. Mal eben vor dem Frühstück allein auf den Hügel Bláhnjúkur sprinten oder mit einem guten Zeitpolster und vielen Pausen gemein­sam auf den Vulkan Brennisteinsalda, das gelingt dort wirklich kinder­leicht. Auch macht es als Dauercamper Spaß, dem steten Strom der Weitwanderer gemütlich beim Ankommen, Einpacken und Losmarschieren zuzuschauen.

SMS vom Katastrophenschutz

Kalt: Bei vielen Wanderungen gibt’s nasse Füße. | Foto: Michael Neumann
Kalt: Bei vielen Wanderungen gibt’s nasse Füße. | Foto: Michael Neumann

Ein weiterer Trumpf vom Basislager in Landmannalaugar ist die heiße Quelle in Form eines Baches. Sie bietet genügend Platz für Hunderte Besucher und ist mit ihrem stellenweise fast 60 Grad warmen Wasser ein Labsal für müde Muskeln. Nach drei Tagen schaffen unsere Kinder den Weg vom Zelt ins Wasser durch den kalten Wind in unter einer Minute und wissen auch, wo es tief genu­g für eine Arschbombe ist.

Eines Abends bimmelt eine SMS auf dem Handy. Die isländische Regierung ist dran. Der Bárdarbunga sei ausgebrochen, und alle Personen in seiner Nähe mögen doch bitte die Region verlassen. Landmannalaugar liegt zwar nicht in der Gefahrenzone, doch die geplante Weiterfahrt auf der F 26 ins Landesinnere ist damit Makulatur. Von einer Fahrt zum Vulkan selbst ganz zu schweigen.Die Vulkanologen wissen noch nicht, wie sich die Eruption ent­wickeln wird. Aber flugs wird – Ehrensache für die Online-Nation Island – eine Webcam installiert, auf der man das Geschehen ­verfolgen kann. Und eine Asche-Eruption, die den Flugverkehr ­behindern könnte, schließen die Experten vorerst aus, da die Lava sehr dünnflüssig sei, was grob gesprochen die Gefahr von Ver­stopfungen minimiert.

Landschaften wie im Film

Gut bei Wind und Wetter: die einfachen Hütten auf zahlreichen Campingplätzen. | Foto: Michael Neumann
Gut bei Wind und Wetter: die einfachen Hütten auf zahlreichen Campingplätzen. | Foto: Michael Neumann

Die letzten Tage unserer Reise genießen wir völlig abseits der ausgetretenen Touristenpfade. Der Reiseführer bleibt im Handschuhfach, und wir suchen uns auf der Karte Stichstraßen, die im Nichts enden. Dort, wo der Fahrweg zum Fußweg wird, steigen wir aus und marschieren, bis die Kinder keine Lust mehr haben. So ent­decken wir etwa nahe des Gullfoss eine Landschaft, die wir uns auch gut in einem hollywoodesken Science-Fiction-Film vorstellen  können – die es aber nicht mal zu einem Sternchen auf der Landkarte gebracht hat. So oder so ähnlich muss es auf Mars & Co. aussehen. Und tatsächlich, statt solche Welten am Computer zu erschaffen, schaut Hollywood immer wieder gern in Island vorbei, um auch die Fantasie der Erwachsenen zu befrieden. Filme wie »Prometheus«, »Das erstaunliche Leben des Walter Mitty« und »Star Trek: Into Darkness« etwa sind zu weiten Teilen hier gedreht worden. Und nicht zu vergessen die Fabelserie »Game of Thrones«, deren fünfte Staffel derzeit weltweit im TV läuft. Sie merken also, Island ist nicht nur für KiKA-Fans eine Reise wert ...

 

4-Seasons Info

 How to Island mit Kindern

Flugreisen mit Kindern jenseits des zweiten Lebensjahres bedeuten immer enorme Kosten. Das beste Angebot bietet derzeit WOW Air, die von Berlin, Stuttgart und Düsseldorf regelmäßig den internationalen Flughafen Keflavík, 50 Kilometer entfernt von Reykjavík, anfliegen. Ideal für Preisvergleiche ist das Onlineportal skyscanner.de, das nahezu alle Airline-Angebote durchsucht. Dort gibt es auf einen Klick auch Unterkünfte und Mietwagen.

Zelt versus Hütte: Viele Zeltplätze bieten alternativ auch kleine und oft liebevoll eingerichtete Holzhütten. Je nach Wetter, Wind und Temperaturen sind diese oft die bessere Wahl.

Für Papa: Zwar sind die Alkoholpreise längst nicht mehr exorbitant, doch der Gang in den Duty-free beim Warten aufs Gepäck lohnt durchaus. So bleibt im Reisebudget mehr Spielraum für Softeis.

Mietwagen: Wer mit dem eigenen Auto ins Hochland will, braucht ein Auto mit Allradantrieb und ausreichend Bodenfreiheit. Sehr praktisch, besonders mit Kindern, ist zudem eine Dachbox für das Extra an Gepäck (Kinderwagen, Windeln, ...). Empfehlenswert ist der Anbieter iceland4x4carrental.com. Ein Jeep Grand Cherokee kostet dort im September pro Woche etwa 800 Euro.

Busse: Mit mehr Zeit im Gepäck kann man Island auch gut mit den zuverlässig getakteten Hochlandbussen erkunden. Ein One-Way-Trip von Reykjavík nach Pórsmörk etwa schlägt für eine fünfköpfige Familie mit rund 100 Euro zu Buche. Infos: re.is.

 

 
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