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Three Capes Track: Per Du mit Wind und Meer

Foto: Tasmania Parks and Wildlife Service
Der neue Three Capes Track führt durch den wilden Südosten Tasmaniens. Die Zutaten: atemraubende Steilküsten, saftiger Regenwald und vor allem Mehr-Meer-Ausblick-geht-nicht.

Das ist also das Ende der Welt. Man steht auf dem 300 Meter hohen Kliff an der Spitze des Cape Pillar, fast so, als befände man sich auf einem Schiffsbug, und blickt auf eine kleine Insel und das weite Meer hinaus. Der Wind saust an der Küste entlang und fängt alle Worte weg, die man seinen Mitwanderern zurufen will. Schaut! Da vorne reihen sich Steilfelsen wie geduldige Soldaten aneinander und trotzen den Launen des Atlantischen Ozeans. Aber schaut! An einem sonnigen Tag wie ­heute schmiegen sich die Wellen sanft um die kleine Tasman Island, die hinter den Steilfelsen liegt, und auf der nur ein schmaler Leuchtturm wie ein weißes Wattestäbchen zwischen kugeligen Büschen herausragt. Der Ozean rollt dahinter bis zum Horizont aus, wird dort sicherlich dunkler und wilder. Nur noch 3000 Kilometer bis zur Antarktis. Wenn man tief einatmet, könnte man meinen, Schnee zu riechen.

Wer hätte gedacht, dass man am Ende der Welt auf solche Kathedralen trifft? | Foto: Tasmania Parks and Wildlife Service

Dieses Ende der Welt heißt The Blade, die Klinge, und liegt in Tasmaniens Südosten, 70 Kilometer Luftlinie von Hobart entfernt. Es ist Highlight des neuen 46 Kilometer langen Wanderwegs Three Capes Track, der auf einer Studie des Tasmania Parks and Wildlife Services basiert. Er fragte: Was will der Wanderer von heute? Abwechslungs­reiche Landschaft, moderaten Schwierigkeitsgrad und bequeme Unterkünfte. So wurden die vormals schwierigen Wanderpfade neu arrangiert, Treppenstufen in Stein geschlagen und drei Wanderhütten gebaut – der Three Capes Track war geboren.

Weltkulturerbe Port Arthur

Er beginnt in Port Arthur, der ehemaligen Sträflingskolonie, die seit 2010 Teil des Weltkulturerbes ist. Damals war das Ende der Welt noch eine Strafe, da nur die schlimmsten Gefangenen hier um 1840 landeten. Diejenigen, die nicht nur beim Brotklauen in England erwischt wurden, sondern in Australien noch mal auffällig geworden waren. Heutzutage ist das Weit-weg-Sein eine Verlockung. Und so setzt ein Boot die Wanderer am Nachmittag von Port Arthur nach Denmans Cove über. Bei der einstündigen Bootsfahrt schwappen Blicke und hellblaues Wasser in die Höhlen der zerklüfteten ­Küste hinein, zwischendurch ziert eine goldene Sanddüne das Ufer. In den Wellen könnte eine Robbe tanzen. Oder weiter hinten – ein Buckelwal? Als man in einer Bucht abgesetzt wird und das Boot davontuckert, denkt man unweigerlich kurz an die große Einsamkeit. Dann zieht man den Rucksack mit dem Essen noch mal straff und folgt dem Holzsteg in den Wald hinein.

Der Weg ist einfach, man läuft auf Planken- und Kieswegen, braucht nicht auf Stolperfallen zu achten, kann ruhig den Kopf heben und Schritt für Schritt alles anschauen, den saftig grünen Regenwald, die glatten Stämme der Eukalyptusbäume, die Küstenheidenlandschaft. Der Three Capes Track ist Weitwandern für Einsteiger. Schon nach vier Kilometern taucht die Veranda der Surveyors Cabin auf, wo man erst einmal die Füße in den Liegestühlen hochlegt. In der Küche befinden sich Gasherd und Töpfe, in den Regalen liegen Brettspiele, Bücher und Yogamatten, in den Mehrbettzimmern die Matratzen. Die Luft riecht nach Eukalyptus, und als die Sonne untergeht, taucht das Southern Cross am Himmel auf, zusammen mit Abertausend weiteren Sternen. Hier gibt es keine Lichtverschmutzung, hier ist die Welt magisch und rein.

Die Munro Cabin, eine der Unterkünfte am Weg. | Foto: Jesse Desjardins

Am zweiten Tag beginnt die Panoramasicht, ganz imposant schon von Arthur’s Peak. Die Elemente tanzen plötzlich wie verrückt miteinander: der wilde Atlantische Ozean mit seinem Gefährten, den Roaring Fourties, diesem brüllenden Wind, der zwischen dem 40. und 50. Breitengrad von Patagonien bis Tasmanien entlangpfeift, für wechselhaftes Wetter sorgt und das Gesicht prüfend streichelt wie Knecht Ruprecht, um dann mit einem vergnügten Lächeln weiterzuziehen. Man kann über die Crescent Bay bis zum Cape Raoul schauen. Noch nachts in der Munro Cabin glüht das Gesicht vom Draußensein und windigen Streicheleien.

Und wenn man am dritten Tag dann am südöstlichsten Zipfel der Tasman Peninsula ankommt und auf der Blade steht, ist man schon so sehr Teil von all dem, dass der Wind nur noch kitzelt und die schroff abfallenden Klippen auf andere Art weiche Knie verursachen. Weniger aus Nervosität, sondern vielmehr aus Ehrfurcht, wie atemberaubend schön das Ende der Welt doch ist. Am nächsten Tag gibt es das noch einmal, einen grandiosen Ausblick vom Mount Fortescue auf ebenso steile Klippen, und danach, als Belohnung für die erlaufenen Kilometer und die ständige Faszination, schwimmt man in der Fortescue Bay mit ihren schönen weißen Stränden und möchte noch viel länger weit weg sein.

 

GM Info

Three Capes Track

Der viertägige Three Capes Track ist nach dem Overland Track der zweite Weitwanderweg in Tasmanien und führt über 46 Kilometer auf einfachen Wanderpfaden von Denmans Cove über Cape Pillar und  Cape Hauy bis zur Fortescue Bay. 48 Personen dürfen jeden Tag auf den Track, also unbedingt vorab buchen. Die Buchung beinhaltet den Eintritt ins Port-Arthur-­Gefängnis, Parkgebühren, Transfer von Port Arthur zum Start- und Zielpunkt, drei Übernachtungen und das Wanderbuch »Encounters on the Edge«. Buchung und mehr Infos: www.threecapestrack.com.au Über Tasmanien allgemein: www.discovertasmania.com.au

 

 
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