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Tasmanien: Fitzcarraldo down under

Foto: Christoph Michel
Gibt es tatsächlich kein Neuland mehr zu entdecken? Nun, wer Fantasie hat und Google Earth bedienen kann, muss sich nicht sorgen. So wie Andy Ebert und Christoph Michel. Die zwei Abenteurer wollten den Federation Peak in Tasmanien besteigen und wählten dafür den mit Abstand schwierigsten Zustieg: stromauf durch die unbekannte New River Gorge. Chronik einer Niederlage …

Im gleichmäßigen Rhythmus ziehe ich mein Paddel durch das dunkle Wasser der New Rive­r Lagoon. Über mir hängt ein grauer Himme­l. Sieht nach Regen aus. Leichter Wind treibt sachte Wellen gegen unser Packraft. Mit im Boot sitzt Christoph, mein langjähriger Kletter­partner. Heute, am vierten Tag unserer Tour, ist es endlich so weit: Wir lassen den letzten offiziellen Lagerplatz hinter uns und betreten Neuland. Wir steuern hinein in die Mündung des New River.

Fast wie Urlaub. Ein letztes Abendessen am Meer, bevor der Wasserweg des New River in den Regenwald führt. | Foto: Christoph Michel

Drei Tage waren wir bei Sonnenschein und heißen Temperaturen an der Südküste Tasmaniens entlang zur Lagune gelaufen. Das fühlte sich noch an wie Urlaub, wenn auch verdammt anstrengend durch die 35 Kilo auf dem Rücken. Die heutige trübe Stimmung passt da viel besser zu unserem Abenteuer – finden wir, und freuen uns gleich noch mehr. Sogleich setzt heftiger Regen ein. Als wir zurück auf die Lagune blicken, sehen wir dahinte­r den Gipfelaufbau des imposanten Precipitous Bluff über dem Urwald thronen.

Vor vier Jahren hatten wir diesen Berg über einen kaum begangenen Pfad bestiegen und von dessen Gipfel die Mündung des New Rive­r erblickt. Wir wussten nichts über den Fluss. Erst zu Hause ergaben Recherchen, dass er von seiner Quelle bis zur Mündung nur 30 Kilometer lang ist und am Fuße des wohl spektakulärsten Berges Australiens, dem Federation Peak entspringt. Von dort schlängelt er sich durch eine urwaldartige Hoch­ebene, gefolgt von wilden Schluchtabschnitten, bevor er träge und sanft in die Lagune mündet. Ansonsten fanden wir fast keine Infos, nur eine Handvoll Fotos auf Google und nach langer Recherch­e zwei Berichte von gescheiterten Ver­suchen, den Flusslauf in voller Länge zu begehen. Dafür landeten wir in einem Internetforum, in dene­n hitzig über die Unmöglichkeit diskutiert wurde, den New River als Zustieg zum Federation Peak zu nutzen. 

Schnapsidee oder Geniestreich?

Zwei gescheiterte          Versuche gab es bisher,  den New River zu  bezwingen. Werden wir  es schaffen? | Foto: Christoph Michel
Zwei gescheiterte Versuche gab es bisher, den New River zu bezwingen. Werden wir es schaffen? | Foto: Christoph Michel

So entstand der Plan, diese neue Zustiegs­route erstzubegehen: in der New River Lagoon starten und den untersten Teil des Flusses hochpaddeln. Dazu haben wir ein Zweier-Packraft, ein leichtes, aber stabiles Schlauchboot, das unter drei Kilo wiegt und ein minimales Packmaß hat. Im Mittelteil erwarten wir eine Kombination aus Waten, Kraxeln und Paddeln. Die folgende Hochebene wird zähes Ringen mit dem Dschungel bis zum Lake Geeves, der direkt am Fuße der fast 650 Meter hohen Südwand des Federation Peak liegt. Von dort planen wir über einen steilen Hang die letzten 500 Höhen­meter zum Hanging Lake hinaufzukommen. Dort hätten wir dann das Wegenetz erreich­t, das sich um den Federatio­n Peak erstreckt. Die Besteigung des Gipfels selbst und die nachfolgenden drei Tage Rauslaufen auf einem kartierten Pfad betrachten wir als Kür. Für den weglosen Teil veran­schlagen wir 12 Tage, insgesamt werden wir bis zu 18 Tage unterwegs sein. Entsprechend viel Lebensmittel haben wir dabei.

Nach einigen Kilometern verändert sich der Charakter des Flusses. Bis hierher lag er träge in seinem Bett und hatte fast keine Strömung. Nun aber wird er enger und windet sich in Schleifen durch den Regenwald. Umgefallene Bäume liegen quer im Wasser. Anfangs können wir die Gerippe noch leicht umfahren, aber dann kommen wir an Bäume, die den kompletten Fluss blockieren. Jedes Mal müssen wir aussteigen und auf dem meist rutschigen Stamm unser Gleich­gewicht halten, während wir die Rucksäcke ausladen, das Boot umheben und das Gepäck wieder hineinwuchten. Klingt einfach, kostet uns aber jedes Mal einige Minuten.

Zu Wasser oder zu Lande – die Tour bringt uns jeden Tag ans Limit und letztlich darüber hinaus. | Foto: Christoph Michel
Zu Wasser oder zu Lande – die Tour bringt uns jeden Tag ans Limit und letztlich darüber hinaus. | Foto: Christoph Michel

Irgendwann wird es uns zu viel und wir gehen an Land. Zu unserer Überraschung lichtet sich das struppige Uferdickicht, als wir ein paar Meter eingedrungen sind. Um uns heru­m erstreckt sich ein fabelhafter Regenwald. Unter dem Blätterdach der hohen Euka­lyptusbäume wachsen teils meterhohe Baumfarne. Auch der Boden ist von riesigen Farnblättern bedeckt. Unsere Stiefel schmatzen bei jedem Schritt. Erst als wir kaum mehr Bäume im Fluss liegen sehen, verlassen wir den Urwald. Es regnet immer noch in Strömen. An einer Sandbank machen wir Halt und richten unter den Bäumen unser Lager ein. Noch spiegelt sich der viele Niederschlag nicht im Pegel wider, doch wie lange noch?

Am nächsten Morgen ist der Fluss tatsächlich ein anderer: wild und schäumend statt lahm dahinschlängelnd. Eigentlich hatten wir gehofft, ab hier wieder im Flussbett laufen zu können, da die Vegetation laut Karte sehr dicht wird. Aber das können wir komplett vergessen. Also rein ins Getümmel. Alle halbe Meter müssen wir zähes Geäst wegdrücken, um uns gebückt durch ein Loch im Dickicht zu zwängen. Oft laufen wir gar nicht mehr auf dem Wald­boden, sondern balancieren meterhoch da­rüber auf morschen Stämmen.

Das volle Programm der Fortbewegung

Als der Flusslauf zwischendrin breiter wird, können wir auf glitschigen Steinen im Wasser laufen, doch zwei Kurven später rücken die Steilufer erneut zusammen.  Wir besprechen unsere Lage. Der Fluss ist zu tief, um darin zu laufen, die Strömung zu stark, um dagegen anzupaddeln, und der Urwald größtenteils undurchdringlich. Aber immerhin finden wir eine kleine freie Stelle in der Nähe, die sich für ein Lager eignet. Der Blick auf die Karte ist ernüchternd: Schlappe anderthalb Kilometer sind wir heute vorangekommen. Und das nach mehr als sechs Stunden harter Arbeit. Den ersten der vier als Puffer eingeplanten Tage können wir von der Liste streichen.

Nass von oben und von unten – ließe es sich damit gut laufen, wäre ein Taucheranzug eigentlich die beste Kleiderwahl. | Foto: Christoph Michel
Nass von oben und von unten – ließe es sich damit gut laufen, wäre ein Taucheranzug eigentlich die beste Kleiderwahl. | Foto: Christoph Michel

Über Nacht ist der Pegel um 15 Zentimeter gesunken. An ein Gehen im Flussbett ist aber noch nicht zu denken. Folglich schlagen wir uns anfangs durch die extrem dichte Vegetatio­n. Wir haben den Kampf gegen das Gestrüpp jedoch dermaßen satt, dass wir bei der ersten Möglichkeit in den Fluss wechseln. Unser Plan: Boot aufblasen, die schweren Ruck­säcke einladen und das Boot gegen die Strömung schieben. Das Gehen im Fluss ist eine sehr rutschige Angelegenheit. Einer links und einer rechts stützen wir uns am Boot ab, was auch hilft, falls wir mal das Gleichgewicht verlieren. So kämpfen wir uns über den Tag verteilt vier Kilometer flussaufwärts. Es ist eine wahnsinnige Schinderei.

Der folgende Tag bringt optimale Bedingungen für den Einstieg in die 12 Kilometer lange New River Gorge: Sonnen­schein und ein gefallener Pege­l. Vormittags arbeiten wir uns im Fluss voran. Nach der Mittagspause haben wir den Rand der Schlucht erreicht und der Charakter des Flusslaufs ändert sich abrupt. Das Gefälle nimmt deutlich zu, überall liegen große Steine herum. Viele davon können wir überklettern, über andere fällt der New Rive­r mehrere Meter herab. Herum­liegende Baumstämme dienen uns oft als wacklige Brücken. Unser Boot kommt in den vielen tiefe­n Pools dazwischen zum Einsatz. Meist können wir es jedoch nur für eine Überfahrt nutzen. Die Kletterei im Anschluss ist dann meist zu schwierig, um das aufge­blasene Boot mitzuschleppen. Das bedeutet Boot ablassen, Paddel auseinanderbauen und alles im Rucksack verstauen – und ein paar Minuten später das Ganze umgekehrt.

Zwischen Urwald und Untiefen bleibt oft nur ein kleiner Uferstreifen für Pause und Nachtlager. | Foto: Christoph Michel
Zwischen Urwald und Untiefen bleibt oft nur ein kleiner Uferstreifen für Pause und Nachtlager. | Foto: Christoph Michel

Unser Vorankommen verlangsamt sich zu­sehends. Dennoch macht es uns eine riesige Freude. Wir bewegen uns wie im Rausch in dieser Dreidimensionalität. Der New River verlangt im Minutentakt Entscheidungen. Dazu kommen die körperliche Anstrengung und kleine Boulder­probleme, die einige­s an Technik verlangen. Und das alles in einer beeindruckende­n Landschaft.

Nach elf Stunden härtester Arbeit und zwei Kilo­meter Strecke schlagen wir in der Dämmerung unser Lager am Fluss auf. Dabei zahlt es sich erneut aus, Hängematten mitgenommen zu habe­n, denn hier ein Zelt aufzustellen, wäre unmöglich. Kurz vorm Einschlafen bringt es Andy auf den Punkt: »Das ist der absurdeste Trip meines Lebens. Manchmal hilft echt nur Hirn ausschalten, damit nicht die Frage kommt: warum mache ich das eigentlich?«

Uns ist klar, dass wir mit dem derzeit guten Wetter optimale Bedingungen haben. Das müssen wir nutzen, um Strecke zu machen. Umso mehr freuen wir uns, als wir für den ers­ten Kilometer des neuen Tage­s nur eine Stunde brauchen. Der Fluss scheint sanfter zu werden. Doch eine Kurve später sieht die Welt schon wieder anders aus. Steile Wände und ein Haufen Steinmurmeln bedeuten Schnecken­tempo. Jetzt braucht es wieder das volle Program­m der Fortbewegung: Gehe­n, Kriechen, Krabbeln, Waten, Paddeln, Balancieren, Bouldern, Rutschen und Springe­n.

Zu Gast im Reich der Riesen

Aus der Karte sind die auftretenden Schwierigkeiten kaum herauszulesen. Dort schlängelt sich eine feine blaue Linie elegant durch die Berge. Einzig die Höhenlinien lassen ein paar Rückschlüsse zu. Demnach scheint uns heute Nachmittag ein Abschnitt mit stärkerem Gefälle bevorzustehen. Was uns dann erwartet, sprengt jedoch unsere Vorstellung: Eine mit hausgroßen Felsbrocken verblockte Schlucht erfordert Klettern in steilem Gelände. Dabei donnert der New River krachend unter den Felsen entlang. Mehrmals schauen wir zwischen den Felsen in schwarze Löcher, aus denen uns der Fluss anbrüllt. Im folgenden Pool liegen große Baumstämme, die der Fluss wie Mikado-Stäbchen dort hingeworfen hat. Wie kleine Wesen zu Gast im Reich der Riesen kommen wir uns vor. Geduldet zwar, aber jederzeit in Gefahr, von der Natur verschlungen zu werden. Als es zu dämmern beginnt, ist der Fluss von steilen Flanken eingefasst. Keine Chance, hier ein Lager aufzuschlagen. Also weiter. Im Schein der Stirnlampen erreichen wir eine Stelle, an der sich die Schlucht etwas weitet. Wir legen die nassen Sachen ab, koche­n Essen und ziehen Bilanz: Heute waren wir von sieben Uhr morgens bis halb zehn Uhr abends unterwegs und haben fünf Kilometer zurückgelegt.

Abseits vom Fluss empfängt uns tiefer Regenwald. | Foto: Chistoph Michel
Abseits vom Fluss empfängt uns tiefer Regenwald. | Foto: Chistoph Michel

Meine Gedanken kreisen noch lange um die Eindrücke des Tages. Der Geist kommt nicht zur Ruhe. Immer wieder glaube ich, Musik zu hören, als wäre in unserer Nähe ein Fest im Gange. Am nächsten Morgen erzähl­t mir Christoph, dass auch er Musik gehört habe. Wir bewegen uns am Limit.

Der erste Blick am Morgen gilt immer dem Himmel. Da wir auf ein Satelliten­telefon verzichtet haben, sind wir komplett ahnungslos, was das Wetter angeht. Wolkenlos. Wir atme­n auf. Der zweite Blick gilt der Karte. Laut ihr macht der New River hier ein paar Windungen durch eine Ebene, bevor er wieder an Höhe gewinnt. Die Idee, eine Flussschleife abzu­kürzen, wird mit unzähligen Kratzern an Händen und im Gesicht bestraft. Wieder im Fluss, wartet bald die nächste Eng­stelle auf uns, es geht durch eine Klamm. Manche Kletterstellen darin können wir überwinden, dann jedoch stehen wir vor einem drei Meter hohen Wasserfall. Alle­s ist glitschig. Wie sollen wir da hochkommen? Neben der körperlichen Anstrengung und der Konzentration setzt uns immer wieder die Ungewissheit zu, ob wir nicht doch in eine Sackgasse laufen.

Packraft als Crashpad

Wir suchen den Fels nach kleinen Strukturen ab und entdecken rechts neben dem Wasserfall einen kleinen, bemoosten Tritt und oben an der Kante einen kleinen Riss plus Zwei­fingerloch. Könnte funktionieren. Zu unserer Sicherheit legen wir das Boot als Crashpad drunter. Und tatsächlich, Christop­h schafft es, ich folge.

Manchmal hilft echt nur Hirn ausschalten, damit da nicht die Frage kommt: Warum mache  ich das eigentlich? | Foto: Christoph Michel
Manchmal hilft echt nur Hirn ausschalten, damit da nicht die Frage kommt: Warum mache ich das eigentlich? | Foto: Christoph Michel

Gegen 17 Uhr lassen wir den New River New River sein. Wir können nicht mehr und beschließen für morgen einen Ruhetag. Der Hunger ist groß, die Beine matt und es gibt hier Bäume für ein Lage­r. Der Tag hat erneut sämtliche Erwartungen gesprengt. Laut Karte sind es noch 800 Meter bis zur Hochebene. Damit hätten wir die komplette Schlucht in drei Tage­n nahezu durchschritten. Als wir das Lage­r aufbauen, setzt leichter Regen ein.

Die Nacht über regnet es durch und am Morge­n ist der New River nicht wieder­­zu­erkennen. Braun schäumend donnert er zu Tal. Wir verbringen den Tag fast ausschließlich in unseren Hängematten, essen Riegel und starren ins Leere. Die Gedanken kreisen ums Wetter und um die Chance, in ein paar Tagen auf dem Federation Peak zu stehen.

Tags drauf ist der Fluss immer noch ein wildes Etwas, dem wir nicht zu nahe kommen wollen. Daher bleibt nur der Weg durch den Dschungel. Stellenweise brauchen wir die Säge, um uns einen Weg zu bahnen. Immer wieder fragen wir uns, was ein Außenstehender über unser teilweise skurril anmutendes Ackern in der Schlucht denken würde. Was wir hier veranstalten, kommt uns mittlerweile komplett absurd vor. Und wir bereuen es, vorgester­n nicht die Konsequenzen des einsetzenden Regens erkannt und das letzte Stück der Schlucht noch schnell hinter uns gebrach­t zu haben. Für diese Dummheit müssen wir jetzt büßen. Abends verrät uns die Karte, dass wir 700 Meter Strecke in siebe­n Stunden geschafft haben.

Oft ist ja der Weg das Ziel. Doch einmal mehr heißt es hier »welcher Weg?« | Foto: Christoph Michel
Oft ist ja der Weg das Ziel. Doch einmal mehr heißt es hier »welcher Weg?« | Foto: Christoph Michel

Am nächsten Morgen ist der Pegel immer noch hoch. Kleine Bäume, die mitten im Fluss wachsen, machen uns das schonungslos klar. Bereits nach zwei Stunden brauchen wir eine lange Pause, ziehen trockene Kleidung an und kochen. Es regnet wieder, zudem kommt Wind auf. Wir sind dermaßen ausgekühlt, dass es eine Stunde braucht, bis wir bereit sind, zurüc­k in die nassen Sache­n zu steigen.

Gegen 13 Uhr sind wir laut Karte ungefähr 800 Meter vom letzten Lager entfernt. Am Bach legen wir eine Riegelpause ein, gehe­n jedoch schnell weiter, da uns kalt ist. Die Vegetatio­n lenkt uns immer wieder in eine leicht andere Richtung. Zwanzig anstrengende Minute­n später hören wir erneut Bachrauschen, das wir uns nicht erklären können, da auf der Karte kein zweiter Bach verzeichnet ist. Als wir am Wasser ankommen, erkennen wir den Platz der Pause wieder. Wir interpretieren das als deutliches Zeichen: Nachtlager, sofort! Wir frieren bitterlich. Diesmal braucht es mehrere Stunden, bis wir die Schlafsäcke angewärmt haben. Die Energie fehlt. Aus Gewichts­gründen haben wir unser Essen sehr knapp kalkuliert. Und nicht fettreich genug. Wir merken, wie ausgezehrt unser­e Körper bereits sind.

Das Ziel, der Federation Peak, scheint in weit­e Ferne gerückt. Dabei ist der Berg nur vier Kilometer Luftlinie von uns entfernt. Gedanke­n an einen Abbruch kommen auf. Wir reden über den Notsender im Gepäck, über den wir Rettung anfordern könnten.

Kapitulation vor der grünen Hölle

Weniger als ein Kilometer pro Tag – das reicht nicht. | Foto: Christoph Michel
Weniger als ein Kilometer pro Tag – das reicht nicht. | Foto: Christoph Michel

In der Nacht gewittert es und morgens liegt die Temperatur knapp über Null. Immer wiede­r diskutieren wir unsere Optionen. Aber allein der Anblick unserer nassen Kleidung reicht aus, um uns einzugestehen, dass wir gescheitert sind. Wir können nicht mehr. Noch vor dem Frühstück fällt die Entscheidung: Abbruch. Frustriert drücke ich den Knopf des Notsenders.

Zwei Stunden später hören wir Rotor­geräusche. Schon wird ein Retter am Seil zu uns heruntergelassen. Und ein paar Minuten später sitzen wir im Heli­kopter. Auf der 1000 Meter hohen Crest Rang­e liegt frisch gefallener Schnee. Der Feder­ation Peak selbst hält sich hinter einer Wolkenwand verborgen. Entlan­g des New Rive­r fliegen wir zurück in Richtung Lagune. Von hier oben ist nichts auszumachen von all den fantastischen Orte­n, die uns die letzten Tage in Atem ge­halten haben. Wehmütig lasse­n wir los von unserer unvollendeten Tour. Ob wir jemals zurückkehren werden?

 

4-Seasons Info

Trekking in Tasmanien

Karte Tasmanien Allgemein
Trekking wird in Tasmanien als Bushwalking bezeichnet. Es gibt rund 1700 Kilometer Wege durch die Wildnis. Nur entlang des Overland Track finden sich Hütten. Auf allen anderen Routen hat es maximal ein paar präparierte Stellplätze für Zelte und rudimentäre Toilettenvorrichtungen.

Zum Nachmachen
Der South Coast Track bietet 84 Kilometer langes Mehrtagestrekking (5 bis 9 Tage) entlang Tasmaniens wilder Südküste und touchiert auch die New River Lagoon. Gehört zu den besten Tracks weltweit. Sehr anspruchsvoll und dem Wetter ausgesetzt.

Overland Track: Tasmaniens beliebtester Bushwalk führt vom Cradle Mountain zum Lake St. Claire:
5 bis 8 Tage. Anspruchsvoll.

Buchtipps
South West Tasmania, John Chapman, ISBN 978-1-92099-503-4.
South Coast Track, John Chapman, ISBN 978-1-92099-507-2.
Tasmanien: Overland Track, Conrad Stein Verlag, ISBN 978-3-89392-351-9.

Infos und Karten
parks.tas.gov.au
john.chapman.name

 

 
weiterführende Artikel: 
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