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Spices & Spandex - Fahrradtour von Topf zu Topf

Foto: Tom Perkins
Verrückte Engländer starten mit dem Fahrrad von Südengland in Richtung Südafrika. 501 Tage lang sammeln sie in 26 Ländern Eindrücke, Erlebnisse – und Kochrezepte. Bühne frei für Tom Perkins und seine kulinarische Abenteuerreise vom Pub ans Kap …

Am 23. Juli 2011 starten die beiden Freunde Tom Perkins und Matt Chennells auf einen »Pub Crawl« der besonderen Art: Von Toms Local Pub in Südengland möchten sie zu Matts Local Pub in Kapstadt pedalieren. Ihre Fahrräder hören auf die Namen Winston und Joseph, sind mit der einfachsten Ausstattung ausgerüstet, aber dafür schwer beladen. Tom ist 23 Jahre alt, Matt gerade einmal 22.

 

Tom, du bist weder ein außergewöhnlicher Fahrradfahrer noch ein professioneller Koch. Wie kommt man auf die Idee, einen solchen Koch-Fahrrad-Trip zu unternehmen? 

Es war eine klassische Pub-Idee. Ich hatte gerade meinen Abschluss in der Tasche. Politik, Geschichte und Film … Da drängt sich unweigerlich die Frage auf, was man damit anfangen soll. Die Antwort: am besten erst einmal eine Auszeit nehmen und die Welt bereisen. Und das Fahrrad ist einfach die beste Art loszuziehen.

Die Karawane zieht weiter: Jordanien. | Foto: Tom Perkins
 
Warum das?

Weil man auf dem Rad alles sehr intensiv erlebt. Du bist Teil der Landschaft und spürst die Elemente. Und dann ist es auch ein Türöffner zu den Kulturen. Wir wurden immer sehr schnell angesprochen. Da ist zum einen der Respekt vor der Leistung und zum anderen die große Neugier der Leute. Sie wollten wissen, wo wir herkommen und wohin wir wollen. Und dazu unser Anblick: zwei Typen mit einem großen Traum auf schwer beladenen Gefährten, die ständig kaputt waren …

Hattest du von Anfang an vor, ein Kochbuch zu verfassen und auf der Reise Rezepte zu sammeln?

Ja, absolut. Ich hatte schon den Titel im Kopf, da war unser Trip noch eine grobe Idee. Ich liebe Essen, ich liebe Kochbücher. Dabei geht es doch den wenigsten nur um die Rezepte, oder? Ein gutes Kochbuch ist ein visuelles Erlebnis, das mit seiner Vielfalt und Kreativität inspiriert. Ich wollte all die unterschiedlichen Elemente einfangen, die Essen für mich darstellt. Deshalb ist jedes Gericht mit einer Geschichte, einem konkreten Erlebnis verbunden.

 Und vor allem mit Menschen.

Genau. Natürlich kann man die Küche eines Landes über Restaurants oder Straßenstände kennenlernen. Aber so wirklich eröffnet sie sich erst bei den Menschen zu Hause. Man spaziert nicht einfach irgendwo hinein und ruft: Lasst uns in die Küche! Man lernt Menschen kennen, spürt eine Verbindung und baut gegenseitiges Vertrauen auf. Wir haben von unserem Projekt erzählt und meinem Interesse an Essenstraditionen. So bin ich oft in die Küche eingeladen worden und den Menschen nähergekommen. Egal, wo man hinkommt, Essen ist ein so wichtiger Bestandteil der Gesellschaft. Durch nichts gelangt man näher an das Herz einer Kultur.

 Nach den ersten Warmfahrwochen erreichen Tom und Matt den Balkan. In Ljubljana tanzen und trinken sie mit einem über 80-jährigen DJ, der beidseitig Hörgeräte trägt und eine sehr schwache Blase hat. In Kroatien treffen sie auf Fischer und essen im kleinen Restaurant bei Rudi dessen legendäres »BBQ Ovrata«. In Mazedonien gibt es Benjamins »Bestest Best Börek«.

 

So wie du es im Buch beschreibst, habt ihr euch um die physische Vorbereitung weniger Gedanken gemacht …

Oh Gott, waren wir schlecht beieinander! Matts Fitness war eine Katastrophe. Er hatte tatsächlich die Strategie »Lieber die Körner nicht schon vorab verbrennen«. Und ich hatte mir einige Monate vor unserem Start beim Rugby das Bein brutal gebrochen. An mir hing nur noch so ein dünnes Ding ohne Muskeln – aber dafür mit einem Metallstift vom Knie bis zum Knöchel.

 
Außerdem hattet ihr wohl keine Ahnung von Technik und Navigation?

Wir hatten noch von einigen anderen Dingen keine Ahnung. Unser Auftakt zeugte schon von einer schier unglaublichen Unprofessionalität. Wir haben gleich mal eine Tasche im Pub vergessen. Dann ist uns nach zehn Kilometern eine Kette gerissen. Wie man so was repariert? Wir hatten keinen Schimmer. Unsere Rettung war ein antiquiertes Reparaturhandbuch, das wir nur gekauft hatten, weil es so billig war. Dazu ein altes Telefon, ein GPS, das wir nie eingesetzt haben, eine miserable Kondition, schwache Muskeln und einen hohen Grad an Naivität.

Und doch habt ihr die Strecke von England nach Südafrika erfolgreich bestritten. Wie bewältigt man eine solche Tour?

Ehrlich gesagt bin ich fest davon überzeugt, dass es nur mit dieser Naivität, dieser Sorglosigkeit so laufen konnte. Wir waren für alles offen. Und wenn man sich nicht so viele Gedanken macht, dann spielt man auch keine negativen Sachen durch und entwickelt keine Ängste. Viel wichtiger war, dass Matt und ich uns super verstanden haben und dass wir beide extreme Sturköpfe sind. Wir hatten uns was vorgenommen, und das wollten wir unbedingt durchziehen. Unsere Stärken waren unsere Neugier und dieser Wille. Ansonsten setzt man sich auch nicht aufs Rad und strampelt mit so viel Gewicht und ohne Plan steile Berge durch Regen und Sturm hinauf oder endlos monoton durch die Wüste.

Je weiter die Reise geht und je ärmer die Region, desto größer die Gastfreundschaft. Im Mittelpunkt steht dabei immer das Essen. Eine Einladung in Jordanien bedeutet: »Nichts mitbringen und alles essen.« Mitten in der Wüste Sinais klappt Hassan eine Küche aus dem Boden seines Trucks und bereitet ein Chicken Kabsa zu. Die beiden sind gut genährt, doch Toms Knie macht langsam richtig Probleme.

 

Kleines Land, großer Empfang: in einem Dorf in Malawi. | Foto: Tom Perkins
Welche Länder haben euch besonders überrascht?

Viele! Die Schönheit der Schweiz hat uns natürlich gleich zu Beginn umgehauen, aber vor allem die unbekannteren Regionen waren besonders faszinierend. Albanien! Wir hätten niemals gedacht, dass wir auf ein solch wunderschönes Land mit solch unglaublich freundlichen Menschen treffen werden. Oder Äthiopien! Wir hatten Bilder von diesem Land im Kopf, die wir komplett, absolut komplett, auf den Kopf stellen mussten beziehungsweise durften. Es ist schade, dass wir oft ein völlig verzerrtes Bild von Orten vermittelt bekommen. Oder von Religionen.

Wie meinst du das?

Wir haben erst in den islamischen Ländern wahrgenommen, dass Gastfreundschaft ein wichtiger Teil der Religion ist. Jeder Muslim sieht es als religiöse Pflicht an, Bedürftigen zu helfen und sie im eigenen Heim willkommen zu heißen. Und dafür nimmt man auch nichts. Die Gastfreundschaft war immer wieder überwältigend. Die Menschen gingen niemals davon aus, dass die Fremden ihnen etwas wegnehmen könnten. Sie waren neugierig und wissbegierig und wollten unbedingt helfen.

Geteilte Freude ist vierfache Freude: Baklava in Istanbul. | Foto: Tom Perkins
War es denn immer überall friedlich? 

Es gab eigentlich keine gefährlichen Momente, die von Menschen ausgingen. Außer einmal in Kairo: Wir hatten uns entschieden, nicht durch Syrien zu reisen – die einzige Vernunftentscheidung auf dem gesamten Trip. So kamen wir über Jordanien auf den afrikanischen Kontinent und auch nach Ägypten. Plötzlich waren wir mittendrin im Arabischen Frühling. Wir wohnten in einer WG, in der einer der führenden Blogger der Revolution lebte. Abseits vom Tahrir-Platz ging das Leben recht normal weiter. Aber wir wollten dieses historische Ereignis so nah wie möglich miterleben. Also gingen wir mitten hinein in das Gemenge auf dem Platz – bis ein Mann auf uns zukam und meinte: »Jungs, ihr müsst hier raus. Ihr werdet beobachtet, sie halten euch für Israelis.« Schon stand eine Eskorte vor uns, die uns abschirmte und hinausführte.

Wie oft wolltest du einfach nur nach Hause?

Genau einmal. Ich war in der Wüste im Sudan. Meine Freundin hatte mit mir Schluss gemacht, weil sie meinte, sie hätte keine Lust mehr zu warten. Da pedalierte ich in der Hitze monoton vor mich hin und fragte mich, was ich da eigentlich mache. Die Menschen, die ich liebe, weit weg, das Knie schmerzt höllisch, das Rad ist ständig kaputt … 

Und wie hast du deinen Kopf wieder auf Süd­afrika geeicht?

Ich bin grundsätzlich ein extrem positiver Typ und wie gesagt: extrem stur. Man ist für sich selbst verantwortlich. Ich hatte eine Entscheidung getroffen und wollte die Reise durchziehen.

Nach dem brodelnden Ägypten treffen Tom und Matt im Sudan ein. Adam, ein arbeitsloser Jurist, nimmt sie auf, entführt sie auf Hochzeiten und zu traditionellen Ringkämpfen.

 

Der Geschmack der weiten Welt: Schon seit Jahrhunderten sind Gewürze die Triebfeder für Reisen und Handel. | Foto: Tom Perkins
Den Sudan beschreibst du im Buch als einen sehr speziellen Ort.

Der Sudan war ein einzigartiges Erlebnis. Ein Land der Extreme, das sich aus 600 Stämmen zusammensetzt. Hier mit den Frauen kochen zu dürfen, das war ein Privileg, weil der Bereich für Männer normalerweise verschlossen bleibt – vor allem für fremde Männer.

Wie ist das gekommen?

Wir sind im Sudan bei einem tollen Kerl namens Adam gelandet und haben über Wochen bei seiner Familie gelebt. Er liebte es, mich mit exotischem Essen zu füttern. Er meinte ständig: »Mach die Augen zu«, und steckte mir irgendwas in den Mund. Als ich den Frauen beim Kochen helfen durfte, war das eine unglaubliche Ehrerweisung.

 Wie hast du dich mit den Frauen verständigt?

Oft mit Händen und Füßen, aber in diesem Fall ging es primär um das Beobachten. Zu sehen, was sie verwenden und wie sie es einsetzen.

Nach dieser Zeremonie in Äthiopien wird Tom sagen: »Der beste Kaffee meines Lebens.« | Foto: Tom Perkins
Aber sie konnten dir kein Rezept diktieren.

Nein, darum ging es nie. In vielen Kulturen gibt es diese geschriebene Tradition gar nicht. Das Kochen wird weitergereicht und ist intuitiv. Ich wollte in »Spices & Spandex« auch keine strikten Rezepte, sondern Gerichte, die an diesem Ort zu diesem Zeitpunkt so gekocht wurden – und die frei interpretiert werden sollten. Ich wünsche mir, dass sie zum Entdecken und Experimentieren inspirieren. So wie es bei mir war. Vieles hatte ich nie zuvor gesehen, gerochen, gegessen. Es war ein ständiges Erforschen, Ausprobieren, Spielen. Das ist für mich ein entscheidender Teil der Esskultur: Offenheit und Inspiration.

Toms Knie trifft auf den Beduinen Badry. Der schleppt den jungen Engländer in der kleinen Oase Farafra zu einem Arzt, der einen alten Röntgenapparat besitzt. Acht Männer gruppieren sich um Tom und fällen das Urteil: Chondromalacia patellae – ein Knorpelschaden hinter der Kniescheibe. Die Lösung: absolute Ruhe.

 

Dann gab dein Rad Winston den Geist auf – und dein Knie auch … 

Ja, eine Zeit lang haben wir uns abgewechselt. Entweder streikte Winston – oder mein Knie. Ich habe da diesen Metallbalken im Bein, und das tägliche Treten hat mein Knie überstrapaziert. In Ägypten sind wir wohl so eins geworden, dass wir gemeinsam aufgaben.

 War da die Enttäuschung nicht immens groß?

Nicht wirklich. Klar, man hat Schmerzen und Frust, aber im Laufe des Trips haben sich die Dinge immer stärker relativiert. In diesen Ländern geht es täglich darum, Lösungen für scheinbar unlösbare Probleme zu finden. Schnell aufzugeben und Dinge hinzuschmeißen, das gibt es dort einfach nicht. Das ist gar keine Option. Man sucht nach einer Alternative, und weiter geht’s. Und ehrlich: Wenn man sieht, womit die Menschen zu kämpfen haben, dann erscheinen einem die eigenen Probleme doch sehr winzig.

 Du bist dann an ein altes Motorrad samt Bei­sitzer geraten?

Frankie! So habe ich ihn getauft. Ein tschechischer Sudanese. Ein komplett kaputtes Gefährt aus Sowjetzeiten, das ich bei 40 Grad in der Hitze von Khartoum, der Hauptstadt des Sudan, gefunden habe. Es war Liebe auf den ersten Blick. Leider sagt man ja, Liebe macht blind. Ich war wohl sehr überhitzt und geblendet. Ich wollte unbedingt mit diesem Vehikel weiter – ein völlig verrücktes Unterfangen, weil es in einem desolaten Zustand war.

 
Betuchte Fischer in Tansania. | Foto: Tom Perkins
Das heißt?

Na ja, der Lenker war komplett verzogen, die Zündung wollte meist nicht, die Anzeige funktionierte genauso wenig wie die Vorderbremse, der Auspuff fiel regelmäßig ab, und schon nach 29 Kilometern riss die Tachowelle. Eigentlich war Frankie unfahrbar. Das Gute: Ich hatte keine Ahnung von Motorrädern. Meine Erwartungshaltung war also nicht besonders hoch – und ich war ja so verliebt.

 Trotzdem muss es brutal gewesen sein, mit Frankie in unmöglichen Gegenden immer wieder stehen zu bleiben?

Schon, aber wir sind auch nicht auf die Reise gegangen, um einen glatten Ride bis Kapstadt hinzulegen. Wir wollten intensive Erlebnisse und bloß keine Eintönigkeit oder Langeweile. Wer die Idylle sucht, der findet kein Abenteuer. Ich glaube, die überwältigend schönen Momente erfährt man nur, wenn man auch das Gegenteil erlebt. Wenn man stundenlang eine schwere Maschine schiebt, man den ganzen Tag nichts gegessen hat und man nicht weiß, wo man die Nacht verbringen wird – und dann kommt plötzlich aus dem Nichts ein Mann auf dich zu und sagt: »Let me help push. We are in this together.«

Das war in Ruanda, oder?

Ja, und der Kerl hieß auch noch Frank ... Zusammen schoben wir Frankie zu seinem Häuschen. Er bestand darauf, dass wir Frankie hineinbringen, aber der passte nicht ganz durch die Türen. Also hat er sie ausgebaut. Unfassbar. Dann holte er einen befreundeten Mechaniker, und eine halbe Stunde später war Frankie wieder fit. Er parkte in dem einen Zimmer, im hinteren Raum standen ein paar Kühe, und wir saßen dazwischen beim Essen.

Die afrikanische Sonne verbrennt Toms Gesicht und seine Nagelhaut, er bekommt Nasenbluten von der Hitze und dem Staub. Er wickelt zur Dämpfung Shirts um seine Hände, die er kaum noch spürt. In einem Wüstendorf heißt man ihn willkommen und entfernt noch schnell eine riesige Kobra aus seinem Schlafgemach. An seinem ersten Morgen in Äthiopien erwacht er mit einer fetten Ratte auf seinem Gesicht.

 

Robista zeigt Tom am Fuße des Mount Kenya, wie man Chapatis backt. | Foto: Tom Perkins
In Äthiopien hast du Frankie sogar mit zwei zusätzlichen Fahrgästen besetzt …

Ich sah diesen Mann am Wegesrand auf einen Stock gestützt und hielt an. Wir konnten uns kaum verständigen, und ich fragte, wie weit er es denn habe. Er zeigte die Drei auf, und ich dachte, er spricht von drei Kilometern. Dann sah ich das Mädchen unter einem Baum sitzen. Wohl seine Tochter. Total erschöpft und verängstigt, ohne Schuhe, vielleicht sechs oder sieben Jahre alt. Wir setzten sie auf den Beiwagen, meinen alten Fahrradhelm auf den Kopf, und sie strahlte mit dem breitesten Grinsen. Ihr Vater saß hinter mir, wir fuhren stundenlang. Nach etwa 100 Kilometern tippte er mir auf die Schulter. Wir hatten ihr Zuhause erreicht. Da kam es mir: Drei Kilometer, hatte ich gedacht. Nein, drei Tage Fußmarsch, das hatte er gemeint ...

Nach sechs Monaten und zig Zusammenbrüchen war Frankies Ende gekommen. Wie ging es weiter?

Mein Knie hatte sich ein wenig auskuriert, und ich konnte wieder aufs Fahrrad steigen. In Malawi waren wir bei einer Familie auf einer Zuckerrohrplantage, und die Dame des Hauses meinte: »Ich hab da ein Fahrrad, das kannst du gerne nehmen.« Es war ein altes, viel zu kleines Ding, aber ich fand’s super. Ich bastelte aus Säcken und Fahrradschläuchen Tragetaschen, und wir machten uns auf den letzten Teil der Reise.

Wie habt ihr eigentlich entschieden, wo ihr wie lange verweilt?

Es gab nie eine feste Vorgabe. Wir hatten das unglaubliche Glück, uns immer einig zu sein. Es war meist intuitiv. Irgendwann weißt du, dass es Zeit wird, weiterzuziehen. Manchmal hat man gar keine Chance zu bleiben, manchmal hat man einen Ort für Wochen gefunden – einfach per Zufall.

Kenianisches Straßenschild auf Suaheli und auf Englisch. | Foto: Tom Perkins
Hast du über die Zeit einen Unterschied in der Art festgestellt, wie Menschen mit Essen umgehen?

Der größte Unterschied besteht zwischen unserer westlichen Einstellung und der in anderen Ländern – nämlich in der Wertschätzung, wenn man nicht den Überfluss an Nahrung hat wie wir. Aber es ist noch mehr. Wir haben immer gesagt: Es ändert sich etwas, sobald die Leute nicht mehr mit Besteck an einem Tisch sitzen. Wenn alle um das Essen zusammenkommen und mit den Händen zugreifen, ist das ein viel intimeres Erlebnis. Man teilt sich etwas, es herrscht eine Nähe, und man würde auch niemals alleine essen. 

Wie war das, nach all den Eindrücken und Strapazen am Ziel anzukommen?

Ehrlich gesagt, hat es sich genau richtig angefühlt. Klar, das tägliche Abenteuer hatte nach 501 Tagen ein Ende, aber es warteten auch unsere Familien auf uns, und wir freuten uns immens. Schwierig wurde es dann, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern.

Inwiefern?

Es gab ein paar Dinge, mit denen ich nur schwer klarkam. Unter anderem, wie man bei uns mit »Problemen« umgeht, die eigentlich Kleinigkeiten sind. Und ich hinterfragte jede Form von Konsum: Brauchst du das? Nicht wirklich. Irgendwann wurde es besser, und inzwischen bin ich hier in London auch angekommen. Toll ist, dass man die Gewürze auch bei uns findet und im Internet bestellen kann. Zatar ist ein Gewürz, mit dem ich ständig koche. Ständig.

Das klingt fast sesshaft. Ist man als Reisender nicht dauerhaft infiziert?

Doch schon. Ich spüre auch, dass es Zeit wird, wieder aufzubrechen. Ich bin bereits am Planen. Dieses Mal wird es nach Mittel- und Südamerika gehen. Mit dem Tuk-Tuk. So ist der Plan.

Wieder für so lange Zeit und wieder mit dem Fokus auf das Essen? 

Ich plane aktuell mit einem Jahr, und absolut: Essen wird wieder im Mittelpunkt stehen.

 

Globetrotter Magazin Info

Spices & Spandex - Der Fahrradtrip

501 Tage reisten Tom und Matt über 20 000 Kilometer durch 26 Länder. Nachdem Toms Knie im Sudan aufgegeben hatte und er auf ein altes Motorrad umgestiegen war, trennten sich ihre Wege immer wieder zeitweise. Dabei war Tom auf der Maschine meist langsamer als Matt, dessen Fahrrad Joseph brav bis Kapstadt durchhielt. Nach sechs Monaten ging Toms Motorrad kaputt, dafür ließ ihn sein Knie wieder aufs Fahrrad. Unterwegs stießen noch zwei weitere südafrikanische Freunde zu den beiden hinzu. Während Tom und Matt meist in Spandex (ihren engen Fahrradhosen) unterwegs waren, bevorzugten Jimmie und Buster weite Shorts. Tom lebt heute in London, Matt in Südafrika. Sie skypen regelmäßig miteinander.

 

 
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