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Skandinavien: Alles, was Jedermannsrecht ist

»Lover« bedeutet »Gesetze«. Sie schützen auch das Jedermannsrecht. | Foto: Marianne Reusch
Jedermannsrecht – diese skandinavische Besonderheit klingt in Outdoorer-Ohren nach grenzenloser Freiheit in der Natur. Doch immer mehr Touristen missverstehen sie als Freibrief, sich wie die Axt im Walde zu benehmen. Die wichtigsten Regeln im Überblick.

Die Norweger nennen es »allemannsretten«, die Schweden »allemansrätten«, die Finnen »jokamiehenoikeus«. Gemeinsam ist diesen Spielarten des Jedermannsrechts, dass sie allen Menschen bestimmte ­Befugnisse bei der Nutzung der Wildnis und sogar gewissen privaten Landeigentums ­zugestehen. Dänemark und Island kennen kein formelles Jedermannsrecht. Um ein friedliches Miteinander zu gewährleisten, ist der Grundsatz »Nicht stören, nichts ­zerstören!« essenziell. Konkret heißt das …

… in Feld, Wald und Flur: Privates Land darf betreten werden, zu Häusern muss aber ein Mindestabstand von 150 Metern eingehalten werden. An Wiesen, Gärten und Schonungen darf kein Schaden entstehen. Kultiviertes Land darf im Winter zu Fuß oder mit den Ski überquert werden. Gatter und Tore sind wieder zu schließen. Auch auf Privatgrund darf übernachtet werden. Wer länger als zwei Nächte zeltet, sollte die Erlaubnis des ­Besitzers einholen. In Norwegen ist das Übernachten während der Jagdzeit teils verboten.

 

… mit dem Auto: Der motorisierte Verkehr an Land fällt nicht unter das Jedermannsrecht und ist nur auf angelegten Straßen und Wegen erlaubt.

 

… am Lagerfeuer: In Norwegen und Schweden sind Lagerfeuer generell erlaubt. In Norwegen ist das Entzünden eines offenen Feuers in Waldnähe zwischen dem 15. April und 15. September ­verboten. Auch können Regional­gesetze die Freiheit einschränken. In Finnland sind offene Feuer nur an speziell angelegten Stellen oder mit Einwilligung des Grundbesitzers erlaubt. Die Benutzung von Campingkocher und Feuerschale ist immer erlaubt. In allen Ländern gilt: Feuer vollständig löschen und Spuren entfernen.

 

… für Hundebesitzer: Vom 1. März (in Norwegen vom 1. April) bis 20. August müssen Hunde an die Leine. In Finnland sind frei laufende Hunde nur mit Genehmigung des Grundbesitzers erlaubt.

 

… beim Sammeln von Beeren und Pflanzen: Pflanzen dürfen nur für den persönlichen Bedarf und auf nicht umzäuntem Land gepflückt werden. Geschützte Pflanzen dürfen nicht ­gepflückt werden. Für das Sammeln der Moltebeere gelten in Teilen Schwedisch Lapplands und Norwegens strenge Regeln. Das Holz lebender Bäume und Sträucher darf nicht beschädigt werden.

 

… auf dem Wasser: Meer, Seen und Flüsse dürfen mit Kanu oder Ruderboot befahren werden. Außer an ­erkennbaren Privatgrundstücken oder Sperrflächen darf überall angelegt ­werden. Auch motorisierter Bootsverkehr ist generell erlaubt, in Norwegen allerdings nur auf Salzwasser oder Wasserflächen größer als zwei Quadratkilometer.

 

… beim Angeln: Im Salzwasser ­Norwegens mit Rute und Schnur ­keine Einschränkung. In Schweden ist im Meer und an den fünf größten Seen Posenfischen erlaubt. In Finnland besteht für das Stippfischen ­keine Beschränkung. Für die meisten ­anderen ­Angelarten wird in Skandinavien ein Schein benötigt (Ausnahmen für ­unter 18- und über 64-Jährige).

 

… bei der Jagd: Die Jagd ist nicht vom Jedermannsrecht abgedeckt.

 

 

… in Naturschutzgebieten und ­Nationalparks: Hier ist das Jedermannsrecht nur eingeschränkt oder gar nicht gültig. Reisende sollten sich stets über die Bestimmungen vor Ort informieren.

 

 

4-Seasons Info

Links zu den Gesetzen

Schweden: Das Jedermannsrecht – eine einzigartige Chance (Swedish Environmental Protection Agency)

Norwegen: Right to Roam (Norwegian Environment Agency)

Finnland: In Finnland gehört die Natur allen (Botschaft von Finnland, Berlin)