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Sisyphos auf Schneeschuhen

Foto: Simon Beck
Als Simon Beck die ersten Muster in den frischen Schnee eines Skigebiets trat, hielten ihn die Leute vor Ort noch für verrückt. Inzwische­n arbeitet der ausdauernde Brite an seine­m ersten Bildband.

Wie alle Bewohner eines Skigebiets freut sich Simo­n Beck über frischen Neuschnee. Doch im Gegensatz zu seinen Nachbarn im französischen »Les Arcs« interessieren den Briten nicht mehr die steilen Tiefschneehäng­e. Er sucht Ebenen und Senken. Auf diesen Leinwänden aus Pulverschnee zeichnet Simo­n mit Schneeschuhen. Sein­e Werke orientieren sich oft an mathematische­n Formen wie dem Apfelmännchen, der Kochsche­n Schneeflocke oder dem Sierpinski-Dreieck.

Mustergültig: Diesen schnöden Speicherteich verwandelt Simon in ein Kunstobjekt. | Foto: Simon Beck

Die Karriere als Schneeschuhkünstler begann 2004, als Simon nach einem Skitag noch etwas Bewegung brauchte. Statt wie gewöhnlich auf den örtlichen Hausberg zu laufen, schnappte er sich den Kompass, peilte fünf Punkte auf einem schneebedeckten See an und stapfte los. Die Punkte verband er zu einem Stern, dann zu einem Fünfeck und füllte schließlich die leeren Flächen mit Kreise­n. Aus dem kleinen Sessellift nebenan betrachtet, fand Simo­n sein Werk spektakulär, und so verzichtete er beim nächsten Neuschnee darauf, die Hänge auf Ski zu durchpflügen. Lieber spurte er ein neues Motiv ins jungfräuliche Pulver.

»Die Leute hier hielten mich für ziemlich bekloppt«, sagt Simon. Noch immer sprechen ihn Skifahrer vom Pistenrand ungläubig an, was er da eigentlich vorhabe. Auf Facebook hat der Account »Simo­n Beck’s Snow Art« mittlerweile fast 37 000 Fans: »Ich möchte zeige­n, dass die Berge und der Schnee wunderschön sind und dass es besser­e Dinge gibt, als die ganze Zeit nur Geld zu verdienen, für Sache­n, die man eigentlich nicht braucht«, sagt Simon. Er selbst hat in Oxfor­d studiert und für den Schnee und das Ski­fahren seine englische Heima­t verlassen. Im typisch französischen Retorten­skigebiet in Savoyen besitzt er ein kleines Appartement. Seinen Lebensunterhal­t verdient er im Sommer als Kartenzeichner für Orientierungs­wettkämpfe und reist dafür durch die Alpen.

Bis zu elf Stunden für ein Motiv

Obwohl der 55-Jährige fast ohne Hilfsmittel arbeitet, sind seine Werke sehr präzise. Für die Grundlinien orientiert er sich mit dem Kompass und an markanten Geländepunkten. Radien geht er meist nach Gefühl. Dabei darf die Konzentration nicht nachlassen – falsche Schritte sind im Schnee nicht rückgängig zu machen.

Anschließend hofft Simon auf schönes Wetter. Erst ein gutes Foto dokumentiert das vergängliche Werk. Schon öfter blickte er nach bis zu elf schweißtreibenden Stunden auf Schneeschuhen – die letzten mit Stirnlampe im Dunkeln – am nächsten Tag in sein weißes­ Atelier und auf frische 20 Zentimeter Pulverschnee, die ­alles einebnen … Wie Sisyphos, der immer wieder den Stein auf den Berg rollt, tritt Simo­n dann ein neues Muster in die Landschaft.

 

Bildergalerie: Schneeschuhkunst von Simon Beck

Am liebsten arbeitet er dort, wo keiner hinwill: auf den Eisflächen der Speicherseen für die Kunstschneeproduktion. Hier stört nieman­d, und er zertrampelt den Skifahrern keinen Tiefschneehang. Bevor er den See betritt, untersucht Simon das Eis auf Schwachstellen. Dank der Schneeschuhe verteilt sich sein Gewicht etwas, dennoch ist es nicht ungefährlich. »Es ist nicht schlecht, wenn die Leute denken, es ist lebensmüde, wo ich da rumspaziere, dann halten sie von meinen Werken Abstand«, sagt Simon.

Bislang bekommt der Schneekünstler für seine Arbeiten kostenlose Lifttickets. Aber er führt Gespräche über Auftragsarbeiten, und auch ein Bildband soll folgen. Ideen für neue Motive gibt es genu­g. Gerade­ ist er von seinem Sommertrip zurück. Oben in den Bergen ist der erste Schnee schon gefallen, bald stapft Simon wiede­r los. Wie Albert Camus schrieb: »Wir müssen uns Sisyphos als eine­n glücklichen Mensche­n vorstellen.«

 
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