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Richtig anziehen nach dem Zwiebelprinzip

Bild: Craft
Wer draußen über Stock und Stein hüpft, im Kajak die Seenplatte McPomms durchmisst oder mit dem Fahrrad ganze Mittelgebirge durchquert, vergießt manchen Liter Schweiß. Damit man dies nicht nass und frierend tun muss, haben pfiffige Textilingenieure – oder waren’s doch die alten Ägypter? – das Zwiebelprinzip erfunden.

 

1. Das kleine Einmaleins der ersten Schicht

 

Die unterste Lage (Base Layer) soll Schweiß kontrolliert von der Hautoberfläche abtransportieren, damit das Schwitzen zwar für Kühlung des Körpers sorgt, die Feuchtigkeit sich aber nicht nass und klamm in der Unterwäsche staut.

 

Antibakteriell:  Egal ob Polyester, Polyamid, Polyacryl, Polyethylen – all diese Synthetikmaterialien haben den Nachteil, dass durchs Schwitzen früher oder später eine Geruchsentwicklung entsteht. Um dies zu verhindern, setzen viele Hersteller Technologien mit antibakterieller Wirkung ein.

 

Feuchtigkeitstransport: Man benutzt für Funktionswäsche Fasern, die einen guten Feuchtetransport haben (auch »Wicking« genannt) und selbst – anders als zum Beispiel Baumwolle – wenig Feuchtigkeit aufnehmen. Sie trocknen deshalb sehr schnell. Man verwendet Kunstfasern wie Polyester (PES), Poly-amid (PA) oder Polypropylen (PP). Das Ziel, die Feuchtigkeit von der Haut weg nach außen zu transportieren, wird über die Faserkonstruktion oder den Aufbau des Gestricks erreicht.

 

Funktionsfasern: Wenn von Funktionswäsche die Rede ist, ist meist Wäsche aus Kunstfasern gemeint. Diese bestehen in den meisten Fällen aus Polyester oder Polyamid/ Nylon (Nylon ist die hochwertigere Form von Polyamid) oder einem Mix dieser Stoffe. Sie trocknen unglaublich schnell, Feuchtigkeit wird nicht gespeichert, sondern nach außen weitergeleitet (atmungsaktiv). Sie sind erstaunlich leicht und haben eine sehr gute Formbeständigkeit. Außerdem haben die Fasern einen (im Vergleich zu Baumwolle) relativ hohen UV-Schutz.


 

Merinowolle: Die gute alte Wolle wird von vielen geschätzt, die eher verfroren sind und nicht zu stark schwitzen. Dann nämlich entfaltet Wolle ihre besten Eigenschaften: temperaturausgleichend und geruchsneutral. Auch bei langem Tragen entwickelt Woll-Wäsche kaum unangenehme Gerüche.

 

Schnitt: Ob Unterwäsche funktioniert, entscheidet auch der Schnitt. Nur wenn sie eng anliegt, ist optimaler Feuchtetransport gewährleistet. Bei weit geschnittenen Shirts kullert der Schweiß dagegen als Tropfen am Körper entlang.

 

Silberionen: Schon die Römer warfen Silbermünzen in ihre Amphoren, damit das Wasser nicht schlecht wurde – denn Silber stoppt die Vermehrung von Bakterien. In Stoffen wird es meist in die Faser ein- bzw. angebaut. Heute bieten viele Hersteller solche Materialien an – allerdings weiß man oft nicht, wie hoch der Silberanteil ist. Und das ist entscheidend, denn bei Silber gilt: Viel hilft viel. Fragen Sie hier Ihren Arzt oder besser noch unsere Verkäufer.

 
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Brauchen Hautkontakt: Funktionstextilien. | Bild: Craft

Darauf sollten Sie achten

• Eng anliegende Teile sorgen für beste Funktion.
• Elastische Materialien schränken die Beweglichkeit nicht ein.
• Flachnähte verhindern Druckstellen. Noch besser sind nahtlose Konstruktionen.
• Oft waschen! Gut für die Funktion. Dabei niemals Weichspüler verwenden
und öfter mal mit mindestens 60 °C waschen, dabei werden die geruchs- 
bildenden Bakterien abgetötet.
 

 

2. Das kleine Einmaleins der zweiten Schicht

 

Die zweite Schicht (Warmth Layer) ist hauptsächlich für die Isolation verantwortlich, den Schutz gegen Kälte. Früher erledigte diese Aufgabe der Wollpulli. Heute besteht die mittlere Lage fast immer aus Fleece oder ähnlichen     Synthetikmaterialien.

 

Fleece: Fleece ist ein Gewirk aus Polyester-Fasern. Gegenüber einem Wollpulli hat es viele Vorteile: Es ist leichter, absolut formbeständig (auch nass), trocknet viel schneller, kann problemlos gewaschen und geschleudert werden, kratzt nicht und bietet ein sehr angenehmes Tragegefühl. Allerdings gibt es bei Fleece durchaus Qualitätsunterschiede. Bei der Produktion von Fleece werden zunächst kleine Schlingen »eingebaut« (ähnlich wie beim Frottee-Handtuch), die anschließend mechanisch geöffnet werden. Es entsteht ein teppichartiger Flor. Wer sich das praktisch vorstellt, kann zu dem Schluss kommen, dass sich dadurch die einzelne Faser leicht aus dem Stoffverbund lösen kann. Dies tritt bei Billig-Fleece tatsächlich häufiger auf und nennt sich »Pilling«. Qualitätshersteller dagegen, die schon seit Jahrzehnten Fleece produzieren, haben dieses Problem im Griff.   

 

Optik: Bei der Herstellung kann man Fleece sehr variabel gestalten und es so für unterschiedliche Anwendungszwecke optimieren. Man kann es verschieden dick machen, nur einen einseitigen Flor »einbauen«, den Flor innen und außen verschieden lang scheren, es dichter wirken (winddichter, aber auch weniger elastisch) oder auch Elasthan beimischen, um es elastischer zu machen.

 

PowerStretch: Der Name bezeichnet eine Gruppe von Stoffen des amerikanischen Marken-Herstellers Polartec. Das Besondere an diesen hoch elastischen Funktionsstoffen aus Polyester und Nylon mit Elasthan: eine kuschelig weich angeraute Innenseite sorgt für Wärme und die robuste Außenseite ist relativ glatt, wind- und abriebfest. So kann man Teile aus PowerStretch vielseitig als erste, zweite Lage oder auch völlig solo tragen.

 

DWR: Die spezielle DWR-Ausrüstung (steht für Durable Water Repellent) beim besonders langlebigen Edel-Fleece Thermal Pro von Polartec bewirkt, dass Nieselregen, Schmutz und Schnee einfach abperlen.

 
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Bi-elastisch und extrem atmungsaktiv: Polartecs Parade-Fleece PowerStretch. | Bild: Polartec

Darauf sollten sie achten

• Enge Schnitte aus elastischem Material sind besonders funktionell.
• Fleece sollte möglichst »pur« verarbeitet sein, also ohne schlecht trocknende Baumwollapplikationen oder Bündchen.
• »Auf links« waschen.
• Gut geschnittene Kragen liegen eng an, fühlen sich jedoch nie eng an.
• Bei winddichten Fleece-Teilen darauf achten, dass man Ärmelbündchen, Kragen und Bund eng zuziehen, aber auch ausreichend weit öffnen kann; Windschutzleiste unter dem Reißverschluss darf nicht fehlen; Unterarmbelüftung ist wünschenswert.

 

3. Das kleine Einmaleins der dritten Schicht

 

Die äußerste Schicht (Outer Shell) schützt vor Wind und Wetter. Die Materialien sind gleichzeitig absolut wind- und wasserdicht und dabei atmungsaktiv, also wasserdampfdurchlässig. Diese Materialien werden deshalb auch einfach »WWAs« genannt.

 

Beschichtungen bringt man innen auf den Oberstoff auf. Bei den Beschichtungen gibt es eine Unzahl verschiedener Produkte und Hersteller, die dann auch noch unter verschiedenen Markennamen erhältlich sind.

 

Laminate: Beim Zwei-Lagen-Laminat gehen Oberstoff und Funktionsmembran eine Verbindung ein, das Futter hängt lose in der Jacke. Vorteil: lässiger Fall und weicher Griff. Nachteile: Die nur durch das lose hängende Futter geschützte Membran verschleißt schneller, außerdem behindert das Futter die Belüftung. Beim Drei-Lagen-Laminat wird die empfindliche Membran zwischen einer Lage Futterstoff und dem robusten Oberstoff eingeschlossen, wodurch sie vor Abrieb und Schäden geschützt ist. Diesen Vorteil erkauft man sich mit einem insgesamt etwas steiferen Stoff. Dafür kann mittels Unterarmreißverschlüssen direkt und effektiv belüftet werden.

 

Membrane verfügen über mikroskopisch große Öffnungen. Diese Poren sind groß genug, damit Wasser in Form von Wasserdampf passieren kann, jedoch klein genug, um Wasser in flüssiger Form (Regen) draußen zu halten. Die wichtigsten Membran-Marken sind Gore-Tex (eine mikroporöse ePTFE-Membran von W.L. Gore), eVent (eine offene mikroporöse Membran der US-Company BHA) und das porenlose Dermizax.

 

Gore-Tex-Klassifierung: Bei Gore werden die Membrantypen nach Anwendungsbereich in verschiedene Gruppen eingeteilt: Performance Shell ist für die meisten Anforderungen eine ausgesprochen gute Wahl – egal ob Bergwandern, Radfahren oder Skitour. Pro Shell ist für absolute Outdoor-Enthusiasten und Extremsportler gemacht, die Wert auf höchste Atmungsaktivität legen. Die entscheidende Verbesserung (im Vergleich zum vorherigen Top-Material XCR) ist die neue Innenseite mit Micro-Grid-Technologie bei den dreilagigen Pro Shells. Dafür wurde der bisher verwendete, gestrickte Trikot-Stoff durch ein dünnes Polyamid-Gewebe ersetzt. Paclite Shell ist die leichteste Konstruktion und Bekleidung daraus präventiv im Gepäck, um im Ernstfall Schutz vor den Elementen zu bieten. Auf der Innenseite des Zweilagen-Materials befindet sich ein hauchdünner PU-Schutzfilm mit Carbon-Beimischung.

 

Imprägnierung: Produktionsseitig werden alle Oberstoffe mit einer wasserabweisenden Ausrüstung versehen. Diese Beschichtung ist allerdings nach einiger Zeit mit Sprays oder Tauchbädern aufzufrischen. Tut man das nicht, saugt sich der Oberstoff mit Wasser voll und blockiert den Wasserdampfdurchgang. Ganz wichtig: nach der Auffrischung die Imprägnierung durch Hitze aktivieren, entweder im Trockner oder mit dem Bügeleisen.

 

Wasserdampfdurchlässigkeit: Das, was gern als Atmungsaktivität bezeichnet wird, ist in Wahrheit nicht aktiv. Es ist die Menge Schwitzfeuchtigkeit in Dampfform, die den Stoff in einer definierten Zeit passieren kann. Als Maßeinheiten dafür sind der Wasserdampfwiderstand RET (Resistance to Evaporating Heat Transfer) oder der MVTR (Moisture Vapor Transmission Rate) üblich.

 
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Feines Geflecht: die Innenlage Micro-Grid im neuen Pro-Shell. | Bild: W. L. Gore

Darauf sollten Sie achten

• Eng anliegende Teile sorgen für beste Funktion.
• Elastische Materialien schränken nicht ein.
• Flachnähte verhindern Druckstellen. Noch besser sind nahtlose Konstruktionen.
• Auf praxistauglichen Schnitt achten: Ärmel und Hosenbeine sollten nicht zu kurz, die Rückenpartie länger geschnitten sein.
• Oft waschen, um die Funktion zu erhalten.
 

 
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16.02.2008ArtikelBeratung und ServiceKaufberatung

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