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Reisemedizin für Globetrotter: West-Nil-Fieber

Dr. Tomas Jelinek leitet das Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin.
Dr. Tomas Jelinek vom Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin erläutert Verlauf und Vorbeugung der Erkrankung.

Das West-Nil-Virus kommt vor allem in Zugvögeln vor. Es wird von Stechmücken auf den Menschen übertragen und kann eine Entzündung des Gehirns mit ernstem Verlauf verursachen. Das Virus wurde ­erstmals in Uganda (Provinz West Nile) ­gefunden. Schnell zeigte sich aber, dass es auch in weiteren Teilen Afrikas, West­asiens und Osteuropas vorkommt. 1999 wurde es in die USA eingeschleppt. In den letzten Jahren häufen sich Meldungen über Ausbrüche von West-Nil-Fieber, die meist zu zahlreichen Todesfällen führen.

Krankheitsverlauf

Zwei bis 14 Tage nach dem Mückenstich kommt es bei den meisten ­Infizierten zu einem grippeähnlichen Krankheitsbild mit Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen sowie Appetitlosigkeit, Erbrechen und Durchfall. Gefährlich wird es, wenn sich auch das Gehirn oder die Hirnhäute entzünden, was nur einer Minderheit der Erkrankten widerfährt. Das Risiko für solche Komplikationen steigt ab dem 50. Lebensjahr deutlich an, die Todesrate bei Älteren beträgt dann fünf bis zehn Prozent. Bei den Überlebenden einer Hirnentzündung bleiben häufig ­irreparable Folgeschäden wie Konzentrationsschwäche zurück.

Schutzmaßnahmen

Medikamente zur Behandlung sind bisher nicht bekannt, es können lediglich die ­Beschwerden gelindert werden. Auch Impfstoffe sind nicht verfügbar, befinden sich aber in Entwicklung. Die Vorbeugung ist daher der individuelle Schutz vor Stechmücken durch Repellentien (z. B. Mückenschutzsprays), stichdichte Kleidung und Moskitonetze in betroffenen Gebieten. Dies gilt besonders für Risikogruppen ­wie Ältere und Immungeschwächte. Da das Virus auch über Blutkonserven übertragen werden kann, dürfen Personen, die sich vom 1. Juni bis 30. November in Kanada, Mexiko oder den USA aufgehalten haben, nach ihrer Rückkehr vier Wochen lang kein Blut spenden.