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Reisemedizin: Der Kampf gegen Masern

Prof. Dr. Tomas Jelinek leitet das Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin (bctropen.de). | Foto: Archiv
Prof. Dr. Tomas Jelinek leitet das Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin (bctropen.de). | Foto: Archiv
Hunderte Masernfälle verzeichnen die Gesundheitsbehörden alleine in Berlin. Dabei wäre der Kampf gegen die höchst ansteckende Virusinfektion einfach zu gewinnen. Prof. Dr. Tomas Jelinek rät zur Impfung und räumt mit Vorurteilen auf.

Seit Ende vergangenen Jahres registrierten die Behörden allein in Berlin Hunderte Masernfälle. Masern ist eine höchst ansteckende Virusinfektion, die durch Tröpfchen aus den Atemwegen übertragen wird. Hauptsächlich tritt die Erkrankung im Kindesalter auf, gehäuft im Winter und Frühjahr. Aber auch Erwachsene sind empfänglich. So waren in Berlin mehr als die Hälfte der Betroffenen Jugendliche und Volljährige, die ganz überwiegend nicht geimpft waren. 

Gefährliche Begleitinfektionen 

Bei über 95 Prozent der Infizierten löst das Masernvirus eine Erkrankung aus, die das Immunsystem erheblich schwächt. Dieser Zustand dauert etwa sechs Wochen an und fördert bakterielle Infektionen. Etwa 20 Prozent aller Infektionen gehen mit Komplikationen einher, wobei Mittelohr- und Lungenentzündungen die häufigsten, Entzündungen des Gehirns die gefährlichsten sind. 

Seit Einführung der Masernimpfung in Deutschland im Jahr 1963 hat die Zahl der Fälle drastisch abgenommen. Die Krankheit könnte – wie beispielsweise in Finnland geschehen – sogar gänzlich eliminiert werden, wenn mehr als 95 Prozent der Kinder geimpft würden. Eine solch hohe Durchimpfungsrate und damit die Ausrottung der Masern ist folglich erklärtes Ziel der hiesigen Gesundheitspolitik. Aber noch ist Deutschland davon weit entfernt – laut dem Versorgungsatlas Deutschland erhalten nur 37 Prozent der Kleinkinder die geforderte Doppelimpfung. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat es sich zum Ziel gesetzt, die Masern weltweit auszurotten. Doch immer noch sterben jährlich circa 1,1 Millionen Kinder an Masern und deren Komplikationen. 

Gut verträgliche Impfung 

Der Masernimpfstoff enthält abgeschwächte lebende Viren und muss zweimal gespritzt werden. Die Impfung gehört zu den Routinevorsorgemaßnahmen bei Säuglingen und Kleinkindern und ist gut verträglich. Mitunter kommt es danach zu harmlosen und schnell wieder abklingenden Beschwerden wie einer Rötung der Impfstelle, Kopfschmerzen oder Müdigkeit. In Einzelfällen können allergische Reaktionen auftreten. Noch schwerwiegendere Nebenwirkungen und Folgen, die der Impfung bisweilen nachgesagt werden, konnten wissenschaftlich nie kausal nachgewiesen werden. 

Die Risiken der Impfung sind also wesentlich geringer als die einer Erkrankung. Und für Einsicht ist es nie zu spät: Es gibt nämlich keine Altersbegrenzung für die Masernimpfung, sie kann in jedem Alter erfolgen.

 
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