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Patagonia: Kauf diese Jacke nicht

Quelle: Patagonia
Patagonia will nicht nur umweltschonend produzieren, auch die Kunden sollen nachhaltig konsumieren. Die Common Threads Initiative beruht auf fünf Schritten: Reduzieren, Reparieren, Weiterverwenden, Recyceln und Umdenken.

Kurz vor Weihnachten konzentriert sich Patagonia im Rahmen seiner Common Threads Initiative auf den ersten Schritt, das Thema Reduzieren. Patagonia ist bis heute der einzige Textilhersteller, der seine Kunden dazu auffordert, nur das zu kaufen, was sie wirklich benötigen. Am 25. November hat Patagonia die unten links abgebildete Anzeige in der New York Times veröffentlicht – dem Tag, an dem der Konsum in den USA unmittelbar nach Thanksgiving einen Höhepunkt erreicht.

Diese Anzeige erschien am 25. November 2011 in der New York Times. | Quelle: Patagonia

2006 war Patagonia der erste Textilhersteller, der seine Kunden direkt zum Recyceln ihrer Kleidung aufrief. Zum Start des Common Threads Recycling Programms betraf dies zunächst die Capilene Funktionsunterwäsche. Seither hat Patagonia das Programm Jahr für Jahr ausgebaut und nimmt heute alle Kleidungstücke zurück, die je von Patagonia produziert wurden. Die Kalifornier recyceln dann, was möglich ist, und was heute noch nicht recycelbar ist, wird eingelagert. Indem der Kunde ausgediente Kleidung zurückgibt, vermeidet er, dass sie auf der Müllhalde landet. Dennoch sollte Recyceln immer die letzte Option sein. Recycelt wird erst, wenn Verzichten, Reparieren oder Weiterverwenden nicht mehr möglich sind.

Patagonia seinerseits verpflichtet sich zum Reparieren: Sie produzieren haltbare und robuste Kleidung und reparieren Schäden zügig. Grundsätzlich sollten Reparatur und Rücksendung nicht mehr als vier Wochen erfordern. Schäden, für die Patagonia verantwortlich ist, werden kostenlos repariert. Bei normaler Abnutzung wird eine angemessene Gebühr berechnet.

Um das Weiterverwenden zu unterstützen und gebrauchte Kleidung möglichst lange zu nutzen, hat der Ausrüster gemeinsam mit eBay eine neue Verkaufsplattform ins Leben gerufen, über die Kunden gebrauchte Patagonia-Kleidung kaufen und verkaufen können. Bisher steht diese Plattform nur in den USA zur Verfügung, soll jedoch auch auf Europa ausgeweitet werden. »eBay und Patagonia haben diese einzigartige Plattform geschaffen, um unsere Kunden dazu anzuregen, ihre Schränke nach nicht mehr genutzter Patagonia-Kleidung zu durchstöbern, diese dann auf eBay anzubieten und damit deren Lebenszyklus zu verlängern«, sagt Rick Ridgeway, Patagonias Vizepräsident für Umweltinitiativen.

Das Ziel ist, mehr und mehr Kunden für diese Initiative zu gewinnen und dadurch deren fünften Schritt, das Umdenken, zu realisieren. Umdenken für eine nachhaltige Welt, in der jeder nur so viel nimmt, wie die Natur ersetzen kann. Bisher haben sich schon 8.500 Personen zur Mitwirkung verpflichtet. Patagonias Ziel ist es, 50.000 Unterstützer pro Jahr zu gewinnen.

Derzeit verbraucht die Menschheit auf unserer einen und einzigen Erde die Ressourcen von 1,5 Planeten. Die Kosten für die Umwelt, die bei der Herstellung von Produkten anfallen, sind erstaunlich. Ein eindrückliches Beispiel ist das auf der NYT-Anzeige abgebildete R2 Jacket. Seine Herstellung verbraucht 135 Liter Wasser - genug um den Tagesbedarf (3 l/ Tag) von 45 Personen zu decken. Der Weg vom Rohmaterial aus 60 Prozent Recycling-Polyester bis zu unserem Lager in Reno verursacht einen CO2-Ausstoß von 9 Kilogramm, was dem Gewicht von 24 fertigen R2-Jacken entspricht. Und bis zu ihrer Ankunft in Reno hat jede Jacke insgesamt knapp zwei Drittel ihres Eigengewichts an Abfall hinterlassen.

»Die Common Threads Initiative zielt auf einen zentralen Punkt des heutigen Umweltproblems – die Umweltbelastung durch all unseren Kram«, sagt Yvon Chouinard, Gründer und Inhaber von Patagonia. »In einem ersten Schritt fordern wir die Kunden dazu auf, nichts zu kaufen, was sie nicht wirklich brauchen. Wenn Sie doch etwas brauchen, so empfehlen wir ihnen, langlebige Produkte zu kaufen, Schäden zu reparieren und was nicht mehr genutzt wird weiterzugeben oder zu verkaufen. Und erst was gar nicht mehr brauchbar ist zu recyceln. Wir sind die erste Firma, die ihre Kunden dazu auffordert, sich als Partner zu verpflichten, um den Konsum zu reduzieren und Produkte nicht auf dem Müll oder in der Verbrennungsanlage enden zu lassen.«

 

 
4-Seasons Info

Common Threads Initiative

Weitere Infos und das Formular, um sich als Partner zu verpflichten, findet man bei Patagonia.

 
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