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Pack ma‘s! - 20 Jahre Transalp mit Andi Heckmair

Ein Mountainbike-Pionier packt aus: Vor 20 Jahren erfand Andi Heckmair den Transalp – und nebenbei den perfekten Mountainbike-Rucksack.   
Trat mit dem Alpencross eine Lawine los: Andreas Heckmair. | Foto: Christian Kaufmann

Die Idee kam Andi Heckmair nicht über Nacht. Sie reifte lange Zeit: Alltag und Auto am Alpennordrand zurücklassen und aus eigener Kraft über alle Berge radeln. Die Zutatenliste des Oberstdorfers war kurz, aber lecker: eine Woche Zeit, drei Freunde, drei Fahrräder, wenig Teer, viele Trails und den gesamten »Hausstand« im Rucksack mit dabei. Einfach (und) genial!

Nachdem der Bergführer unzählige Pässe und Routen zwischen Oberstdorf und dem Gardasee getestet hatte, von denen aber die meisten »koin’ Schlonz« hatten (sinngemäß: keiner logischen Linie folgten oder unfahrbar waren), war 1990 die Zeit endlich reif. Deutschland wurde größer und bunter und Fahrräder mit dicken Reifen und extremer Übersetzung immer beliebter. An einem Augustmorgen schwangen sich Heckmair und seine Freunde Gerhard Strittmatter und Wolfgang Renner – beide mit WM-Medaillen in der Vitrine und Letzterer nebenbei Chef der Fahrradfirma Centurion – in Oberstdorf  in den Sattel. »Meine zwei Freunde waren natürlich vom radfahrerischen Können her ganz andere Kaliber als ich, aber ich wusste: Die können noch so schnell fahren – an jeder Abzweigung müssen sie auf mich warten. Denn nur ich kannte den Weg«, erzählt Heckmair. Fünf Tage, zehn Pässe und 315 Kilometer später streckten die drei »Alpenquerulanten« ihre müden Radlerbeine in den Gardasee.

11.000 Höhenmeter – gar kein so großer Schritt für die drei Bergradler, aber ein Riesenschritt für die Radwelt. Der Transalp (auch Alpencross genannt) war geboren. »Eine Lawine stoppt selten auf halbem Weg«, besagt eine alte Bergführerweisheit. Und die Lawine Transalp, die Andi Heckmair 1990 mit seiner Tour von Oberstdorf an den Gardasee lostrat, riss eine ganze Biker-Generation mit sich gen Italien. Und sie verliert auch nach zwanzig Jahren noch lange nicht an Fahrt. »Alle haben mich damals höhnisch verlacht«, erinnert sich Heckmair. Weniger ob seines Vorhabens, die Alpen an ihrer breitesten Stelle mit einem dieser neumodischen Drahtesel zu überqueren. Vielmehr wegen seiner Vision eines speziellen Rucksacks für sein Vorhaben. Einzig Bernd Kullmann vom Augsburger Rucksackhersteller Deuter verkniff sich auf der Eurobike-Messe 1989 das Lachen und spitzte stattdessen die Ohren. Schließlich saß ihm nicht irgendein naiver Spinner gegenüber, sondern ein erfahrener Bergführer. Der zudem gentechnisch erheblich vorbelastet war: Heckmairs Vater, der Anderl, hatte 1938 die Eiger-Nordwand erstbestiegen. Und übertrug nicht nur das Berg-Gen, sondern auch seine »by fair means«-Philosophie auf den Sohn. »Als Bergführer hatte ich jede Menge Rucksäcke im Materialkeller. Aber weder Kletter- noch Trekkingrucksäcke kamen für mein Vorhaben infrage.« Also ließ sich Heckmair einen Prototypen nach seinen Vorstellungen schneidern und ging damit auf der Messe hausieren. Der Rest ist schnell erzählt: Alle anderen lachten, Kullmann ließ sich überzeugen, Deuter produzierte den »Bike 1« – und die Lawine ging ab.

 

Der Jubiläums- Trans Alpine und sein Opa. Dazwischen liegen 20 Jahre Evolution. | Foto: Deuter

2010: Das Ohrenspitzen hat sich gelohnt. Was Shimano bei Fahrradschaltungen, ist Deuter bei Bikerucksäcken. Bei den Leserumfragen des Fachmagazins MountainBIKE gewinnen die Augsburger regelmäßig und in beängstigender Dominanz die Wahl zum besten Bikerucksackhersteller. Letztes Jahr votierten 80 Prozent der Leser für Deuter. Und der »Trans Alpine« siegt seit Jahren ganz selbstverständlich in jedem Vergleichstest. Kein Wunder, denn als Enkel des »Bike 1« hat der Bestseller 20 Jahre Evolution hinter sich. Entscheidende Details, die Andi Heckmairs Rucksack bereits 1990 aufwies, finden sich auch heute am »Trans Alpine«: Er ist schmal und so kurz geschnitten, dass er nicht am Helm anstößt. Für beste Balance liegt er nahe am Körper, nicht jedoch auf der Wirbelsäule auf. Und alles, was man untertags braucht – ob Landkarte, Trinkflasche oder Energieriegel – ist blitzschnell griffbereit. Heute verkauft Deuter Andi Heckmairs Idee über 50.000-mal jährlich. Da darf man gratulieren.

 
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