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Nordlicht – Zeichen der Götter

Foto: Gabi E. Reichert
In den altnordischen Sagen und Mythen galt das Nordlicht meist als Zeichen dafür, dass gerade Götter oder Geister am Himmel zu Werke waren. Heute gibt es eine wissenschaftliche Erklärung für das Phänomen, doch das schmälert seine übernatürliche Schönheit nicht im Geringsten. Sonst hätte sich die Fotografin­ Gabi E. Reichert wohl kaum einen­ nordnorwegischen Winter lang jede Nacht auf die Pirsch begeben.
Manchmal ist einfach nur der ganze Himmel grün. | Foto: Gabi E. Reichert

»Im Winter für mehrere Monate nach Nordnorwegen fahren? Da ist es doch nur dunkel und kalt!« Das war der Standardsatz in meinem Bekanntenkreis, wann immer ich von meinen Reise­plänen erzählte. Tatsächlich sind in Nordnorwegen die Tage im Winter sehr kurz, die Nächte aber alles andere als dunkel. Dann funkeln nicht nur unzählige Sterne über der grandiosen, meist verschneiten Berglandschaft am Meer, sondern immer wieder explodiert das Nordlicht förmlich am Himmel. Es gibt Erlebnisse, von denen man später noch seinen Enkeln mit leuchtenden Augen erzählen wird – und dieses Abenteuer in Nordnor­wegen wird definitiv dazugehören.

Vergleicht man die für Nordlichtbeobachter infrage kommenden Regionen Nordalaska, Grönland, Sibirien und Nordskandinavien, ist schnell klar, dass die Küste Nordnorwegens die komfortabelsten Bedingungen bietet. Sie profitiert von einer besonderen »Heizung«, einem Ausläufer des Golfstroms. Im Landesinneren fallen die Temperaturen im Winter auf bis zu minus 50 Grad, an der Küste aber selten unter minus 10 Grad.

Tierisch faszinierendes Licht. | Foto: Gabi E. Reichert

Trotz des moderaten Klimas spüre ich hier die Kraft der Naturgewalten deutlich. Unterwegs beißt eisiger Wind ins Gesicht und treibt Tränen in die Augen, die sogleich auf den Wangen gefrieren. Die Finger kribbeln trotz der Gore-Tex-Handschuhe. Hinter schnell ziehenden Wolken blitzen erste Sterne am Nachthimmel. Schwach grüne Bänder spannen sich über die Gipfel am Horizont und kündigen das Kommen des Nordlichts an. Beim Schein des Mondes stapfe ich wie ein Storch durch die Schnee­wehen zu einem günstigen Standort fürs Fotografieren. Ich inhaliere tief die salzige Luft und störe mich nicht mehr am kalten Wind – heute­ scheine ich endlich Glück zu haben.

 

Licht scheint flackernd auf mich herabzuregnen

Am Ende strahlt es oft in Violett. | Foto: Gabi E. Reichert

Kaum sind Stativ und Kamera in Position gebracht, leuchtet ein grünes Band grell auf, wächst nach oben, wabert, zerfasert und breitet seine spiraligen Ausläufer über der monumentalen Bergkulisse aus. Jetzt ist das Nordlicht über mir und grünes, violettes und rotes Licht scheint flackernd und rotierend auf mich herabzuregnen. Das Ganze geschieht so schnell, dass kaum Zeit ist, die Kamera exakt einzustellen. Der spektakuläre Höhepunkt dauert nur wenige Minuten, dann schwächt das Nordlicht wieder ab und lässt mich staunend mit offenem Mund zurück. Ich weiß, dass das Phänomen einen physikalischen Ursprung hat: Sonnenwind bringt Elektronen und Ionen in das Magnetfeld der Erde, die zu den Polen hin abgelenkt werden. Dort kollidieren sie mit Teilchen der Atmosphäre. Ein Teil der daraus entstehenden Bewegungsenergie wird dabei in sichtbares Licht verwandelt. Aber nach diesem Spektakel bin ich mir nicht mehr sicher­, ob nicht doch irgendwelche Götter ihre Hände im Spiel haben­. Ich packe die Ausrüstung zusammen und mache mich mit einem Kribbeln im Bauch auf den Heimweg.

Bildergalerie: Die schönsten Nordlicht-Bilder

So ähnlich spielen sich die Nächte über Wochen hinweg ab, mal zeigt sich das Nordlicht, mal bleibt das Spektakel aus. Ich werde geradezu süchtig danach, ziehe trotz Kälte und Anstrengung jede Nacht mit schwerem Gepäck durch die Natur. Ausgepowert falle ich frühmorgens glücklich ins Bett und träume von einer Naturlandschaft, die sich der Mensch nicht untertan machen kann. Und von meinen noch nicht geborenen Enkeln, denen ich irgendwann von diesen Erlebnissen erzählen werde.

 

4-Seasons Info
 

Gabi E. Reichert …

… arbeitet als freie Foto- und Reisejournalistin. Skandi­navie­n­ und das Meer haben es ihr besonders angetan. Um foto­grafische Projekte intensiver zu verfolgen, verbringt sie mit ihrem Mann, der ebenfalls Fotograf ist, und ihren drei Kindern den Großteil des Jahres im Ausland. Von ihren Reisen berichten sie in ihrem Blog www.blog.5reicherts.com.

 

Fototipps

Equipment:

  • digitale Spiegelreflexkameras eigen sich am besten für die Nordlichtfotografie
  • Weitwinkelobjektiv, möglichst Lichtstark
  • stabiles Staiv  - Beim Aufstellen in Schnee diesen vorher etwas festtreten, sonst sackt das Stativ ein.
  • Kabelauslöser, verwacklungsfreies Auslösen und für Zeiten jenseits der Belictungsautomatik
  • kleine Taschenlampe zum Kontrollieren der Einstellungen im Dunkeln
  • besonders warme Kleidung

Kameraeinstellungen:

  • im Raw Format fotografieren,  um später verlustfrei nachbearbeiten und optimieren zu können.
  • Autofokus ausschalten und manuell fokusieren, dabei beachten, dass man nicht »überfokusiert«
  • Bildstabilisator ausschalten
  • ISO zwischen 500 und 2000, offene Blende, Belichtungszeiten zwischen 4 – 30 Sekunden. Die Kontrolle des Histogramms hilft, die richtige ISO-Belichtungs-Kombination zu finden.

Zeiten und Orte:

  • Nord-Skandinavien ist die von Deutschland aus am einfachsten zu erreichbare Region für die Nordlichtfotografie.
  • Von September bis März sind in den hohen Breiten die Nächte lang und dunkel genug, um das Nordlicht beobachten zu können.
 

Der Nordlicht-Reisetipp

Eine interessante Idee­ ist es, die Nordlichtbeobachtung mit einer Hundeschlittentour zu verbinden. »Huskyabenteuer­ in der Finnmark« heißt eine fünftägige Tour des Veranstalters huskytrack, bei der das möglich ist. Mit dem eigenen Hundeschlitten­ geht es von der Huskyfarm aus direkt in die Weiten der Finnmark hinein. Dort wird in Wildnis­­hütten übernachtet, und mit etwas Glück bekommt man am endlosen Nachthimmel sogar das Nordlicht zu Gesicht. Infos:
www.huskytrack.de/83

Allgemein
Infos über Nordnorwegen unter:
www.northernnorway.com
www.visitnorway.de