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Mit dem Canadier in Norwegen: Von der Hedmark zu den Fjorden

»Bushpaddler« at its best! | Foto: Holger Greiner-Petter
Der Hauptgrund für Holger Greiner-Petter, seine Frau Petra und vier Freunde sich auf den Weg in den Norden zu machen, ist Wasser. Jede Menge wildes Wasser, das es dort geben soll, wie diverse Berichte und Bücher glaubhaft versichern. Die sechs Paddler werden nicht enttäuscht.

Es gibt wohl nur wenige Länder auf der Erde, in denen man innerhalb kürzester Zeit die unterschiedlichsten Naturschauspiele auf höchstem Niveau erleben kann. Norwegen ist eines davon. Sogar die Flüsse haben klingende Namen wie Finna, Imsa, Folla, Ula oder Ena. Und das Tolle für alle Kanufans: Flüsse gibt es in Norwegen wie Sand am Meer.

Gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer | Foto: Holger Greiner-Petter

Die Qual der Wahl

Beim Studium des Wildwasserführers »Norwegen« von Jens Klatt und Olaf Obsommer kommen die Kanuten schon nach kurzer Suche auf siebzehn interessante Flüsse und Flussabschnitte. Statt noch weiter zu suchen, konzentrieren die Sechs sich lieber darauf, Flüsse in diesem Bereich zu einer Route zu verbinden, die zeitlich machbar und vernünftig ist. Somit wird in der Region Hedmark mit dem Ziel gestartet, das unbekannte Land und einen Teil seiner Flüsse in Richtung Westen zu erkunden.

Das ungewöhnliche am Paddelausflug der Sechs ist, dass sie nicht, wie die meisten Norwegen Paddler auf Kajaks setzen, sondern mit echten Dickschiffen anreisen und diese auch noch mit Stechpaddeln vorantreiben. Kurzum: Sie werden die Flüsse auf ihre Canadiertauglichkeit testen.

Als Paddler hat man bei der Planung seiner Reisen immer zwei Variablen zu beachten. Wie bei allen Outdoorsportlern ist das Wetter vor allem für die Gemütslage verantwortlich. Damit unter dem Kiel immer genug Wasser ist, muss auch der Wasserstand passen und dies ist bei manchen Flüssen ein echter Balanceakt, denn das Pegelfenster ist nur sehr klein.

So verhindern hohe Pegelstände die Befahrung der Driva und der Lora. Auch die Mistra wird ausgelassen. »Bei einer Rast entdecken wir auf dem Fluss, der tief unterhalb der Straße durch eine enge Waldschlucht rauscht, einige bunte Farbtupfer – Kajaks. Kurz entschlossen kraxeln wir hinunter. Der Bach reizt uns sehr, aber der Großteil seines Laufes ist nicht einsehbar. Einmal in der Schlucht gibt es kaum Möglichkeiten zum Abbruch. Und wir sehen, mit welchen Schwierigkeiten die Kajaker zu kämpfen haben. Verblockte Abfälle verlangen eine sehr genaue Linienführung. Es wird gesichert, gekentert, umtragen, stecken geblieben. Scharfkantige Steine im Flussbett deuten auf eine materialintensive Befahrung. Wir verzichten und treffen später ein Mädchen aus der Kajakgruppe. Sie ist aus der Schlucht geklettert und hätte nun in voller Montur, aber ohne Boot, noch einige Kilometer auf der Straße bis zur Aussatzstelle vor sich. Flo und Martina im ersten Fahrzeug haben sich ihrer erbarmt und sie mitgenommen.«

Manuela und Stefan auf dem Trysilelven. | Foto: Holger Greiner-Petter

Lieber normaler Regen als Steinregen

Herausforderungen ganz anderer Art erleben die Paddler auf der Unsetåa. Der Fluss zieht zunächst gemütlich durch ein breites Tal, das sich langsam verengt. In gleichem Maße nehmen spritzige Schwallstrecken zu, die bald zu verblockten Stromschnellen werden. Mit zunehmendem Gefälle steigt der Wasserdruck. Schließlich bewegt man sich im Bereich Wildwasser III durch eine enge Schlucht. Da die Kehrwasser oft zu klein für mehrere Boote sind, fahren die drei Canadier in entsprechendem Abstand. Die Vorderleute geben jeweils das Zeichen zum Nachkommen oder steigen aus – das Signal zum Scouten. Trotz der Schwierigkeiten ist der Flusscharakter sehr angenehm, da es nach jeder Stromschnelle Auslaufzonen gibt. Im letzten Drittel wartet noch eine knifflige Stelle: steil, lang gezogen und unübersichtlich. Stefan kentert, schlägt sich Schulter und Daumen an. Glattes Wasser zwischen steilen Felswänden im Unterlauf. Stefan steht bis zum Bauch im Wasser am Fels und verarztet sich, während die anderen in den Kanus warten. Ohne jede Vorwarnung prasselt plötzlich ein Steinregen über die linke Felskante. Ein Brocken, groß wie ein Basketball, knallt auf das Heck von Flo und Martina. Die beiden geben sofort Gas und fahren ohne groß zu schauen in den nächsten Rapid ein. Stefan hechtet auf sein Boot und schwimmt von der Wand weg. Zum Glück ist niemand etwas passiert. Erleichtert nehmen die Sechs die letzten Schwierigkeiten bis zum Ausstieg.

Rafting Playrun-Strecke auf der Soja. | Foto: Holger Greiner-Petter

Wildwasser-Klassiker in Norwegen: die Sjoa

Die Reise führt weiter Richtung Westen zum Wildwasser-Klassiker Norwegens schlechthin – an den Fluss Sjoa. Holger und Co. besichtigen die Sjoa-Klamm mit dem berühmten Ridderspranget. »Auf der Russbrua bestaunen wir das gewaltige Naturschauspiel, wie die Sjoa mit urwüchsiger Kraft über mehrere Wasserfälle vom Fjell in eine enge Schlucht donnert.« Der als Playrun bekannte Abschnitt ist ein ordentlicher Wuchtwasserritt und die Sechs brauchen etwas Zeit, sich an den ständigen Wasserdruck zu gewöhnen. In den Stromschnellen hat man zu Beginn noch die Wahl, sich daran vorbei zu mogeln oder mittendurch zu hauen. Aber die Kampflinie macht Spaß und es gilt auch hier die Regel: Speed is your friend. Nach der engen, turbulenten Einfahrt in den Schluchtabschnitt überrascht das Gefälle, das sich vor den Paddlern auftut. Hoch oben von der Strasse sieht das nicht annähernd so aus. In der Faukstad-Welle, einmal jährlich Schauplatz des Sjoa-Rodeos, legt Stefan einen Traumsurf hin. Das »Gatineau« im Playspot nach dem China Hole am Ende der Schluchtstrecke beschreibt Holger wie den Ritt auf einem Wildpferd.

Acht Flüsse kommen am Ende unter den Kiel der Kanuten. Weitere Erlebnisse von Holger und Petra können auf deren Hompage »Wildnisabenteuer« nachgelesen werden. Dort schreiben sie über die Befahrung weiterer wohlklingender Flüsse in Norwegen oder berichten über ihre Kanutouren in Alaska, dem Yukon und andere abenteuerliche Reisen. Eine Seite, auf der es viel zum Thema Kanu und Wasser zu entdecken gibt. Auch im KANUmagazin findet man einen Bericht.

 
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