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Mehr als eine Tour: Das perfekte Skitouren-Wochenende

Ist das Basislager schlau gewählt, klappt ein Skitouren-Wochenende auch ohne großes Gepäck. | Foto: Michael Pröttel
Michael Pröttel ist freier Alpin- und Reisejournalist und begeisterter Skitourengeher. Seine größte Leidenschaft sind mehrtägige Skitouren-Durchquerungen, die er in seinem kürzlich erschienen Tourenführer »Das perfekte Skitouren-Wochenende« als »Königsdisziplin« des Bergsteigens vorstellt. 4-Seasons hat sich beim Autor schlau gemacht, was es braucht um fit für die erste Wochenendtour zu sein.
Einsam und erhaben: Gebietsdurchquerungen sind ein besonderes Skitouren-Erlebnis. | Foto: Michael Pröttel

Weiße Gipfel, so weit das Auge reicht und die Gewissheit, dass die Tour nach der nächsten Abfahrt noch nicht zu Ende ist: »Es ist einfach ein erhebendes Gefühl, wenn man am zweiten Tag einer Skidurchquerung auf einem guten Aussichtsgipfel steht und sich umblickt — auf die bisherige Route zurück und auf die weitere Strecke voraus.« Angesprochen auf seine Lieblingsdisziplin Skitouren-Durchquerungen gerät Tourenbuch-Autor Michael Pröttel ins Schwärmen. »Der Blick nach hinten zeigt, was man geschafft hat und vor einem wartet bereits der nächste Skitourenspaß«. In seinem neuen Buch »Das perfekte Skitouren-Wochenende« stellt Pröttel 20 Touren für zwei bis vier Tage zwischen dem Dachstein und den Garner Alpen vor.

Wer sich lieber sanft und ohne großes Gepäck an das Thema herantastet, findet zahlreiche durchdachte Wochenendprogramme rund um strategisch günstig gelegene Talorte, wo man einfach in einer Pension sein Lager bezieht. Für Ersttäter empfielt Pröttel zum Beispiel Avers in den Rätischen Alpen oder das Safiental. Aber auch vor der Müchner Haustür wird den Einsteiger und Genießer fündig: Rund um den Spitzingsee im bayerischen Mangfallgebirge gibt es auf kleinräumigem Gebiet zahlreiche schöne Tagestouren zu erkunden, die von der ausgedehnten Runde bis zur kurzen Vormittagstour am Abreisetag reichen.

Die Königsdisziplin des Winters

Nicht am Parkplatz endet die Tour, sondern mit Blick auf das nächste Ziel. (Tödi, Glarner Alpen). | Foto: Michael Pröttel

Die schönster Art den Winter in den Bergen zu erleben ist für Pröttel ein Skitourentag, »der nicht am Parkplatz sondern in einer Berghütte endet, von der es am nächsten Tag weiter geht.« Doch wann ist man als Einsteiger fit für so eine Tour? »Wer über eine gute Kondition und Skitechnik verfügt, kann schon nach wenigen Tagestouren auf eine Wochenendtour mitkommen — vorausgesetzt er oder sie verfügt über einen in Sachen Lawinengefahr erfahrene Begleiter«, sagt Pröttel. Bei Rundtouren oder Durchquerungen wird im Gegensatz zu klassischen Eintagestouren meist nicht oder nur teilweise auf dem Anstiegsweg abgefahren. »Daher ist eine sichere Lawinenlage sehr wichtig. Man muss sich noch gewissenhafter als sonst in den Tagen vor der Tour über die zu erwartenden Lawinen- und Wetterverhältnisse im Zielgebiet informieren.« Die entscheidenden Infos zu den jeweiligen Lawinenverhältnissen sind in den jeweiligen Lawinenlageberichten zu finden, die unter www.avalanches.org für alle Alpenländer verlinkt sind. »Einen Wochenendausblick, der Wetter, Schneehöhen und Lawinenlage zusammenfasst, findet man immer Donnerstags ab 17 Uhr im Weekend Report von www.check-your-risk.de«, sagt Pröttel.

Und weiter geht's! Manche Hütten, wie die Bovalhütte in der Berninagruppe, haben im Hochwinter geschlossen. Dann übernachtet man im Winterraum. | Foto: Michael Pröttel

Übernachtet wird bei Mehrtagestouren in bewirtschafteten Alpenvereinshütten. »Daher muss man sich unbedingt vorab zu erkundigen, ob die Berghütten geöffnet sind, oder ob im Winterraum geschlafen wird.« Infos zu seinen Hütten listet der DAV unter dav-huettensuche.de. »Oder man schaut ins Buch«, meint Pröttel, der für die vorgestellten Touren alle Infos bereits ausführlich zusammen getragen hat. »Im Winter sind die Hütten in der Regel nicht so voll wie im Sommer. Trotzdem ist es gerade an Wochenenden sehr sinnvoll sich immer vorab einen Platz zu reservieren.« Ist die Hütte zu, schwingt der Tourengeher selbst den Kochlöffel: »Der Winterraum hat so gut wie immer offen und dient dann als Schlaf- und Kochplatz«. Mit Zelt sind Mehrtagesskitouren prinzipiell ebenfalls möglich — »Sofern man nicht gerade im eiskalten Hochwinter unterwegs ist und kein Problem mit einem schweren Rucksack hat.«

Grundsätzlich sind bei Touren von Hütte zu Hütte die Rucksäcke etwas schwerer als bei einer Tagestour, da wohl etwas mehr Wechselwäsche mit ins Gepäck muss. Ansonsten unterscheidet sich die Ausrüstung nicht wesentlich von der einer Tagestour: »Um nicht zu viel Gewicht mitzunehmen, sollte man sich gut überlegen, wie viel frische Unterwäsche und Socken man unbedingt auf der Hütte benötigt. Zusätzlich gehört für die Hütte ein leichter Hüttenschlafsack mit in den Rucksack, am besten einer aus Seide.« Als speziellen Tipp empfielt Pröttl zumindest für ein Tourenmitglied eine Dose Sprühkleber. »Bei Gebietsdurchquerungen kommt es aber häufig vor, dass man mehrmals wieder Anfellen muss. Deshalb ist auf eine gute Haftung der Felle zu achten.«

 

4-Seasons Info

Das perfekte Skitouren Wochenende

Ran an die Felle! Michael Pröttel stellt in seinem Buch 20 abwechslungsreiche Wochenendtouren auf der Alpennord- und -südseite vor, die von Talorten oder auch als Hüttentouren angelegt sind. Das Schwierigkeitsniveau reicht von Einsteigertouren bis zu anspruchsvollen Skitouren-Traumzielen wie dem 2995 Meter hohen Dachstein. Alle Routen sind ausführlich und detailiert beschrieben, die Kurzinfos enthalten alle wichtigen Angaben und Gefahrenhinweise. Das Kartenmaterial bietet einen guten Überblick. Dank handlichem Format passt der Führer in jeden Rucksack und kommt am Wochenende mit auf Tour.

  • Michael Pröttel: Das perfekte Skitouren-Wochenende — 20 Touren zwischen Dachstein und Garner Alpen
  • Bergverlag Rother, 1. Auflage 2012
  • 136 Seiten mit 60 Farbabbildungen
  • 26 Tourenkärtchen im  Maßstab 1:50.000 und 1:75.000  und eine Übersichtskarte
  • ISBN 978-3-7633-3070-6

 

Michael Pröttel Mehr über Michael Pröttel

Der freie Fotograf, Alpin- und Reisjournalist engagiert sich seit 2000 im Vorstand des des deutschen Landesverbands der internationalen Bergschutzorganisation Mountain Wilderness, um die winterliche Bergwelt vor weiteren Erschließungen durch Skilifte, -pisten und Beschneiungsanlagen zu bewahren. Und wer bereits ein begeisterter Tourengeher oder Freerider ist, kennt vielleicht Pröttels Weekendreport auf www.check-your-risk.de. Für das JDAV-Projekt liefert er immer Donnerstagnachmittag ab 17 Uhr einen Ausblick auf das kommende Wochenende, der Wetter, Schneehöhen und Lawinenlage zusammenfasst.

 
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