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Marmot – Murmeltiere vor Weltherrschaft

Foto: Ace Kvale
Die Universitäten Kaliforniens gelten seit jeher als kreativer Schmelztiegel, aus dem in steter Regelmäßigkeit innovative Unternehmen von ungeheurem Potenzial schwappen. IT-Weltkonzerne wie Google oder Yahoo! sind sicher die populärsten Beispiele, doch auch die Outdoor-Manufaktur Marmot wurde auf dem Campus besiegelt.
Na logo! Zwei Studenten der Gletscherkunde gründeten Marmot Anfang der 70er. | Foto: Archiv Marmot

1971 ist die Ausrüstung für Gletscherbegehungen eher dürftig. Es gibt nur wenige Freaks, die ihre Freizeit freiwillig im Freien verbringen. Und schon gar nicht im Kalten. Bei zwei Studenten der University of California in Santa Cruz jedoch steht Gletscherkunde auf dem Stundenplan: Eric Reynolds und Dave Huntley. Ein Studienprojekt verschlägt sie nach Alaska, auf die Juneau-Eisfelder. Die Kälte, und wie man damit umgeht, ist ganz offensichtlich ein großes Thema dieses Trips, denn die Studenten gründen den »Marmot Club«, den Club der Murmeltiere. Der Club hat etwas krude Regeln – man wird ein »Marmot«, wenn man mit einem anderen Clubmitglied zusammen einen Gletschergipfel bestiegen hat. Jeder ist Präsident. Und die restlichen Regeln, räusper, beschäftigen sich mit Körperfunktionen ...

In Alaska frieren sich Eric und Dave gehörig die Allerwertesten ab und machen sich, zurück in der sonnigen Heimat, an die Entwicklung von Daunenprodukten. 1973 entstehen die ersten tragbaren Produkte von Reynolds und Huntley: eine Daunenweste, ein Pullover und ein Parka. Drei Daunenschlafsäcke folgen. Der wärmste unter ihnen, der PIKA (heute bekannt unter Marmot CWM) ist für einen Komfortbereich bis minus 40 °C ausgelegt und wurde damals für 168 US-Dollar verkauft.

Oldie but Goldie – der nur 528 Gramm schwere Down Sweater ist ein Klassiker im Sortiment. | Foto: Archiv Marmot

1973 kommt auch der dritte Firmengründer mit ins Boot: Tom Boyce, ein Kletterkamerad von Eric Reynolds. Eine Winterbegehung des Grand Teton zementiert ihre Freundschaft und zu dritt mieten sie im Frühjahr 1974 ein altes Backsteinhaus in Colorado, um ihren Traum von einem kompetenten Outdoor- und Kletterladen in die Tat umzusetzen. Name: Marmot Mountain Works.

Der schiere Zufall lässt Tom 1975 beim Klettern in Peru mit dem Filmemacher Mike Hoover zusammentreffen. Zwei Wochen nach dem Südamerika-Trip ruft Mike bei Tom an, weil er für die 20th Century Fox einen Action-Film mit Clint Eastwood plant und dreht: »The Eiger Sanction« (Im Auftrag des Drachen). Für den Film, der zum Teil tatsächlich am Eiger gedreht wird, werden dicke Daunenjacken gebraucht. Tom sagt sofort zu und bastelt innerhalb einer Woche den »Golden Mantle«, benannt nach einer anderen Hörnchenart, dem Squirrel. Die 108 Jacken für den Film bilden die bis dahin größte Order für Marmot – und machen die junge Firma erstmals über die Grenzen Colorados hinaus bekannt.

 

Der Stoff, aus dem Outdoorträume sind

Bergsportschmiede: der erste Shop in Colorado entstand 1974. | Foto: Archiv Marmot

Eine echte Pionierleistung folgt 1976. Eric Reynolds trifft den Gore-Mitarbeiter Joe Tanner. Dieser öffnet seine Wundertüte und stellt ihm stolz die neueste Entwicklung aus den Labors des Chemiekonzerns vor: Gore-Tex. Eric erkennt die Chancen, die dieses sensationelle neue Material bietet und produziert sofort ein paar Schlafsack-Prototypen mit Gore-Tex als Außenstoff. Die folgenden Nächte in einem Kühlhaus und unter Sprinkler-Anlagen sind ein geringer Preis für den Erfolg, den Marmot in den folgenden Jahrzehnten mit Gore-Produkten haben sollte. Die Tests zeigen das Potenzial und die Stärken auf, die Gore-Tex gegenüber den damals üblichen Schlafsack-Stoffen hat. Wollte man bisher die Füllung trocken halten, musste das Außenmaterial dermaßen dicht sein, dass auch der eigene Schweiß nicht mehr entweichen konnte – man wurde also so oder so nass. Gore-Tex löst dieses Problem mit einem Schlag, auch wenn die ersten Stoffe gehörige Kinderkrankheiten aufweisen: schlechter Wasserdampfdurchgang, Neigung zur Delamination, geringe Abriebfestigkeit. Nichtsdestotrotz, Gore-Tex revolutioniert die Outdoorausrüstung. Nach den ersten Schritten im Schlafsackbereich stellt Marmot 1976 die gesamte Produktlinie auf Gore-Tex um. Ein Biwaksack und ein Einwandzelt aus Gore-Tex werden ebenfalls noch in den 70er Jahren entwickelt. Die Firma Marmot kann wohl mit Fug und Recht von sich behaupten, der weltweit erste Verarbeiter von Gore-Tex in Outdoorprodukten zu sein.

Sensibel – iGlove der Handschuh für die iPod-Generation. | Foto: Archiv Marmot

Marmot als Marke und Lieferant von speziellen Outdoorläden wuchs langsam, aber stetig. Während man sich im Jahre 1977 noch mit elf Kunden beschied, sind es heute weltweit einige tausend Shops, die Marmot im Sortiment führen. Auch die Firma selbst expandierte und eröffnete Niederlassungen weltweit. Marmot Europe sitzt im fränkischen Schnaittach, geführt von Andy Schimeck, einem altem Outdoor-Murmeltier. Die unmittelbare Nähe zur Fränkischen Schweiz hilft sehr bei der Rekrutierung neuer Leute: Fast alle Marmot-Mitarbeiter sind begeisterte Outdoorer und können ihrer Passion direkt vor der Haustür frönen. Pegnitz und Wiesent begeistern die Paddler, Kletterrouten wie »Action directe« und »Wallstreet« sind Lebensaufgaben für Topkletterer, nur die Telemark-Fraktion findet in der Muggendorfer Skiarena eher unterdurchschnittliche Bedingungen.

 

 

 

Europa darf sich warm anziehen

Marmots Aufsteiger Nr. 1: Stefan Glowacz. | Foto: Archiv Marmot

Das Credo von Marmot, hier wie in den USA, ist nach wie vor das Selbe: hochfunktionelle Produkte von hoher Qualität zu einem vernünftigen Preis herzustellen. Das Angebot reicht mittlerweile vom Schlafsack über Bekleidung für beide Geschlechter und alle Altersstufen bis hin zu Zelten für Urlaub und Expedition. Hüben wie drüben wendet man sich ausschließlich an den qualifizierten und bestens geschulten Handel und spricht gut informierte Verbraucher an. Billigversand zum Dumpingpreis ist Marmots Sache nicht. Auch der Großteil der mittlerweile sehr umfassenden Kollektion ist identisch – und doch emanzipiert sich Marmot Deutschland: »Seit einigen Monaten haben wir ein eigenes Entwicklungsteam, das bald erste Produkte vorstellt, die nur für den europäischen Markt erarbeitet wurden«, erzählt Europa-Chef Andy Schimeck, »auf dem gleichen hohen Niveau wie die bekannte Marmot-Kollektion, aber mit europäischem Farbgefühl, Passform und Designhandschrift.« So will man Mitbewerbern mit europäischen Wurzeln, denen man bisher mit einer rein amerikanischen Kollektion entgegentrat, Paroli bieten.

Neuestes Pferd im Stall: US-Klettergirlie Beth Rodden. | Foto: Ace Kvale

Wenn es um die Qualität der Produkte geht, ist Marmot wachsam wie die Gänse, denen man für ihre erstklassigen Daunen an die Federn geht. In die Daunenprodukte werden nur Daunen zwischen 600 und 850 cuin Fillpower verarbeitet. Die Top-Produkte werden nach wie vor im Marmot-Stammsitz im kalifornischen Santa Rosa befüllt. Die dauerhafte Zusammenarbeit mit Gore-Tex gipfelt darin, dass die Murmeltiere oft zuerst von den neuesten Leckerlis aus der Gore-Forschung naschen dürfen. Für alle Produktbereiche gibt es Spezialisten, die »ihre« Modelle von der ersten Skizze bis zum Verkauf begleiten. Auch Globetrotter führt seit vielen Jahren eine große Auswahl an Marmot-Artikeln – und freut sich immer wieder über die Spitzen-Bewertungen der Produkte durch begeisterte Kunden.

 

Ethik und Expeditionen

Schick – feminine Softshelljacke, natürlich aus Gore Windstopper. | Foto: Archiv Marmot

So groß die Firma mittlerweile auch ist, die selbstauferlegte Firmenethik wird darüber nicht vernachlässigt. Alle Subunternehmen oder Lieferanten müssen sich einem Ethik-Codex unterwerfen, der menschenwürdige Arbeitsbedingungen und umweltgerechtes Wirtschaften vorschreibt und Kinderarbeit kategorisch verbietet – was die Marmots regelmäßig selbst überprüfen. Soziale und Umwelt-Projekte werden immer wieder mit Geld, Rat und Tat unterstützt. So auch die Rettung der letzten 70 »Vancouver Island Marmots« vor der Küste British Columbias.

Natürlich gehört bei einer authentischen Outdoormarke auch das Sponsoring von Expeditionen und Sportlern zum guten Ton. Schließlich entstammt man zu weiten Teilen selbst dieser Szene. Seit vielen Jahren unterstützt Marmot die AMGA (American Mountain Guides Association) und hat schon zwei Mal deren »Oscar« für herausragenden Support der amerikanischen Bergführer und Kletterer bekommen. In Europa setzt Marmot auf das Kletter- und Expeditions-Urgestein Stefan Glowacz. Er ist gerade von seiner dritten Patagonien-Expedition zurückgekommen, wo er zusammen mit Robert Jasper erstmals die Nordwand des Cerro Murallòn bezwungen hat. 2800 Meter misst dieses Bollwerk auf dem patagonischen Inlandeis. Nicht gerade eine beeindruckende Höhe, mag man meinen, aber seine über 1000 Meter hohe Nordwand ist bzw. war eines der ganz großen Kletterprobleme Patagoniens. Über zwei Routen erreichten Glowacz und sein Partner im dritten Anlauf den Gipfel dieses steinernen Monsters.

Mit Hartnäckigkeit, Entbehrung und Akribie, viel Routine und noch mehr Leidenschaft haben Stefan und Robert ein hoch gestecktes Ziel erreicht und dabei auch den Marmot-Slogan »for Life« in die Welt getragen. Denn »Marmot for Life« soll nicht nur heißen: »Wir machen Produkte für dein Leben, die dich lange begleiten und dein Leben besser machen.« Es meint auch eine positive Einstellung zum Leben an sich.

 
4-Seasons Info
 

Pelzig und gesellig

 

Das Murmeltier (Marmota Marmota) ist gemessen an den anderen Mitgliedern der Nagetierfamilie recht groß und kann bis zu 8 kg wiegen – sozusagen der Godzilla unter den Nagern! Murmeltiere leben in gemäßigten und arktischen Breiten der Nordhalbkugel. Murmeltiere begrüßen sich, indem sie die Nasen aneinander reiben und die Köpfe zusammenstecken. Die Verständigung geschieht durch Pfeiftöne, die von Wanderern leicht mit Vogelstimmen verwechselt werden können.
Possierliche Tierchen, gell? Dann adoptieren Sie doch eines und tragen so selbst zum Erhalt der Vancouver Island Marmots bei.

Weitere Infos unter www.marmots.org.

 

Kommentare

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