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Mario Gerth: »Natürlich schön«

Die Porträts stolzer Schönheit – der äthiopische Stamm der Surma. | Foto: Mario Gerth
Die Porträts stolzer Schönheit – der äthiopische Stamm der Surma. | Foto: Mario Gerth
Sie verstehen sich als Teil der Natur. Deshalb kleiden sich die Surma in Blumen und schmücken sich mit Holz, Ton und Kalk. Der Fotograf Mario Gerth besuchte den Stamm im Südwesten von Äthiopien – und porträtierte stolze Schönheit.

»Nach drei Tagen im Jeep erreiche ich mit einem Guide und einem Übersetzer das Gebiet der Surma. Im ersten Dorf sind Rinder und Schafe angepflockt. Marktfrauen schreien. Als wir einfahren, bin ich ergriffen vom Anblick der ­bemalten Krieger und schmuckübergossenen Frauen. Ich habe nicht erwartet, dass solche Menschen leben. Das antike Afrika. Ich dachte, es wäre verloren, aber diese Menschen existieren wirklich.«

Die Surma putzen sich zu vielen Anlässen heraus, wie etwa an Markttagen. | Foto: Mario Gerth
Die Surma putzen sich zu vielen Anlässen heraus, wie etwa an Markttagen. | Foto: Mario Gerth
Teerunden zum Warmwerden

So schildert Mario Gerth seine Ankunft beim Volk der Surma im Sommer 2012. Für sein Fotoprojekt »Söhne des Windes« hatte der 37-jährige Thüringer schon mehrere afrikanische Stämme ­besucht und porträtiert. Aber die Surma mit ihrem ausgefeilten und überbordenden Körperschmuck direkt aus der Natur – Mario war fasziniert wie nie zuvor. Neun Tage verbrachte er bei den Surma, die am Westufer des Flusses Omo siedeln. »Die ersten zwei, drei Tage verbringen wir immer damit, den Menschen zu ­erzählen, wer wir sind und was wir vorhaben«, erzählt Mario. »Meine Bilder sollen nicht zuletzt das schiefe Afrika-Bild als ewiger Krisenkontinent zurechtrücken. Stattdessen möchte ich zeigen, wie schön und stolz die Menschen dort sind.« Bei den Teerunden mit den Stammesältesten kommen meist auch deren Sorgen zur Sprache. »Das war vor allem die mittlerweile umgesetzte Auf­stauung des Omo. Denn nun bleiben die Überschwemmungen aus, die den Lebensraum der Surma so fruchtbar machten.«

Ist das gegenseitige Vertrauen aufgebaut, beginnt Mario mit dem Fotografieren. »Ich suche mir besonders eindrucksvolle ­Menschen aus und bitte sie für die Porträtaufnahmen in meine Blackbox. Das ist ein Aluminiumrahmen, von dem zu drei Seiten schwarze Stoffwände herabhängen, wobei die Porträtierten selbst durch die offene Seite in ihre gewohnte Umgebung schauen«, ­erklärt Mario. Wenn Marios Frau Stefanie (36) ihn auf Reisen ­begleitet, kümmert sie sich um die Kinder: »Stefanie ist Kindergärtnerin und bringt gebrauchtes Spielzeug mit. Dadurch sind die Dorfkinder abgelenkt und beschäftigt. Das gibt mir die ­notwendige Ruhe, um mich eingehend mit meinem Gegenüber zu beschäftigen.«

 

Fotostory: Mario Gerth: »Natürlich schön«

 

Beim Körperschmuck der Surma muss Mario hingegen gar nicht tricksen. »Nicht nur zu Festen, auch an jedem Markttag tragen die Frauen Gebinde aus frischen Blumen und Blättern. Die Männer treffen sich morgens am Fluss, um sich mit Mustern aus Kalk­farbe zu schmücken.« Der Zierrat ist zum einen Ausdruck ihrer Nähe zur Natur. Zum Zweiten putzen sich die Surma damit heraus, wenn sie Gäste erwarten oder sich in Gesellschaft begeben.

Afrika ist Marios Leidenschaft

Mario engagiert sich mit seinen Fotos für die Organisation Survival International, die sich weltweit für den Schutz indigener ­Völker einsetzt. Doch zum Hauptberuf möchte er die Fotografie nicht machen. Stattdessen arbeitet Mario selbstständig für die Landesbausparkasse in Thüringen und fotografiert während seiner Urlaube. »Ich bin weder ein guter Hochzeitsfotograf noch fotografiere ich Models oder die Industrie«, sagt Mario. »Mein Thema ist Afrika. Und Afrika ist ein Gefühl – ein Gefühl von Freude und ­Liebe. Den Menschen dort widme ich meine ganze Leidenschaft und Kraft als Fotograf.«

 
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