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La Réunion: Von der Hölle in den Himmel

Foto: Serge Gelabert
Eine halbe Welt entfernt, aber doch Teil Frankreichs: die Insel La Réunion im Indischen Ozean. Ein Paradies für alle, die beim Wandern gern zwischen Dschungel und Vulkanen unterwegs sind.
Ein Anblick, der Kinnladen runterfallen lässt: das »Höllenloch« Trou de Fer. | Foto: Serge Gelabert

Manchmal, wenn man stehen bleibt und Luft holt, wenn der eigene Atem langsam wieder ruhiger wird, dann kann man den Wald hören. Den ganzen Wald — nicht nur das Tschilpen­ und Zwitschern der Vögel, das einen schon die Wanderung über begleitet hat. Wenn man still steht und lauscht, dann sind da plötzlich noch andere Laute. Es sirrt und summt, es raschelt und knackst, es brummt und zischt und knarzt und gluckst, ohne dass man erkennen könnte, wer oder was denn nun für diese­ Geräuschkulisse verantwortlich ist. Und alles scheint immer lauter­ zu werden. Eindringlicher. Dichter. Als rücke der Regen­wald um einen herum mit jeder Sekunde näher an einen heran, während man still steht — so fühlt sich das an. Man sieht jetzt auch mehr Details, die man eben noch nicht wahrgenommen hat: Wie es überall von den Blättern tropft. Wie die Pflanzen versuchen­, über den Weg zu wuchern. Wie die Spinnennetze vor Wasser­tropfen glitzern. Man geht ein paar Schritte weiter, und ein anderes­ Geräusch schiebt sich mit Macht in den Vordergrund: Wasser.­ Rauschendes Wasser. Wasser, das mit jedem weiteren Schritt lauter wird. Und dann steht man auf einer Aussichts­plattform mit einem Panorama, das man normalerweise nur aus dem Helikopter hat, und schaut lotrecht in die Tiefe. Ins Trou de Fer, das »Höllenloch«, mit seinen Wasserfällen, die über 300 ­Meter in die Tiefe krachen. Und sämtliche anderen Geräusche jetzt über­tönen. Wo wir sind? Auf der Insel La Réunion, im ­Indi­schen Ozean­. Auf einer Wandertour im Regenwald. Von der Gîte de ­Bélouve ging es 500 dampfende Höhenmeter hinauf auf den ­Sentier de l’École Normale­, anschließend durch einen Sumpf und weiter auf einem Bergpfad hierher.   

Übermäßiges Wadenzwicken lässt sich am Strand kurieren. | Foto: Franz Marc Frei

Bevor wir weiterwandern: ein Überblick. La Réunion heißt mit vollem Namen Île de la Réunion, ist ein sogenanntes französisches Übersee-Département und gehört zur EU — obwohl es im Indi­schen Ozean liegt. Die Insel­ hat 800.000 Einwohner, ist mit 2500 Quadratkilometern Fläche etwa so groß wie das Saarland und im Gegensatz zu der ­benachbarten Insel Mauritius vom Ansturm der Touristen bislang verschont geblieben. Überhaupt hat der Mensch die Insel lange allein gelassen. Sie liegt so weit abseits sämtlicher Meeresströmungen, dass selbst die See­fahrer einen­ Zyklon brauchten, um sie zu entdecken. Bis ins 17. Jahrhundert war die Insel unbewohnt, dann erst kamen französische Siedler, die für ihre Plantagen später Sklaven aus Madagaskar, Ost­afrika­ und Indien hierhin verschleppten. Aber La ­Réunion hat sich davon nicht beeindrucken lassen: 400 Jahre nach der Ankunft des Menschen sieht es noch immer ungezähmt aus, ungezähmt und ein bisschen wild. Und genau das macht es so reizvoll.

 
 

Eine Kulisse für Jurassic Park

Der Ausbruch des Piton de la Fournaise ist feuriges Schauspiel ...

Zwei, drei Kilometer weg von der Küste ­genügen, und es scheint, als sei die Insel Kulisse­ für Jurassic Park gewesen: dicht ­be­­­wach­sen­­­­­,­ dunkelgrün und vor Feuchte dampfend, ein Land der Flanken­, Kanten und steilen Schluchten. Ein Land, das wie geschaffen­ ist fürs Mountainbiken. Für Canyoning.­ Raften. Kajaken­. Vor allem aber ein Land, das von spektakulären Wander­wegen­ durchzogen ist. Man kann entlang steiler Klippen­ unter­wegs sein, wie zwischen Anse des Cascades­ und Pointe Corail­, zwischen Bord Martin und Les Deux Bras atemberaubende Schluchten durchqueren oder durch mystische­ Nebelwälder wie den Forêt de Bélouve wandern. Und weil es hier ständig rauf und runter geht, hat man stets unerwartet diese Ausblicke: in die Weite­, in die Ferne, wo die gestaffelten Bergflanken bis ins Blau des Indischen Ozeans hinein ­zu marschieren­ scheinen. Für die arglos heranziehenden­ Wolken werden diese Berge übri­gens­­ zur Falle,­ sie bleiben meist an den Gipfeln­ und Graten hängen und schweben anschließend­ wie gezupfte Zucker­watte über dem Grün. Und natürlich kreischen immer­ irgendwelche Vögel, und natürlich weht einem der Wind ständig irgendeinen exotischen Blütenduft in die Nase. Und natür­lich­ kann man in solchen Momenten nicht anders, als kurz zu seufzen­.

... und Neubeginn für die Natur zugleich. | Fotos: Franz Marc Frei/Serge Gelabert

Bloß oben am Piton de la Fournaise, da ist kein Blütenduft mehr. Der Piton ist einer von zwei Vulkangipfeln, aus denen La Réunion gemacht ist — der andere ist der Piton des Neiges in der Inselmitte —, und ein echter Hitzkopf, der seine aufgestaute Energie regel­mäßig herauslässt. Dann quillt und spuckt aus sämtlichen vorhan­denen­ Öffnungen Lava hervor, die sich dann als ein zäher, glühen­der Brei in Richtung Meer wälzt. Beim letzten großen Ausbruch vor ein paar Jahren brach anschließend noch der 500.000 Quadrat­meter große Krater ein und sackte 300 Meter in die Tiefe.

 
4-Seasons Info
 

Eine Reise auf die Insel La Réunion gewinnen

Zusammen mit der Reiseagentur Brandner und Air Austral verlost 4-Seasons eine elftägige Wander­reise für zwei Personen auf die Insel La Réunion­. Alles was Sie dafür tun müssen: Drei Fragen über die Insel ­beantworten. Das Gewinnspiel (Teilnahme­schluss ist der 15.12.2012) und viele weitere Tipps und Infos über das Eiland finden Sie unter www.4-seasons.de/la-reunion.

Im November finden zudem in den Globetrotter-Filialen Frankfurt (19.11.) und München (22.11.) für Globe­trotter­Card-Inhaber zwei »Insel-La-Réunion-Abende« statt. Neben einem spannenden Vortrag und kleinen kulinarischen Verführungen erwartet die Gäste ein Wander- und Trekkingexperte, der die Insel intensiv bereist hat. Die Veranstaltungen sind kostenlos! Anmeldungen mit dem Stichwort »Réunion-Abend« für Frankfurt unter Tel. 069/43 40 43 oder events-frankfurt@globetrotter.de, für München unter Tel. 089/44 45 55 70 oder shop-muenchen@globetrotter.de. Die Plätze sind limitiert, ihre Vergabe erfolgt nach Eingang der Anmeldungen.

 

Auf der dunklen Seite des Mondes

Sieht spektakulär aus und ist es auch: Canyoning. Natürlich gibt es auf der Insel auch leite Routen für Einsteiger. | Foto: Franz Marc Frei

Solche Vorstellungen gibt es nur alle paar Jahre, aber selbst an Tagen, an denen sich der Vulkan absolut ruhig verhält, liegt eine eigentümliche Stimmung über der Landschaft am 2077 Meter hohen Piton de la Fournaise. Anderswo mag La Réunion aussehen wie Hawaii — hier oben aber, in den außerweltlichen Stein- und Sandwüsten des Vulkans, erinnert es eher an die dunkle Seite des Mondes oder, für alle Tolkien-Fans, an Mordor. Sämtliches Leben scheint aus den Lavaebenen verschwunden zu sein, man hört keine­ Vögel, noch nicht mal Mücken haben den Weg hier hinauf gefunden. Stattdessen waren die Männer vom geologischen Institut da: Die Wanderwege in diesem Teil der Insel werden nach jedem­ Ausbruch neu angelegt. Und sehr sorgfältig ausgeschildert. Der auf den Cratère Dolomieu zum Beispiel. Es ist noch nicht richtig­ hell, Nacht und Tag liefern sich ihr übliches Handgemenge­, die Kühle der weichenden Dunkelheit lässt einen frösteln. Wanderungen in der Region am Vulkan sollte man so früh wie möglich beginnen, ab Mittag bringt der Passat gern Wolken mit, die eine Orientierung schwierig machen können. Bis dahin aber liegt die Region unter der sengenden Sonne des Indischen Ozeans, und bereits nach einer halben Stunde ist nichts mehr von der Kühle zu spüren — im Gegenteil: Man freut sich schon jetzt über die drei ­Flaschen Wasser im Rucksack.

Eine Wanderung, die ebenfalls nicht verpasst werden sollte: zum Sonnenaufgang auf den Piton des Neiges. | Foto: Serge Gelabert

Wandern in Nähe eines aktiven Vulkans hat seinen­ besonderen Reiz. Natürlich weiß man, dass es eigentlich ungefährlich ist, dass die Sensoren der Geologen jedes noch so kleine Rülpsen des Berges registrieren und die Wanderwege bei drohender Gefahr augenblicklich geschlossen würden — trotzdem begleitet einen ein merkwürdiges Gefühl. Man ist ­aufmerksamer als sonst, die Sinne scheinen geschärfter, man achtet auf Geräusche, als ob es etwas ändern würde. Und ­während man so dahinwandert, Schritt für Schritt, Meter für Meter­, rutscht man irgendwann in eine Art Raumblase hinein, in der die Zeit nicht mehr zu fließen und die Welt um einen herum zum Stillstand gekommen zu sein scheint. Bis man am Ziel ist. Der Krater ist gigan­tisch. Der Krater ist so groß, dass man ihn mit einem ­einzigen Augenblick nicht erfassen kann. Der Krater sieht aus wie ein riesiger­ außerplanetarischer Ozean, aus dem man das Wasser abgelassen hat. Auf seinem Boden treibt der Wind kleine Staubfahnen hin und her, und aus etlichen unsichtbaren Ritzen quillt Rauch. Irgendwann wird der Vulkan erneut ausbrechen. Anschließend wird es diesen Trail hier hinauf möglicherweise nicht mehr geben. Dafür aber bestimmt einen anderen.

155 Millionen Kubikmeter Lava sind bei den jüngsten Eruptionen ins Meer geflossen und dort erkaltet — das ist etwa so viel, als hätte man ein kleines Wohnviertel an die Insel angebaut. Im Osten hat der Lavastrom  einen wildromantischen neuen Küstenabschnitt geschaffen­: Bäume­ und Buschwerk, die zuvor den Weg zum Meer versperrten, gingen in Flammen auf. Und beim Aufeinandertreffen von heißer Lava und kühlem Salzwasser wurden am Ende bislang völlig unbekannte Fischarten aus der Tiefe des Meeres in die höher­ liegenden Ozeanschichten gewirbelt. La Réunion wächst. Und wenn man der Insel noch ein paar Millionen Jahre Zeit lässt, wird es sicher  noch ein paar schöne neue Wanderstrecken geben.

 
4-Seasons Info
 

Koordinaten für das Inselglück

 

Anreise
Mit Air Austral geht es täglich non­stop von Paris Charles de Gaulle nach La Réunion, www.air-austral.de. Passagiere aus Deutschland mit Lufthansa-Zubringer können ihr Gepäck durchchecken.

Übernachten
Hotel Tsilaosa: Beliebtes Wander­hotel im Bergort Cilaos — es liegt zentral für viele Wanderstrecken in den drei Talkesseln rund um den Piton des Neiges. Große Zimmer und zuvorkommendes Personal. Der Chef organisiert Weinproben im hotel­eigenen Weinkeller, www.tsilaosa.com.

Wanderhütten
Die Wanderhütten haben meist Schlafsäle sowie Doppelzimmer mit eigenem Badezimmer. Plätze kann und sollte man vor der Reise reservieren, am praktischsten geht das über: www.insel-la-reunion.com.

Wandern
… kann man auf eigene Faust oder geführt mit zahlreichen Unternehmen, etwa mit Alpanes, das außer Wandertouren auch Canyoning anbietet, www.alpanes.com. Die meisten Routen lassen sich an einem Tag bequem bewältigen; es gibt allerdings auch die Möglichkeit, mehrere Tage auf den Fernwanderwegen Grande Randonnée R1 und R2 unterwegs zu sein. Insgesamt gibt es etwa 1000 ausgeschilderte Wander­kilometer. Ebenfalls sehr hilfreich: Auf der Seite www.reunion-nature.com/Etat-des-Sentiers ist der Zustand der meisten Wanderwege penibel dokumentiert.

Canyoning
Fürs Canyoning ist die Insel mit ihren senkrechten Felswänden und den Wasserfällen wie gemacht. Daniel Ducrots Team führt Gruppen von maximal sechs Personen (auch Anfänger), www.canyoning-cilaos-reunion.com.

Infos allgemein
Empfehlenswert sind das Reise­­­taschenbuch »Réunion« aus dem DuMont Reiseverlag und »La Réunion: Frankreichs Wanderparadies im Indischen Ozean« aus dem Bergverlag Rother. Nützliche Reiseinfos und Wanderbroschüren hält das Fremdenverkehrsbüro der Insel La Réunion bereit, Tel. 069/97 59 04 94,  www.insel-la-reunion.com.

 
weiterführende Artikel: 
10.11.2011ArtikelReiseReisetipp

La Réunion – Frankreichs tropische Seite

Mitten im Indischen Ozean, östlich von Madagaskar, liegt Frankreichs vielleicht atemberaubendster Landstrich: die Vulkaninsel La Réunion. Eine üppige grüne Welt, unberührt wie aus einer anderen Zeit. zum Artikel