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La Réunion – Frankreichs tropische Seite

Foto: IRT E. Virin
Mitten im Indischen Ozean, östlich von Madagaskar, liegt Frankreichs vielleicht atemberaubendster Landstrich: die Vulkaninsel La Réunion. Eine üppige grüne Welt, unberührt wie aus einer anderen Zeit.
Für Canyoning-Freaks ist die Insel ein wahres Wunderland. | Foto: IRT E. Virin

Und dann ist man da und steht auf dieser Aussichtsplattform knapp unter den Wolken, steht da und schaut hinunter auf eine Insel, die aussieht wie eine Blaupause für »Jurassic Park«: dichtbewachsen­, dunkelgrün und dampfend vor Feuchte. Ein Land der Kanten, steilen­ Schluchten und ordentlich gestaffelten Bergflanken, die bis ins Blau des Indischen Ozeans­ hineinzumarschieren scheinen. Es sieht unwirklich aus, dieses La Réunion, so, als stamme es aus einer längst vergangenen Zeit. Als sei es soeben erst aus dem Meer aufgetaucht. Als brauche es noch eine Weile, um fertig zu werden.

423 Kurven sind es hinauf in das Herz der Insel­, in die Region rund um Cilaos, den Dreh- und Angel­punkt des Outdoor-Lebens auf La Réunion­. Der schönste Ort der Insel hockt in einem Tal­kessel, als hätte er beschlossen, sich mit Berg und Regen­wald anzulegen. Die Natur hat die kleine Siedlung umzingelt, hat weder an den äußeren­ Straßenzügen haltgemacht noch am Friedhof der katholischen Kirche mit ihrem­ mahnend in den Himmel stoßenden Turm, sondern ist von allen­ Seiten in den Ort einge­drungen. Überall wuchert und wächst es, in den Einfahrten buckeln sich die Steinplatten, beim Schlendern auf den Straßen versperren Blütenkelche den Weg, und die Vorgärten sehen aus wie Gewächs­häuser für Orchideen. Die Menschen­ von Cilaos­ sind Freizeitgärtner und Hobby­botaniker, es bleibt ihnen auch kaum etwas anderes übrig: La Réunion würde ihnen sonst buchstäblich über den Kopf wachsen.

Eine Reise über die Insel ist deshalb auch eine für die Nase. Irgendetwas blüht immer, und oft blüht vieles zusammen, was Réunion auch zu einem Lieblingsziel der Parfumindustrie macht. Jede Wanderung ist ein olfaktorisches Abenteuer. Wilder Pfeffer! Kampfer! Vanille! Und Minze und Ylang-Ylang und Jasmin und etwas, das nach Patschuli riecht – ganz Réunion duftet, selbst in den Orten, wo sich der Geruch von frisch gebackenem Baguette und geröstetem Kaffee zum Pflanzen-, Blatt- und Blütenpotpourri mischt. Bloß oben am Piton de la Fournaise duftet es nicht. Da ist nur karge Lavalandschaft.  

Auch wer nur entspannen will, findet den passenden Fleck. | Foto: IRT E. Virin

Geologisch gesehen ist La Réunion die Spitze­ eines gigantischen Vulkans. Oberflächlich gesehen sind es zwei Vulkankegel, der schon lange erloschene Piton des Neiges in der Inselmitte und besagter Piton de la Fournaise im Osten. Ein Hitzkopf, der seine aufgestaute Energie in schöner­ Regelmäßigkeit meist in Form von harmlosen Lavaflüssen herauslässt und damit für heiße Schauwerte sorgt. Den Piton de la Fournaise­ kann man auf einem verzweigten Wander­weg­system erkunden. Und da merkt man dann schnell, dass Lava nicht gleich Lava ist: Je nach Struktur unterscheidet man zwischen a‘a und pahoehoe. A‘a ist ein eher unansehnliches Gebröckel, das aus dem Erdinneren geschleudert wurde – pahoehoe dagegen ist die erstarrte Fließversion und sieht aus wie eine versteinerte, zusammengerollte Python. Oder wie gewaltige Kuhfladen.

 

Wandern auf dicken Kaugummikugeln

»Lavawandern« am Piton de la Fournaise. | Foto: IRT MMM

Auf a‘a stakst man wie auf einem Feld aus instabil­ gelagertem Minigeröll, und wenn es auch nur ein wenig bergab geht, hat man den Eindruck, man laufe auf einer Masse aus dicken Kaugummikugeln und scharfkantigen Tennis­bällen­, die gerade dabei ist, den großen Abgang zu machen. Auf pahoehoe hat man es leichter. Vor allem, wenn man verdrängen kann, dass einen möglicherweise nur eine zentimeter­dicke Schicht von den Hohlräumen untendrunter trennt. Am besten betritt man solche Lava­felder also überhaupt nicht. Erst recht nicht die frischen: An »nur« fünf Jahre alten Feldern ist die Erde noch immer so heiß, dass ein Stück mitgebrachtes Holz innerhalb weniger Sekunde­n Feuer fängt.

Auf der anderen Seite der Insel, am Strand bei Saint-Gilles-les-Bains, ist das alles eine Welt entfernt. Vor zwei Stunden stand man noch im pfeifenden Wind – hier in der Lagune hat das Wasser sagenhafte 26 Grad. Später sitzt man am Strand, einer makellos hellen und sauberen Sandsichel, an der niemals etwas angeschwemmt wird, keine Flasche, keine­ Plastiktüte, nichts: Réunion liegt so weit abseits sämtlicher Meeresströmungen, dass selbst die Seefahrer einen Zyklon brauchten, um es zu entdecken. Gerade mal 400 Jahre ist das jetzt her. Der Mensch hat La Réunion ziemlich lange alleingelassen. Vielleicht auch deshalb sieht es noch immer ein wenig unwirklich aus. Als stamme es aus einer längst vergangenen Zeit. Als sei es soeben erst aus dem Meer aufgetaucht. Als brauche es noch eine Weile, um fertig zu werden.

 

Drei »must-do's« auf La Réunion

1. Wandern am Piton de la Fournaise

Das Magma des Vulkans entleert sich meist schnell und ruhig und ist daher vollkommen ungefährlich. | Foto: IRT/Bouba

Der Vulkan Piton de la Fournaise zählt zu den aktivsten der Welt, durchschnittlich ereignet sich etwa alle anderthalb Jahre ein Ausbruch. Das Spektakel ist eine der großen Sehenswürdigkeiten der Insel. Aber selbst wenn der 2631 Meter hohe Vulkan gerade schläft, ist eine Wanderung in der Gipfelregion ein eindrucksvolles Erlebnis. Die karge schwarze Lavalandschaft steht im krassen Gegensatz zum üppig grünen Rest der Insel. Läuft man erst einige Zeit, ist dieser Rest schnell vergessen und man fühlt sich beinahe wie auf dem Mond. Höhepunkt ist der Aufstieg zum Kraterrand, auf dem sich ein starker Blick in den gähnenden Krater eröffnet.

Auf dem Weg zum Vulkan, in Bourg Murat, befindet sich das Maison du Volcan. Dieses 1992 eröffnete Vulkanmuseum folgt einem Konzept des legendären Vulkanologenpaares Maurice und Katia Krafft und bietet eine ebenso weltumspannende wie Réunion-spezifische Einführung in die Materie. Besucher erhalten Auskünfte über Grundbegriffe des Vulkanismus, Vulkantypen, über die Entstehung der Insel und des Piton de la Fournaise sowie Informationen über große Eruptionen.

Aber keine Angst, die Aktivitäten des Vulkans werden schon gut eine Woche vor dem eigentlichen Ausbruch vorhergesagt und sind in der Regel völlig ungefährlich weil berechenbar. Steht eine Eruption bevor, heißt es unter den Einheimischen nur lapidar: »Volcan i pet«, was auf Deutsch soviel bedeutet wie: »Der Vulkan furzt«.

 

2. Durch den Märchenwald Forêt de Bébour

Etwa 60% der Pflanzen auf La Réunion sind endemischer Art, d. h. sie sind weltweit nur hier vorzufinden. | Foto: IRT/Virin

Dank idealer Wetterbedingungen, mit viel Sonne und Regen, ist auf La Réunion eine ergiebige Flora entstanden. Vögel, Winde und Meeresströmungen haben Samen von den benachbarten Kontinenten auf die Insel gebracht und eine einmalige Pflanzenwelt entstehen lassen.

Eine wahrhaft verschwenderische Natur erwartet einen im Wald Forêt de Bébour. Baumhohe Farne, zerzauste Tamarindenbäume, alles bedeckendes Moos und dazu exotische Blumen wie Fuchsien und Begonien. Gleicht bereits die ganze Insel einer Blaupause für »Jurassic Park«, so befindet sich in diesem Wald das blaueste Stück davon. Ein Netzwerk von Wegen mit unterschiedlichstem Anforderungsprofil durchzieht das Waldgebiet.

 

3. Gipfeltrek zum Piton de Neiges

Mit 3070 Metern der höchste Berg auf La Réunion – der Piton des Neiges. | Foto: IRT/MMM

Der lange erloschene Vulkan Piton de Neiges ist mit einer Höhe von 3070 Metern der höchste Berg von La Réunion. Ihm kann man auf einer zweitägigen Trekkingtour aufs Dach steigen. Bereits während des Aufstiegs, bei dem rund 1700 Höhenmeter zu bewältigen sind, gibt es großartige Ausblicke auf die umliegenden Gipfel und Felsformationen. Ganz oben ist die Aussicht aber nicht mehr zu toppen. Bei gutem Wetter lässt sich eventuell sogar Mauritius in der endlosen Fläche des Ozeans ausmachen. Allein schon diese Aussicht ist die ganze Tour wert.

 

4-Seasons Info
 

Facettenreiche Schönheit

 

Vielfältige Landschaften machen La Réunion zu einem außergewöhnlichen Naturreiseziel. Das sieht auch die UNESCO so - 2010 wurde die Vulkanlandschaft in die Welterbeliste aufgenommen.

 

Allgemein
La Réunion ist ein so genanntes französisches Überseedepartement. Deshalb  gehört die Insel zur EU. Sie hat 800.000 Einwohner, ist etwa so groß wie das Saarland und im Gegensatz zur Nachbarinsel Mauritius vom touristischen Ansturm bislang verschont geblieben.

Anreise
Air Austral fliegt täglich nonstop von Paris CDG nach La Réunion (11 Std. Flugzeit). Wer sich »Business« leistet, darf 40 kg Gepäck mitnhemen, in der Economy-Class sind es noch 25 kg. Aber das Beste: Die Tauchausrüstung bis 20 kg wird in jedem Fall kostenlos transportiert. Die Lufthansa bietet Zubringer­flüge von Deutsch­land­ nach Paris an. Flug ab ca. 1030 Euro, www.air-austral.de.

Einreise
Für EU-Bürger genügt ein für die Dauer des Aufenthalts gültiger Personalausweis. Zahlungsmittel auf La Réunion ist der Euro.

Reisezeit
Dank 300 Sonnentage im Jahr ist La Réunion ein ganzjähriges Reiseziel. Die Beste Zeit zum Wandern ist Mai bis Oktober, hier sind die Temperaturen moderat (ca. 25 Grad an der Küste) und das Klima trocken.

Action
Kréolie 4x4 bietet Tages­exkursionen an, z. B. quer durchs Insel­innere in die vulkanischen Land­schaften,  www.kreolie4x4.com.
Wegen ihrer senkrechten Fels­wände­ und Wasserfälle ist La Réunion­ auch ein Canyonin­g-Mekka, www.canyoning-cilaos-reunion.com.

 Infos
Reiseinfos gibt es beim Frem­den­­­verkehrsamt der Inse­l, Tel. 069/975 904 94,
www.insel-la-reunion.com.
Im App-Store gibt es eine kostenlose La-Réunion-App mit Karten, Informationen, hilfreichen Adressen und Insider-Tipps.