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Kollegin Kilian – Schwermetall und Leichtgestänge

Foto: Manuel Arnu
Foto: Manuel Arnu
Ob Open-Air-Festival, Vulkanbesteigung oder Dschungeltrekking – Sarah Kilian hat immer ein tragbares Zuhause dabei. Die Servicemitarbeiterin von Globetrotter liebt und lebt das Zelten. Daran konnten auch albtraumhafte Nächte nichts ändern.

Sarah Kilian mag es gerne laut. Die 29-jährige Mitarbeiterin im Globetrotter-Serviceteam ist Metal-Fan. Für das 25-­jährige Jubiläum des legendären »Wacken Open Air« in diesem Jahr hat sie eine der begehrten Karten ergattert. Beim weltgrößten Heavy-Metal-Open-Air treten 160 Bands auf, mit ­verheißungsvollen Namen wie Apocalyptica, Nacht­geschrei oder Hammerfall. Das Festivalmotto lautet: »Louder Than Hell.« Grelle Lichter, viel Lärm, Gänsehautgarantie. Aber Sarahs Liebe zu solchen Spektakeln kennt Grenzen, zumindest in der Natur …

Freudenausbruch mit David auf dem Acatenango (Guatemala). | Foto: Archiv Kilian
Freudenausbruch mit David auf dem Acatenango (Guatemala). | Foto: Archiv Kilian

Im Oktober 2012 plante sie mit zwei Bergführern sowie ihrem damaligen Freund und heutigen Mann David eine Besteigung des Vulkans Acate­nango in Guatemala. 1500 Höhenmeter Aufstieg, erst durch Regenwald, später über Lavagestein. Am frühen Abend schlugen die Bergsteiger auf fast 4000 Metern Höhe ihre Zelte inmitten des Kraters auf. Sarah fror bei minus fünf Grad im zu dünnen Schlafsack. Dann kam das Unwetter. Zwei Stunden Sturm und unermüdliche Donnerschläge. Im Blitzlicht konnte Sarah den nahen Zwillingsvulkan Fuego ­erspähen, der feuerrot loderte und schmauchte – für ihn galt seit zwei Monaten Alarmstufe Rot. »Ich habe Panik bei jedem Gewitter«, gesteht Sarah. Für sie waren die Stunden im Krater die ­Hölle, härter als die lauteste Death-Metal-Band. Ehe sich das Gewitter verzog, brannte es sich auf immer in Sarahs Erinnerung. Den Spaß am Zelten aber konnte es ihr nicht nehmen.

Hotels kennt sie nur von außen, Zelte in- und auswendig

Sarah ist in Wittstock aufgewachsen, 100 Kilometer ­nordwestlich von Berlin, und kennt seit ihrer Jugend die Globetrotter-Filiale der Hauptstadt. Mit ihren Eltern kletterte sie im Elbsandsteingebirge, machte Urlaub in Norwegen. Hotels kannte sie nur von außen, Zelte hingegen in- und auswendig. Nach dem Abitur zog sie mit einer Freundin nach Hamburg und ergatterte 2003 bei Globe­trotter eine Ausbildungsstelle als Einzelhandelskauffrau. Heute wohnt sie mit David und zwei Chinchillas in St. Pauli, in Torjubel-Hörnähe zum Millerntor-Stadion. Sprachlich pendelt sie immer noch zwischen »Icke« und »Moin«.

Coole Kutte! Sarah ist eine in der Wolle gefärbte Metallerin. | Foto: Archiv Kilian
Coole Kutte! Sarah ist eine in der Wolle gefärbte Metallerin. | Foto: Archiv Kilian

Seit 2006 arbeitet Sarah in der Serviceabteilung und berät ­Kunden am Telefon. »Eine gute Sache für alle, die keine Globetrotter-Filiale vor der Tür haben«, sagt Sarah. Ihr Spezialgebiet sind Zelte, Kocher und Schlafsäcke. Sie kennt sich jedoch mit dem gesamten Sortiment aus, seit sie in ihrer Ausbildung alle ­Abteilungen durchlief. Vergangenes Jahr feierte sie zehnjähriges Jubiläum bei Globetrotter, von ihrem Arbeitgeber bekam sie einen Präsentkorb. Was war drin? Klappmesser? Gefriergetrocknetes Trekkerfutter? »Nein«, sagt Sarah und lacht, »ganz klassisch: Obst, Pralinen, ein Päckchen Kaffee. Und eine Leberwurst!«

Nachts allein unter Affen, Pumas und Pfeilgiftfröschen

Wenn Sarah und David nicht arbeiten, sind sie unterwegs. Biwaktouren in den Alpen, Fahrradtouren entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Sarah liebt Korsika, das Elbsandsteingebirge. »Ich mache alles mit, auch Wintertouren im Harz mit Schlafsack und Zelt.« Im Winter jedoch vermisst sie das gemütliche Zusammenhocken, weil alle schleunigst in den Schlafsack wollen. Sarah bevorzugt Wärme, am liebsten den Dschungel.

Ihre erste Fernreise führte daher 2007 nach Costa Rica, in den Corcovado-Nationalpark. Mit Jetlag und fast 20 Kilo schweren Rucksäcken machten sich Sarah und David auf in den menschenleeren Dschungel. Ein Pfad sollte sie zur Parkstation führen, aber die Orientierung war schwierig. »Es gab kein Ziel, immer nur den nächsten Baum«, erinnert sich Sarah. Die Stunden verstrichen, von der Dschungelstation war nichts zu sehen. »Dann wurde es dunkel, und der Dschungel erwachte …« Im Corcovado-Nationalpark gibt es Tapire und Nasenbären, aber auch Jaguare und ­Pumas, Pfeilgiftfrösche, unzählige Affen und 6000 verschiedene Insektenarten. Mitten im Dschungel das Zelt aufzustellen war ­ihnen zu unheimlich. »Überall waren Augen, die uns anstarrten.« Mehrfach verloren sie den Weg, stolperten über Flugzeug-­Wrackteile wie in einem schlechten Abenteuerfilm. Nach über elf Stunden erreichten sie hundemüde und saudreckig die Park­station. Das war ­Sarahs erste Urwalderfahrung. Von Zelttouren durch den Dschungel hat sie das nicht abgebracht.

Als Trekkingtorreros in Patagonien. | Foto: Archiv Kilian
Als Trekkingtorreros in Patagonien. | Foto: Archiv Kilian

Ein dicker Stapel Fotobücher ist Zeuge von Sarahs letzten ­Reisen. Guatemala und Mexiko, Kolumbien, dazu eine viermonatige Reise durch Südamerika: »Mit öffentlichen Bussen sind ­David und ich durch Argentinien, Chile, Bolivien und Peru ­getourt.« Sie ­beobachteten Wale und Pinguine auf der Halbinsel Valdés, ­wanderten zu den Torres del Paine. Sie bestiegen den ­Vulkan ­Villarrica, waren in der Atacama-Wüste, pilgerten nach ­Machu Picchu und bestaunten die ­Wasserfälle von Iguazú. 2009 halfen sie in ­Chile bei einem Freiwilligendienst, den Lebensraum von Chinchillas zu erhalten, drei Jahre später in Guatemala, Affen und Papageien auszuwildern. Fällt die Rückkehr da nicht schwer? »Ich freue mich immer wieder auf zu Hause. Auf ­­den prall gefüllten Kleiderschrank und deutsches Brot. Auf ’ne richtige Stulle!«

Die Serviceabteilung kümmert sich neben Sonderbestellungen und Reparaturen auch um Rücksendungen und Reklamationen. Dennoch ist die Stimmung am Telefon gut: »Wir haben einen großen Spielraum für Kulanz, das führt auch zu zufriedeneren Kunden«, sagt Sarah. Sie mag ihren Job. Angenehme Arbeitszeiten – eight to five – und Kundennähe trotz Büro. Manchmal gleicht die Beratung einer Telefonseelsorge. Wenn etwa einem Kunden im Urlaub das Zeltgestänge gebrochen ist, kann Sarah ihn mit Reparaturtipps wieder beruhigen. Die Serviceabteilung hat einen eigenen Schneider für kleine und schnelle Reparaturen an Zelten oder Bekleidung. Sarahs Appell an ihre Kunden: »Jetzt im Frühjahr die Ausrüstung durchschauen und reparieren lassen, wenn noch genügend Kapazitäten frei sind.« Im Sommer kann die Wartezeit bis zu sechs Wochen betragen.

Sarah berät die Kunden am Telefon – auch die Skeptischen

Sarah nennt sieben (richtig gelesen) Zelte ihr eigen. | Foto: Archiv Kilian
Sarah nennt sieben (richtig gelesen) Zelte ihr eigen. | Foto: Archiv Kilian

Auf Reisen hat Sarah immer ein Zelt dabei. »Ich mag das Gefühl der Unabhängigkeit.« Was für ein Zelt Sarah besitzt? Erst Schweigen, dann ein Lächeln. »In meinem Keller kann ich aus sieben verschiedenen Zelten auswählen.« Sarah besitzt zwei leichte ­Hillebergzelte: ein Anjan für Wanderungen und das Kaitum für Fahrradtouren. Nummer drei ist das Southern Cross von Exped, ein Kuppelzelt mit viel Moskitonetz für die Tropen. Dazu ein The North Face Tadpole 2 und das El Capitan 4 von Eureka, ein mittelgroßes Kuppelzelt für gemütliche Wochenendtrips. Schließlich das Eureka Tunnel Vision und das Outside Inn. Beides groß­räumige Zelte aus Baumwollmischgewebe für ein Strandlager. »Die benutzen wir gerne für opulentes Camping an der Ostsee.«

Gelegentlich rufen bei Sarah Kunden an, die lieber von einem männlichen Kollegen beraten werden wollen. »Ach, Sie zelten auch?«, wurde Sarah schon gefragt. Ja, sie zeltet. Am Meer, im Dschungel, auf dem Trek, am Berg – und natürlich auch beim Heavy-Metal-­Festival.

 
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