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Kollegin Babik: Familienbande

Foto: Manuel Arnu
Foto: Manuel Arnu
Die ideale Beraterin für das Globetrotter Kinderland in Berlin? Wie wär’s mit einer vierfachen Mutter, die selbst seit Kindesbeinen Outdoorsport liebt und lebt? So wie Katrin Babik.

Zwischen den Regalen mit Wanderschuhen und Rucksäcken im Kinderland der Berliner Globetrotte­r-Filiale fühlt sich Katrin Babik wie zu Hause. Es ist eine altvertraute Umgebung, mit Gerüchen und Bildern, die sie seit ihrer Kindheit kennt. Die Eltern arbeiteten in der »Ski Hütte«, Berlins ältestem Sportfachgeschäft. Katrins Vater war Abteilungsleiter für Bergsport und Ski. Als junges Mädchen verbrachte sie nach der Schule unzählige Stunden in dem Geschäft, das einer Berghütte nachempfunden war: »Es war fast wie Urlaub in den Bergen.« Katrin schlich zwischen klimpernden Karabinern und Eispickeln herum, begutachtete Winterjacken und Ski. Sie blickte hinter die Kulissen und lernte, was in Werkstatt, Warenannahme oder Änderungsschneiderei so alles passiert.

Eine kleine Berlinerin stürmt die Berge

Heute ist Katrin Babik 46 Jahre alt und selbst Mutter von vier Kindern, und sie arbeitet als Verkaufsberaterin im Berliner Kinderlan­­d. Nicht nur die Outdoor-Theorie, auch die Praxis hat sie im Blut. Der Vater nahm häufig an Fortbildungen teil, und Katrin, ihre Mutter und die ältere Schwester durften oft mit zum Eisklettern, Bergsteigen oder Skifahren.

Passt irgendwie in einen Bus: Familie Babik mit Gerät. | Foto: Archiv Babik
Passt irgendwie in einen Bus: Familie Babik mit Gerät. | Foto: Archiv Babik

»Dank unserer Eltern waren wir immer besten­s ausgestattet«, lacht Katrin. »Alpenvereins­zeitung und Fachmagazine waren Standardlektüre. Und in der Schule galt ich als Freak, weil ich auch im Winter mit dem Fahrrad kam.«

Praktisch jeden Urlaub reiste die Familie in die Berge. Im Winter mit Ski, im Sommer mit Wander­schuhen und Rucksack. 1983 bestieg Katri­­n als 13-Jährige zusammen mit ihrem Vater den Galdhøpiggen, mit 2469 m höchster Gipfel Norwegens. 1984 stand sie mit Steig­eisen und Kletterseil auf dem 3606 m hohen Similaun, ein Jahr später auf der Wildspitze – 3768 m hoch.
Die Schülerin spielte zwar Hand- und Volleyball und betrieb auch Leichtathletik und Turnen. »Aber ich war nie mit Herzblut bei diesen Sportarten dabei, außerdem habe ich ein Problem mit festen Trainingszeiten«, erzählt Katrin.

Dann, mit 16, eine einschneidende Erfahrung: Katrin stand bei einer Klassenfahrt nach Südtirol zum ersten Mal auf einem Skateboard. Die ersten Fahrversuche auf einer Bergstraße endeten mit üblen Schürfwunden. Aber zurück in Berlin kauft­e Katrin sofort ein Slalom­board (das sie übrigens heute noch fährt).

Der nächste logische Schritt: Snowboarden! Nach 16 Jahren auf Ski stieg Katrin um: »Drei Tage Quälerei und der schlimmste Muskelkater meines Lebens. Aber dann hatte ich so viel Spaß, dass ich seither nie wieder Ski gefahren bin!«

Zwischenstopp in Fontainebleau

Familienbande: Katrin 1983 am Gipfel des Galdhøpiggen mit dem Papa … | Foto: Archiv Babik
Familienbande: Katrin 1983 am Gipfel des Galdhøpiggen mit dem Papa … | Foto: Archiv Babik

Nach der Schule suchte Katrin nach einem Job mit viel Freiraum und absolvierte eine Lehre als Gärtnerin. Aber am Ende landete sie doch in eine­m Sportgeschäft. Das Angebot, in einem Surf- und Snowboardladen zu arbeiten, passte perfekt. Alles fügte sich zusammen. Die nächsten Jahre verkaufte Katrin Bretter für Wellen und Schnee, lernte surfen, BMX fahren – und ihren Mann Ingo kennen. Zwei Sportverrückte, die zügig eine Familie gründeten: Hako­­n, Finja, Stina und Birk kamen zwischen 1998 und 2007 zur Welt.

Bedeuten vier Kinder nicht das Aus für das geliebt­­e Outdoor-Leben? »Als ich mit meinem ersten Sohn schwanger war, dachte ich tatsächlich, ich würde nie wieder im Auto übernachten, nie wieder surfen gehen«, sagt Katrin, »aber Sport mit der Familie ist nur eine Frage der Organisatio­­n.« Als die Kinder noch klein waren, machte man im Sommer regelmäßig Campingurlaub auf Fehmarn. Inzwischen sind die Surfspots der französischen Atlantikküste das Sommerziel, immer mit einem Zwischenstopp im Boulderparadies Fontainebleau.

Ein Haushalt mit 17 Bikes

»Zu Beginn schraubt man mit Kindern seine sportlichen Ansprüche schon stark zurück«, sagt Katrin. Inzwischen allerdings surft, klettert und boardet der 18-jährige Hakon schon besser als die Mama. Katrin hat dafür neue Aufgaben übernommen: Bei vier sportbegeisterten Kindern ist sie Teammanager, Coach, Lifeguard, Trainings­partner, Busfahrer, Mannschaftsarzt, Sportpsychologe, Mannschaftskoch und Techniker in Personalunion. Außerdem noch Vorsitzende des Fanclub­­s und finanzkräftiger Sponsor.

… und neulich auf den Berliner Straw­­berry Trails mit den eigenen Kids. | Foto: Archiv Babik
… und neulich auf den Berliner Straw­­berry Trails mit den eigenen Kids. | Foto: Archiv Babik

Der Outdoorsport prägt den Alltag der Babiks. Das Wohnzimmer gleicht oft einem BMX-Fahrer­lager, vollgestopft mit Rädern, Helmen und Protektoren. Früher glänzte Vater Ingo auf BMX-Shows, heute ist Hakon der Familienstar und springt die höchsten Dirtjumps.

Keller und Garage können es dabei locker mit dem Lager eines Sportgeschäfts aufnehmen: »Unser Haushalt verfügt über 17 fahrtüchtige Bikes, 9 Skateboards, 4 Surfboards, 4 Skimboards und 2 Bodyboards«, zählt Katrin auf.  Hinzu kommen Kletterschuhe, Gurte, Seile, Zelt­e, Campingzeug, Inlineskates, Snowboards, Wakeboards und und und …

Wenn Babiks in Urlaub fahren, verlangt das eine logistische Meister­leistung mit einer Packliste wie bei einem Umzug. »Früher konnten wir in unserem VW-Bus mit langem Radstand und Aufstelldach zu sechst schlafen. Heute ist alles mit Material vollgestopft, wir feilschen um jeden Quadratzentimeter.«

Als Katrin nach der Elternzeit ins Berufsleben zurückkehrt­e, arbeitete sie zunächst in einem Sportgeschäft, dann in einem kleinen, exklusiven Spielzeugladen. 2013 begann sie bei Globetrotter, wo sie inzwischen im Kinderland tätig ist. Für Katrin ein Traumjob: 30-Stunden-Stelle, zwei Tage die Woche frei, und Beratung zu einem Thema, bei dem sie sich besten­­s auskennt.

Strawberry Trails Forever

Aufgewachsen in Steglitz, wohnt Katrin mit der Familie nun in Frohnau im Norden Berlins, nahe am ehemaligen Grenzstreifen. Dort liegt auch einer ihrer Lieblingsplätze, ein Ort zum Abschalten oder Aufladen, zum Genießen oder Schwitzen: »Wald und Seen sind nahe, aber am liebsten bin ich auf dem Starthügel der ›Strawberry Trails‹.« Geschaufelt hat diese Lehmhügel übrigens Ingo, gemeinsam mit seinen BMX-Kumpels, direkt nach der Wende. Heute dreht und fliegt hier die ganze Familie ihre Runden.

Dass Outdoorsport wichtig für Kinder ist, daran hat Katrin keine Zweifel: »Bewegung an der frischen Luft ist gesund. Wir alle sind tatsächlich kaum krank.« Und nicht nur das: »Die Kinder lernen verantwortungsvoll miteinander umzugehen, komplexe Aufgaben gemeinsam zu lösen und gewinnen viel Selbstvertrauen durch sportliche Erfolge. Aber sie können ebenso mit Misserfolgen umgehen.«

Sohn Hakon träumt inzwischen von einer Karriere als BMX- oder Downhill-Profi. Vernünftigerweise macht er aber zuvor eine Ausbildung: natürlich in einem Skateboardgeschäft. So bleibt alles in der Familie.

 
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