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Kollege Jahn: König des Krimskrams

Foto: Manuel Arnu
Messer, Gabel, Schere, Licht sind für kleine Kinder nicht – aber genau Carl Jahns Ding. Der Verkaufsberater aus Hamburg arbeitet auch an den Produkttexten für Online-Shop und Handbuch mit.

Im Büro von Carl Jahn sieht es aus wie im Labor von »Q«, dem Quartiermeister der fiktiven Forschungs- und Entwicklungs­abteilung des britischen Geheimdienstes MI6, bekannt aus den James-Bond-Filmen. Auf Carls Schreibtisch und in den Regalen stapeln sich merkwürdige und extravagante Gerätschaften, deren Sinn und Zweck auf den ersten Blick nicht zu erkennen sind.

Andere gehen die Wände hoch, Carl rennt sie runter. | Foto: Archiv Carl Jahn
Andere gehen die Wände hoch, Carl rennt sie runter. | Foto: Archiv Carl Jahn

Neben der Bürotüre steht ein kniehoher, tiefschwarzer Zylinder mit Schläuchen und Pumpen. Das Teil, man wagt es kaum anzufassen, könnte eine tödliche Waffe, ein avantgardistisches Musikinstrument oder auch ein lebensrettender medizinischer Apparat sein. In einer Kiste daneben liegen ganz ohne Zweifel Waffen: messerscharfe Klingen, schwere Äxte und ein Recurvebogen-Set mit Pfeilen und Zielscheibe. Carl kramt zwischen faltbaren Töpfen, Portionstüten mit Wein und einer winzigen Espressomaschine eine faustgroße Taschenlampe mit dicken Kühlrippen hervor. »3800 Lumen, heller als ein Autoscheinwerfer«, sagt er stolz. Die Produkte in Carls Büro finden sich alle auch im Globetrotter-Sortiment.

Carl Jahn, 38 Jahre alt, ist in der Filiale am Hamburger Wiesendamm angestellt. Außerdem unterstützt er die technische Redaktion in der Zentrale am Neuen Höltigbaum. Sein Ressort ist der »Krimskrams«, wie Carl seine Produkte selbstironisch nennt. Mit den Einkäufern von Globetrotter durch­forstet er die wunderbare Warenwelt, und wenn in der Outdoorszene ein Daniel Düsentrieb etwas Geniales erfindet, landet es über kurz oder lang auf Carls Schreibtisch. Dann studiert er die Produktinformationen, testet, probiert, wiegt und vermisst. Sobald er die Ware im Detail kennt, übergibt er sie dem Fotostudio, schreibt einen Produkttext und stellt Bilder und Beschreibung in den Online-Shop. Solche von Experten selbst ­verfassten Texte gehören zum Kompetenz- und Serviceverständnis von Globetrotter Ausrüstung. Die meisten anderen Webshops übernehmen einfach Produktbeschreibungen der Hersteller.

Die aufblasbare Trekkingjacke kam nicht so gut an

Nicht jedes Produkt ist ein raffiniertes Gadget, die Masse machen alltägliche Taschenlampen, Isolierkannen oder Campingkocher. »Trotzdem suchen wir auch gezielt nach besonderen Artikeln. Globetrotter lebt von seinen Erlebnisfilialen, der Kunde soll Spaß beim Einkauf haben. Da dürfen außergewöhnliche Produkte nicht fehlen.« Wie etwa ein Kuppelzelt mit LED-Innen­beleuchtung oder wasserfeste Solarpanels. Nicht jedes »Spielzeug« überzeugt die Käufer. Eine aufblasbare Trekkingjacke flog wieder aus dem Programm. Auch der Instant-Rotwein fand nicht den Geschmack der Kunden. »Einer meinte sogar, es schmecke wie eine Mischung aus Terpentin und Roter Bete«, erinnert sich Carl lachend.

Mit 25 Kilo durch Schweden wandern – Carl im Glück. | Foto: Archiv Carl Jahn
Mit 25 Kilo durch Schweden wandern – Carl im Glück. | Foto: Archiv Carl Jahn

Der Ursprung von Carls Liebe zu Gerätschaften liegt 30 Jahre zurück, bei den evangelischen Pfadfindern in Hamburg. Die damalige Ausrüstung war alles andere als Hightech: Gruppenzelte aus schwerem Baumwollstoff, gekocht wurde überm Feuer. Mit den Pfadis wanderte er durch Irland, Frankreich, Polen und Österreich, paddelte mit dem Kanu durch Schweden. »Ich habe das Leben in der Natur kennengelernt und zahllose Nächte in Zelten verbracht.« Inklusive Holz hacken, Feuer machen, Unterschlupf bauen, Kochen mit Wildkräutern, Erster Hilfe und so fort. »Es waren die tollsten Urlaube. Darüber hinaus habe ich Selbst­bewusstsein und Eigenverantwortung bekommen.« Als Jugend­leiter organisierte er Fahrten und Lager für die jüngeren Kinder.

Schon als Wölfling ein Globetrotter-Fan

Schon zu Pfadfinderzeiten verknüpfte sich Carls Leben mit der Firma Globetrotter. Als siebenjähriger Wölfling stand er staunend in der Hamburger Filiale in Barmbek. »Es roch nach Abenteuer und weiter Welt. Sandbleche und Kanus lagen herum, der Hund eines Verkäufers lag knurrend hinterm Messertresen.« Der lütte Carl war fasziniert und gefesselt. Die erste eigene Trekkingaus­rüstung? Stammte natürlich von Globetrotter.

Da kommen Erinnerungen an die frühere Pfadizeit hoch. | Foto: Archiv Carl Jahn
Da kommen Erinnerungen an die frühere Pfadizeit hoch. | Foto: Archiv Carl Jahn

Kurz nach dem Zivildienst startete Carl seine Globetrotter-Karriere, zunächst als Aushilfskraft. Zeitgleich studierte er Jura bis zum ersten Staatsexamen, entschied sich dann aber für Globetrotter. Seit 14 Jahren steht Carl in der Filiale auf der Verkaufsfläche. In dieser Zeit eignete er sich ein enormes Fachwissen an und verinnerlichte die Wünsche der Kunden. Beides kann er nun auch für seine Beiträge in der Technischen Redaktion gebrauchen, wo Carl seit vergangenem Jahr mitarbeitet. »Es macht mir Spaß, Kunden individuell zu beraten. Aber meine Erfahrung in den Online-Shop ­einzubringen, finde ich genauso spannend.« Früher wartete Carl stets ­ungeduldig, bis die neuesten Artikel in der Filiale ein­trafen, jetzt bekommt er sie als Erster in die Hände, zum ­Begutachten und ­Testen. »Ich sitze hier wie ein kleines Kind in einem Spielzeug­laden. Der Job ist ein Traum!«

Eine besondere Schwäche hat Carl für Taschenlampen. »Meine Frau meint, 20 Latüchten seien zu viel. Ich bin da anderer Meinung«, sagt er schmunzelnd. Ohne Technikspleen läuft nichts in Carls Job. Er muss sich mit Daten-kompressions­verfahren bei Actioncams ebenso auskennen wie mit Betriebs­system-Updates bei GPS-Geräten. Praktisch alles, worüber er schreibt, wird vorher ausprobiert. »Natürlich kann ich nicht jeden Artikel zwei Wochen lang in der Wildnis testen.« Aber vieles nutzt er selbst oder nimmt es zum Überprüfen mit nach Hause, wie die neue Handpresso-Maschine. »Mein Anspruch ist, im Handbuch und im Online-Shop eine ehrliche, persönliche Meinung zu den Produkten zu vertreten. Das Gleiche tun wir ja auch als Verkaufsberater in den Filialen.«

Stadtmensch mit Drang in die Natur

Carl kann auch mit der Kamera, wie sein Foto der Speicherstadt zeigt. | Foto: Carl Jahn
Carl kann auch mit der Kamera, wie sein Foto der Speicherstadt zeigt. | Foto: Carl Jahn

Carl lebt gerne in Hamburg, bezeichnet sich als »Stadtmensch mit Drang in die Natur«. Bevorzugtes Ziel: Schweden, ob für eine Trekking-, Kanu- oder Schneeschuhtour. »Dabei genügt mir die Herausforderung, einen 25-Kilo-Rucksack zu tragen«, sagt Carl, »ich brauche keine Himalajagipfel.«

Am Ende schnappt sich Carl den mysteriösen Zylinder neben seiner Bürotüre und winkt beruhigend ab: »Keine Explosionsgefahr. Hier füllt man Wasser ein, und mit dem Blasebalg kann man Druck aufbauen.« Am Ende des Schlauchs hängt eine Handbrause. Die vermeintliche Massenvernichtungswaffe ist eine Camping­dusche, die man nicht aufzuhängen braucht. Carl muss sich nur noch einen prägnanten Text überlegen, die Bilder ins Netz stellen, und schon steht die Helio Pressure Shower im Online-Shop – well done, »Q«.

 
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