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Kollege Haan: Einmal Traveller, immer Traveller

Foto: Manuel Arnu
30 Jahre Reisen mit Rucksack und kleinem Geldbeutel haben Rasmus Haan in viele Länder geführt – und am Ende auch zu einem erfüllten Berufsleben.

Mit ein paar Klicks auf einem Smartphone das Traumziel buchen – dazu Flug, Unterkunft, Mietauto, Fitnessprogramm, sogar den Cocktail am Pool für den ersten Urlaubsabend – war pure Science-Fiction, als Rasmus Haan einst das Reisefieber packte. Jederzeit und sekunden­schnell ein freies Hostel in Athen, eine Fährverbindung in der Türkei oder ein gutes Restaurant mit Meerblick in Lissabon zu finden, davon konnte Rasmus vor über 30 Jahren noch nicht einmal träumen. Seine erste selbst geplante Reise begann in einem Wagen der Deutschen Bahn in Richtung Süden. Rasmus war gerade erst 15 Jahre alt. Sein Freund, der ihn begleitete, zwei Jahre älter. In ihren sperrigen Ruck­säcken hatten sie eine bescheidene Campingausrüstung, Kinderausweis, ein paar Reiseführer und ein Interrailticket, mit dem sie innerhalb eines Monats vom Nordkap kreuz und quer durch Europa bis nach Marokko hätten fahren können. Viel mehr Details als ein fixes Rückreisedatum und den Wunsch, das Meer zu sehen, standen nicht auf Rasmus' Reiseplan. »Vier Wochen schlugen wir uns Tag für Tag mit wenig Geld durch Südeuropa.« Von Frankreich über Spanien nach Portugal. Weil die Teenager in Lissabon keine bezahlbare Unterkunft fanden, schliefen sie vier Nächte lang auf den Wartebänken im Bahnhof. »Schon auf meiner ersten Reise habe ich gelernt, mich treiben zu lassen, aber auch flexibel und gelassen auf neue Umstände, Probleme und Herausforderungen zu reagieren.«

Der Rucksack-Chef von Globetrotter Stuttgart radelt auch gerne. | Foto: Archiv Haan
Der Rucksack-Chef von Globetrotter Stuttgart radelt auch gerne. | Foto: Archiv Haan

Rasmus Haan, 47 Jahre alt und Bereichsleiter in der Stuttgarter Rucksackabteilung, ist an dieser Art zu reisen – mit individueller Routenplanung und wenig Geld – hängen geblieben. »Reisen, Rucksack und Backpacking sind heute noch meine Spezialgebiete.« Nach seinem Reisedebüt 1984 wiederholte Rasmus Jahr für Jahr eine ausge­dehnte Reise mit Bahn, Bus, Fähre und gelegentlich mit dem Flugzeug. Hauptsächlich in die Mittelmeerregion: Spanien, Marokko, Tunesien, Griechenland und die Türkei zählten zu seinen vorrangigen Zielen. »Griechenland und die Türkei waren Mitte der 80er-Jahre noch weit entfernt von Mittel­europa«, erinnert sich Rasmus, die Reisen waren mühsam. Weil Rasmus noch keinen Führerschein hatte, fuhr er 1985 gemeinsam mit griechischen Gastarbeitern quer durch den Balkan nach Athen. »In Griechenland gab es noch unzählige Schotterpisten und in der Türkei wurde man in der Bank vor dem Geldabheben erst mal zum Teetrinken eingeladen«, erzählt Rasmus, der die türkische Riviera noch vor ihrem touristischen Boom kennenlernte. »In der Nähe von Çe¸sme konnte ich mein Zelt direkt am Meer aufschlagen, es gab am Strand nur zwei Baracken, in denen ein paar Freaks hausten, die im Winter wieder nach Indien zogen.« Heute ist Çe¸sme ein populärer und exklusiver Ferienort mit Hotelburgen und Autobahnanschluss.

Beeindruckt vom Großonkel

»Meine Eltern haben mich früh ziehen lassen und lehrten mich, meinen Horizont zu erweitern.« Rasmus' Familie war ebenfalls reisebegeistert: »Mein Vater und meine Mutter trampten in den 60er-Jahren bis nach Schottland und ich habe einen Großonkel, der sein Leben lang mit Rucksack unterwegs war.« Dieser Großonkel wanderte nach Neuseeland aus, reiste mit öffentlichen Bussen durch ganz Südamerika und erkundete als Senior-Backpacker die Vulkaninsel Island – im besten Alter von 60 Jahren. »Mein Großonkel war ein cooler Typ. Von ihm habe ich gelernt, wie man mit wenig Geld viel reisen kann.« Mit den Jahren dehnt­e Rasmus seinen Aktionsradius weiter aus, lernte Tunesien, Israel und Ägypten kennen. In den 90er-Jahren flog er nach Südostasien, nach Indonesien, Bali, nach Neuseeland und Australien. Rasmus häufte Meilen, Erinnerungen und Erfahrungen an: »Die Reisen haben mir auch im Leben unheimlich weitergeholfen. Ich habe gelernt, mich überall zurechtzufinden. Und ich bin offener geworden. Wer einen Weg sucht, der muss auf Menschen zugehen können.«

Fotografie hat auf Rasmus' Reisen nicht Priorität A, aber an Schnappschüssen aus aller Welt mangelt es ihm nicht. | Foto: Archiv Haan
Fotografie hat auf Rasmus' Reisen nicht Priorität A, aber an Schnappschüssen aus aller Welt mangelt es ihm nicht. | Foto: Archiv Haan

Kontakte zu Mitreisenden und Einheimischen liegen Rasmus sehr am Herzen. Seine vorrangigen Reisemittel sind Bus oder Bahn. »Im Zugabteil bricht schnell das Eis und man bekommt oft Geheimtipps, die in keinem Reiseführer stehen.« Allerdings nutzen heutzutage nur noch fünf Prozent der Reisenden den Zug. Flugzeug und Pkw haben der Bahn den Rang abgelaufen. Rasmus hingegen ist überzeugt vom Reisen auf Schienen: »Ich gleite entspannt und entschleunigt meinem Ziel entgegen. Sehe die Veränderungen von Land zu Land direkt vor meinem Fenster.« Rucksackreisen gelten als Übergangsritual von der Jugend in das Erwachsenenalter, der typische Backpacker ist Anfang 20. Ältere Reisende scheuen die permanente Sparsamkeit, die Un­gewissheit und die ständigen Überraschungen. Rasmus dagegen mag keine Pauschalreisen. »Ich brauche die Freiheit zu entscheiden, wie lange ich an einem Ort bleibe. Ob einen Tag oder einen ganzen Urlau­b.« Vor Ort checkt Rasmus weiterhin am liebsten in einem preisgünstigen Hostel mit Mehrbettzimmer und Gruppenküche ein. »Ich mag die Atmosphäre und es ist erfrischend, mit jungen Leuten über Reiseziele zu diskutieren, zu kochen und zu lachen.« 30 Jahre ist Rasmus seinem Reisestil treu geblieben, gleichzeitig hat sich vieles gewandelt. Das Internet hat die Gewohnheite­­n der Konsumenten grundlegend verändert. Immer mehr Reisende informieren sich digital über Urlaubsziele und buchen Reisen online. Aber Handy & Co können mehr, als nur Pauschalreisen mit Tiefpreisgarantie aus dem Internet zu filtern. Sie verschaffen dem Reisenden Zugang zu einer Flut an Daten und Informationen. »Früher standen an jedem großen Fährhafen oder Bahnhof Leute, die Papptafeln in die Luft hielte­n, um Zimmer zu vermieten. Heute tippe ich in mein Smartphone und bekomme sofor­­t 30 auf den Bildschirm.« Von jedem Winkel der Erde gibt es einen Wetterbericht, Reiseportale sorgen mit Hotelbewertungen für große Transparenz. Auch Rasmus nutzt moderne Hilfsmittel: »Wenn ich einen Weg nicht finde oder Zeit sparen will, schalte ich ein GPS an.« Dank mobiler Endgeräte sind Reisende heute immer einen Schritt vorau­­s. Postkarten und Diaabende gibt es kaum noch, die meisten teilen ihre Urlaubseindrücke via Blog oder streamen gleich live auf Facebook.

Angekommen bei Globetrotter

Am Ziel der Via Augusta in Venedig. | Foto: Archiv Haan

Rasmus ist erst seit fünf Jahren in der Outdoorbranche, aber er kann auf 20 Jahre Verkaufserfahung in verschiedenen Branchen zurückblicken. »Reisen war mir damals wichtiger als mein Beruf«, schmunzel­­t Rasmus. Und Qualifikation zugleich. Lernbereitschaft, flexibles Orientieren und Durchsetzungs­vermögen halfen ihm nicht nur unterwegs im Ausland, sondern auch am Arbeitsmarkt. 2012 heuerte er bei Woick an, weil er seine Hobbies Reisen, Wandern und Camping mit seiner jahrelangen Verkaufserfahrung ideal verknüpfen konnte. »Man kann nur ein guter Verkäufer sein, wenn man für die Produkte brennt, die man selbst verkauft.« Seit der Verschmelzung von Woick mit Globetrotter arbeitet der Verkaufsprofi in der Filiale Stuttgart. Rasmus' erste Reise nach dem Jobwechsel war eine Trekkingtou­­r in Schweden. Und auf seiner letzten Tour im Sommer 2016 wurde er sogar seines altgedienten Vaude-Trekkingrucksacks überdrüssig. Stattdessen bewältigte er die Via Augusta von Füssen nach Venedig dem Fahrrad und Packtaschen. Dafür hatte er ein Smartphone mit im Gepäck: für Navigation, Wetterbericht und Hoste­l-Buchungen.

 
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