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Kollege Grunwald: kleiner Motor, weiter Horizont

Outdoor-Abenteuer und Motortouristik sind für Olaf Grunwald kein Gegensatz. Doch Reisen mit Wohnmobil oder VW-Bus sind nicht sein Stil. Er mag es ein paar Nummern kleiner.

Die Beziehung von Mann zu Motor ist vor allem durch das Supersize- Prinzip geprägt: Je größer und stärker, desto besser – das lernen kleine Jungs schon beim Auto- Quartett. Die Industrie spielt mit und baut für PS-Liebhaber immer schnellere Sportwagen mit hochgezüchteten Motoren.

Olaf Grunwald tickt da ein wenig anders: »Ich denke lieber klein«, sagt er und schiebt sein bestes Stück aus der Garage: ein kleines rotes Quad. Vier Räder, 400 Kubikzentimeter Hub­raum und 25 PS. Im Ranking nur wenige Stufen über einem Aufsitzrasenmäher also, und doch bündeln sich im Arctic Cat 4x4 Olafs größte Leidenschaften – seine Reisen und Tüfteleien, seine Familie und sein Beruf.

2005 noch ohne Kids, aber schon mit Quad. | Archiv: Grunwald
2005 noch ohne Kids, aber schon mit Quad. | Archiv: Grunwald

Gleich auf den ersten Blick fällt auf, dass Olafs All Terrain Vehicle kein Spaßmobil für die Kiesgrube ist, sondern ein Expeditions­gefährt im Westentaschenformat. Das ATV ist erfinderisch weiterentwickelt und individuell aufgemöbelt – mit Gepäckträgern, Pack­taschen, Getränkehaltern und Trittbrettern. Das kompakte Gefährt ist mehr als ein mobiler Untersatz, es ist eine fahrtüchtige Werkschau von Olaf Grunwalds handwerklichem Geschick und Ideenreichtum. Das Quad ist bestückt mit Zusatzthermometer, Werkzeugkisten – platzsparend unter den Kotflügeln befestigt –, Ablageflächen und Frischwassertank. Auch die Lenkerkralle als Diebstahlschutz ist Marke Eigenbau, und am Heck prangt eine rote Notbeleuchtung, die Olaf aus solarbetriebenen Grablichtern montiert hat. »Ich habe schon immer viel Zeit investiert, um meine Ausrüstung zu optimieren.«

Der 48-Jährige wohnt in Ullersdorf, unweit von Dresden, in einem Einfamilienhaus mit schönem Garten und Terrasse, gemeinsam mit Frau Christiane, dem achtjährigen Sohn Johannes und Tochter Josepha, fünf Jahre alt. Eine kurze, steile Rampe führt in die Garage im Untergeschoss des Hauses, hier öffnet sich Olafs Reich. Der Keller ist für ihn Rückzugsort und Ideenschmiede, er ist Material- und Werkzeuglager, hier bewahrt er seine Sportgeräte und die fahrbaren Untersätze auf. »Wo andere ihre Garage mit sinnlosem Zeug zugestellt haben, ist bei mir alles systematisch an der Wand befestigt.« In der Garage hängen Faltboote, Fahrräder, Tretroller und verschiedene modifizierte Skateboards akkurat an der Wand. Gleich daneben, in einer geräumigen, überraschend sauberen und aufgeräumten Werkstatt, verwaltet der gelernte Feinmechaniker seine zahlreichen Erfindungen, Verbesserungen und Bauprojekte. Dass Olaf seit mehr als 15 Jahren bei Globetrotter in der Kleinteile- und Technikabteilung arbeitet, ist kein Zufall.

Olafs Konstruktionen sind näher dran am Kunsthandwerk als am durchschnittlichen Heimwerkeln.

Klein denken und groß handeln, das ist für Olaf kein Widerspruch. 2003 kaufte er sich das ATV. Nur zwei Meter lang, bescheidene 16 Liter Tankinhalt und maximal 70km/h Reisegeschwindigkeit waren für ihn keine entscheidenden Limits, er blickte schon über den Rand der nächsten Kiesgrube hinweg und dachte in größeren Maßstäben. Nach der ersten Umbauphase machte er noch im gleichen Jahr eine Testfahrt von Dresden über zahl­reiche Alpenpässe nach Italien und wieder zurück. Ein Jahr später setzte er einen drauf und tourte 7000 Kilometer durch Skandinavien. Olaf erinnert sich gerne an dieses Abenteuer: »Dreimal war ich auf einem Campingplatz, 45 Nächte habe ich wild gezeltet.« Im schwedischen Fjäll sprang die Maschine aufgrund eines Kabelbruchs nicht mehr an und »auf den Lofoten flog mir die Kardanwelle um die Ohren«. Natürlich reparierte Olaf die Schäden vor Ort selbst.

Mit (maximal) 25 PS ins Glück

Ein Vierrad, ein Zweirad, vier Personen und jede Menge Gepäck ... | Archiv: Grunwald
Ein Vierrad, ein Zweirad, vier Personen und jede Menge Gepäck ... | Archiv: Grunwald

In den Keller zieht sich Olaf auch zurück, wenn er an neuen Erfindungen tüftelt. Dabei haben seine vorwiegend metallischen Kon­struktionen mit durchschnittlichem Heimwerkeln wenig zu tun, oft sind sie nahe am Kunsthandwerk. Olafs Erfindungen unterliegen einer Ästhetik von Verbindung, Verarbeitung und Werterhaltung. Neben der Werkbank liegt ein unfertiges Konstrukt, gestaltet aus alten Alurohren und zwei Ikea-Servierschüsseln. »Das wird ein Windrad und dient als Vogelscheuche in unserem Kirschbaum«, erklärt Olaf schmunzelnd. Unter der Decke hängt ein selbst entworfener Bootswagen für seine Faltboote. Ein kompliziertes Projekt, an dem er bereits seit fünf Jahren tüftelt, doch über die Testphase ist das Teil noch nicht hinweggerollt. Dennoch ist ihm der Wagen wichtig: »Ich muss einen selbst gebauten Ausrüstungsgegenstand nicht 100-mal im Leben einsetzen. Entscheidend ist das tolle Gefühl, etwas Funktionales geschaffen zu haben.« Die Ideen und Skizzen, aber auch Vorlagen zum Nachbauen archiviert er in dicken Aktenordnern, seit seiner Kindheit.

Anfang der 90er-Jahre entdeckte Olaf neben dem Basteln, Bohren und Schrauben seine Leidenschaft für Faltboote und Reiseräder. Damals arbeitete er an der TU Dresden und betreute als Mechaniker Dauerfestigkeitsversuche an servo-hydraulischen Anlagen. »Weil die Arbeit langweilig war, fuhr ich in der Mittagspause oft zu Globetrotter und stöbert­e in deren Sortiment.« In jener Zeit befand sich Globetrotter in großer Aufbruchsstimmung und eröffnete 1990 in Dresden seine erste Filiale in den neuen Bundesländern. Kunden wurden schnell zu Verkäufern, Zeugnisse spielten keine große Rolle und eine Filiale, die sich in permanentem Wachstum befand, schien ein guter Ort für einen handwerklich begabten Abenteurer. Olaf heuerte 1994 als Möbelbauer und Verkäufer bei Globetrotter an. Ein Entschluss, den er nie bereute. »Mein Job ist immer noch mein größtes Highlight im Leben.« Olaf erlebte zwei Filialumzüge und eine zehnfache Vergrößerung der Verkaufsfläche. In den vergangenen 23 Jahren durchlief er alle Verkaufsbereiche – von Schuhe­n, Rucksäcken, Zelten, Schlafsäcken, Booten zu Bekleidung, bis er schließlich in der Technik­abteilung, die seinem Erfinder- und Bastlergeist am nächsten kommt, seine Bestimmung fand.

... wenn Familie Grunwald verreist, findet auch das Faltboot noch einen Platz. | Archiv: Grunwald
... wenn Familie Grunwald verreist, findet auch das Faltboot noch einen Platz. | Archiv: Grunwald

Das Arctic Cat ist mit 25 PS das stärkste Pferd in Olafs Stall, gefolgt von einem Yamaha-Roller und einer Simson-Schwalbe KR 51, dem legendären Ost-Roller mit 3,6 PS. Den Rest seiner Gefährte muss er mit eigener Muskelkraft fortbewegen, ein Auto besitzt er nicht. Weil Olaf viel Wert auf Qualität legt und seine Ausrüstung sehr gut pflegt, ist sein Fuhrpark nicht mehr der jüngste. Das Quad ist mit 13 Jahren der Junior und hat 35 000 Kilometer auf dem Tacho. Die Faltboote und die Reiseräder von Cannondale sind allesamt bei Globetrotter gekauft und über 20 Jahre alt. Die Schwalbe geht mit fast 40 Jahren glatt als Oldtimer durch. Aber Museumsstücke sind es nicht: Olaf bringt mit dem Quad Grünschnitt zum Wertstoffhof, radelt mit dem Fahrrad zur Arbeit oder fährt mit der Schwalbe zur Kirche. Sogar mit Faltboot und Bootswagen pendelte er schon zum Job: acht Kilometer Landstraße bis zur Elbe, mit dem Kajak ein Stück flussab, dann durch Dresdens Innenstadt zur Globetrotter-Filiale. So wird der tägliche Arbeitsweg zur kleinen Abenteuertour. »Ich versuche, jedem Tag ganz bewusst einen kleinen Höhepunkt zu verpassen. Damit bleibe ich bei Laune.«

Urlaub à la Grunwald

Auch mit Familie hat Olaf seinen Fuhrpark nicht erneuert, ein VW-Bus oder gar ein Wohnmobil kommen nicht in die Garage. »Ich habe das Langsame und Kleine immer als Vorteil angesehen, nicht als Makel.« Mehr als gemächliches Tempo schafft Olaf auch mit seinen motorisierten Gefährten nicht. »Bei maximal 60 km/h stehen Rollgeräusche, Wind und Motorenlärm in einem erträglichen Verhältnis.« Und wer sagt denn, dass ein Quad und ein 40 Jahre alter Roller keine familientauglichen Urlaubsmobile sind? Die Schwalbe bekam einen Kindersitz verpasst, das Quad zusätzliche Trittbretter für den Junior-Sozius. So fuhr Familie Grunwald 2015 an die Ostsee, der Sommerurlaub 2016 führte sie nach Darmstadt: 1300 Kilometer in 14 Tagen, übernachtet wurde auf Campingplätzen. Diesen Sommer plant Olaf mit seiner Familie eine Fahrradtour an der Ostsee und dreht damit die PS-Unterstützung auf null herunter. Was nicht heißt, dass Olaf keinen Raum für technische Basteleien sieht: Aus eigenen Altbeständen und ein paar Globe­trotter-Produkten schraubt er momentan in seiner Werkstatt zwei Fahrrad­anhänger für das Campinggepäck zusammen.

 
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