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Kollege Daniel Trumpf: Manager und Roadie in einem

Foto: Manuel Arnu
Alte Outdoor-Hasen gibt‘s bei Globetrotter Ausrüstung genug, doch auch der Nachwuchs pflegt die Traveller-Tradition. So wie Daniel Trumpf, 25 Jahre alt und in der Filiale Frankfurt für die Events zuständig. Letztes Jahr verordnete er sich eine zweimonatige »Fortbildung«: 9000 Kilometer quer durch Südamerika.

Flugticket, Rucksack, Lonely-Planet-Reiseführer, viel Zeit und wenig Geld – das sind die klassischen Zutaten für einen Backpacker-Trip. Mehr brauchen auch Daniel Trumpf und seine Freundin Anna nicht für ihre Tour durch Südamerika: »Hinflug nach Argentinien, Rückflug zwei Monate später von Kolumbien«, erzählt der 25-Jährige. Zwischen Buenos Aires und Bogota liegen 4600 Kilometer Luftlinie – und jede Menge Abenteuer.

Daniel hat Ahnung vom Skateboarden, Klettern und Slacklinen – aber dies ist seine erste Fernreise. Die Detailplanung fasst er knapp zusammen: »Unser Plan war, keinen zu haben.«

Schönes Südamerika: Titicacasee und Atacama-Wüste. | Foto: Daniel Trumpf

Der Startpunkt ist immerhin klug gewählt: Die argentinische Hauptstadt bietet europäisches Flair und einen sanften Übergang zu den exotischeren Regionen Südamerikas: karge Wüsten, grüne Dschungel, endlose Strände, monumentale Gebirge. Die ganz grobe Reiseroute gibt die legendäre Panamericana vor, jene Traumstraße, die – mal als Piste, mal als Highway – den gesamten amerikanischen Doppelkontinent durchmisst. Anna und Daniel folgen ihr von Chile nach Bolivien, Peru, Ecuador und schließlich Kolumbien – 9000 Kilometer haben sie zum Schluss auf dem Tacho.

Wichtigster Reisebegleiter ist natürlich DAS Buch: »Südamerika für wenig Geld«, die deutsche Version des legendären Lonely-Planet-Bandes »South America on a shoestring«. Seit fast 30 Jahren erkunden Generationen von Backpackern den lateinamerikanischen Kontinent mit dieser 1200 Seiten starken Gebrauchsanweisung. Böse Zungen behaupten, der Lonely Planet forme aus vermeintlichen Individualtouristen den »Gringo Trail«, eine Art Ameisenstraße aus Rucksackträgern, die immer dieselben Attraktionen ansteuern.

Daniel hat damit kein Problem: »Im Lonely Planet steht, wo man gut essen und übernachten kann, auch viel über Kultur und Touren. Aber das heißt ja nicht, dass man unterwegs keine eigenen Ideen haben darf. Anna spricht nach einem Austauschjahr fließend Spanisch, das hilft schon sehr, dem Gringo Trail auch mal zu entkommen. Der einzige Nachteil des Lonely Planet ist das Zusatzgewicht – fast ein Kilo wiegt das Trumm!«

 

»Schlampen im Schlafsack«

Good Friend! Der Eventmanager ist nach wie vor auch im Verkauf tätig. | Foto: Manuel Arnu

Unternehmungslustig ist Daniel auch im Job. 2008 begann der gelernte Einzelhandelskaufmann bei Globetrotter in Frankfurt und beriet Kunden in der Schuh- und der Kletterabteilung. Dann tauchte am Horizont die neue Filiale in München auf – und es begann ein internes Stühlerücken. Schnell war klar, dass der Frankfurter Filialleiter Jens Holst München übernehmen würde, dann entschied sich auch der Frankfurter Eventmanager Jörg Witterhold für den Umzug nach Bayern. Daniel Trumpf bewarb sich auf die frei gewordene Stelle und bekam den Job – nicht zuletzt dank seines Enthusiasmus und seiner kommunikativen Art. »Ich hatte mich beworben, weil ich Jörg immer unter die Arme gegriffen und Spaß  am Organisieren habe.« Dafür hat er jetzt genügend Gelegenheit: Als Eventmanager ist er für alle Veranstaltungen der Filiale verantwortlich, also für Messen, Kurse und Vorträge. Daniel stellt das Programm zusammen, kontaktiert und betreut die Referenten und ist während der Veranstaltungen vor Ort. Er ist Manager und Roadie in einem. Bei Vorträgen – etwa 15 Stück finden zwischen Oktober und April direkt in der Filiale statt – wird das Parterre freigeräumt, eine Batterie Campingstühle aufgeklappt und die Leinwand an der Treppe befestigt.

Das Programm soll natürlich abwechslungsreich sein. Auf namhafte Referenten wie die Fernsehmoderatorin und Autorin Sarah Kuttner, die eine Lesung aus Iris Bahrs Roman »Schlampen im Schlafsack« hält, folgen weniger bekannte Abenteurer mit nicht minder spannenden Shows über weltweite Radreisen oder Kanutouren im Yukon. »Die Vorträge sind immer gut besucht«, sagt Daniel, »nur sind wir platzmäßig begrenzt. Mehr als hundert Leute werden schwierig.«

 

Mit Bike und Raft nach Machu Picchu

Rückblende nach Südamerika. Von Argentinien ziehen Daniel und Anna weiter nach Chile, bestaunen die 6000er der Anden und feiern lange Nächte mit dem Nationalgetränk Pisco. Im Norden schwitzen sie in der Atacama, der trockensten Wüste der Welt. »Wir badeten in einem Salzsee. Du liegst einfach da, bewunderst den knallblauen Himmel, die klaren Farben – und gehst einfach nicht unter! Es gibt Geysire, wo heißer Dampf und Wasser direkt aus der Erde kommen, aktive Vulkane!«, erzählt Daniel begeistert.

Beeindruckendes Naturschauspiel in der Atacama-Wüste. | Foto: Daniel Trumpf

Auf der Isla del Sol am Titicacasee wagen sie eine Trekkingtour auf über 4000 Meter Höhe. »Mein Rucksack wog fast 30 Kilo, allein wegen des vielen Wassers. Wir wanderten oberhalb der Wolken, und das bei 25 Grad. Auf der Insel gibt es keine Autos, die Einheimischen schippern mit ihren Flachsbooten über den See und werfen ihre Fischernetze aus.« Ein Idyll, aber für einen Deutschen aus Walldorf auch eine Tortur: »Wir haben für 12 Kilometer ganze zwei Tage gebraucht, weil wir alle Dreiviertelstunde Pause machen mussten. Die Höhe machte uns zu schaffen, es war sauanstrengend!«

In Peru gehen sie mit einem lokalen Veranstalter auf den Inka Jungle Trail, eine Multi-Sport-Alternative zur klassischen Tour nach Machu Picchu – vier Tage mit Mountainbike, Raft und Trekkingschuhen. Der peruanische Dschungel beeindruckt Daniel: »Dort wachsen Ananas und Bananen direkt neben der Straße. Beim Raften haben wir direkt an einem Mangobaum gehalten, Früchte gepflückt und gegessen.« Dann Machu Picchu, die legendäre Ruinenstadt der Inka. »Allein der Anstieg ist etwas Besonderes, fast 3000 Stufen! Es entbrannte ein regelrechtes Rennen, um vor den anderen Touristen da zu sein, denn nur die ersten 400 Leute dürfen auf den Huayna Picchu hoch, den Berg bei Machu Picchu. Das sind nochmals 1700 Stufen, also knapp 4700 Stufen rauf an einem Tag!«

Die Schattenseiten des Rucksacktourismus in exotischen Ländern bleiben Daniel und Anna auch nicht erspart: Höhenkrankheit und Magenverstimmung – eine leckere, aber wohl verdorbene Regenbogenforelle am Titicacasee – zehrten an ihren Körpern. Und 28-stündige Busfahrten zählen selbst in halbwegs komfortablen Bussen nicht unbedingt zu den Highlights. Aber auch das sieht Daniel pragmatisch: »Ich habe jede Menge Erfahrungen gesammelt, positive wie negative – und betrachte die Reise auch als eine Art Fortbildung. Mein Equipment habe ich wirklich bis ins Detail kennengelernt, das hilft immens bei der Beratung. Außerdem konnte ich mittlerweile vielen Kunden, die auch nach Südamerika wollten, ganz nützliche Tipps geben. Und ich habe gelernt, dass es immer irgendwie weitergeht, wenn man sich reinhängt.«

 

Eine neue Spielwiese ab 2012

Mittagspause im Filialhof: eine Runde Slacklinen. | Foto: Manuel Arnu

Diese Einstellung hilft Daniel auch bei seinem Quereinstieg ins Eventmanagement. Ahnungslosigkeit muss er mit Engagement ausgleichen. »Ich wurde ziemlich ins kalte Wasser geworfen«, lacht er. Aber Leidenschaft und eigenverantwortliches Handeln werden zurückgezahlt, findet Daniel. »Globetrotter ist der beste Arbeitgeber, den ich bisher hatte. Es gibt viel Wissenstransfer und interne Schulungen. Zwei Monate Urlaub? Kein Problem! Und ich gehe oft mit den Kollegen klettern, wir sind eine große Familie.«

Zwar ist Frankfurt mit 1400 qm Verkaufsfläche die kleinste Globetrotter-Filiale, aber vom Ambiente her eindeutig die schönste, findet Daniel. Und hofft, dass es auch so bleibt – denn eben weil alles aus den Nähten platzt, baut Globetrotter im Frankfurter Ostend einen neuen Store mit fünf Stockwerken und 4200 qm Verkaufsfläche. »Der Eröffnung nächstes Jahr sehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen«, meint der Eventmanager. Er liebt das Flair der alten Reithalle in der Hanauer Landstraße, freut sich aber auch auf die neuen Möglichkeiten: »Die Eventfläche wird vergrößert und mehr Leute fassen. Außerdem sind dann Vorträge nicht mehr nur auf die Wintersaison beschränkt – die alte Filiale lässt sich nämlich nicht verdunkeln.«

Spannende Zeiten also für Daniel Trumpf.