präsentiert von:

Kollege Brandenburg: Mr. Urban Outdoor

Lukas Brandenburg. | Foto: Manuel Arnu
Mit Streetware kennt sich Lukas Brandenburg aus. Er besitzt genügend Schuhe, um mehr als ein Jahr jede Woche ein anderes Paar tragen zu können. Bei Globetrotter kauft er urban ein.

Zeig mir deine Schuhe und ich sage dir, wer du bist. Wenn Lukas Brandenburg seine persönliche Schuhkollektion präsentiert, läge eine Antwort ganz nahe: Lukas ist fanatischer Läufer. In seinem WG-Zimmer in Hamburg-Ottensen stapeln sich Schuhschachteln mit grellbunten Laufschuhen, gebrauchte und neue, auch seine Schränke und Regale sind voll davon. Über 80 Paar Running-Schuhe besitzt Lukas, keines gleicht dem anderen. Lukas, schlank und groß gewachsen, ist aber kein Langstreckenläufer: »Wenn ich etwas überhaupt nicht kann, dann ist es joggen. Aber ich liebe bunte und ausgefallene Schuhe.« Lukas ist Turnschuhsammler, der für seine Leidenschaft auch gerne Geld ausgibt. 650 Euro war ihm sein bisher kostbarstes Sammelobjekt wert, ein Paar Nike Air Max 1 Atmos aus dem Jahr 2007, mit Kultstatus und Elefantenhautoptik.

Anfassen erlaubt, Nutzen nur bedingt gewünscht: Lukas’ Sammlung. | Foto: Archiv Brandenburg
Anfassen erlaubt, Nutzen nur bedingt gewünscht: Lukas’ Sammlung. | Foto: Archiv Brandenburg

Der Mann mit der exklusiven Turnschuhsammlung ist bei Globetrotter »Purchase Manager Urban Apparel«. Und so mit 33 Jahren verantwortlich für den zentralen Einkauf urbaner Textilien. Parallel zur Kollektion mit technischem und funktionalem Schwerpunkt  peppt Lukas das Bekleidungssortiment mit Produkten auf, die einen alltäglicheren Look besitzen. »Weniger Outdoor-Optik bei gleichbleibender technischer Raffinesse und Detailverliebtheit«, bringt Lukas sein Sortiment auf den Punkt. Im Alltag trägt Lukas gerne Jeans, Sweater und T-Shirt statt Ziphose und Fleecepulli. Und wenn er Funktionsbekleidung anzieht, möchte er gerne seinem Stil treu bleiben. »Inzwischen haben sehr viele Lieferanten erkannt, dass es für Kunden wie mich einen enormen Markt gibt. Und dann freue ich mich, wenn es einen coolen Parka gibt, der nicht nur toll aussieht, sondern auch noch wasserdicht ist, oder Funktionen wie Unterarmbelüftung und eine richtige verstellbare Kapuze besitzt. Und nicht nur ein Lappen ist, wie viele Modeartikel.«

Kind des Bahnhofsviertels

Der non-urban Lukas: Tauchurlaub mit Freunden in Thailand ... | Foto: Archiv Brandenburg
Der non-urban Lukas: Tauchurlaub mit Freunden in Thailand ... | Foto: Archiv Brandenburg

Urbane Styles sind Lukas vertraut, er ist ein echter Hamburger Jung, aufgewachsen im Bahnhofsviertel St. Georg. Das Stadtteil ist bunt, lebendig, divers und hat auch Lukas’ Jugend geprägt. »Es ist nicht Hochglanz-Hamburg und alles war multikulti hoch zehn«, erinnert er sich, »und ich bin mittendrin groß geworden.« St. Georg war kein Viertel, wo alle Kinder mit neuesten Klamotten rumliefen, trotzdem gab es Klassenkameraden, die mit einem Air-Jordan-Basketballstiefel auftrumpfen konnten. Lukas durfte keine Turnschuhe tragen, stattdessen bekam er hochwertige Lederhalbschuhe von Oma, »zu meinem Leidwesen immer zwei Nummern zu groß, damit sie möglichst lange hielten.« Mit 13 durfte er sich die ersten Schuhe selbst kaufen und entschied sich für die »klobigsten und heftigsten Basketballtreter«, die er finden konnte. »Natürlich zwei Nummern zu groß, damit sie möglichst lange hielten«, schmunzelt Lukas. Bis heute wohnte Lukas in zehn verschiedenen Hamburger Stadtteilen, eine andere Stadt kommt für ihn nicht infrage. Lukas ist kein Freund der Berge wie viele Kollegen, er mag das Flachland, die Küste, den Wind, das Wasser. Lukas paddelt, schwimmt und taucht. In den Hamburger Skiferien verschwanden seine Klassenkameraden in die Alpen, Lukas fuhr mit seinen Eltern und Geschwistern an die Ostsee. »Ich war nie Ski fahren und habe nie Bergtouren gemacht.« Dafür kennt er fast alle deutschen Nord- und Ostseeinseln, liebt Tage am Elbstrand und die Schluchten der Großstadt.

… und Relaxen ohne Turnschuhe in der Karibik. | Foto: Archiv Brandenburg
… und Relaxen ohne Turnschuhe in der Karibik. | Foto: Archiv Brandenburg

Ein Mode-Dandy ist Lukas Brandenburg beileibe nicht, auch kein Neuling in der Branche, selbst wenn der neue Job ihn derzeit noch mächtig ins Rotieren bringt. Angst, den Überblick zu verlieren, hat er nicht. Dafür kennt er das Metier schon zu lange. Mit 16 Jahren entschied sich Lukas für eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann, gleich sein erstes Bewerbungsschreiben wurde ein Volltreffer. Nach den Sommerferien im Jahr 2000 begann er bei Globetrotter eine kaufmännische Ausbildung, durchlief alle Abteilungen. Mit dem ersten Lehrlingsgehalt kaufte er sich seine ersten Nike Air Max. »Kein richtig angesagtes Modell«, aber es war der Beginn seiner Leidenschaft für bunte und bewusst limitierte Schuhe. Zwei Jahre nach Ausbildungsende baute Lukas in der Hamburger Filiale am Wiesendamm die Kinderabteilung auf, weitere zwei Jahre später wechselte er als stellvertretender Bereichsleiter in die Textilabteilung. Zwischenzeitlich wuchs seine Turnschuhsammlung auf über 120 Paar von allen namhaften Herstellern.

Mitte 20: Bereichsleiter Textil

Unterwegs in Skandinavien 2003: 10 Tage mit dem Zelt im Fjell. | Foto: Archiv Brandenburg
Unterwegs in Skandinavien 2003: 10 Tage mit dem Zelt im Fjell. | Foto: Archiv Brandenburg

Mit Mitte 20 stieg Lukas zum Bereichsleiter Textil in der Hamburger Globetrotter-Filiale auf, führte ein 34-köpfiges Team und wurde Teil der Einkäufergruppe. Nach elf Jahren war Zeit für Veränderung: Lukas heuerte im Verkaufsteam der norwegischen Outdoormarke Bergans an. Dafür benötigte er ein Auto und den Führerschein. Die Kosten von mehr als 2000 Euro spielte er mit sechs Paar Turnschuhen ein, die er schweren Herzens, aber mit guter Rendite verkaufen konnte. Nach insgesamt fünf Jahren bei Bergans und später beim Schuhhersteller Keen kehrte Lukas im Januar 2016 zurück ins Globetrotter-Team.

Fashion ist kein böses Wort und steht auch der Globetrotter-Kollektion gut zu Gesicht, findet Lukas. »Im Kollegenkreis und bei alteingesessenen Kunden mag das polarisieren, aber im Kern verkaufen wir immer noch technische Bekleidung fürs aktive Draußensein. Diese ist nun halt auch modisch und stadttauglich.« Auch die Outdoorhersteller haben den Markt längst erkannt, ihre urbanen Kollektionen wachsen und kommen auch bei Lukas gut an. »Ein absoluter Hightech-Hersteller wie Arc’teryx macht jetzt eine Soft­shelljacke, die aussieht wie ein Blazer. Patagonia überrascht mit technischen Parkas, denen man ihr Know-how aber nicht ansieht. Der Stil von Fjällräven ist schon immer nordisch clean, Vintage und besonders alltagstauglich.«

Camping für den nächsten Schuh

Vom Hype der Turnschuhindustrie sind die Outdoorhersteller aber noch weit entfernt. »Als Turnschuh-Freund bin ich gewohnt, dass ein Artikel online auf den Markt kommt und nach nur fünf Minuten ausverkauft ist.« Nur wenige Paare einer limitierten Auflage werden dem Markt wohldosiert eingeflößt, das Verlangen ist immens. »Extrem seltene Modelle gehen für irrsinnige Beträge über den Ladentisch.« So verrückt ist Lukas nicht, aber für einen Asics Laufschuh campierte er eine Nacht vor einem Hamburger Schuhladen, nur um eines von zehn limitierten Paaren zu ergattern. Die restlichen Schuhe in Lukas’ Regal fristen ein Schattendasein im Glanz der Turnschuhparade. Ein Paar Lackschuhe, dazu Lederstiefel, GoreTex-Schuhe, Flipflops, Halbschuhe und Wassersandalen. Dabei würden sie eine ganz andere Geschichte über Lukas erzählen: von Abenteuern im Großstadtdschungel, von Reisen nach Skandinavien, Backpacking in Südostasien oder Tauchen in die Karibik ...

 
weiterführende Artikel: 
16.11.2011ArtikelMenschenKollege Globetrotter

Ein Wolf mit zwei Revieren – Kollege Alex Wolf

Alexander Wolf, tätig bei Globetrotter in Bonn, ist in zwei Welten zu Hause: In den Bergen und Steppen Kasachstans, wo er seine Kindheit verbrachte und das Bergsteigen im Sowjet-Stil erlernte; Und in den Wäldern und auf den Flüssen des Rhei zum Artikel
26.04.2013ArtikelMenschenKollege Globetrotter

Globetrotter-Kollege in der Spur

Rocco Ganzert ist der Ski-Chef bei Globetrotter Dresden – und nutzt jede Möglichkeit, um selbst auf die Bretter zu kommen. Auch den Termin mit 4-Seasons verlegte er kurzerhand auf die Loipe. zum Artikel
15.11.2010ArtikelMenschenKollege Globetrotter

Der gern im Zelt schläft: Kollege Klaus Adler

Klaus Adler wohnt in einem kleinen Haus im Speckgürtel Berlins. Vor zehn Jahren hat der dreifache Vater dort gebaut. Gut für den Weg zur Arbeit, gut für die Kinder. Ein Kompromiss aus Stein, Holz und Ziegel. zum Artikel