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Kollege Auen – der Mann mit der Karre

Foto: Manuel Arnu
Foto: Manuel Arnu
Manche denken, Klaus Auen hat ein Rad ab. Er selbst kann darüber lachen. Denn in Wahrheit hat der Rucksackverkäufer aus der Kölner Globetrotter-Filiale ein Rad dran – an seinem derzeit liebsten Ausrüstungsgegenstand für weite Wanderungen.
Eigenwillig, aber cool: So wanderte Klaus über den Eifelsteig. | Foto: Archiv Klaus Auen

Das aktuelle Lieblingsteil von Klaus Auen gibt es nicht bei Globetrotter. Weder in der Kölner Filiale, wo Klaus arbeitet, noch im Onlineshop. Sein wichtigstes Equipment stammt aus dem Baumarkt, denn Klaus macht sein Ding mit Schubkarre. Nicht mit irgendeiner, sondern mit einer Profi-Tiefmuldenkarre. Im vergangenen Herbst wuchtete er das knapp 20 Kilo schwere Gerät über den Ahrsteig. Vier Tage lang, 120 Kilometer weit, 4000 Höhenmeter. »Eine Erstbegehung«, versichert Klaus schmunzelnd. »Die meisten Leute, die ich unterwegs traf, dachten, ich hab’ ein Rad ab! Sie hatten wohl recht damit.«

Klaus Auen, 52 Jahre alt, arbeitet in der Rucksackabteilung. In seinem Keller lagern 18 verschiedene Modelle: sechs Tourenrucksäcke zwischen 40 und 100 Litern, vier Kletterrucksäcke, vier Daypacks, ein Skirucksack, ein leichter Laufrucksack und zwei Haulbags, Nachziehsäcke für Big-Wall-Klettereien. Aber Klaus wandert lieber mit einer Karre aus verzinktem Blech.

Klaus’ Karren-Karriere begann im Frühjahr 2008. »Kein Witz: Im Traum war mir das Bild einer Schubkarre erschienen«, sagt Klaus. Diese Vision nistete sich in seinem Kopf ein und tauchte während Wanderungen immer wieder auf. Klaus hielt sich nicht mit Traumdeutung auf, sondern machte ein Projekt ­daraus. Als Erstes suchte er eine passende Schubkarre. Es gibt Großmuldenkarren, schwere Winkeleisenkarren, Sackkarren, Karren mit Elektroantrieb, ­Hofkarren, Kippjapaner, die Auswahl ist riesig. Um auf Wander­wegen nicht anzuecken, entschied sich Klaus für eine robuste, schmale Speiskarre, eine Capito Eurocar, Testsieger in der Zeitschrift »Selbst ist der Mann«.

Auf dem Eifelsteig blieb seine Schubkarre im Moor stecken

Schubkarren-Premiere feierte Klaus im Herbst 2008 auf dem ­Eifelsteig. 350 Kilometer weit rumpelte Klaus mit seinem Stahlgefährt durch das Mittelgebirge, zwei Wochen lang, enge Pfade entlang, über weite Hochtäler, durch Wälder und Moore. Auf der Schubkarre zurrte er Rucksack, Zelt und Isomatte fest. Eine mühsame Tour. Im Hochmoor des Hohen Venn blieb seine Capito im Morast stecken. Klaus musste seinen Rucksack schultern, die Karre aus dem Dreck ziehen und – wie Obelix seinen Hinkelstein – in fahrbares Gelände tragen.

Im Wildwasser-Kanadier auf der Furkareuss in der Schweiz. | Foto: Archiv Klaus Auen
Im Wildwasser-Kanadier auf der Furkareuss in der Schweiz. | Foto: Archiv Klaus Auen

Ähh – kurze Zwischenfrage: Wie kommt man auf so eine Idee?

»Ich wollte mit Leuten in Kontakt kommen«, erklärt Klaus. Mit Erfolg. Fast jeder Wanderer sprach ihn auf das Fahrzeug an, mit jedem Landwirt konnte er über Schubkarren fachsimpeln. Die Wanderung wurde zum Hype. Zeitungen schrieben über den ­seltsamen Kauz. Radio und Fernsehen berichteten live vom ­Eifelsteig. Immer mehr Menschen wollten ihn auf seiner Tour begleiten. »Das war Forrest-Gump-Feeling«, sagt Klaus.

Aber Klaus kann auch ohne Karre. Er blickt auf über 40 Jahre Bergsporterfahrung zurück. Als Elfjähriger unternahm er mit den Eltern seine erste Hochtour auf das 3500 Meter hohe Sustenhorn in der Schweiz. Als Teenager ­begann er leidenschaftlich zu klettern. Den Klettergarten am Stenzelberg erreichte Klaus – aufgewachsen in Godesberg – bequem per Fahrrad. Er kletterte ­Routen bis zum neunten Schwierigkeitsgrad, aber in den frühen Zwanzigern beendete eine Trainingsverletzung seine Sportkletterkarriere. Also verlegte er seinen Spielraum in alpines Gelände. Klaus bestieg 34 Viertausender. Aber die Anzahl ist ihm nicht so wichtig, lieber zitiert er Anderl Heckmair, den Erstbesteiger der Eiger-Nordwand: »Was zählt, ist das Erlebnis.« Klaus bestieg auch den Montblanc – ganz ungewöhnlich, erst am Nachmittag. ­Scharen von Bergsteigern ­kamen ihm beim Aufstieg entgegen, auf dem Gipfel war er allein. Klaus baute sein Zelt auf und genoss den Sonnenuntergang sowie eine ruhige Vollmondnacht.

Verschnaufen im Camp 3 am Pik Korschenevskoy. | Foto: Archiv Klaus Auen

Klaus bereiste auch mehrfach das Pamirgebirge in Tadschikistan und bestieg mit Freunden unter anderem den 7100 Meter hohen Pik Korschenevskoy. Über seine Erfahrungen mit Lawinen, lebensfeindlichen Bedingungen, extremer Kälte, Gipfelglück und grandiosem Scheitern schrieb er ein Buch: »Dem Himmel nah«. Die Expeditionen im Grenzbereich lehrten ihn Grundsätzliches: »Die Offenheit, sich selbst und den Kameraden gegenüber Schwäche zugeben zu können, ist eine wichtige Eigenschaft, um dauerhaft in den Bergen überleben zu können. Scheitern hat aber nicht nur mit Schwäche zu tun, sondern sehr stark auch mit der Wahrnehmung der Natur und der Ausbildung eines sechsten Sinns für mögliche Gefahren.«

Von der Sozialpädagogik ins Outdoorgeschäft

Schubkarre und Berggipfel sind nur eine ­Facette in Klaus’ Leben. Er hat eine sozialpädagogische Ausbildung, betreute Kinder und Behinderte. 26 Jahre lang arbeitete er in einem Bonner Outdoorladen, machte sich selbstständig als Fotograf, Outdoor- und Führungskräftetrainer. Man findet Klaus auch im Kajak oder im Kanadier, er liebt Höhlentouren, Eisklettern, Schneeschuhlaufen, Inlineskaten und ausgedehnte Wanderungen. Klaus reiste durch zahlreiche Länder in Asien, Arabien, Amerika und Europa.

Eifeelgood – das trifft’s

Klaus als Captain Foothook am Überhang. | Foto: Archiv Klaus Auen
Klaus als Captain Foothook am Überhang. | Foto: Archiv Klaus Auen

Trotz aller Weltläufigkeit: »Ich bin ein Eifeler Heimathirsch«, sagt Klaus, der in Bad Münstereifel geboren wurde. Sein Pseudonym: Eifeelgood – ein Wortspiel, das sowohl sein Gemüt als auch seine Heimat beschreibt. »Die Eifel ist unglaublich vielfältig. Es gibt die Maare, mit Wasser gefüllte Vulkankrater. Auf dem Hohen Venn habe ich das Gefühl, ich bin in Mittelschweden. Ich habe Luchsspuren entdeckt und gehe davon aus, dass der Wolf bald zurückkehrt.« Keine zwei Stunden von der Metropole Köln entfernt.

Im nächsten Jahr möchte Klaus seine Capito durch die Schweiz karren. Über Gotthard, Furka, Nufenen, Susten und Grimsel. 200 Kilometer auf alten Saumwegen, 10 000 Höhenmeter. Das klingt nach immenser Anstrengung, aber es mache Spaß, beteuert Klaus. Und ergänzt philosophisch: »Manchmal ist es gut, sich selbst ein paar Steine in den Weg zu legen, um die Langsamkeit zu entdecken.« Outdoorsport sollte nicht zu verbissen sein, findet Klaus. Trotzdem ist die neue Form des Wanderns für Klaus mehr als Klamauk mit Karre. »Mir liegt daran, Pausen ­einzulegen und die Natur mit allen Sinnen wahrzunehmen.«

Beim »GlobeTag Wandern« am 30. Mai in der Kölner Filiale gibt Klaus einen Workshop für Weitwanderer. Am 6. Juli veranstaltet er ein Bergtraining. Außerdem haben Kunden die  Möglichkeit, ihn auf Touren in heimischen Gefilden zu begleitern. Vielleicht kommt dann ja auch Schamptall Schmitz mit. So nennt Klaus gleichsam l­iebevoll wie augenzwinkernd seine Schubkarre.

4-Seasons Info

Mehr Infos zu den Touren und Workshops mit Klaus Auen: globetrotter-events.de.

 

 
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