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Kletter-Road-Trip USA: Rock‘n‘Roll

Cowboys am El Capitan. | Fotos: Michael Bärisch, Jonas Mysliwietz, Alex Hanicke
Cowboys am El Capitan. | Fotos: Michael Bärisch, Jonas Mysliwietz, Alex Hanicke
Drei junge Sachsen hatten einen Traum: Klettern in den USA. Also rollten sie fünf Wochen lang per Mietwagen zu berühmten Rock-Spots, erlebten einsame Nächte in Nationalparks und streiften durch die Straßen von San Francisco. Ein echt geiler Klettertrip – und ein Lehrstück für gelungenen Kumpelurlaub.

Das »Süff« (sächsisch für SUV), das Zelt und die Nacht im Monument Valley.
Das »Süff« (sächsisch für SUV), das Zelt und die Nacht im Monument Valley.
Hallo ihr drei, nehmen wir an, ihr würdet noch mal zum Klettern in die USA reisen: Was würdet ihr anders machen?

Jonas: Auf jeden Fall ein Portaledge mit­nehmen.
Alex: Wir hatten uns vor der ­Reise bewusst entschieden, keine mehrtägigen Bigwall-Klettereien inklusive Biwak in der Wand zu machen, sondern eben nur Tagestouren. Aber dann saßen wir bei idealen Bedingungen im Yosemite Valley und dachten uns: Verdammt, hätten wir jetzt das Hängezelt dabei, könnten wir den berühmten El Capitan klettern.
Michael: Aber sonst würden wir nüscht anders machen, oder?
Alex: Nö.

Seid ihr jeden Tag geklettert?

Alex: Etwa zwei Drittel. Die meis­te Kletterzeit haben wir im Indian Creek in Utah und im Yosemite verbracht. Der Fokus der Reise lag nicht allein auf dem Klettern. Wir wollten viel sehen, vor allem die Nationalparks. Um Städte haben wir ­einen Bogen gemacht, aber San Francisco musste sein. Vor allem aber sollte es ein entspannter Urlaub werden.

Climber’s best friends: das Arsenal an Klemmgeräten.
Climber’s best friends: das Arsenal an Klemmgeräten.
Welcher Moment beschreibt am besten dieses entspannte Feeling?

Michael: Für mich war das der Abend, als wir in Utah am Moses Tower ankamen. Zwischen Felsnadeln schlängelt sich idyllisch ein Fluss hindurch. Der Zeltplatz besteht lediglich aus verstreuten Stellplätzen und einem Klo. Den Rest muss man mitbringen, inklusive Trinkwasser. Da haben wir die Campingstühle raus­geholt, uns unter den Sternenhimmel gesetzt, ein Bier getrunken und eine Marlboro geraucht. Wir rauchen sonst nie, aber das musste sein.

Drei Ossis auf Roadtrip durch Marlboro-Country …

Jonas: Wir haben alles in allem etwa 8000 Kilometer auf den Tacho gespult. Aber das Autofahren war eher Mittel zum Zweck, um an die schönen Orte zu gelangen.
Michael: Wir haben aber auch im Auto unseren Spaß gehabt. Da wurde öfters der Beifahrersitz zurückgelehnt und ein erstes Bier geöffnet. Wir haben es eigentlich immer geschafft, relaxed anzukommen. Am Grand Canyon war’s abends um zehn. An den Zufahrtsstraßen lag noch Schnee. Dann sind wir zum Aussichtspunkt am South Rim vorgegangen, die Touristen waren längst weg. Nur wir drei ganz vorne an der Kante – und dann: »Boah, ist das krass!« Wie das Mondlicht die Konturen freigestellt hat – Hammer.

Ihr hattet wirklich Schnee am Grand Canyon?

Michael: Nun ja, es war Anfang April. Da kann es in höheren Lagen noch richtig kalt sein. Allerdings war nicht jeder von uns so richtig gut darauf vor­bereitet … (alle lachen)
Jonas: Ich hatte einen viel zu dünnen Schlafsack mitgenommen – eher so ’ne Art Frisch­haltefolie. Und in der Nacht am Grand Canyon hatte es minus sechs Grad. Alter, hab ich ge­froren, obwohl ich alle Daunen­jacken um mich gewickelt hatte.
Alex: Der Grand Canyon ist rund 1600 Meter tief. Wenn man wie wir oben auf der Kante zeltet, ist man folglich auf einer ziemlichen Höhe – eigentlich logisch, hatten wir aber nicht bedacht. Das hat uns kalt erwischt.
Michael: Jonas durfte in der Mitte schlafen. Das hat er genossen. Allerdings lag somit auch der Schnarcher in der Mitte …
Alex: Auch in Moab war es an den Nordseiten der Felsen meist zu kalt zum Klettern. Also haben wir die sonnenbeschienenen Routen gewählt. Abends saßen wir eigentlich immer mit Daunenjacke und Mütze am Camp.
 
4-Seasons Steckbriefe
 

Michael Bärisch

Jonas Mysliwietz

Alex Hanicke

geboren 11.04.1980 26.03.1984 18.06.1989 
Beruf Marketing bei Globetrotter Dresden angehender Dr. med. angehender Lehrer für Ethik und Geschichte
Leidenschaft unterwegs sein Reisen Klettern, Fotografie
Lieblingsort Albanische Alpen am Fels Yosemite Valley
Köstlichkeit Eierkuchen Roulade von der Oma Hackbällchen à la Toskana
geht gar nicht morgens keine Milch im Kaffee Elektromusik Urlaub in Städten
Motto Eier! Eier! Eier!
Spleen Perfektionismus Wo sind meine Sachen? immer den guten Tipp parat
 

Der Fokus der Reise lag nicht allein auf dem Klettern. Vor  allem sollte es  ein entspannter  Urlaub werden.

Woher kennt ihr euch eigentlich?

Michael: Wir sind Kletterfreunde hier aus Dresden und kennen uns seit ein paar Jahren.

Eure Kletterfotos sehen ziemlich professionell aus. Auf welchem Niveau klettert ihr?

Alex: Wir sind Hobbykletterer. Ambitioniert ja, aber nicht auf höchstem Niveau. Unser Wohlfühlbereich geht etwa bis zum achten UIAA-Grad, sowohl im heimischen Elbsandstein­gebirge als auch in den USA.
Michael: Alex hat von uns dreien den besten Kopf, und den braucht man in den USA. Die meisten Touren dort haben fest installierte Standplätze, aber dazwischen keinerlei künstliche Fixpunkte wie etwa Bohrhaken. Man muss also selbst mit mobilen Sicherungsgeräten wie etwa Klemmkeilen oder Friends Zwischensicherungen legen. Dabei kommt uns zugute, dass wir das aus der Sächsischen Schweiz gewohnt sind.

Den sächsischen Kletterern eilt ein verwegener Ruf voraus. Was ist an euch so besonders?

Michael: Zum einen sind die Kletterwege im Elbsandstein­gebirge schlecht abgesichert. Die Abstände zwischen den wenigen eingebohrten Ringen sind sehr groß, und die untersten Ringe hängen oft sehr hoch. Man braucht also viel Mut und muss mit mobilen Zwischen­sicherungen arbeiten. Diese dürfen aber nicht aus Metall sein, da sie den weichen Sandstein schädigen und womöglich sogar ausbrechen können. Also binden die Kletterer Reepschnüre oder Bandschlingen zu Knoten und klemmen sie in Felsritzen. Diesen sogenannten Seilschlingen vertraut man dann sein Leben an …
Alex: Außerdem sind die Klet-ter­regeln, die vom Sächsischen Bergsteigerbund festgelegt werden, sehr streng. Hier ist vieles verboten oder verpönt, was in anderen Klettergebieten gang und gäbe ist. So dürfen Sicherungsringe bei der Erst­begehung nur im Vorstieg an­gebracht werden.
Michael: Wir haben in Sachsen sogar eine eigene Schwierig-keits­skala. Und ein großer Teil der Kletter­gebiete liegt zudem im Nationalpark Sächsische Schweiz. Deshalb gibt es auch Einschränkungen wegen Umweltschutz. Man darf zum Beispiel keinen Chalk verwenden, weil der die Poren des Sandsteins verkleben würde.
Jonas: Im Elbsandstein muss man sich seine Klettererfolge härter erarbeiten als zum Beispiel in der viel besser erschlossenen Fränkischen Schweiz. Entsprechend größer ist für mich das Glücksgefühl, wenn ich dann hier auf einem der  1100 Gipfel sitze.
 
4-Seasons Vortragstipps

Vortrag »Auszeit!«

2016 zeigen Micha, Jonas und Alex den Vortrag »Auszeit!« über ihren USA-Trip in den Globetrotter-Filialen Stuttgart (27.1.), Hamburg (19.2.), Dresden (11.3.) und Berlin (17.3.).

 

Wo ein Riss ist, ist auch ein Weg: Alex im Joshua Tree NP.
Wo ein Riss ist, ist auch ein Weg: Alex im Joshua Tree NP.
Ihr fühlt euch also dem sächsischen Kletterethos verbunden und verpflichtet?

Michael: Ja, auf jeden Fall. Die Regeln sind streng und man kann auch sagen althergebracht. Aber wir sind stolz darauf. Der Ruf reicht übrigens um die ganze Welt. Wenn amerikanische Kletterer erfuhren, dass wir aus Sachsen kommen, haben sie oft gesagt: »You crazy guys trust in knots!« »Knots« ist der englische Ausdruck für Knotenschlingen. Offenbar kommen sehr viele Sachsen in die USA zum Klettern. Wir kannten ungefähr die Hälfte der Leute, die sich im Gipfelbuch des Moses Tower verewigt hatten – alles Dresdner!

Wie kamt ihr darauf, in den USA klettern zu wollen?

Alex: Alles fing damit an, dass Jonas vor dem Staatsexamen noch mal eine große Reise machen wollte. Zunächst wollten wir einen Siebentausender besteigen. Aber Micha, der schon  am Mount McKinley war, warnte uns, dass man bei schlechtem Wetter tage- oder wochenlang im Basecamp rumhängt. Darauf hatten wir keinen Bock.
Jonas: Außerdem haben wir keinen Siebentausender gefunden, der sich in begrenzter Zeit mit begrenztem Budget besteigen ließe. Also sind wir umgeschwenkt auf Klettertrip. Und da Alex schon mal in den USA gewesen war, schwärmte er uns vom Yosemite und vom Rissklettern vor …

Was macht den Reiz des Risskletterns aus?

Wenn  amerikanische Kletterer erfuhren, dass wir aus  Sachsen kommen, sagten sie oft: »You crazy guys!«

Michael: Im Indian Creek zum Beispiel bleibt dir gar nichts anderes übrig, als Risse zu klettern. Die Sandsteinwände sind nahezu glatt. Dazwischen aber haben sich diese genialen natürlichen Linien ausgebildet, an denen man hochklettern kann. Wobei Risse ganz unterschiedlich sein können, was wiederum verschiedene Klettertechniken erfordert. Das reicht von schmalen Rissen, in die man nur die Finger reinbekommt, bis hin zu ganz breiten, in die man mit dem ganzen Körper hineinpasst. Die größte Herausforderung fand ich, die jeweiligen Klettertechniken zu verbinden, wenn die Rissbreite variierte.

Auf einer Kletterwebsite zum Indian Creek heißt es: »If this is your first time here, be prepared to suffer.« Ist Rissklettern wirklich so hart?

Jonas: Wir hatten Risshandschuhe an. Dadurch konnten wir unsere Handrücken vor Wundscheuern schützen und hatten höchstens mal eine Schramme am Ellbogen oder an den Beinen. Für mich waren die Füße das Schmerzhafteste. In schmalen Rissen muss man die Zehen extrem verdrehen, um sich zu verkeilen – und da steht man dann mit seinem gesamten Körpergewicht drauf …
Michael: Auf diese Weise habe ich zwei Zehennägel verloren.
Alex: Andererseits kann man Risse gut absichern.

Wie sichert man sich beim Rissklettern ab?

Alex: Mit sogenannten Friends, die sich im Riss aufspreizen. Dafür braucht man jedoch je nach Rissbreite die passende Größe. Wir hatten 30 Friends in verschiedenen Größen dabei. Und das brauchst du auch.

Wie habt ihr all die Eisenwaren durch die Gewichtskontrolle der Airline gebracht?

Alex: Offiziell hatte jeder von uns 23 Kilo Freigepäck. Das haben wir voll ausgeschöpft. Unser Handgepäck wurde zum Glück nie gewogen – Jonas nahm einen 70-Liter-Rucksack mit in die Kabine … Unsere separaten Kamerataschen haben sie auch durchgehen lassen. In Summe schleppte jeder von uns so 35 bis 40 Kilo mit.

Wo ein Riss ist, ist auch ein Weg: Alex im Joshua Tree NP.
Wo ein Riss ist, ist auch ein Weg: Alex im Joshua Tree NP.
Hatte jeder von euch seine eigene Kamera dabei?

Jonas: Ja, also drei Spiegel­reflexkameras und drei Stative. Micha und Alex mit ihren Canons konnten wenigstens Objektive tauschen, ich hab für meine Nikon alles selbst mit­gebracht.
Alex: Es war eines der Ziele unserer Reise, tolle Fotos mitzubringen. Das Fotografieren hat dann auch viel Zeit gefressen. Vor allem Micha und ich sind manchmal stundenlang abends noch herumgestreift und haben experimentiert, ausgeleuchtet und noch ’ne Aufnahme und noch eine …
Jonas: Ey, ständig hat es irgendwo um den Zeltplatz herum geblitzt. Ich hätte ja gerne mehr Zeit gemeinsam am Zelt verbracht und gequatscht.

Es gab also auch mal Zielkonflikte auf eurer Reise? Wie seid ihr mit solchen Meinungsverschiedenheiten umgegangen?

Michael: Jeder von uns hatte vor der Reise ein persönliches Ziel, das wir gemeinsam umgesetzt haben: Alex wollte unbedingt wieder ins Yosemite Valley, Jonas nach San Francisco und ich auf den Moses Tower. Und wenn es mal Differenzen gab, haben wir das sehr vernünftig gelöst. Zum Beispiel, als ich so geflucht habe …
Alex: Micha ist ein sehr ehrgeiziger Mensch, und wenn es beim Klettern mal nicht sofort funktionierte, hat er seinem Ärger Luft gemacht.
Michael (imitiert sich selbst): So ein Scheiß! Das klettere ich nicht noch mal! Ich fahr jetzt nach Hause!
Alex: Das war nie ernst gemeint, drückte aber doch auf die Stimmung. Also haben wir uns ’ne halbe Stunde hingesetzt und das ausdiskutiert. Das hat super funktioniert – zum Glück, denn wir drei waren ja zuvor noch nie gemeinsam auf großer Reise ­gewesen. Ich kenne andere Gruppen, da wurde so was in sich hineingefressen, was die Sache nur schlimmer machte.

Wenn es mal  Differenzen gab, haben wir  uns hingesetzt  und die Sache  ausdiskutiert. Das funktionierte super.

Ist einer von euch mal gefährlich gestürzt?

Alex: Wir haben uns ein paar Mal gefürchtet und sind auch mal in die Sicherung gefallen. Aber nichts Ernstes. Einmal ist einer aus einer Seilschaft über uns 15 Meter tief abgesegelt. Er schrie irgendwas von »fucked up«, hat sich aber nicht wirklich verletzt. Trotzdem war das nicht gerade meiner Motivation zuträglich, in die Route einzusteigen …

Dafür seid ihr wahrscheinlich bei der Ankunft in Las Vegas in kultureller Hinsicht hart gelandet …

Michael: Das ist wirklich crazy. Wenn du siehst, wie sie da die Wüste beleuchten und mit Wasser rumspritzen, als gäb’s keine Dürre. Cool war der Typ in der Autovermietung. Als er unsere Pässe sah, sagte er: »Ah, schönen guten Tag.« Als wir ihn fragten, woher er Deutsch kann, meinte er: »Meine Eltern kommen aus dem Schwarzwald. Schwarze kommen aus dem Schwarzwald, ist doch logisch, oder?«, und lachte sich kaputt. Dann wollte er uns ein Upgrade vom gebuchten Mittelklasse­wagen auf einen SUV verkaufen, weil er meinte, wir bräuchten das. Wir, ganz sparsame Ossis, lehnten dankend ab. Kommen wir runter in die Parkgarage, stehen da ausschließlich SUVs, und er meint: »Sucht euch eins aus. Wir haben keine kleinen Autos mehr.« Das wusste er natürlich auch schon, als er uns den Aufpreis verkaufen wollte …
Alex: Wobei man sagen muss, er hatte recht: Im Canyonlands-Nationalpark sind wir nur dank SUV, geballter Fahrkunst und improvisierter Straßenbau­maßnahmen zum Zeltplatz am Moses Tower gelangt.

Habt ihr jede Nacht gezeltet?

Michael: Ja. Schon die erste Nacht haben wir vor den Toren von Las Vegas auf einem sehr schönen Zeltplatz in den Red Rocks verbracht. Zelten ist für uns das Normalste auf der Welt, das machen wir immer bei unseren Reisen oder Touren.

Auf den Zeltplätzen musstet ihr ja auch selbst kochen, oder? Klassische Junggesellenküche? Chili con Carne aus der Dose?

Alex: Von wegen! Wir haben richtig gut aufgekocht. Zum Beispiel Reis mit Hühnchenfleisch, frischem Spinat und Pinien­kernen. Oder Kartoffelbrei mit Schmorgemüse und Frischkäse. Morgens hat Micha Pancakes gemacht. Und das Ganze auf nur einem Campingkocher. 
Michael: Egal, wie spät wir am Campingplatz ankamen, wir ­haben uns mindestens noch eine Stunde Zeit fürs Kochen genommen. Wisst ihr noch, wie wir uns im Indian Creek gewundert haben, warum die anderen Camper so früh schlafen gehen? Und morgens so ’ne Hektik machen? (alle lachen) Der Grund war: Wir hatten zwei Zeitzonengrenzen überfahren, ohne es zu merken. Es war also schon zwei Stunden später als auf unseren Uhren.
Jonas: Das war aber auch cool. Wir haben uns einfach nach dem Tageslicht gerichtet und nicht nach irgendeiner Uhr. So haben wir dann auch mal bis um zehn Uhr Ortszeit gepennt, ehe wir klettern gegangen sind. 

»San Francisco musste sein.« Hier sieht man, warum.
»San Francisco musste sein.« Hier sieht man, warum.
Seid ihr wenigstens in San Francisco mal schön essen gegangen?

Alex (grinst): Ja klar, aber nicht bei den großen, bösen Burgerketten. Denn in den USA gibt es ja ganz viele Burger­läden, wo Mutti und Vati … (alle lachen) … das war so eine fixe Idee von Micha.
Michael: Ich kannte das halt von vor zehn Jahren in Alaska, wo wirklich Mutti und Vati am Grill standen.
Alex: Aber wir haben kein einziges solches Restaurant gefunden. Also wurde das der Running Gag der Reise. Letztlich sind wir in San Francisco bei Carl’s Jr. gelandet. Das ist auch ’ne Kette, aber mit richtig guten Burgern. Und wir haben uns davon gleich inspirieren lassen und bei nächster Gelegenheit auf dem Kocher Burger gemacht, mit angerösteten Brötchen und allem Pipapo.

Wurde mal jemand krank und hattet ihr Probleme mit Tieren wie Skorpionen oder Bären?

Jonas: Ich hab mir nur mal Sorgen gemacht, die Jungs könnten das Essen nicht vertragen haben, weil sie drei- bis fünfmal pro Tag aufs Klo gegangen sind. Aber wahrscheinlich war das nur, weil wir so viel gegessen haben. (alle lachen)
Alex: Wegen der Skorpione haben wir brav die Schuhe mit ins Zelt genommen und wegen der Bären alles, was riecht, aus dem Auto genommen und in die auf den Campingplätzen installierten Food Locker gepackt. Letztlich haben wir aber im gesamten Urlaub keinen einzigen Skorpion oder Bären gesehen.

Mit dem Yosemite Valley haben die drei noch eine Rechnung offen.
Mit dem Yosemite Valley haben die drei noch eine Rechnung offen.
Keinen Bären gesehen? Nicht einmal im Yosemite-Tal?

Jonas: Die haben zu der Jahreszeit alle noch gepennt.

Was habt ihr im Kletterdorado Yosemite gemacht? 

Michael: Unter anderem eine ziemlich geniale Acht-Seil­längen-Tour auf den Half Dome. Da haben wir als Team wieder super funktioniert. Jeder ist nach seinem Niveau und ­Tagesform etwas vorgeklettert. Und wir waren superschnell. Nach dem Ausstieg sind wir auf den Half Dome hochgewandert und trafen drei junge amerikanische Kletterinnen. Sie haben Geburtstag gefeiert und uns aufgefordert mitzutrinken. Ja, und dann haben sie gefragt, ob wir was dagegen hätten, wenn sie sich ausziehen. Wir so: nöh. (alle lachen)

Auf dem  Half Dome  fragten uns drei  Kletterinnen, ob  wir was dagegen  hätten, wenn sie sich ausziehen.  Wir so: nöh.

Drei Mädels wollten sich auf dem Half Dome ausziehen?

Michael: Die haben halt Oberkörper freigemacht und ließen sich dann von einem anderen Typen vorne an der Kanzel vom Half Dome fotografieren. Eine hat sich dann sogar ganz nackig gemacht.
Alex: Schließlich sind die drei über einen versicherten Steig wieder abgestiegen. Abends haben wir sie im Valley vor einem Supermarkt wiedergesehen. Da waren sie dann doch ein bisschen verlegen.

Hattet ihr vor der Reise in Erwägung gezogen, eure Freundinnen mitzunehmen?

Alex: Die klettern zwar auch. Aber meine Freundin hatte Praktikum zu der Zeit, Jonas’ Freundin musste für ihr Staatsexamen lernen, und auch Michas damalige Freundin hätte keine Zeit gehabt.
Jonas: Es war schon auch gut so als reiner Jungstrip – bei aller Liebe.

Habt ihr weitere lustige Begegnungen gehabt?

Michael: Das Yosemite Valley war voll von schrägen Typen. Wir wollten unbedingt mal eine Nacht im Camp 4, dem legendären Zeltplatz der einstigen Kletterpioniere, verbringen. Aber was für ein Schock! Der Platz ist total räudig, überall Müll, versiffte Toiletten. Und statt Kletterern hingen da Leute mit Rollkoffern rum, die eben auch einmal im Leben im berühmten Camp 4 übernachten wollten. Als wir ihnen auf Nachfrage abends erzählten, dass wir tagsüber klettern waren, riefen sie ganz aufgeregt: »Oh, really? Crazy! Isn’t it dangerous?«
Alex: Oder wisst ihr noch, der Althippie mit den zwei Dreadlocks? Die sahen aus wie riesige Hasenohren, außerdem hatte er so Häschenzähne, und es war gerade Ostern, also haben wir ihn Easter Bunny genannt. Der ist morgens aus dem Zelt, hat mit seinen Leuten den ersten Dübel geraucht und angefangen zu trinken. Wenn wir nachmittags vom Klettern zurückkamen, hatte der solche Pupillen.

Ausgleichssport im Mountainbike-Mekka Moab.
Ausgleichssport im Mountainbike-Mekka Moab.
Habt ihr neben Klettern auch mal einen anderen Sport gemacht?

Michael: Dresdner Mountainbike-Freunde hatten mir gesagt, ich solle in Moab unbedingt den Slickrock Trail fahren. Alex und Jonas sind nicht so die Radler, aber mir zuliebe sind sie mitgekommen. Der Trail ist fahrtechnisch recht anspruchsvoll …
Jonas: Alter, da waren Abfahrten, wo ich mich lieber abgeseilt hätte – so steil! Und der Micha immer nur: »Laufen lassen, laufen lassen! Geschwindigkeit gibt Sicherheit!«
Michael: Der Untergrund dort ist supergriffig, und so konnte man den Trail sogar mit unseren billigen Leih-Hardtails fahren.

Besonders  das Gefühl von  Freiheit ist hängen geblieben. Die Weite der  Landschaft, die viele Zeit für sich, kein Stress …

Alex: … sparsame Ossis halt. Ich bin ja noch nie ein High-End-Mountainbike gefahren. Aber Micha schimpfte, was für eine Schrottmöhre das sei, und ließ Luft aus dem Hinterreifen, damit’s weicher wird. Beim Zurückgeben war dann ein Achter im Hinterrad. Die Frau im Bikeshop war aber nicht sauer. Ich glaube, die war eher beeindruckt davon, dass Micha es dem Rad so besorgt hat.

Welche Souvenirs habt ihr von der Reise mitgebracht?

Alex: Unser Gepäck war auf Anschlag, das begrenzte die Auswahl an Souvenirs. Für mich sind unsere Fotos das schönste Mitbringsel.
Michael: Mein schönstes Souvenir sind die Erinnerungen, wie gut wir uns verstanden haben und was für ein geiler Trip das war. Besonders das Gefühl von Freiheit ist hängen geblieben. Die Weite der Landschaft, die viele Zeit für sich, kein Stress, sondern immer schön langsam und genießen …

Und was ist jetzt mit dem Traum vom Bigwall-Klettern am El Capitan?

Alex: Tja. Wir sind ja bereits bei unserer vergangenen Reise am El Capitan die erste Seillänge der berühmten Route Salathé geklettert. Und irgendwie hatten wir alle das Gefühl, da müssen wir noch mal hin.
 
4-Seasons Info

Euroschwäche? Forget it! Unsere Tipps für den günstigen USA-Trip 

Da geht's lang in Californien.

Flug: Wir sind mit Delta Airlines von Berlin über Minneapolis nach Las Vegas und das Gleiche wieder zurück geflogen. 17 Stunden in der Holzklasse (tough), aber zu der Jahreszeit (März/April 2015) haben die Flüge nur je 570 Euro hin und zurück gekostet.
Mietwagen: Wir haben bei Dollar Thrifty einen Mittelklasse­wagen gebucht – knapp fünf Wochen für umgerechnet rund 750 Euro. Das Upgrade haben wir ja kostenlos erhalten. Und das war auch gut so: In einigen Nationalparks kommt man ohne Allradantrieb nicht weit. Sprit kostet in den USA nicht viel: pro Liter Superbenzin ungefähr 90 Euro-Cent. 
Übernachten: Wir haben immer gezeltet. Pro Stellplatz und Nacht kostete das inklusive Auto ungefähr 15 Euro. Allerdings sind die von uns gewählten Zeltplätze in den Nationalparks auch eher spartanisch ausgestattet. Lediglich in San Francisco haben wir uns einen luxuriöseren Campground gegönnt, für 40 Euro pro Nacht.
Verpflegung und Eintrittsgebühren: Wir haben fast immer selbst gekocht. Wer mehrere Nationalparks besucht, für den lohnt sich die Jahreskarte (Agency Annual Pass, 73 Euro pro Person). 
Gesamtkosten: Vor Ort haben wir etwa 700 Euro pro Mann ausgegeben, inklusive Flug und Mietwagen kamen wir so jeweils auf rund 1600 Euro für den fünfwöchigen Trip. Geht doch!

 

 
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