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Kaufberatung Radreise – Reifen, die die Welt bedeuten

Foto: Lars Schneider
In Zeiten von Klimawandel und Energieknappheit wird das Thema »nachhaltiges Reisen« immer wichtiger. Erfahrene Globetrotter wissen das längst und setzen in Sachen Fortbewegung verstärkt aufs Reiserad. Sie fahren damit tagtäglich zur Arbeit, am Wochenende in den Harz und im Sabbatjahr einmal um die Welt. Tun Sie es ihnen gleich und erobern Sie die Welt per Pedale.
Heiko Schiller (43) steht den Globetrotter-Kunden in der Filiale Frankfurt mit Rad und Tat zur Seite. Ursprünglich aus Mannheim, arbeitet er seit 1999 als Leiter der Kleinteile-Abteilung am Main. In seinem Fahrtenbuch stehen Biketouren in Island, Nordafrika, Westafrika (in sechs Monaten von Mannheim nach Mali), aber auch Europa (Italien, Frankreich, Spanien) und Deutschland (Taunus und Odenwald). | Foto: Michael Neumann

Ich will diesen Sommer mit dem Fahrrad auf Tour gehen. Was brauche ich dafür?

Zunächst einmal natürlich das passende Fahrrad. Dabei sollte man sich die unterschiedlichen Radtypen genauer anschauen und entsprechend dem Charakter der Tour und seinen persönlichen Vorlieben auswählen. Grob unterscheidet man zwischen den Klassen Mountainbike, Trekkingrad, Randonneur, Reiserad und Liegerad. Hat man die Schnittmenge ermittelt, folgen ausgiebige Probefahrten und der Detailcheck: Ohne Gewindeösen für Gepäckträger beispielsweise nutzt das beste Mountainbike nichts. Nächster Punkt auf der Einkaufsliste ist das Reparaturset. Pumpe, Flickzeug, Reifenheber, Taschenwerkzeug und – je nach Route – Ersatzteile gehören auf jeder Tour ins Gepäck. Unverzichtbar sind auch stabile, leicht zu montierende und wasserfeste Gepäcktaschen. Hinzu kommen ein Satz Radbekleidung, taugliches Schuhwerk und ein Helm. Die passende Campingausrüstung dürfte dagegen in jedem guten Outdoor-Haushalt vorhanden sein.

 

 

 

Ich habe ein schönes Hollandrad. Ist zwar schon älter, aber damit fahre ich immer in der Stadt rum. Reicht das?

Mir ist zwar auf Island mal ein Paar auf Hollandrädern begegnet, aber empfehlen kann ich das nur Hartgesottenen: mangelhafte Schaltung, extrem aufrechte, unergonomische und windanfällige Sitzposition.

 

Welches Rad würdest du denn mit nach Island nehmen?

Ein Trekkingrad mit grober Bereifung oder ein Mountainbike mit gemütlicher Sitzposition und ohne Hinterradfederung.

 

Du hast die fünf unterschiedlichen Radklassen erwähnt. Welches Rad taugt wofür?

Wer viel auf unbefestigten Wegen und schlaglochreichen Pisten unterwegs ist, wählt das Mountainbike. Wer meist Straße fährt, aber Schotter und Kies nicht meiden will, nimmt ein Trekking- oder Reiserad. 100 %ige Straßenfahrer wählen das rennradähnliche Randonneur. Wem das noch nicht individuell genug ist, schafft sich ein Liegerad an und den Gegenwind ab ;-)

 

Bildergalerie: 5 Radtypen auf einen Blick

Wo liegen die jeweiligen Vor- und Nachteile?

Reiseräder sind in der Regel komplett ausgestattet mit Gepäckträger vorne und hinten, Flaschenhalter, Licht und Federgabel. Die Sitzposition ist aufrecht und entspannt. Abzüge in der B-Note gibt es bei Preis (teuer) und Gewicht (schwer). Trekkingräder sind leichter, aber kaum weniger robust. Sie müssen allerdings erst mit Zubehör zum Reiserad aufgerüstet werden. Das geht noch mal ins Geld, erlaubt aber auch die Umsetzung individueller Wünsche. Das  Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt und eine Federung von Gabel und Sattel ist meist serienmäßig an Bord. Ein Randonneur ist ein langstreckentaugliches Rennrad mit langem Radstand für guten Geradeauslauf, einer komfortablen Sitzposition und Anbaumöglichkeiten für Gepäckträger. Mountainbikes setzt man immer dann ein, wenn es hart zur Sache geht: längere Schotterpisten rund um den Globus. Die obligate Federgabel dient nicht nur dem Komfort, sondern bügelt auch Fahrfehler wieder aus. Unbedingt auf eine komfortable Rahmengeometrie achten, sonst sind Nacken- und Rückenbeschwerden vorprogrammiert. Liegeräder sind etwas für Liebhaber. Sie sind sehr windschlüpfrig, aber im Stadtverkehr schlecht zu sehen, und bergauf sollte man gut trainierte Beinmuskeln haben. Bevor es mit einem solchen Bike auf Radreise geht, heißt es Fahrverhalten austesten und üben. Eine Hinterradfederung ist obligatorisch, denn sonst bekommt man jede Bodenwelle ins Kreuz.

 

Sollte ich mir nicht ohnehin ein Rad mit Federung zulegen?

Ich würde von einer Hinterbaufederung bei normalen Reiserädern abraten, da meist keine Gepäckträgermontage möglich ist. Ausnahmen wie das vollgefederte Intercontinental von Riese & Müller mit spezieller Gepäckträgerkonstruktion bestätigen diese Regel. Eine blockierbare Gabelfederung ist auf längeren Touren durch unbekanntes Terrain aber eine Überlegung wert.

 
Alles im Griff: Globetrotter gibt's die komplette Ausrüstung für die nächste Radreise. | Foto: Michael Neumann

Nächstes Jahr will ich durch Südafrika biken. Ist da ein zu technisches Rad nicht suboptimal?

Klar, je weniger dran ist, desto weniger kann kaputt gehen. Auf der anderen Seite sind Defekte bei einem hochwertigen und vor allen Dingen gut gewarteten Rad sehr selten. Also wer nicht gerade auf Langzeittour über mehrere Monate geht, bei der der normale Verschleiß schlicht nicht vermeidbar ist, kann durchaus auf ein technisches Rad mit Federung, Nabendynamo, Nabenschaltung et cetera setzen.

 

 

Wie sieht es mit dem Rahmen aus? Wählt der Reiseradler immer noch einen Stahlrahmen, da man diesen im »Bruchfall« überall schweißen lassen kann?

Da ist durchaus was dran. Das gilt allerdings nicht für hochwertige und dünnwandige Stahlrahmen. Wenn da der Dorfschmied Hand anlegt, ist schnell mehr kaputt als vorher. Rahmenbrüche sind aber ohnehin selten geworden und kommen primär bei billigen Baumarkträdern vor.

 

Wie sitze ich bequem und richtig?

Zunächst gilt es, die Sattelposition einzustellen: Die richtige Höhe ergibt sich, wenn der Fußballen das Pedal ganz unten erreicht und dabei das Knie noch nicht ganz durchgestreckt ist. Der optimale Sattelabstand zum Lenker ermittelt sich wie folgt: In waagerechter Pedalstellung muss das Lot der vorderen Kniescheibe durch die Pedalachse gehen. Dann die Lenkerposition mittels des bestenfalls verstellbaren Vorbaus einstellen. Der Rücken sollte bei normaler Fahrposition ca. 45° geneigt sein. Individuelle Vorlieben muss man während der Fahrt herausfinden. Lenkerhörnchen beugen Ermüdungserscheinungen vor.

 
Für die heute allgegenwärtigen wasserdichten Gepäcktaschen hätten Reiseradler vor einigen Jahren noch ihre Großmutter verkauft. | Foto: Michael Neumann

Die meisten Reiseräder haben hinten und vorne Gepäckträger. Ich bin Minimalist, reicht da nicht die hintere Variante?

Egal, wie viel Gepäck am Start ist: Von dessen gleichmäßiger Verteilung auf vorne und hinten profitiert das Fahrverhalten. Am Berg und bei abrupten Lenkbewegungen steigt sonst der Drahtesel schnell hoch. Die vorderen Gepäckträger heißen heutzutage übrigens »Lowrider«, da sie den Schwerpunkt der Packtaschen auf Höhe der Radnabe verlegen, was der Lenkpräzision zugutekommt. Bei kürzeren Touren, zu denen ich bevorzugt mit der Bahn anreise, beschränke ich mich aber auch oft auf zwei Hinterradtaschen, eine Lenkertasche und eine kleine Gepäckrolle. Dies setzt aber auch eine leichte und klein verpackbare Campingausstattung voraus.

 

Warum kann ich nicht einfach einen großen Rucksack nehmen?

Als Ergänzung und zur Aufbewahrung einer Trinkblase kann man auch einen kleinen Bikerucksack mit guter Rückenbelüftung in Erwägung ziehen. Das komplette Gepäck auf dem Rücken zu transportieren, ist aber keine gute Idee. Der Schwerpunkt für sicheres Fahren liegt hier viel zu hoch und Rückenschmerzen werden nicht lange auf sich warten lassen. Eine Ausnahme sind Alpencrosstouren, die mit reinrassigen Mountainbikes ohne Gepäckträger durchgeführt werden. Hier gibt es keine andere Lösung als den Bikerucksack mit extrem wenig Gepäck (maximal sieben Kilo).

 
Zum klassischen Flicken gibt es heute manche Alternative, zum Platten selbst leider nicht. | Foto: Michael Neumann

Wasserdichte Radtaschen scheinen heute ein Muss zu sein. Tun es für den Anfang nicht auch solche mit Regenüberzug?

Klar, es gibt auch gute Taschen mit Regenüberzug. Hier sollte man aber unbedingt auf gute Materialqualität und saubere Verarbeitung der Nähte achten. Vorteil dieser Taschen ist die meist bessere Innenaufteilung mit kleinen Vor-und Seitentaschen für mehr Übersicht. Auf der Radseite kann bei diesen Taschen bei lang anhaltendem Regen aber durchaus Wasser eindringen. Außerdem ist es etwas umständlicher, bei jedem Schauer die Verhüterli überzustülpen. Wer auf Nummer sicher gehen will, greift gleich zu komplett wasserdichten Taschen, die zudem sehr robust sind. Für Ordnung sorgen dann viele verschiedenfarbige Packbeutel.

 

Apropos Regen: Wie schütze ich mich als Radfahrer am besten, um nach einem Tag im Regen nicht völlig durchnässt zu sein?

Eine Kombination aus Jacke, Hose und Gamaschen ist meist die beste Wahl. Die Jacke sollte dabei an den Ärmeln und im Rückenbereich so lang geschnitten sein, dass sie bei nach vorn gebeugter Sitzhaltung die Handgelenke und den Rücken noch gut schützt. Wer ohne Helm fährt (pfui!), achtet darauf, dass die Kapuze auch zur Seite gute Sicht bietet. Die Hose sollte am Hintern möglichst verstärkt, mit Schuhen schnell angezogen und an den Knöcheln auch bei angezogenen Knien ausreichend lang sein. Spezielle Gamaschen dichten den Bereich vom Hosensaum bis über die Schuhe ab. Wer mit Helm fährt (bravo!), sollte einen dafür passenden Überzieher mitführen. Atmungsaktive Materialien verhindern zwar nicht das Schwitzen, entfalten aber besonders bei kühlen Außentemperaturen ihre Wirkung, unterstützt von Unterarm-Reißverschlüssen. Bei kurzen Schauern kann auch ein Poncho gute Dienste leisten. Er ist schnell an- und ausgezogen und bietet eine  sehr gute Belüftung. Allerdings steigt der Luftwiderstand merklich.

Auch Radfahrer brauchen gute Schuhe. Doch welche?

Zunächst ist zu klären, ob man lieber mit Klickpedalen fährt oder »blank«. Auf Klickpedale schwören bestimmt 80 % unserer Kunden. Diese Pedale kann man sich wie kleine Skibindungen vorstellen. Nach vorne, oben und hinten ist man fest mit dem Pedal verbunden, schert man jedoch seitlich aus, gibt einen die Bindung sofort frei. Einmal daran gewöhnt, profitiert man von einer maximal kraftschlüssigen Verbindung zwischen Schuh und Pedal. Schuhe fürs Klick-System haben meist eine etwas härtere Sohle als vergleichbare Trekkingschuhe, doch mittlerweile gibt es viele Modelle, bei denen zumindest die Sohlenspitze die natürliche Abrollbewegung des Fußes fördert. Mit diesen Schuhen schafft man es nicht nur bis in den nächsten Biergarten, sondern kann auch kleinere Sehenswürdigkeiten am Wegesrand getrost erlaufen. Ideal sind auch die Transalp-Modelle, konzipiert für Alpencrosser, bei denen Passüberschreitungen mit dem Bike auf der Schulter zur Tagesordnung gehören. Sie reichen bis über den Knöchel und haben eine besonders griffige Sohle. Für richtige Gipfelstürme taugen aber auch sie nicht. Wer so was plant und kein zweites Paar Schuhe mitnehmen will, setzt besser auf herkömmliche Trekkingschuhe und normale Pedale. Pedalriemen dagegen sind nicht mehr Stand der Technik.

 
Ein pfiffiges Multitool garnatiert schnelle Hilfe im Pannenfall. | Foto: Michael Neumann

Als Reiseradler sollte man zumindest das kleine Einmaleins der Fahrradreparatur beherrschen. Welches Know-how und welches Material gehören an Bord?

Ein Ersatzschlauch, Flickzeug, Luftpumpe, Reifenheber, kleine Zange, Speichenspanner und ein Kombiwerkzeug sollten immer dabei sein. Kettenrisse kommen zwar selten vor (Verschalten unter Last am Berg), ein Kettennieter kann dann aber auch sehr praktisch sein. Schalt- oder Bremszüge und Bremsbeläge nehmen kaum Platz weg. Kabelbinder, Gewebeband und Ersatzschrauben sind auch immer dabei. Bei besonders strapaziösen Touren dürfen auch Ersatzspeichen und Nippel nicht fehlen. Der Umgang mit den Werkzeugen sollte geübt sein. Vorher prüfen, ob man mit dem Kombiwerkzeug alle relevanten Schrauben erreicht. Beim Werkzeug nicht an der Qualität sparen. Schrauben eventuell auf wenige Größen und Schlüsselaufnahmen vereinheitlichen. Und keine Bange: Die Bauteile gehen bei modernen und gut gewarteten Rädern deutlich seltener kaputt als früher, sofern die Verschleißteile wie Bowdenzüge, Bremsbeläge, Kette oder Ritzel regelmäßig ersetzt werden. Bei Felgenbremsen sollte man auch die Felge ab und an auf Verschleiß prüfen.

 

Viele Radler tragen schreiend bunte Trikots und hautenge Hosen. Ist das das Nonplusultra beim Reiseradeln?

Nein. Wem solche Klamotten zu knallig sind, der kann auch in legerer Wanderbekleidung auf Tour gehen, ergänzt durch eine Unterhose mit Popo-Polster. Damit ist man allerdings nicht ganz so windschnittig unterwegs. Doch egal, welche persönlichen Präferenzen man hat – in jedem Fall gilt es, die kulturelle Kleiderordnung des Landes zu beachten. Im knallengen Einteiler durch ein streng islamisches Land radeln, das geht gar nicht.

 

Und wie steht es mit diesen Popo-Polstern? Bringen die es wirklich?

Wer schon einmal fünf Stunden und länger auf dem Radsattel gesessen ist, wird diese Polster in der Hose nicht missen wollen. Sie verhindern sehr wirkungsvoll Wundscheuern und Druckstellen. Solche Hosen gibt es auch als Unterhose zum Drunterziehen. So kann man jede Klamotte auf Bikehose trimmen. Im Gegensatz zu früher, wo die Polster oft aus Leder bestanden und aufwändig gepflegt werden mussten, verwendet man heute nur noch hygienische Kunststoffpolster.

 

Kann ich meinem Hintern mit dem richtigen Sattel zusätzlich etwas Gutes tun?

Eine Empfehlung für den perfekten Sattel gibt es nicht. Dieser hängt sehr stark von der individuellen Anatomie ab und muss mehr oder weniger ausprobiert werden. Als Faustregel gilt, dass ein schmalerer und etwas festerer Sattel auf Dauer angenehmer ist. Bei sehr aufrechter Sitzposition darf er auch stärker gepolstert und etwas breiter sein. Frauen sollten zu einem entsprechenden Damenmodell greifen. Aussparungen im Genitalbereich verhindern bei Männern wie Frauen Druckstellen. Dagegen hilft auch, die Sattelspitze leicht nach unten zu neigen. Ansonsten sollte der Sattel möglichst waagerecht ausgerichtet sein. Kernledersättel passen sich auf Dauer hervorragend der individuellen Anatomie an, sind aber erst nach einer längeren und schmerzhaften Einfahrphase (circa 500 Kilometer) so richtig gut. Dafür halten sie bei richtiger Pflege fast ein Leben lang.

 
Jetzt eine kleine Öllache und schon wird der Helm zur Lebensversicherung. | Foto: Lars Schneider

Empfiehlst du für Radreisen einen Helm?

Aber hallo, denn der Straßenverkehr ist überall auf der Welt unberechenbar. Und man wäre nicht der erste Radler, der nach einem übersehenen Schlagloch ungespitzt über den Lenker geht. Zudem bietet der Markt längst Helme an, die in Sachen Komfort dem Oben-ohne-Fahren gleichkommen.

 

Heißt das im Umkehrschluss, dass eine Radreise mit der ganzen Familie ein zu gefährliches Unterfangen ist?

Keineswegs, gerade die Radwege entlang mitteleuropäischer Flüsse verlaufen weitgehend abseits vom Straßenverkehr und kommen ohne nennenswerte Steigungen aus. Das ist der optimale Trainingsgrund für erste längere Touren mit Kind und Kegel.

 

Ab welchem Alter kann ich den Nachwuchs denn überhaupt mitnehmen?

Kleinere Kinder kommen in den Anhänger, was aber in Kombination mit dem restlichen Gepäck recht anstrengend werden kann. Kinder, die bereits selbst fahren können, sollte man zunächst auf kürzere Tagesausflüge mitnehmen und die Etappen langsam steigern. Wenn die Kinder dann Tagesetappen von 40 Kilometer ohne Probleme meistern und die Fahrsicherheit stimmt, kann man auch an mehrtägige Unternehmungen denken. Am besten die Kinder bei der Tourenplanung mit einbeziehen, dass mindert dann hinterher das »Moserpotenzial« ;-)

 
Anhänger lösen manches Gepäckproblem und erhöhen die Fahrstabilität. | Foto: Michael Neumann

Bietet sich ein Anhänger nicht auch für den bloßen Gepäcktransport an?

Ein Anhänger macht als Ergänzung zu Taschen dann Sinn, wenn viel (Expeditions-)Gepäck transportiert werden soll. Auch Tandemfahrer bekommen ihr Gepäck oft nicht komplett in den Packtaschen verstaut und verwenden zusätzlich einen Anhänger. Es gibt sehr gut laufende einspurige Anhänger, die sich sogar mit in die Kurve legen. Auch ist der Schwerpunkt des Gepäcks hier optimal nach unten verlagert, was der Fahrstabilität zugutekommt. Das zusätzliche Gewicht des Anhängers spürt man aber spätestens an der nächsten Steigung. Auch die Benutzung von Bus und Bahn ist mit einem sperrigen Anhänger komplizierter. Zweirädrige Anhänger sind nur zum Einkaufen und für den Kindertransport zu empfehlen.

 

Mit welchem Zubehör erhöht der Experte seine persönliche Sicherheit?

Zunächst einmal durch eine entspannte, unaggressive, vorausschauende Fahrweise und einen gut entwickelten Instinkt für gefährliche Situationen wie unübersichtliche Kreuzungen und aufspringende Autotüren. Darüber hinaus helfen Reflexstreifen an der Kleidung, eine funktionierende Lichtanlage, eine laute Klingel und ein am Lenker oder Helm montierter Rückspiegel.

 
Mit einer durchstich-sicheren Lage schützen sich macneh Reifen vor Scherben und Nägeln. | Foto: Michael Neumann

Wie plant der technikaffine Tourenradler seine Reisen?

Internet und GPS sind feine Sachen. Online findet man viele vorgefertigte Touren, die man sich auf sein GPS lädt. Auch kann man sich am PC auf digitalen Karten seine Tour mit der Maus zusammenklicken und ins GPS einspielen. Aber bitte an den hohen Batterieverbrauch denken (die Geräte halten meist nur wenige Tages-etappen im Dauerbetrieb). Papierkarten gehören daher trotz GPS ins Gepäck, da sie eine bessere Übersicht bieten und nicht »abstürzen« können.

 

Wie verpacke ich mein Rad, wenn es per Flieger ins Zielgebiet geht?

Über die richtige Verpackung kann man streiten. Ich persönlich verpacke mein Rad möglichst wenig, sodass es vom Flughafenpersonal noch schiebbar ist. Im Detail sieht das so aus: Luft aus den Reifen, Lenker quer, Pedale abschrauben, Schaltung nach innen stellen, zwei billige Isomatte-n an beiden Seiten mit Blumendraht fixieren). So bleibt es als Rad erkenntlich und landet nicht in einem Karton unter einem Stapel Koffer. Die Alternative ist ein Fahrradkarton vom Radhändler. Dieser muss am Zielort aber irgendwie für die Rückreise gelagert werden. Das Fahrrad sollte auf jeden Fall während der Buchung bei der Fluggesellschaft als Reisegepäck angemeldet werden.

 

Irgendwann steht der Plan, und die Reise beginnt in wenigen Wochen. Sollten auch körperlich »normal« fitte Menschen vorher für die Radtour trainieren?

Kommt drauf an. Wer in einer bestimmten Zeit ein hochgestecktes Ziel erradeln will, sollte im Vorfeld durch Joggen, Schwimmen und Radeln an der Grundlagenausdauer arbeiten. Wer mehr Zeit hat, backt anfangs einfach kleinere Brötchen und steigert sich von Woche zu Woche.