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Kaufberatung: Das kleine ABC des Hallenkletterns

Foto: Michael Neumann
Fitness-Studio war gestern. Wenn überhaupt. Der Outdoorer von Welt wechselt im Winter von der Horizontalen in die Vertikale und schraubt sich an bunten Klettergriffen indoor in die Höhe. Das macht Spaß, gibt Kraft und erweitert die Möglichkeiten bei künftigen Touren auf die echten Berge. Also: Gehen Sie doch mal die Wände hoch.
 

Das erste Mal Kletterhalle. Was brauche ich dafür alles?

So pauschal lässt sich die Frage nicht beantworten. Wie umfassend deine Ausrüstung für den ersten Besuch sein sollte, hängt zum einen von der Kletterhalle und zum anderen von deinen eigenen Fähigkeiten ab. Für jeden zunächst unabdingbar sind ein Klettergurt und ein fester Kletterschuh. Sind in der Halle keine Toprope-Seile angebracht, brauchst du in der Regel auch ein eigenes Seil sowie ein Sicherungsgerät, einen HMS-Karabiner und je nach Kletteranlage auch ein paar Expressen.
(Anmerk der Red. Expressen? Auf Seite 82 gibt‘s ein kleines Lexikon der Fachbegriffe).

 
Monica von Ysenburg wurde in Rio de Janeiro geboren und begann dort 1989 mit dem Klettern. Die Brasilianerin schwärmt noch heute vom Zuckerhut: Ein Big-Wall mit U-Bahnanschluss! 1999 tauschte Monica den Zuckerhut gegen die Eifel – schuld war der Herr von Ysenburg –, bekam drei Kinder und stellte das Klettern hintan. Seit ihre älteste Tochter schwer genug ist, um zu sichern, ist sie aber wieder in der Vertikalen unterwegs. | Foto: Michael Neumann

Gibt es Seile für draußen und Seile für drinnen?

Jein. Fast alle modernen Kletterseile bestehen in der Regel aus dem Kunststoff Polyamid und weisen eine Kernmantelkonstruktion auf: Ein Kern aus verflochtenen Fasern wird von einem Mantel umgeben, der ihn vor Beschädigung schützt. Kletterseile werden außerdem nach ihrer Gebrauchsdehnung und dem Seildurchmesser unterschieden. Daraus ergeben sich drei verschiedene Seiltypen: Einfachseile, Halbseile und Zwillingsseile.
Zum Sportklettern in der Halle brauchst du ein Einfachseil, dessen Seildurchmesser zwischen 9 und 11 Millimeter liegt. Wenn man viel im Toprope klettert, empfehle ich ein Seil mit einem guten Mantelanteil und einem Durchmesser zwischen 10 und 10,5 Millimeter. Da die meisten Kletterhallen zwischen 10 und 22 Metern hoch sind, reicht eine Seillänge von 50 Metern völlig aus. Gut eignet sich beispielsweise das Mammut Run Out in 10,5 Millimeter oder das Edelrid Hawk in 10 Millimeter. Wenn man vorhat, sich ein Seil für eine bestimmte Halle zuzulegen, gibt es auch Seile als Meterware, die man sich entsprechend zuschneiden lassen kann.

 

Und wozu die anderen Seiltypen?

Wie viel Seil hätten'S denn gern? | Foto: Michael Neumann

Im Gegensatz zum Hallenklettern gibt es im Außenbereich viele verschiedene Arten des Kletterns und somit auch unterschiedliche Anforderungen an die Kletterseile. Beim alpinen Klettern werden je nach Gelände und Schwierigkeit Einfach-, Halb- oder Zwillingsseile benutzt, klettert man im Eis, braucht man eine besonders gute Imprägnierung. Ist man hingegen in hohen Schwierigkeitsgraden unterwegs, bieten sich extrem leichte und dünne Seile an. Dünne Seile erfordern allerdings besondere Aufmerksamkeit beim Sichern und Abseilen und sind somit nicht für Anfänger geeignet.

 

In welchen Details unterscheidet sich ein guter von einem mittelmäßigen Klettergurt?

Sicher: einschnalliger Klettergurt. | Foto: Michael Neumann

Wie beim Seil unterscheiden sich die Klettergurte nach ihrem Einsatzgebiet und lassen sich zunächst in verschiedene Typen unterteilen: Hüftgurte, Komplettgurte und die Kombination aus Hüft- und Brustgurt.
Beim Hallenklettern benutzt man in der Regel einen Hüftgurt. Dieser besteht aus zwei Beinschlaufen und einem Bauchgurt, die durch die Anseilschlaufe miteinander verbunden sind. 
Benutzt man einen Hüftgurt, dann liegt der Anseilpunkt auf Höhe des Körperschwerpunkts. Bei Kindern und übergewichtigen Menschen liegt der Körperschwerpunkt allerdings weiter oben. Darum sollte man in diesen Fällen auf einen Komplettgurt zurückgreifen – oder aber einen Hüftgurt in Kombination mit einem Brustgurt verwenden.
Zudem sollte man auf die Verschlusssysteme achten. In der Regel gibt es ein bis vier Schnallen, die entweder durch ein Rückschlaufsystem oder Systemschnallen größenverstellbar sind. Letztere kann man schneller schließen, da man sie einfach nur zuziehen muss, während man bei dem Rückschlaufsystem immer noch eine Handbewegung mehr machen muss, was zum Teil nicht nur recht mühsam ist, sondern auch mal vergessen werden kann. Für welches System man sich letztlich entscheidet, ist Geschmackssache. Ich würde allerdings immer empfehlen, Gurte mit nur einer Art Verschlusssystem zu wählen, da man leichter überprüfen kann, ob sie auch richtig geschlossen sind.
Außerdem sollte man vor dem Kauf unbedingt eine Hängeprobe machen. Nur so kann man das optimale Verhältnis zwischen Komfort und Bewegungsfreiheit finden.

 

Problemzone Kletterschuh. Gibt es die auch in bequem oder muss ich mir die Schmerztoleranz einer Primaballerina aneignen?

Kletterschuhe müssen auf jeden Fall enger sitzen als Straßenschuhe, was aber nicht bedeutet, dass sie automatisch wehtun. Auch bei den Kletterschuhen gibt es unterschiedliche Schuhe für unterschiedliche Einsatzbereiche. Beim Kauf sollte man neben dem Einsatzzweck auch die Fußform berücksichtigen: Wenn man quadratische Füße hat, steht man mit extrem spitzen Schuhen nicht unbedingt besser in der Wand. Dann kann man noch zwischen verschiedenen Verschlusssystemen wählen, wie bei normalen Schuhen auch: Schnürsenkel, Klettverschluss oder Slipper. Ich persönlich finde Schnürsenkel optimal, da man die Schuhe so genauer an die eigene Fußform anpassen kann.
Dann gibt es noch asymmetrische Schuhe und Schuhe mit Vorspannung, will heißen die Sohle ist kürzer als der Oberschuh. Für Einsteiger eignet sich einer ohne Vorspannung mit geradem Schnitt und steifer Sohle am besten. Dies ermöglicht ein kraftsparendes Klettern für ungeübte Füße.

 

Wie kann ich herausfinden, ob mir ein Schuh wirklich passt?

Spitzenmäßig: Grundlage allen Kletterns ist ein guter Schuh. | Foto: Michael Neumann

Das kann man nur beim Klettern selbst testen. Daher gibt es bei uns in der Filiale Köln einen extra Klettertunnel, in dem man den Schuh direkt ausprobieren kann. Wie im normalen Schuhgeschäft ein paar Schritte zu gehen, ist hingegen keine Methode, um einen Kletterschuh zu testen.

 

Und wenn ich einfach barfuß klettere?

In der Halle  barfuß zu klettern ist keine Option, da es aus hygienischen Gründen nicht erlaubt ist. Barfuß zu klettern ist außerdem sehr anstrengend für die Füße und draußen je nach Felsbeschaffenheit auch sehr schmerzhaft und somit nichts für Anfänger.  

 

Seil, Klettergurt, Kletterschuh – alles klar. Und was ist mit diesen schicken bunten Karabinern?

Die unterscheiden sich nicht nur in ihren Farben, sondern auch nach Einsatzbereich. Beim Klettern werden Normalkarabiner und Verschlusskarabiner benutzt. Wichtig für Anfänger zu wissen ist, dass man nur mit Verschlusskarabinern sichern darf. Für den Anfang würde ich mir einen HMS-Karabiner zulegen, da man mit diesen Karabinern sowohl mit dem Halbmastwurf als auch mit einem Sicherungsgerät sichern kann.

 
Von manuell bis halbautomatisch – Sicherungsgeräte für alle Könnensstufen. | Foto: Michael Neumann

Welche Sicherungsgeräte gibt es?

Vom traditionellen Achter bis hin zum brandneuen Halbautomaten ist vieles geboten. Nicht jedes Gerät ist jedoch für jeden geeignet: Handhabung, persönliche Voraussetzung und Einsatzbereich spielen ein Rolle. Darum ist eine gute Beratung hier unerlässlich. Neben der Sicherung mit dem HMS ist der Achter eine traditionelle Sicherungsmethode. Ebenso wie die populären »Tubes« blockieren diese Sicherungsgeräte beim Klettern im Fall eines Sturzes nicht automatisch. Vielmehr muss der Sichernde das Seil straff ziehen. Durch die Reibung im Sicherungsgerät wird der Sturz dynamisch abgefangen. Für den Stürzenden bedeutet das, dass er weicher ins Seil fällt, aber auch, dass der Bremsweg länger ist. Diese Art der Sicherung erfordert eine hohe Aufmerksamkeit des Sichernden und den sicheren Umgang mit dem Gerät. Auch der Gewichtsunterschied zwischen den Kletterpartnern muss bedacht werden: Ist er zu groß, kann es den leichteren Sichernden nach oben lupfen – worauf er im Reflex vielleicht das Seil loslässt.
Um diese Probleme zu beseitigen, sind seit vielen Jahren sogenannte Halbautomaten auf dem Markt. Sie sollen einerseits menschliches Versagen verhindern, andererseits schneller bremsen. Im Falle eines Sturzes wird das Seil automatisch blockiert und der Sturz sofort abgefangen. Dennoch müssen auch diese Geräte richtig bedient werden. Da die Handhabung oftmals etwas kompliziert ist, wird Anfängern von Halbautomaten eher abgeraten.

 

Kann ich auch allein klettern gehen?

Unkompliziertes Sicherungsgerät: Eine »Tube« funktioniert in Verbindung mit einem HMS-Karabiner. | Foto: Michael Neumann

Nein, denn ohne Sicherungspartner funktioniert das nicht. Aber man kann dafür bouldern gehen – falls die Halle einen solchen Bereich besitzt. Bouldern ist das ungesicherte Klettern in Absprunghöhe. Man benötigt also weder Gurt noch Seil noch Sicherungspartner. Bouldern erfreut sich zurzeit einer solchen Beliebtheit, dass es sogar mittlerweile Hallen gibt, die ausschließlich zum Bouldern eingerichtet sind.

 

Was hat es mit diesen Beuteln auf sich, die immer am Klettergurt hängen? Ist da das Pausenbrot drin?

Nein! Da ist das »Zauberpulver« der Kletterer drin: Magnesia, auch bekannt unter dem englischen Namen Chalk. Es hilft beim Klettern die Hände trocken zu halten und auf diese Weise einen besseren Halt am Fels zu erzielen. Zusätzlich hat das »Chalken« einen beruhigenden Effekt: Der Griff in den Beutel schenkt dir ein paar Sekunden, um deine Gedanken zu sortieren und den nächsten Kletterzug zu durchdenken. Aber Vorsicht: In den meisten Kletterhallen sind mittlerweile sogenannte Chalkballs Pflicht, da bei losem Chalk die Halle regelrecht zustaubt.

 

Wo finde ich die nächste Kletterhalle?

Prinzip »Grigri«: Sobald man den Hebel loslässt, blockiert das Seil. | Foto: Michael Neumann

Zum einen kannst du ganz einfach über eine Suchmaschine im Internet nach der Kletterhalle in deiner Nähe suchen. Außerdem gibt es einen Kletterhallenführer für Deutschland, die Schweiz und Österreich. In »Halls und Walls« sind über 300 Kletter- und Boulderhallen aufgelistet mit allen wichtigen Informationen zu Öffnungszeiten, Preisen und Anfahrtsweg. Zu haben in unseren Filialen oder unter www.tmms-verlag.de.

 

Okay, Ausrüstung ist angeschafft, eine Halle gefunden. Und wie weiter?

Wenn man alles zusammenhat, ist der nächste Schritt auf jeden Fall die Anmeldung zu einem Kletterkurs. Dort lernt man den richtigen Umgang mit der Ausrüstung, das richtige Sichern und allgemeine Einsteigertechnik kennen. Neben dem DAV bieten fast alle Kletterhallen einen solchen Kurs an. Allerdings gibt es auch da erhebliche Qualitätsunterschiede. Während beispielsweise beim DAV ein Einsteigerkurs über zwei Tage zu je drei Stunden geht, gibt es andere Hallen, in denen alles in ein bis zwei Stunden abgehandelt wird. Einige sicherheitsrelevante Details können bei so wenig Zeit schon mal auf der Strecke bleiben. Deswegen sollte man sich die Halle und die Inhalte der Kurse genau anschauen.

 

Ich möchte mich erst mal in die Materie einlesen. Welches Kletterlehrbuch empfiehlst du?

Prinzip »Achter«: Mehr Reibung durch mehr Umlenkung. | Foto: Michael Neumann

Ich empfehle das Buch »Indoor-Klettern. Das offizielle Lehrbuch zum DAV-Kletterschein«. Wer allgemeine Informationen über das Sportklettern in verschiedenen Bereichen erhalten möchte, dem seien die Bücher »Alpin-Lehrplan« und »Sicher Sichern« von Michael Hoffmann sowie das Buch »Sportklettern. Das Praxisbuch für Einsteiger und Fortgeschrittene« von Frank Schweinheim nahegelegt. Und mit allen anderen Abgründen des Kletterns beschäftigen sich die legendären Klettercomics von Erbse.

 

In eurem Sortiment finden sich auch einige Klettervideos. Mit welchen soll ich anfangen?

Das ist Geschmackssache. Ich schaue mir gerne Filme über Erstbegehungen an. Für 
Anfänger ist der Film »Lizenz zum Klettern« von Udo Neumann interessant, darin erfährt man alles, was man als Neuling über Klettertechnik wissen sollte.

 

Slacklining, das Balancieren auf einem gespannten Gurtband, scheint unter Kletterern gerade ein besonders angesagtes Training zu sein. Wäre das auch was für mich?

Bei der Slackline, einem zwischen Bäumen gespannten Schlauchband, werden Balance, Konzentration und Koordination geschult – davon profitiert natürlich jeder. Die Slackline ist bei vielen aber nicht nur Trainingsgerät, sondern hat sich mittlerweile zu einer eigenen Sportart mit eigener Szene entwickelt. Längst gibt es sogenannte Highlines, bei denen man in schwindelerregenden Höhen über das Schlauchband läuft. Andere vollführen auf der Slackline wiederum gesprungene Drehungen oder Überschläge.

 

Ihr habt sogar Klettergriffe im Sortiment, die man an die Hauswand schrauben kann. Machen die Leute das echt?

Kletterwand zum Mitnehmen: Wer gern klettert, baut sich daheim eine Trainingswand. | Foto: Michael Neumann

Leidenschaftliche Kletterer, die es sich leisten können, machen das bestimmt! Ein Zimmer oder Dachboden mit einer geneigten Holzwand voll mit bunten Griffen ist der Traum 
aller Kletterer. Allerdings sollte man da einiges an handwerklichem Geschick mitbringen und sich vorher über die Statik und Beschaffenheit der eigenen vier Wände schlau machen.

 

Ich gehe auch regelmäßig ins Fitness-Studio. Was kann ich dort tun, um beim nächsten Trip in die Kletterhalle zu punkten?

Klettern ist immer noch das beste Training. Allerdings kann man der Körperspannung durch gezieltes Training etwas nachhelfen. Das klingt vielleicht etwas schräg, aber diese typischen Frauenkurse wie Bauch-Beine-Po sind da genau das Richtige. Außerdem ist Beweglichkeit beim Klettern enorm wichtig – regelmäßiges Dehnen hilft enorm weiter.

 

Kletterer definieren sich gern über den Schwierigkeitsgrad, den sie schaffen. Was heißt das?

Der Schwierigkeitsgrad dient dazu, die Schwierigkeit einer Route zu beschreiben und mit anderen Routen vergleichen zu können. Er ist für den Kletterer wichtig, damit er weiß, ob er physisch und psychisch fit genug ist, um in die Route einzusteigen und keine bösen Überraschungen zu erleben. In Deutschland wird normalerweise die Skala der UIAA benutzt. In anderen Ländern gibt es eigene Bewertungssysteme. Die UIAA-Skala reicht für Nicht-Superhelden von I bis VII, ab VIII braucht man neben Technik und Training auch noch die Gene von Spiderman. Die schwersten Routen der Welt liegen derzeit bei zwölf minus – eine überhängende Raufasertapete ist nichts dagegen.

 

Wenn der Winter vorbei ist, will ich auch mal Klettersteige gehen. Kann ich das mit der Ausrüstung aus der Kletterhalle?

Nein. Einzig dein neuer Klettergurt taugt für beides. Zusätzlich brauchst du ein Klettersteigset in Y-Form, mit zwei Sicherungssträngen, Fangstoßdämpfung und Handschuhen.

 
Nein, beim Hallenklettern braucht man keinen Helm. Wohl aber auf dem Klettersteig. | Foto: Michael Neumann

Herrscht auf Klettersteigen Helmpflicht?

Absolut. Meist sind viele Leute unterwegs, und so ist stets Steinschlaggefahr gegeben. Zudem ist in der Regel bei einem Sturz Felskontakt nicht auszuschließen.

 

Welches Schuhwerk braucht man zum Klettersteiggehen?

Für den Klettersteig reicht ein leichter Bergschuh mit gutem Grip und einer gewissen Steifigkeit der Sohle, um im Fels und auf Eisenstiften einen exakten Tritt zu haben.

 

Und im nächsten Jahr klettere ich dann auf richtige Berge?

Das kommt darauf an, was du unter richtigen Bergen verstehst. Die Eiger-Nordwand schaffst du sicher noch nicht. Aber leichte Klettersteige und Klettergärten sind ein guter Einstieg ins Frischluftklettern. Man sollte sich aber im Klaren sein, dass es draußen noch deutlich mehr Regeln zu beachten gilt. Nicht nur Mutter Natur hält dort ein reiches Repertoire an Überraschungen parat.

 

4-Seasons Info
 

Talk like a climber

 

Die Sprache der Kletterer ist für Nichtkletterer ein Buch mit sieben Siegeln. Fachchinesisch wohin man hört. Damit Sie künftig beim Ausrüstungskauf nicht mehr nur Bahnhof verstehen, hat 4-Seasons die gängigsten Vokabeln zusammengestellt.

 

Acht (Abseilachter): Abseil- und Sicherungsgerät aus Aluminium.

Achterknoten: Der Anseilknoten beim Klettern schlechthin. Leicht zu lernen, mit gut erkennbarem Knotenbild.

Bouldern: Seilfreies Klettern in Absprunghöhe.

Chalk: Magnesiumcarbonat bzw. Magnesia, sorgt für trockene und griffige Hände beim Klettern.

Clippen: Als Clippen bezeichnet man das Einhängen des Seils in die Zwischensicherungen beim Vorstiegsklettern.

Crux: Die Schlüsselstelle, also die schwierigste Stelle oder Passage einer Kletterroute.

Literatur, Comics und Filme rund ums Klettern gibt es stapelweise. | Foto: Michael Neumann

Deep Water Soloing: Eine Spielart des Boulderns, bei der ohne Sicherung an Felsen über tiefen Gewässern geklettert wird.

Expressen, Exe: Zwei Karabiner verbunden durch eine kurze, abgenähte Bandschlinge. Bildet im Vorstieg die Verbindung zwischen Seil und Haken in der Wand.

Einfachseil: Kletterseil, das aufgrund seiner Werte (Seildurchmesser > 9 mm) für den Gebrauch in einem Strang zugelassen ist.

Foothook: Einsatz der Füße als Hangelhilfe oder zur Stabilisierung. Der Einsatz der Ferse nennt sich Heelhook, das Benutzen des Vorderfußes Toehook.

Flash: Sturzfreier Vorstieg einer Route im ersten Versuch, jedoch mit Zusatzinformationen durch andere, die die Route vorher geklettert sind.

Grigri: Halbautomatisches, voll blockierendes Sicherungsgerät.

Henkel: Riesige, problemlos zu haltende Griffe.

Halbseil: Seil mit geringerem Durchmesser (8,6 bis 9,6 mm) als ein Einfachseil. Wird im Doppelstrang genutzt, wobei Zwischensicherungen getrennt eingehängt werden können.

HMS: Halbmastwurfsicherung: Bremsknoten und Sicherungsmethode, für die nur ein HMS-Karabiner und kein Sicherungsgerät notwendig ist.

Jumbo Love: Mit dieser Route eröffnete Chris Sharma offiziell den zwölften Grad auf der Schwierigkeitsskala. Wie schwer das ist? Also – ziemlich schwer!

Nähmaschine: Das gefürchtete unkontrollierte Zittern der Waden, das nervöse und/oder überforderte Kletterer befällt.

No-Hand-Rest: Rastposition mitten in einer Kletterroute, bei der ein Festhalten mit den Händen nicht erforderlich ist.

Onsight: Sturzfreier Vorstieg einer völlig unbekannten Route im ersten Versuch.

Partnercheck: Unerlässliche gegenseitige Kontrolle des Sichernden und des Kletterers vor dem Losklettern.

Rotpunkt: Freie und sturzfreie Begehung einer Route im Vorstieg in einem Durchgang. Die Route ist bekannt und schon probiert worden. Die Anzahl der Versuche spielt dabei keine Rolle.

Toprope: Das Seil führt am Ende der Route durch eine Umlenkung, sodass der Kletterer Seilsicherung von oben hat. Eine übliche Begehungsform in Kletterhallen.

UIAA: Die Abkürzung für »Union Internationale des Association d‘Alpinisme« – eine Vereinigung verschiedener Alpinistenverbände, die es sich u. a. zur Aufgabe gemacht hat, Sicherheitsnormen für Bergsportausrüstung und sonstige Hardware zu definieren.

Vorstieg: Klettern am sogenannten »scharfen Ende« des Seils, bei dem man nicht von oben gesichert ist, sondern selbst Zwischensicherungen anbringen oder zumindest einhängen muss.

Zwergentod: Saloppe Bezeichnung für eine Kletterstelle, in der kleinere Kletterer deutliche Nachteile aufgrund geringerer Reichweite hinnehmen müssen.

»Zu!«: Die meist panische Aufforderung des Kletternden an den Sichernden, das Seil straff zu halten, da jener mit den Kräften oder Nerven am Ende ist.

Zwillingsseil: Kletterseil mit geringerem Durchmesser (7,5 bis 8,5 mm), vor allem zum Gebrauch bei alpinen Unternehmungen.