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Kasachstan – Interview mit Fotograf David Köster

Steppenlandschaft und Jurten rund um das Assy-Hochplateau. | Foto: David Köster
Steppenlandschaft und Jurten rund um das Assy-Hochplateau. | Foto: David Köster
David Köster ist Landschaftsfotograf mit einer Vorliebe für Länder und Gegenden abseits des Mainstreams. Seine letzte Reise führte ihn durch Kasachstan. Dort hat er sich gefragt: Warum ist hier eigentlich keiner?

Das erste, was man sich bei deinem Reiseziel fragt: Warum Kasachstan?

Vielseitiges Kasachstan. Hier entlädt sich ein Unwetter über dem Salzsee Tuzköl. | Foto: David Köster
Vielseitiges Kasachstan. Hier entlädt sich ein Unwetter über dem Salzsee Tuzköl. | Foto: David Köster
Ich schaue als Landschaftsfotograf immer nach Orten, die noch möglichst ursprünglich und touristisch nicht so erschlossen sind. Es ist für mich als Fotograf einfach sehr reizvoll, in Gebiete zu reisen, bei denen ich noch nicht das Gefühl hab, dass schon tausend andere Leute vor mir dort gewesen sind. Und ganz konkret bei Kasachstan war es so, dass ich vor etwa zwei Jahren ein Film gesehen habe, in dem das Land sehr schön in landschaftlichen Bildern vorgestellt wurde. Da habe ich gesagt: Da musst du hin!

Wie sah die Vorbereitung aus?

Ich habe verschiedene Quellen genutzt, um meine Tour zusammenzustellen. Ich habe den einzigen deutschsprachigen Reiseführer besorgt, den es gibt. Der war natürlich eine gute Quelle. Dann habe ich in Foren geschaut, die vorrangig russischsprachig waren, was es an Bildmaterial gibt. Und außerdem habe ich mich an den Nationalparks, die es in Kasachstan gibt, orientiert. Die beinhalten häufig geologisch und landschaftlich interessante Gebiete, die auch geschützt werden und sich damit meistens gut für Natur- und Landschaftsfotografie eignen.

Sprichst du Russisch? Englisch gehört in Kasachstan wahrscheinlich nicht zum Alltag.

Das ist definitiv so. Kasachisch wird zwar hier und da gesprochen, Russisch ist aber die Verkehrssprache. Das hatte ich zwar mal in der Schule, aber davon ist nicht mehr viel übrig. Ich war mit einer Journalistin unterwegs, mit Dagmar Schreiber, die den gerade erwähnten Reiseführer geschrieben hat. Sie spricht fließend Russisch und kennt auch das Land sehr gut. Sie ist dort schon seit über 20 Jahren aktiv.

Was hat dich denn am meisten überrascht auf deiner Reise?

Für 2022 bewirbt sich Kasachstan um die Olympischen Winterspiele - spätestens dann wird das Land in den Fokus der Weltöffentlichkeit rücken. | Foto: David Köster
Für 2022 bewirbt sich Kasachstan um die Olympischen Winterspiele - spätestens dann wird das Land in den Fokus der Weltöffentlichkeit rücken. | Foto: David Köster
Ganz klar die extrem unterschiedlichen Landschaften. Trotz aller Bilder und Infos im Vorfeld, ist man vor Ort trotzdem begeistert. Die Vielfalt reicht von Hochgebirge im Tian Shan mit Siebentausendern und schneebedeckten Bergketten, bis hin zu Wüsten- und Steppenlandschaften – und dazwischen gibt es einfach fast alles. Was mich fast noch mehr überrascht hat: es ist tatsächlich menschenleer. Da steht man vor gewaltigen Naturmonumenten wie dem Scharyn Canyon und fragt sich »Warum ist hier eigentlich keiner?« In den USA am Grand Canyon tritt man sich auf die Füße.

Und wie war der Kontakt mit den Einheimischen?

Unterwegs trifft man selten einen Menschen. Wir waren aber für mehrere Tage bei einer Gastfamilie vom Volksstamm der Kasachen im Tian Shan einquartiert. So haben wir ein wenig Einblick in die Kultur und Lebensweise gewinnen können. Sie waren wirklich sehr herzlich. Überhaupt nicht skeptisch. Eher neugierig und erstaunt, würde ich sagen. Genau so, wie man in Deutschland verwundert ist, dass ich dorthin fahre, ist man vor Ort überrascht, was ich dort suche. Der Homo Touristicus ist da nicht allzu verbreitet und insofern sind sie schon durchaus interessiert und freuen sich auch, dass man Interesse am Land zeigt.

Wie bist du zu deinen jeweiligen Locations gelangt?

Den Großteil der Tour haben wir in einem Jeep zurückgelegt. Ein geländegängiges Fahrzeug ist meist auch notwendig. Vieles läuft über Schotter- und Buckelpisten ab. Und dann sind wir dort teilweise in die tiefste Wildnis reingefahren. Am Ziel angekommen habe ich es wie auf meinen anderen Touren gemacht: Ich nehme mir jeweils drei bis vier Tage an einem Ort, damit ich wirklich Zeit habe, das Gebiet zu erkunden.

 

Bildergalerie: Kasachstan – David Köster

 

Wie sieht denn deine Kameraausrüstung aus, wenn du unterwegs bist?

Ich versuche schon, nur das Notwendigste mitzunehmen. Und doch kommt immer einiges zusammen. Meine Hauptkamera ist die D800 von Nikon, Vollformat, und auch mein Zweitbody ist von Nikon. Dazu etwa vier bis fünf Objektive, von Weitwinkel bis Tele. Außerdem arbeite ich sehr gerne mit Filtern, verschiedene Graufilter, Polfilter, Verlaufsfilter. Dann noch Stativ, Kugelkopf und der dazugehörige Kleinkram. Am Ende wiegt der Rucksack zwölf bis 13 Kilo.

Kannst du zwischendrin auch abschalten und genießen oder sucht der Fotograf in dir immer das nächste Bild?

Sonnenuntergang auf dem Kamm einer 140 Meter hohen Düne, Altyn Emel Nationalpark. | Foto: David Köster
Sonnenuntergang auf dem Kamm einer 140 Meter hohen Düne, Altyn Emel Nationalpark. | Foto: David Köster
Das gelingt mir schon. Klar, man verbringt die meiste Zeit damit, interessante Motive zu suchen, aber das ist für mich ja definitiv Entspannung, ich liebe das. Man kommt komplett raus aus dem normalen Leben und ist fernab jeglicher Zivilisation. Man kann ja auch nicht den ganzen Tag fotografieren. Gerade tagsüber macht es oft wenig Sinn, da das Licht zu hart ist. Die besten Fotozeiten für Landschaftsfotografie sind morgens und abends und dazwischen hat man schon mal Zeit, die Beine hochzulegen und die Szenerie einfach nur zu genießen.

Und wie sieht bei dir die Nachbearbeitung aus?

Da bin ich eher minimalistisch unterwegs. Ich arbeite mit Lightroom. Photoshop habe ich zum Beispiel gar nicht. Oft nehme ich im RAW-Format auf, da müssen die Bilder zwangsläufig bearbeitet und entwickelt werden, aber ich schraube nicht stundenlang an einem Bild. Ich habe da einen pragmatischen Ansatz, ein Bild sollte nach zwei, drei Minuten entwickelt sein.

Steht denn das nächste Ziel schon fest?

Da ich jetzt ja einmal in Kasachstan war und weil es mir in der Region so gut gefallen hat, denke ich, dass ich in absehbarer Zeit noch einmal hinfahren werde. Auch die Nachbarländer wie Tadschikstan oder Kirgistan möchte ich mir einmal anschauen. Ich bleibe also in der Ecke.

Was rätst du Leuten, die überlegen nach Kasachstan zu fahren?

Ich sag mal so: Man sollte abenteuerlustig sein. Es ist definitiv kein Mainstream-Ziel. Das bedeutet eben auch, dass die touristische Infrastruktur noch in den Kinderschuhen steckt. Es gibt nur sehr wenige Reiseveranstalter, die das überhaupt als Pauschalreise anbieten und wenn man es auf eigene Faust machen will, muss man sich einfach drauf gefasst machen, dass nicht immer alles so läuft, wie man es aus Europa kennt. Es geht damit los, dass es an Tankstellen zeitweise kein Benzin gibt, die Straßen teilweise sehr übel sind und dann kommt das Sprachproblem dazu. Man sollte schon Russisch können oder einen sprachkundigen Begleiter haben, selbst die Verkehrszeichen sind ja in kyrillischer Schrift. Wenn man es alleine machen will, muss man das gut vorbereiten und sich auf einige Einschränkungen einstellen. Gerade so Selbstverständlichkeiten wie fließendes Wasser, also auch Duschen oder Toiletten, findet man außerhalb der Städte praktisch nicht.

Und was denkst du, zu welcher Jahreszeit sollte man nach Kasachstan fahren?

Wilde Campingromantik in Kasachstan – keine Infrastruktur, aber atemberaubende Ausblicke. | Foto: David Köster
Wilde Campingromantik in Kasachstan – keine Infrastruktur, aber atemberaubende Ausblicke. | Foto: David Köster
Kasachstan ist so weit von den Weltmeeren entfernt, wie kein anderes Land auf der Welt. Das führt dazu, dass die Sommer extrem heiß und sehr trocken und die Winter extrem kalt sind. An manchem Orten sind im Jahresverlauf Temperaturschwankungen von bis zu 90 Grad Celsius zu verzeichnen. Für uns Mitteleuropäer sind sicherlich das Frühjahr und der Spätsommer bis Frühherbst auf Grund des dann vergleichsweise milden Klimas zu empfehlen.

Wenn man sich deine Bilder ansieht macht es auf jeden Fall den Eindruck, als würde die Landschaft alle Widrigkeiten wettmachen und eine Reise sich wirklich lohnen?!

Das definitiv! Landschaftlich wunderschön. Und auch ein spannendes Land für Leute, die an Flora und Fauna interessiert sind. Kasachstan hat eine große Biodiversität, viele und auch seltene, endemische Arten, die man sonst nirgendwo auf der Welt findet. Kulturell haben sie auch was zu bieten, es gibt alte Relikte an der Seidenstraße oder Petroglyphen. Auf allen Ebenen also ein interessantes Land. Eine klare Rundumempfehlung von mir!

 

4-Seasons Info

David Köster ...

David Köster

... ist Reise- und Landschaftsfotograf und begeisterter Traveller, der aus Halle (Saale) stammt, sich aber in der Welt zu Hause fühlt. Er entdeckt gerne inspirierende Naturkulissen abseits des touristischen Mainstreams und inszeniert sie fotografisch. In seinen Arbeiten verbindet er eindringliche Perspektiven mit einer atmosphärischen Bildsprache. Für seine künstlerischen Fotografien wurde er mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet, unter anderem bei den IPA International Photography Awards, Color Awards, National Geographic Photo Contest, Smithsonian, Asferico, Europhotometeo, Oasis oder den deutschen Glanzlichtern der Naturfotografie. Davids Bilder werden weltweit veröffentlicht, sind in Ausstellungen zu sehen und werden von Verlagen, Agenturen und Tourismusinstitutionen genutzt. Mehr Informationen und eine Auswahl seines Portfolios: www.davidkoester.de

 

 
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