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Jack Wolfskin: Leitwolf in der Spur

Foto: Archiv Jack Wolfskin
Die Outdoor-Branche will grüner werden, das fordern auch die Kunden. Jack Wolfskin steht als Marktführer unter besonderer Beobachtung und könnte einmal mehr den Leitwolf spielen. Tatsächlich unterwirft sich der Branchenprimus nun einer erstaunlich konkreten Öko-Agenda.

Jack Wolfskin ist hierzulande Marktführer und auf dem Sprung in die weite Welt. Die Tatze steht für ein solides Komplett­sortiment und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Die bekannteste Outdoor-Marke Deutschlands muss außerdem oft den Kopf hinhalten, wenn Aktivisten oder Presse ein plakatives ­Beispiel brauchen, um echte oder vermeintliche Missstände ­aufzuzeigen: Produktionsbedingungen, Schadstoffe, Herkunft von Daunen – das betrifft alle Hersteller, doch Jack Wolfskin wird stets besonders genau beäugt.

Wasserdicht, atmungsaktiv, giftfrei: Die hauseigene Texapore-Membran funktioniert bereits ohne Fluorchemie. | Foto: Archiv Jack Wolfskin

Zuletzt wurde die Outdoor-Branche von Greenpeace für den Einsatz von Fluorchemie (siehe Glossar) kritisiert. Dieselbe Chemie steckt auch in zahllosen Alltagsgegenständen vom Teppichboden bis zum Bürostuhlpolster, doch der Naturbezug der Outdoor-­Hersteller veranschaulicht das Problem eben schöner: Die beanstandeten PFCs sind zwar für die Nutzer von Kleidung (oder Bürostühlen) ungefährlich, können jedoch bei der Produktion in die Umwelt gelangen, lagern sich dann weltweit in Lebewesen und der Umwelt ab und können eventuell die Gesundheit schädigen. Kurz: Auf PFCs könnten Menschheit und Natur gut verzichten.

Das ist aber nicht so einfach. Bei persönlicher Schutzausrüstung, etwa im medizinischen Bereich, gibt es noch keine ­Alternativen. Der Tenor der Outdoor-Industrie ist gleichfalls: Noch geht es bei ­Hightech-Ausrüstung, speziell beim Wetterschutz, nicht ohne Fluor, aber wir arbeiten am Ausstieg. Die meisten Statements blieben schwammig. Umso mehr überrascht Jack Wolfskin nun mit einer konkreten Öko-Agenda. Sie ist ein großes Versprechen an die Kunden: Bis 2020 sind wir raus aus der Fluorchemie!

Wolfskin: Nachhaltigkeit war nie ein Marketingthema

Geschäftsführer Christian Brandt. | Foto: Archiv Jack Wolfskin

Dabei hatte man Jack Wolfskin bislang weniger als Vorkämpfer für den Umweltschutz wahrgenommen. »Das liegt nicht daran, dass wir uns in der Vergangenheit nicht für Nachhaltigkeit engagiert hätten«, sagt Produktionsgeschäftsführer Christian Brandt zu 4-Seasons. »Wir reduzieren und kompensieren zum Beispiel schon seit Jahren unseren Treibhausgas-Ausstoß, etwa durch CO2-neutrale Transportwege und Gebäude. Nur war Nachhaltigkeit für uns nie ein Marketingthema.«

Nun aber geht Jack Wolfskin in die Offensive. Im Frühsommer 2013 veranstaltete man unter dem Motto »Wir gehen weiter« eine Pressekonferenz. Das Unternehmen teilte mit, wie es bedenkliche Chemikalien aus der Produktion von Outdoor-Bekleidung verbannen will. So weit, so löblich. Wirklich außergewöhnlich ist aber: Jack Wolfskin veröffentlichte auch einen Zeitplan, bis wann welches Etappenziel erreicht werden soll – eine regelrechte Roadmap zur Entgiftung. So konkret hat sich in diesem Bereich noch kein Großunternehmen der Branche festgelegt.

Das Vorhaben reicht zunächst bis ins Jahr 2020. Bis dahin ­möchte Jack Wolfskin vor allem den kompletten Ausstieg aus der Fluorchemie geschafft haben. Der Marktführer nun auch als ­Branchenprimus in Sachen Umweltschutz?

Auch bei Weichmachern zeigt Jack Wolfskin Härte

Das erste Ziel der hauseigenen Öko-Agenda hat Jack Wolfskin schon erreicht: Im Juli veröffentlichten die Hessen eine strengere Schadstoffliste, genannt Green Book. 19 DIN-A-4-Seiten voller Chemikalien, die in der Produktion entweder gar nicht oder nur in geringen Mengen verwendet werden dürfen. Außerdem definiert das Green Book Grenzwerte für Rückstände aus den Produktionsprozessen. Sämtliche Zulieferer und Vertragsfabriken von Jack Wolfskin müssen sich an die Vorgaben halten. Unabhängige ­Labore kontrollieren die Einhaltung der Grenzwerte. Und die sind niedrig. Gegenüber bestimmten Weichmachern (Phthalaten) etwa zeigt Jack Wolfskin Härte: Der firmeneigene Grenzwert liegt ­20-mal niedriger als das Limit der EU-Vorgabe.

Zurück zur Fluorchemie. PFCs heißt hier das Schlagwort, bei dem nicht nur Greenpeace Pickel bekommt. In Regenbekleidung von Jack Wolfskin steckt zwar die hauseigene Membran Texapore, die auch ohne PFCs wasserdicht und atmungsaktiv ist. Aber damit es ­richtig schön abperlt, verwendet auch Jack Wolfskin PFC-haltige Imprägnierungsmittel. Kein Gift in, aber auf der Jacke? Auch aus Sicht von Christian Brandt führt daran derzeit noch kein Weg vorbei: »Man kann heute das Niveau an Wetterschutz, das wir zum ­Beispiel beim Klettern oder im Alpinbereich brauchen, mit alternativen Mitteln noch nicht gewährleisten.«

 

Wir halten fest: Jack Wolfskin möchte bis 2020 auf eine Technologie verzichen, zu der es nach einhelliger Expertenmeinung noch keine Alternative gibt. Mutig. »Natürlich besteht auch die Möglichkeit zu scheitern«, sagt Christian Brandt. »Aber wenn man Verantwortung ernst nimmt, und das tun wir bei Jack Wolfskin, dann muss man sich auch Aufgaben und Risiken stellen. Und wir haben uns entschieden, auch in diesem Bereich Verantwortung zu übernehmen und weiter zu gehen als andere Hersteller.«

Der Kampf eines einsamen Wolfes? Keineswegs: Das Unter­nehmen hat sich mit dem Helmholtz-Zentrum für Material- und Küstenforschung sowie mit der Hochschule Fresenius anerkannte Institutionen als Berater für die Öko-Agenda geholt. Außerdem ist Jack Wolfskin seit 2012 Mitglied der Initiative »Zero Discharge of Hazardous Chemicals« (ZDHC). Dem »Null Ausstoß gefährlicher Chemikalien« haben sich unter anderem auch H&M und Adidas verschrieben. Hintergrund: Viele Fabriken in Fernost ­produzieren für mehrere Marken. Eine Allianz der Abnehmer wie die ZDHC kann mit vereinten Kräften Einfluss auf den Chemi­kalieneinsatz vor Ort ausüben. Und sie erleichtert den Erfahrungsaustausch.

 

Der Ökofahrplan von Jack Wolfskin

03/2014: Bann von APEOs (siehe Glossar) und Phthalaten (Weichmachern).

08/2014: Die Travel-Kollektion wird komplett frei von Fluorchemie.

09/2014: Publikation von Daten von bis zu 25 Prozent des globalen Einkaufsvolumens.

12/2014: Vollzug des Ausstiegs aus der C8-Chemie, einer besonders kritischen Variante der PFCs.

09/2015: Veröffentlichung der Daten von bis zu 50 Prozent des globalen Einkaufsvolumens.

12/2016: 50 Prozent der Gesamtkollektion werden PFC-frei.

12/2018: 75 Prozent der Gesamtkollektion werden PFC-frei.

2020: Ziel erreicht: Jack Wolfskin veröffentlicht die Daten sämtlicher Lieferanten und hat den vollständigen Ausstieg aus der Fluorchemie vollzogen. In den Produktionsprozessen kommen ausschließlich unbedenkliche Stoffe zum Einsatz. Chemikalienmanagement bleibt eine Daueraufgabe.

Mehr zum Thema: www.jack-wolfskin.de/Wir-gehen-weiter.aspx.

 

Jack Wolfskin lässt seine Textilien vor allem in Südostasien ­fertigen, Schuhe und Unterwäsche darüber hinaus teilweise in Europa. Allein die Bauteile einer Regenjacke kommen von mehreren Zulieferern: Laminat, Reißverschlüsse, Kordelzüge … Viele Zulieferer haben wiederum Zulieferer. Wie kann man da den Überblick über die verwendeten Chemikalien behalten? Noch dazu in Ländern wie China, die von sich aus keine hohen Umweltschutzauflagen stellen?

Bei Imprägnierungen sucht Jack Wolfskin nach Alternativen zu PFCs. | Foto: Archiv Jack Wolfskin

»Zu unseren Zielen bis zum Jahr 2020 gehört es, die Lieferkette transparent und kontrollierbar zu machen«, sagt Christian Brandt. Einsehbar auch für die Kunden: Den entsprechenden Lieferantenbericht wird Jack Wolfskin auf seiner Website veröffentlichen. ­Allerdings etappenweise, weil das Durchforsten der Lieferkette seine Zeit braucht.

Würdigen die Kunden dieses Engagement? Erfahrungsgemäß wünschen viele Verbraucher nachhaltige Produkte, aber nur die wenigsten beschäftigen sich tatsächlich mit den Details und lesen etwa Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen. Auch ­Christian Brandt sieht das nüchtern: »Bei der tatsächlichen Kaufentscheidung der meisten Kunden spielen die Themen ­Qualität, Funktion und auch der Preis eine wesentlich größere Rolle als Umwelt- und Sozialverträglichkeit der Produkte.«

Werden die Produkte mit der Tatze dadurch teurer?

Wenn der Preis vor Nachhaltigkeit geht: Wie viel Umweltschutz kann sich dann ein Volksausrüster wie Jack Wolfskin leisten? Der Ausstieg aus der Fluorchemie ist der Firma nach eigenen ­Angaben einen siebenstelligen Betrag wert. Werden die Sachen mit der ­Tatze jetzt teurer? Christian Brandt gibt Entwarnung: »Es kostet in der Tat Geld, wenn man seiner Verantwortung ­nachkommen möchte. Über die ganze Kollektion gesehen ist das aber kein Punkt, den wir auf den Preis umlegen werden.« Außerdem ist Nachhaltigkeit zum fairen Preis ja bereits Realität. Jack Wolfskin engagiert sich seit Jahren: Sämtliche Baumwollprodukte stammen aus Bio-Anbau; die Firma ist Mitglied der Fair Wear Foundation; ein Drittel der Lieferanten ist Bluesign-Systempartner, bis 2020 sollen es 100 Prozent werden.

Weniger Gift, mehr Transparenz – wenn Jack Wolfskin die Fertigungsstätten und Zulieferer künftig noch stärker in die Pflicht nimmt, soll eines nicht darunter leiden: die Qualität. »Das wichtigste Ziel, das man im Bereich Umweltschutz erreichen kann, ist ein langlebiges Produkt«, sagt Christian Brandt. »Uns schreiben oft Kunden mit Jack-Wolfskin-Rucksäcken aus den 80er-Jahren – etwas Besseres kann der Umwelt doch gar nicht passieren!«

 
4-Seasons Info

Glossar

Fluorchemie/PFCs
Per- und polyfluorierte Chemikalien (PFCs) werden eingesetzt, um u. a. Bekleidung wasser-, öl- und schmutz­abweisend zu machen. Sie sind in den meisten wasserdichten und atmungsaktiven Membranen enthalten, vor allem aber in Imprägnierungsmitteln. PFCs sind für Träger der Bekleidung ungiftig, aber biologisch nicht abbaubar. Vor allem über Abwässer bei der Produktion gelangen sie in die Umwelt und reichern sich auch in Lebewesen an: Von Eisbären am Nordpol bis zu Pinguinen der Antarktis, überall hat man sie schon gefunden. Manche PFCs stehen im Verdacht, die Fortpflanzung zu beeinträch­tigen und krebserregend zu sein.

Bluesign Technologies AG
Das Bluesign-System bezieht die  komplette textile Produktionskette mit ein. Vom Chemiehersteller über Prozess­schritte (z. B. Färben) wird die Verarbeitung umwelt- und gesundheitsgefährdender Substanzen unterbunden. Sorgfältiger Umgang mit Ressourcen ist ebenso Teil des Konzepts wie maximale Arbeitsplatz­sicherheit, Konsumenten- und Umweltschutz.

Fair Wear Foundation
Die FWF ist eine unabhängige internationale Non-Profit-Organi­sation zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Kleidungs- und Textil­industrie. Mehr als 80 Firmen sind der FWF beigetreten und repräsentieren mehr als 120 Marken. Sie überwacht weltweit die Einhaltung der Kriterien wie: keine Kinderarbeit, keine Niedriglöhne, angemessenes Arbeitsumfeld.

APEOs
Alkylphenolethoxylate gehören zu den nichtionischen Tensiden und werden u. a. in der Textilproduktion verwendet. Sie werden zu Alkyl­phenolen abgebaut; diese wiederum sind biologisch kaum abbaubar und gelten als hormonschädigend. In der EU dürfen APEOs nicht verwendet werden. In einigen Ländern mit Textilindustrie werden sie jedoch weiterhin eingesetzt, sodass sich Rückstände an Produkten finden.

 
weiterführende Artikel: 
15.05.2007ArtikelAusrüstung und ProdukteHersteller

Im Zeichen der Tatze: die Story von Jack Wolfskin

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01.06.2012ArtikelNatur und Umwelt

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20.09.2011ArtikelAusrüstung und ProdukteSOTA

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Gibt es das perfekte Equipment? Durchaus. In State of the Art zeigt 4-Seasons Ausrüstung, die in ihrer Klasse Standards setzt - so wie die »Travel Lodge RT« von Jack Wolfskin als Luxus-Familienzelt für bis zu sieben Personen. zum Artikel