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Hanwag steht auf Yak-Schuhe

Der Hirte mti dem Hanwag-Modell Lhasa. | Foto: Peter Wilson
Die bayerischen Bergschuster produzieren einige Wanderschuhe aus dem Leder tibetischer Hochlandrinder. Der Hanwag-Designer Peter Wilson erzählt von seiner Reise aufs Dach der Welt.
Im tibetischen Hochgebirge grasen diese Lederlieferanten. | Photo: Peter Wilson

Seit 2009 verarbeitet Hanwag tibetisches Yakleder für das Obermaterial von ­Schuhen. Globetrotter hat sechs davon im Programm: Chamdo, Jadong, Lhasa, Rombuk, Tashi und Tingri. »Das Yakleder macht den Stiefel zäh und langlebig und gibt ihm eine ausgeprägte Oberflächenstruktur«, ­erklärt Peter Wilson, der seit sechs Jahren in der Design­abteilung von ­Hanwag in Vier­kirchen bei München arbeitet.

Im Zuge der Entwicklung ist Peter selbst einmal für fünf Tage nach Lhasa geflogen, um sich den Ursprung des exklusiven Naturprodukts anzuschauen. »Ich war noch nie zuvor in Tibet, aber es ist viel entspannter, als ich es mir angesichts der politischen Lage vorstellte«, berichtet Peter. In der Hauptstadt stieß er sogleich auf die ersten Yaks: zwei goldene Statuen im Zentrum der Stadt. Die Tibeter verehren Yaks. Kein ­Wunder: Sie dienen als Lasttiere und liefern Essen, Kleidung und eben auch Schuhe. Auch für Bergschuhe ist Yakleder laut Peter hervorragend geeignet. Wegen der Höhe und der Kälte wachsen die Tiere viel langsamer als die Rinder in unseren Breiten. »Das macht das Leder extrem fest und strapazierfähig«, erklärt Peter. Schön geschmeidig sei es außerdem. »Davon schwärmen unsere Schuhdesigner«, sagt er strahlend.

In der Lhasa Leather Factory herrschen europäische Standards.

Auch die Verarbeitung des Yakleders will Weile haben. Vier Monate lang werden die Häute unter der Erde gelagert, um auszuhärten. Weitere drei Wochen gerben und ­reinigen Arbeiter die anderthalb Zentimeter dicken Häute, ehe sie das Leder zum Trocknen auf Holzgestelle spannen. 110 Angestellte zählt die »Lhasa Leather Factory«. Hanwag importiert das Leder dann und ­produziert die Schuhe in Europa.

Peter Wilson hoch zu Yak. | Foto: Archiv Peter Wilson

Zweck von Peters Reise war es auch, die Arbeitsbedingungen zu prüfen: »Hanwag will sichergehen, dass wir die Schuhe mit gutem Leder und gutem Gewissen produzieren.« Die Fabrik wurde in den 90er-Jahren mit deutscher Entwicklungshilfe modernisiert. Nun berichtet Peter: »Von ­außen wirkt die Fabrik vielleicht veraltet, doch innen ­herrschen westeuropäische Standards mit modernen Maschinen.« Jeder Angestellte bekomme einen dauerhaften ­Arbeitsvertrag.

»Und ich wollte die Yaks natürlich auch in natura sehen«, sagt Peter. Im Jeep fuhr er mit dem Geschäftsführer der Lhasa Leather Factory aufs Land, um die zotteligen ­Wiederkäuer zu suchen. Doch es war ­Spätsommer, und die kälteliebenden Yaks hatten sich ins Hochgebirge zurückgezogen. Nach fünfstündiger Fahrt entdeckte Peter die ersten Hochlandrinder, die gemächlich grasten. Yaks leben nomadisch, ein Hirte folgt ihnen mit Motorrad, einem Zelt – und neuerdings auch mit Lhasa-Schuhen: »Ich hatte ein Paar Schuhe als Gastgeschenk mitgebracht«, erzählt Peter. »Sie haben dem Hirten gepasst wie angegossen, und er hat sich riesig gefreut.«
 

 
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