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Globetrotter Torfhaus: Wo wir sind, ist oben

Die Männer vom Torfhaus: Kristian Nitsche, Christian Moog und Rolf Becker (v.l.). | Foto: Michael Neumann
Der Globetrotter Active Store Torfhaus ist etwas ganz Besonderes. Gelegen auf 800 Metern Höhe inmitten des Nationalparks Harz, beginnt dort das Abenteuer für den Kunden direkt vor der Ladentür. Auch die Mitarbeiter nutzen den Standortvorteil in jeder freien Minute ...
Vom Laden direkt in den Schnee? Willkommen in Torfhaus. | Foto: Michael Neumann
Vom Laden direkt in den Schnee? Willkommen in Torfhaus. | Foto: Michael Neumann

Torfhaus im Februar 2015. Ein böiger Wind treibt Wolken­fetzen vor sich her, jagt durch die Fichten und schüttelt den Schnee aus dem Geäst. Die Temperaturen, gestern noch frosti­g, sind über die Null-Grad-Grenze geklettert und dem feucht gewordenen Schnee entsteigt ein satter Nebel, der sich wie Zuckerwatte über die karge Landschaft legt. Eher suboptimale Be­dingunge­n für meinen Ortstermin, bei dem ich Globetrotters höchste wie kleinste Filiale und dere­n drei feste Mit­arbeiter porträtieren will.

Warum nur betreibt Globetrotter hier oben, gelegen an der Harzhochstraße im Nationalpark Harz, weitab von allen Ballungsräumen, eine Filiale?

Wenig späte­r habe ich bereits eine Vermutung, denn ich werde mit den Worten empfangen, die kein Reporter gerne hört: »Du hättest ges­tern hier sein sollen. Neuschnee, strahlend blauer Himmel, kein Luftzug und alle Loipen und Wege frisch gespurt und gewalzt.« Um der Umschreibung Nachdruck zu verleihen, werden sofort die obligatorischen Handy­fotos gezeigt. »Schau mal, selbst der Brocken wirkte durch die klare Luft zum Greifen nah.« Ich spechte aus dem Schaufenster. Welcher Brocken?

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Wobei die Grenze hier oben fließend ist. | Foto: Michael Neumann
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Wobei die Grenze hier oben fließend ist. | Foto: Michael Neumann

Trotz des schlechten Wetters brummt der Laden. Oder gerade deswegen? Mein Plan, schon vor Ladenschluss das ein oder andere Private von den drei Globi­s in Erfahrung zu bringen, scheitert an den vielen Kunden. Im Zehn-Minuten-Takt wird bedien­t, beraten und bezahlt. Die Leute kommen aus Norddeutschland, Holland und Dänemark und sind allesamt in den Harz gereist, um mal wieder richtig Winter zu erleben. Und da hier Väterchen Frost doch mehr Krallen zeigt als gedacht, fehlt es an Mützen, Handschuhen, Daunenjacken und Taschen­öfen. Auch das Interess­e an den angebotenen Langlaufsets ist groß, schließlich ist das hier oben die Königsdisziplin mit Hunderten von Kilo­metern gespurter Loipen.

O’zapft is in der Bavaria Alm

Und im Sommer? Wird gewandert und geradelt, was das Zeug hält. Auch Motorradfahrer lassen sich die Straße hoch nach Torfhaus nicht entgehen. Kann schon mal sein, dass ein Trupp im Leder­kombis den Laden stürmt und nach Funktionsunterwäsche für unter die Kutte verlangt. Nur der November, auf der Kippe zwischen Herbst und Winter, sei schon sehr speziell und surreal, findet Filial­leiter Moog. Aber schön, da sind sich alle einig, ist es hier oben eigentlich immer.

Die Betriebssportgruppe Winterbiwak rückt aus. | Foto: Michael Neumann
Die Betriebssportgruppe Winterbiwak rückt aus. | Foto: Michael Neumann

Als kurz nach 18 Uhr – ja, hier oben wird das Ladenschlussgesetz nicht überstrapaziert – der letzte Kunde versorgt ist und die Tages­einnahmen sicher verstaut sind, wird es ernst. Denn am heutigen Abend ist »Betriebssport« angesagt. Alle zwei Wochen geht es nach Feierabend nicht heim zur Familie, sondern ins Unterholz – zum Biwake­n. Egal ob Regen und Sturm oder Eis und Schnee – oder beides –, die selbst verordnete gemeinschaftliche Übernachtung in der Natu­r nach einer zünftigen Wanderung wird durchgezogen und der Familie als praxisnahe Fortbildung verkauft. Wat mutt, dat mutt.

Angesichts der doch eher unwirtlichen Bedingungen bekomme ich jedoch eine Art Gnadenfrist. Wir rücken nicht sofort aus, sonder­n gehen zunächst quer über die Straße in die Bavaria Alm, ein hüttenartiges Kultrestaurant mit süddeutscher Gemüt­lichkeit. Hier kurieren Christian und Kristian bei Schweinsbraten und Weißbier etwaige Sehnsucht nach ihrer letzten Arbeits­stätte, der Globetrotter-Filiale in München. Doch das kommt nur selten vor, denn schließlich war die Bewerbung auf den Posten in Torfhaus ein ganz bewusster Schritt und keine Strafversetzung nach Norddeutsch-Sibirien. Rolf dagegen genießt seinen vegetarischen Flamm­kuchen als gebürtiger Hesse ganz ohne Hintergedanken.

Schmeckt tatsächlich: lecker Fichtennadeltee. | Foto: Michael Neumann
Schmeckt tatsächlich: lecker Fichtennadeltee. | Foto: Michael Neumann

Endlich ist nun auch Zeit, mal ein paar Steckbriefe abzuklopfen. Alle drei sind – logisch – zu Globetrotter gekommen, um ihre Outdoor­leidenschaft mit dem Brötchenerwerb zu kombinieren. Filial­leiter Christian Moog war zuvor 14 Jahre bei Kaufhof, Kristia­n Nitsche hat nach einer Ausbildung in einem kleinen Sportgeschäft 2006 in der neu eröffneten Globetrotter-Filiale Köln begonnen. Rolf Becke­r ist dagegen ein Quereinsteiger, wie er im Buch­e steht, mit einer interessanten beruflichen Vita: Kunststoffteile herstellen, Autos reparieren, Versicherungen verkaufen, Chemie­laster fahren ... einiges davon sogar mit Gesellenbrief. Doch die wahre Liebe fand der erklärte Gearfreak erst bei Globetrotter Ausrüstung.

Nach dem finalen Apfelstrudel geht es zurück in die Filiale, um­ziehen und Rucksack packen. Dann werden die Schneeschuhe angeschnal­lt. Da die Filiale im Nationalpark liegt und dort wildes Campen, egal in welcher Form verboten ist, orientieren wir uns Richtung Altenau. Auf gewalzten Wanderwegen geht es westwärts durch die Nacht. Das Knarzen der Schneeschuhe vermischt sich mit dem Tosen des Sturmes, der noch an Intensität zugenommen hat. Kein Mond scheint helle, allein die Stirnlampen weisen uns den Weg. Sobald wir stehen bleiben, um uns per GPS und Kart­e zu orientieren, kriecht uns die feuchte Kälte in jede schlecht isoliert­e Ritze. Ein Wetter, bei dem man nicht mal den Hund nach draußen schickt, und wir wollen hier ohne Zelt übernachten?

Altenauer Hopfentraum für Wärme von innen

Nach zwei Stunden Laufen finden wir eine schöne Lichtung, die Platz für vier Biwakplätze bietet. Vier Rucksäcke plumpsen in den Schnee, der von Rolf tönt dabei besonders dumpf. Sofort wird gewitzelt, dass dieser beim Packen wohl wieder nicht maßhalten konnte. Die Wahl A oder B endet bei Rolf stets in A plus B. Man kann ja nie wisse­n. Und so zaubert er aus dem berstend vollen Bergans-Rucksack neben Hilleberg-Tarp, 2-kg-Kunstfaserschlafsack, Exped Downmat, Gransfors-Axt, dem großen Trangia-Topfset unter anderem auch noch eine Flasche Altenauer Hopfentraum heraus, einen regionalen Malzlikör für Wärme von innen. Winter­camping ist einfach nichts für Leichtgewichtsfanatiker.

Gute Nacht, guter Morgen – kein Bett der Welt würde Kristian Nitsche gegen solch einen Palast tauschen. | Foto: Michael Neumann
Gute Nacht, guter Morgen – kein Bett der Welt würde Kristian Nitsche gegen solch einen Palast tauschen. | Foto: Michael Neumann

Die einzelnen Schlafplätze sind mittels Ast, Tarp und Schnee­heringen schnell errichtet. Sogar ein kleines Lagerfeuer gelingt, obwoh­l das Holz eigentlich viel zu feucht ist und mehr qualmt als brennt. Zeit für den gemütlichen Teil. Der besteht darin, dass jeder einen Kocher auspackt und sich darau­f eine Mahlzeit köchelt. Warum nicht ein Brenner für alle? Weil man dann ja keinen Vergleich hätte, ob jetzt der neue MSR dem Primus-Klassiker ein paar Sekunden beim Wasserkochen abnimmt. Und was köchelt im Anschluss in den Töpfen? Bei Nitsche gibt es Gefriergetrocknetes von Trek’n Eat, Becker setzt auf ein Experiment aus dem Aldi-Sortiment, bestehend aus Kochbeutelreis und Sojabällchen, und Moog bringt den Klassiker in den Pott: Dosenravioli. Aber sei es drum, wozu waren wir vorher schließlich in der Bavaria Alm?

Im Anschluss holt Nitsche dann aber doch zum kulinarischen Rundumschlag aus. Es gibt Tee aus … Fichtennadeln. Einfach die jungen Triebe vom Baum pflücken und rein ins kochende Wasser. Nach fünf Minuten den Sud abschöpfen, wohl bekomm’s. Und keine Bange, liebe Umweltschützer, der deutsche Nadelwald ist nicht in Gefahr, denn der Geschmack von Fichtennadeltee ist, euphe­mistisch ausgedrückt, interessant. Und die Waldläufer diese­r Republik reichen nicht, um die Bestände zu dezimiere­n.

Nachtruhe im Wolferwartungsland

Nach der Nachtschicht beginnt nahtlos die Frühschicht. | Foto: Michael Neumann
Nach der Nachtschicht beginnt nahtlos die Frühschicht. | Foto: Michael Neumann

Nach einer letzten Runde Altenauer Hopfentraum geht es schließlich ins »Bett«. Die Temperatur ist mittlerweile wieder unter den Nullpunkt gefallen und hat die Luftfeuchte gleich mitgenommen. Auch der Wind hat sich gelegt, sodass das unregelmäßige Knacke­n im Unterholz nichts anderes als ein Wildtier sein kann. Wölfe wurden im Harz noch keine gesichtet, doch die Luchspopulation soll dank eines Wiederansiedlungsprogramms beachtlich sein. Aber auch Isegrim kann nicht weit sein, gilt doch Norddeutschlands höchstes Mittelgebirge als »Wolferwartungsland«. Mit einem wohligen Grusel schlafen wir ein. Es dämmert schon, als um 6.30 Uhr der Wecker klingelt. Ist ja schließlich ein normaler Arbeitstag. Niemand ist erfroren, wie das Rascheln der Schlafsäcke verrät. Doch während der Filialleiter nach zehn Minuten abmarschbereit ist – so was fällt wohl auch unter Führungskompetenz –, brauchen die anderen beiden etwas länge­r, bis sie auf den Beinen sind. Das Frühstück vertagen wir auf später, dann watscheln wir im Gänsemarsch zurück.

In Torfhaus angekommen, geht es nach einem schnellen Kaffee im Kiosk Brockenblick – heute ist Nomen Omen – direkt in den Laden, wo schnell noch ein paar Regale eingeräumt werden müssen, bevor um Punkt zehn Uhr der erste Kunde vor der Tür steht. Ob ihm auffällt, dass die Kollegen allesamt nach Lagerfeuer riechen?

 
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