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Globetrotter des Jahres: Was müssen das für Leute sein?

Stefan Simmerer | Foto: Archiv Stefan Simmerer
Seit 16 Jahren kürt Globetrotter Ausrüstung alljährlich den Globetrotter des Jahres, kurz GDJ. Ausgezeichnet werden Reisende, die abseits ausgetretener Pfade besonders intensiv in fremde Kulturen und Landschaften eintauchen und mehr bewirken, als vor Ort eine Cola zu kaufen. 4-Seasons stellt die bisherigen Gewinner vor.
 
Ullrich Wannhoff

Der Erste, der 1994 zum Globetrotter des Jahres gekürt wurde, war Ullrich Wannhoff. Er hatte einen sehr rauen Winter auf Kamtschatka verbracht und dort unter dürftigsten Bedingungen Tiere beobachtet, gezeichnet, beschrieben. Heute, 15 Jahre später, lebt Ullrich Wannhoff (www.ullrich-wannhoff.de) in Berlin als Künstler und Autor. Kamtschatka steht bei ihm nach wie vor auf der Prioritätenliste, und erst jüngst hat er wieder ein Buch zum Thema veröffentlicht: »Der weite Weg nach Fernost – Spurensuche auf Kamtschatka«.

Andreas Pröve

Der zweite Gewinner war Andreas Pröve. Ein junger Mann, der seit einem Motorrad-Unfall mit einer Querschnittslähmung auf den Rollstuhl angewiesen war. Nach dieser unfreiwilligen Zäsur begab er sich auf Reisen. Allein, mit dem Rollstuhl, per Bus, Bahn und Flugzeug nach Indien. Von dort brachte er tolle Dias und unglaubliche Geschichten mit. Heute ist Pröv­e (www.proeve.com) ein angesehener Autor und Vortragsreferent. Auch er hat kürzlich ein neues Buch vorgestellt (Infos auf Seite 28).

Olaf Meinhardt

Olaf Meinhardt war der Dritte im Bunde. Im Jahr 1996 überzeugte er die Jury durch eine dreieinhalbjährige Fahrrad-Weltreise. Es war der Beginn einer Karriere als Fotograf und Reise­autor (www.olaf-meinhardt.de), die in diversen publizierte­n Bildbänden gipfelte und im letzten Jahr auch mit einer Titelgeschichte in 4-Seasons (Ausgabe 22) gewürdigt wurde.
1997 gewann zum ersten Mal eine Frau die Auszeichnung Globetrotterin des Jahres: Julia Berg hatte vier Monate in China verbracht, die Sprache im Vorfeld zumindest ein wenig gelernt und sich dann in die Kultur Chinas einweihen lassen.
Die Nächsten waren Elena Erat und Peter Materne. Sie hatten eine über zwei Jahre dauernde Weltreise mit dem Rad bewältigt. Später veröffentlichten sie ihre Erlebnisse in dem Buch »Rad-Abenteuer Welt«. Peter Materne starb 2001 an einem Herzinfarkt. Elen­a begleitet seither die Errichtung einer Schule in einem Dorf in Nordindien und sammelt Spenden: www.elena-erat.de.

Geparden, Salamander, Kraniche, Orang-Utans

Matteo Barfuß

Matto Barfuß erhielt den Preis 1999. Der »Gepardenmann« hatte es geschafft, von einem Gepardenweibchen als Teil der Familie akzeptiert zu werden. Er verbrachte 25 Wochen bei den Tieren und veröffentlichte darüber ein faszinierendes Buch: »Leben mit Geparden«. Auch heute reist er nach Afrika und widmet sein Engagement den Berggorillas im Kongo. Zudem dreht er Filme und ist weiterhin als Künstler tätig. Weitere Infos: www.matto-barfuss.de.
 

Frank Kauperer

Frank Kauper und Stefan Simmerer dagegen wurden für eine überragende Ausdauerleistung geehr­t. Mit selbstgebauten Anhängern durchquerten sie als erste Menschen die Changtang-Wüste in Tibet »by fair means«. Allein die Eckdaten lassen auf­horchen: 62 Tage in über 5000 Meter Höhe, 1000 Kilometer zu Fuß durch wegloses Gelände, 90 Kilo Provian­t, 35 Tage ohne Begegnungen mit anderen Menschen, 20 Kilo abgenommen.
Die beiden folgenden Sieger hatten ihre Reisen im Zeichen der Wissenschaft unternommen. Martin Jansen überzeugte 2001 die Jury mit seiner Erforschun­g unbekannter Salamanderarten in Süd­amerika. Er nahm an Exkursionen in Honduras und Bolivien teil und schlug sich nächtelang durch die Wälder, um seltenen Lurcharten nachzustellen.
Der Hamburger Hauke Trinks verbrachte einen Winter auf seinem Schiff in der Arktis, um den Ursprüngen des Lebens im Meereis auf die Spur zu kommen. Seine Erfahrungen sind unter anderem festgehalten in dem Buch »Leben im Eis«.

2003 wurde der Preis geteilt. Das Geld erhielten zu gleichen Teile­n der Kranichforscher Dr. Bernhard Weßling aus Bargteheide und Ute Bleckwehl mit ihren vier Kindern aus Breme­n. Weßling ist der führende Kranichforscher weltweit. Er begleitet die Tiere auf ihren Flügen mit einer kleinen Sportmaschine und macht sich für den Erhalt der Kranichpopulation stark. Familie Bleckwehl wanderte in den Alpe­n – ohne Auto, aber mit viel Improvisationsvermögen und Sportsgeist.

Die Zwahlens

Illuster setzt sich die Reihe fort. Thomas Nicolai (www.tandem-hilfen.de) bekommt den Titel 2004 für sein Bike-Projekt, bei dem er auf Tandems mit blinden Mitfahrern bis Griechenland radelt.
2005 geht der Preis erstmals in die Schweiz: Martin­a und Thomas Zwahlen waren wochenlang mit Pferden in Ladakh unterwegs. Heute sprechen sie sogar die Sprache der Einheimischen, nehmen ihren zweijährigen Sohn Gian-Andri mit auf Tour und kommen auf vier Jahre Reisezeit in Asien. Info­s unter www.himalaya-reisen.ch und auch www.nomadenschul­e.ch – ihr neues Projekt, eine mobile Zeltschule für Nomadenkinder.
Die jüngsten Gewinner dürften den Globe­trotter-Kunden noch besser in Erinnerung sein. Alexandra Wenz wurde für ihre Teilnahme an einem Auswilderungsprojekt für Orang-Utans auf Sumatr­a ausgezeichnet, Anne Bucher für ihr Engagement in einer Schule in Kenia, wo sie den Schülern das Säen und Ernten beibrachte.
Ganz im Sinne der Familienförderung wurden die letzten Preisträger auserkoren. Doch statt Elterngeld gab es 2500 Euro für die Reisekass­e der Familie Moritz-Pusch. Die Hamburger stehe­n beispielhaft für die vielen Möglichkeiten, die sich einer sechsköpfigen Familie biete­n, wenn man – statt in den Robinson-Club zu jetten – per ÖPNV zum Kanadierfahren an den Femundsee reist. Und diese Jahr? Sind vielleich­t Sie dran ...    

 

4-Seasons Info

Werden Sie Globetrotter des Jahres!

Globetrotter Ausrüstung sucht Globetrotter im klassischen Sinn; Menschen, die sich mit Leidenschaft einer Region oder einem Thema widmen. Es können aber auch Entwicklungshelfer sein, die neben ihrem Job als Ingenieur oder Lehrer vielleicht die akustische Langstrecken-Kommunikation der Elefanten erforschen. Es muss keine Fernreise sein, aber sie sollte abseits ausgetretener Pfade stattgefunden haben.
In der Jury sitzen neben einem Repräsentanten der Firma Globetrotter mindestens ein Vertreter einer Reisezeitschrift sowie mindestens ein erfahrener Expeditionsprofi. Die Jurymitglieder wählen Personen aus, die durch eine außergewöhnliche, individuelle Reise auf sich aufmerksam gemacht haben. Wir wollen nicht die sportliche Höchstleistung prämieren, sondern das sanfte Reisen fördern, das Rücksicht nimmt auf Natur und Kultur des Gastlandes.

Bewerbungen direkt an Globe­trotter Ausrüstung, Werbe­abteilung, Bargkoppelstieg 10-14, 22145 Hamburg. Die Form der Bewerbung ist frei wählbar. Jede­r Reisebericht wird zur Kenntnis genommen, unabhängig vom Umfang. Entscheidend ist ein erkennbarer Einblick in das Erlebte. Durch Fotomaterial, Videos oder Zeichnungen wird dieser Eindruck sicherlich gefördert. Globetrotte­r Ausrüstung bekommt von den Preisträgern das Recht, im Handbuch, in 4-Seasons oder online über die Reisen und die Preis­träger zu berichten. Einsendeschluss ist der 30. März 2010. Der Preis: 2500 Euro in bar.
Zudem vergibt Globetrotte­r eine­n mit 1000 Euro dotierte­n Reisebuchpreis. Details hierzu und zum GDJ finden Sie auf www.globetrotter.de/gdj.

Infos unter: www.globetrotter.de/gdj

 
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