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Gebrauchsanweisung: Norwegen mit Kind und Kegel

Schön, schöner, Femundsee. | Foto: Michael Neumann
Schön, schöner, Femundsee. | Foto: Michael Neumann
In Norwegen werden Kinder froh. Und Erwachsene ebenso. Das Jedermannsrecht macht’s möglich. Es regelt das freie Lagern an den schönsten Orten und gibt einem das seltene Gefühl von grenzenloser Freiheit. Eine Gebrauchsanweisung von A – Z.

Echt imposant: der Vøringsfossen. | Foto: Michael Neumann
A wie Anreise: Viele Wege führen nach Oslo. Allererste Wahl für Südlichter, bei denen sich schon die Durchquerung der Bundesrepublik vierstellig auf dem Tacho niederschlägt, ist die Fährlinie Kiel – Oslo mit der Color Line. In rund 20 Stunden erreicht man quasi im Schlaf die norwegische Hauptstadt. Und dabei lassen die gut ausgestatteten Fährschiffe Color Fantasy und Color Magic richtiges Kreuzfahrtfeeling aufkommen, Spaßbad und Kapitänsdinner inklusive.

Wer dagegen weiter nördlich in Deutschland startet, hat viele weitere komfortable Optionen. Ebenfalls eine Verbindung für Traumschifffreunde ist die Linie Hirtshals – Bergen mit der Fjord Line. Von der Spitze Dänemarks geht es über Nacht und mit Stopover in Stavanger mitten in die Paradestadt an der Westküste.

 

A wie Ausrüstung: Ein Sommer in Norwegen kann beinahe das gesamte Wetterportfolio beinhalten. Von wochenlang 30 Grad und keine Wolke am Himmel (Stichwort Skandinavienhoch) bis Schneesturm im Hochland ist alles möglich. Neben der kurzen Hose sollte daher auch die warme Jacke im Gepäck nicht fehlen. Wer sportliche Aktivitäten wie eine Mehrtagestour im Kanu plant, sollte ein geräumiges, aber vergleichsweise leichtes Zelt dabeihaben. Selbst Bullifahrer freuen sich, wenn sie alternativ bei Schönwetter mal ein paar Meter weg von Fahrweg und Parkplatz übernachten können.

Uns zu Diensten war ein VW California mit Klappdach und Anhänger. Darin die gesamte Ausrüstung inklusive Kajaks, Schlauchkanadier, Dutch Oven und einiger Getränke aus dem Duty Free, blieb im Bus genug Schlafraum für die fünfköpfige Familie.

 

B wie Bamsemums: Wenn man Norwegen eine kulinarische Spezialität zuordnen will, dann am besten Bamsemums. Die Marshmallow-Bärchen mit Schokoüberzug scheinen schon seit Jahrzehnten die meistverkauften Süßigkeiten und fehlen in keinem Supermarkt.

 

Geliebtes Freiluftleben am Ufer der Sjoa. | Foto: Michael Neumann
C wie Campingplatz: Wer sich nicht allabendlich auf Stellplatzsuche in die Walachei machen will, und wer fließend Wasser nicht nur im Fluss nebenan schätzt, findet über ganz Norwegen verteilt viele schöne und unkomplizierte Campingplätze mit großzügigen Parzellen. Dort gibt es auch meist die perfekte Schlechtwetteralternative in Form von gemütlichen Hütten (siehe H wie Hütte).

 

E wie Einkaufen: Lebensmittel sind in Norwegen spürbar teurer als in Deutschland. Daher ist es nur verständlich, wenn man sich vorab im Rahmen des Erlaubten und des Laderaums in Deutschland proviantiert.  Was erlaubt ist, kann man unter www.toll.no nachlesen. Kaufen vor Ort sollte man unbedingt den Ekte Geitost, einen karamellisierter Ziegenkäse, der hauchzart geschnitten auf warmem Toast ganz wunderbar schmeckt. Praktisch fürs Camperleben sind auch die zahlreichen Brotaufstriche in Tubenform.

 

E wie Elch: Kein Norwegenurlaub ohne Elch, oder? Wir hatten trotz ordentlicher Straßenkilometer (und wo sonst sieht man dieses majestätische Tier, wenn nicht beim Überqueren einer Straße) kein Glück. Sozusagen als späte Rache haben wir dann auf der Fähre zurück nach Kiel eine große Elchsalami gekauft. Des Weiteren auf der Tosee-Liste stehen die Moschusochsen im Dovrefjell-Nationalpark, aber auch da konnten wir keinen Haken machen. Lustig waren allerdings die Lemminge in der Hardangervidda, die tatsächlich recht ziellos durch die Gegend rannten.

 

Schreck, lass nach, die Neumanns ... | Foto: Michael Neumann
F wie Fabelwesen: Wo Touristen sind, da sind die Verkaufsstände mit Touristennippes nicht weit. Souvenir Nr. 1. scheinen Trolle in jeglicher Form und Größe zu sein. Ein Troll war ursprünglich ein Oberbegriff für alle plumpen, unheimlichen übernatürlichen Wesen, häufig ein schadenbringender Riese der nordischen Mythologie. Wieder modern geworden scheinen Trolle im Internet, wo sie die Kommunikation etwa in Foren fortwährend mit destruktiven Kommentaren stören. Als erzieherisches Mittel aus der Mottenkiste taugt eine Trollgeschichte für Kinder, die nicht schlafen wollen, aber nach wie vor.

 

F wie Femundsee: Der Gardasee des Nordens? So in der Art, nur ohne Leute und ohne Eisdielen. Passt das Wetter, lockt dieser 60 Kilometer lange und nur fünf Kilometer breite See an der Grenze zu Schweden mit fantastischen Weitblicken, wie sie im restlichen Norwegen selten sind, wunderbaren Übernachtungsplätzen, ein paar kleinen Inselchen für Teilzeit-Robinsons und nicht enden wollenden Sonnenuntergängen.

 

F wie Fiskeboller: Die norwegische Form der Bulette, nur mit Fischfleisch. Meist in Konservenform zu haben. Kann man essen, muss man aber nicht. Geschmacklich rangiert Fiskeboller aber noch deutlich vor »Rakfisk«, einem per Fermentierung haltbar gemachten rohen Fisch. Es geht das Gerücht, dass man diesen Dosenfisch nur unter Wasser in der Badewanne öffnen sollte.

 

Von basic bis bonzig: Norwegen bietet eine Vielzahl von Selbstversorgerhütten als Alternative zum Zelten im Regen. | Foto: Michael Neumann
H wie Hütte: Der perfekte Plan B, wenn das Wetter nicht das tut, was es soll. Auf den meisten Campingplätzen findet man praktische Selbstversorgerhütten von 4 bis 40 Quadratmetern und von 40 bis 140 Euro. Auf weniger frequentierten Plätzen ohne feste Rezeption kann es sogar sein, dass bei allen freien Hütten außen der Schlüssel steckt. Dann schaut man einfach, ob es einem gefällt, zieht ein, und am nächsten Morgen erscheint ein netter Norweger und kassiert.

Will man solche Hütten ab und an nutzen, empfiehlt es sich, eigene Bettbezüge dabeizuhaben, denn Schlafsäcke (von denen man wohl kategorisch annimmt, dass diese seit Jahren ungewaschen in Gebrauch sind, pfui) sind unerwünscht. 

 

J wie Jedermannsrecht: Die Norweger nennen es »allemannsretten«, die Schweden »allemansrätten«, die Finnen »jokamiehenoikeus«. Gemeinsam ist diesen Spielarten des Jedermannsrechts, dass sie allen Menschen bestimmte Befugnisse bei der Nutzung der Wildnis und sogar gewissen privaten Landeigentums zugestehen. 

Um ein friedliches Miteinander zu gewährleisten, hat der Grundsatz »Nicht stören, nichts zerstören!« alleroberste Priorität. Konkret heißt das in Feld, Wald und Flur: Privates Land darf betreten werden, zu Häusern muss aber ein Mindestabstand von 150 Metern eingehalten werden. An Wiesen, Gärten und Schonungen darf kein Schaden entstehen. Kultiviertes Land darf im Winter zu Fuß oder mit den Ski überquert werden. Gatter und Tore sind unbedingt wieder zu schließen. Auch auf Privatgrund darf übernachtet werden. Wer länger als zwei Nächte zeltet, sollte unbedingt die Erlaubnis des Besitzers einholen. Alle weiteren Details zum Jedermannsrecht findest du unter www.globetrotter-magazin.de/jedermannsrecht.

 

K wie Kochen: Essengehen, gut und günstig, wie man es beispielsweise aus dem Urlaub in Südeuropa kennt, ist in Norwegen nicht üblich. Erstens ist man eh meist weit entfernt vom nächsten Restaurant unterwegs, und zweitens stehen die servierte Kost und kostbaren Kronen anscheinend in keinem konkreten Verhältnis. Daher ist Norwegen definitiv das Land, um an seinen Fähigkeiten am Campingkocher zu arbeiten.  

 

L wie Lagerfeuer: In Norwegen ist das Entzünden eines offenen Feuers in Waldnähe zwischen dem 15. April und 15. September offiziell verboten. In manchen Regionen signalisieren Schilder die aktuelle Trockenheit und die damit verbundene Waldbrandgefahr. Besser also, man macht sein Lagerfeuer oberhalb der Baumgrenze. Die Kehrseite? Man wird sich schwertun, dort Feuerholz zu finden. Wohl dem, der sich an der Tankstelle kamingerechtes Brennholz besorgt und noch dazu eine faltbare Feuerschale benutzt. Das passende Stockbrotrezept gibt es bei www.chefkoch.de.

 

M wie Mittsommernacht: Im Juni, Juli ist es selbst im südlichen Norwegen nahezu 24 Stunden lang taghell. Eine Schlafbrille für Zeltschläfer kann daher nicht schaden. Das Campingleben selbst entstresst die Dauerbeleuchtung dagegen enorm. Nach zwei, drei Tagen Gewöhnung kann man sich herrlich treiben lassen und die Uhr Uhr sein lassen. Da macht es dann auch nichts, wenn die Kinder erst um ein Uhr nachts ins Bett gehen – schließlich haben sie ja bis elf Uhr morgens geschlafen.

 

M wie Mücken: Ja, es gibt Mücken im südlichen Norwegen. Nein, die Mücken sind kein Grund, nicht nach Norwegen zu fahren. Im höheren Bergland, in den landwirtschaftlich genutzten Gebieten und auch an den Fjorden sind die Plagegeister komplett zu vernachlässigen. Etwas anspruchsvoller ist es mitunter am Femundsee und in sumpfigen Hochebenen wie Teilen der Hardangervidda. 

 

Bootspartie: bei Kaiserwetter auf dem Naerøyfjord. | Foto: Michael Neumann
N wie NaerØyfjord: Gemeinsam mit dem Geirangerfjord gehört der 17 Kilometer lange Naerøyfjord zum Weltnaturerbe der UNESCO. Zugleich ist er einer der schmalsten. Entsprechend beeindruckend ist eine Kanutour auf dem wenig befahrenen Einschnitt der insgesamt 25 000 Kilometer langen Küstenlinie. Diese kann als Eintagestour unternommen werden oder als Gepäckfahrt mit Ziel Flåm im Aurlandsfjord. Nur selten sind die Ufer unbegehbar, so dass man jederzeit zum Pausieren oder Biwakieren anlegen kann. 

 

O wie Oslo: Die Stadt kann was. Besonders wenn man nach einem langen Schlenker durch die Wildnis bei schönem Wetter in der norwegischen Hauptstadt einrollt, kann man sich des lebhaften Charmes nicht erwehren. Auch wenn die zwei Stadtcampingplätze das Vergnügen etwas schmälern, sollte man doch mindestens einen Tag den Sehenswürdigkeiten widmen: Holmenkollen, Vigeland, Norsk Folkemuseum und das neue Opernhaus.  

 

P wie Peer-Gynt-Weg: Norwegens populärste Tageswanderung heißt eigentlich »Besseggen«, wird aber auch gern als Peer-Gynt-Weg bezeichnet. Die anstrengende Wanderung führt im Mittelteil über einen schmalen Grat. Dort bietet sich der berühmte Ausblick auf zwei Bergseen, die nur wenige Meter auseinanderliegen, aber 400 Höhenmeter voneinander entfernt sind. Je nach Lauffreude der Kinder marschiert man die Wanderung bis Memurumbu (retour mit dem Schiff) oder dreht nach halber Strecke beim Blick auf die Seen um. 

 

Fjord-Hopping sorgt mittendrin immer wieder für eine Brise Meeresluft.. | Foto: Michael Neumann
R wie Reiseroute: Die absolvierte Reiseroute ist nur exemplarisch, andererseits umfasst sie die Essenz von insgesamt zehn Norwegenreisen des Autors. Je nach Großwetterlage kann man sich auch länger im Osten tummeln und dort noch etwas weiter nach Norden streben, oder man lässt sich drei Wochen lang von der Einmaligkeit der Fjorde an der Westküste begeistern. Und was man beim ersten Mal nicht schafft, macht man dann im Sommer drauf. Denn es gibt wohl nur wenige Touristen, die Norwegen einmal und nie wieder bereisen.

 

R wie Rondane: Vom Ottatal schnell erreichbarer Nationalpark. Dort sind tolle Wanderungen mit wenig Höhenmetern möglich (wie etwa zum Rondvatnet) oder die spannende Tour entlang der Store Ula (siehe S wie Store Ula).

 

S wie Store Ula: Wasserfallbach im Rondane bei Mysuseter, an dessen Ufern ein toller Wanderweg entlangführt. Vom Ende der Straße beim Parkplatz Spragnet läuft man flussab und erlebt sehr eindrucksvoll, wie sich die Store Ula über Kaskaden und haushohe Wasserfälle Richtung Otta gräbt.

 

S wie Softeis: Norweger lieben Softeis. Und so ist das Land flächendeckend mit den Automaten übersät, die das wunderbar weiche Vanilleeis ausspucken. Garniert wird dann mit Glitzerknusperkugeln, bunten Smarties oder Krokant.

 

Auch mit dem Fahrrad ein großer Spaß: die Bergstraße Trollstigen. | Foto: Michael Neumann
T wie Trollstigen: Fantastische Passstraße, die einer Modeleisenbahnlandschaft entsprungen scheint. An der Passhöhe starten tolle Wanderungen für trittsichere Kinder und deren Eltern. Das Gleiche gilt für die Stadt Åndalsnes unten im Tal. Wanderschuhe an und los!

 

T wie Trysilelva: Norwegens schönster Wildwanderfluss entspringt dem Femundsee. Die ersten Kilometer haben es technisch noch ganz schön in sich, doch ab Elvbrua bis hinter Trysil lässt sich eine kleine Mehrtagestour zelebrieren. WW II sollte beherrscht werden, besonders wenn man mit Kindern unterwegs ist. Weitere Infos im Outdoor-Kompass Südnorwegen, erhältlich im Globetrotter-Onlineshop unter der Artikel-Nr. 23.05.06.

Abenteuerfahrt auf der Trysilelva . | Foto: Michael Neumann

 

V wie Vigeland: Sehenswerte Skulpturenlandschaft des Bildhauers Gustav Vigeland in schönem Parkambiente in den Hügeln Oslos. Dort symbolisieren 212 Steinfiguren unter anderem den Lauf des Lebens. 

 

V wie VØringsfossen: Norwegens größter und bekanntester Wasserfall lässt sich perfekt mit einer kurzen, aber abenteuerlichen Wanderung mit Kraxeleinlagen von unten her erwandern. Start ist zwischen dem zweiten und dritten Straßentunnel. Vorsicht, rutschig.

 

Selbst auf der Color-Line-Fähre gibt es immer etwas zu gucken. | Foto: Michael Neumann
W wie Wetter: Nun ja. Von zwei Wochen, in denen es das Thermometer nie in den zweistelligen Bereich schafft, bis zum monatelangen Skandinavienhoch mit italienischen Temperaturen ist vieles möglich. Oft gibt es regional große Unterschiede. Eine gute Vorhersage liefert der norwegische Wetterdienst auf www.yr.no. 

 

Z wie Zecken: Noch ein Argument für eine Reise mit kleinen Kindern nach Norwegen gefällig? Es gibt dort (anders als M wie Mücken) so gut wie keine Zecken.

 
weiterführende Artikel: 
15.03.2016ArtikelAktuell

Auf zur Fotosafari nach Norwegen!

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12.07.2012ArtikelOutdoorsport

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