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Fototrip Island: Einmal Winter und zurück

Foto: Michael Neumann
Nordlicht-Watching, Skitouren und eine Wasserfall-Winterbefahrung mit dem Kajak: Die Globetrotter-Redaktion auf Fotosafari in Island.

Da fehlt doch was. Entgegen aller Prognosen im Herbst – wer erinnert sich noch an die vermaledeite Königskerze? – wollte der Winter 15/16 in Mitteleuropa nie so richtig in Schwung kommen. So wurde das obligate Wintershooting der Redaktion, bei dem Material für die Ausgabe 4 des Globetrotter-Magazins gesammelt werden sollte, ein ums andere mal geschoben. Sicher, hier und da zeigten sich Väterchen Frost und Frau Holle einsichtig, doch meist hielt sich die weiße Pracht nicht lang. Also musste Ende Februar Plan B her. Doch wo bitte wohnt derzeit der Winter? Ein schneller Blick in die Wetterkarte brachte rasch Klarheit: Island. Auf die Insel im Nordmeer ist einfach Verlass. Manche unken sogar, da oben wäre auch im Sommer Winter ;-) Eine schnelle Umfrage vor Ort brachte weiter Klarheit. Temperaturen seit Wochen beständig unter Null und besonders im Norden überdurchschnittlich viel Schnee. 

 

Per Ski ans Meer? Gibt’s doch gar nicht! Doch, auf Island ... | Foto: Michael Neumann
Mit drei Fotoreisen nach Island im Erfahrungsschatz war die Reiseorga schnell erledigt. Der isländische Reise-Metacrawler Dohop.com und Iceland Air versprachen Support, so dass Flug, Mietwagen und Unterkünfte binnen einer Stunde standen. Blieb der Shootingplan. Neben den gängigen Aktivitäten Schneeschuh, Sightseeing, Nordlicht-Watching und Skitour stand noch eine Schnapsidee auf dem Plan, die schon seit ein paar Jahren auf meiner inneren Festplatte schlummerte: eine Winterbefahrung des Godafoss mit dem Kajak. Dieser Wasserfall mit eingebauter Motivklingel ist neben dem Gulfoss Islands meistfotografiertester Wasserfall. Und unter Paddlern gilt er als spektakulärer, aber gar nicht so schwer zu bezwingender Wasserfall – zumindest im Sommer. Doch im Winter, wenn Schnee und Eis den Godafoss teilweise erstarren lassen?

Ob das tatsächlich eine gute Idee war, und was man auf einem siebentägigen Fototrip ins winterliche Island sonst noch anstellen kann, verrät dieses Tagebuch ...

 

Iceland on the rocks from Michael Neumann on Vimeo.

 

Sonntag, 28. Februar 

Mit Iceland Air geht es direkt von München nach Rejkjavik. Weder das als XXL-Sportgepäck eingescheckte Kajak, noch die im Hauptgepäck mitreisenden ABS-Rucksäcke machen Probleme. Einzig die Handgepäckfächer im Flieger kapitulieren vor unseren dicken Fjällräven-Daunenanoraks, so dass die Stewardess diese irgendwo vorne im Cockpit deponieren muss. Die Ankunft in Rejkjavik nur 3 Stunden 50 später fällt gewohnt isländisch aus. Eine steife Brise und prasselnder Regen. Hallo, Winter? Doch wir wissen: Schnee ist in Süd-Island nicht die Regel, gern pendelt das Thermometer leicht um die Null auf und ab. Richtiger Dauerfrost, das ist eher eine Spezialität des Nordens. Nach dem Eindecken im Dutyfree mit Getränken, die nicht so leicht einfrieren, geht es zum Mietwagenschalter.

 

Bildergalerie: Sonntag, 28. Februar

 

Dem ersten Mietwagen, den man uns geben will, müssen wir leider eine Absage erteilen. Ein schwarzer Pajero. Wir wollen was »ikonischeres«. Es wird ein Toyota Landcruiser Diesel, wohl der beste Kompromiss zwischen Fahrkomfort, Geländegangigkeit und Verbrauch auf Islands Straßen. Schnell die mitgebrachten Querträger mittels Ducttape auf der Reling befestigt, Kajak und Skibag aufs Dach und ab in die Nacht. Sechs Stunden liegen zwischen uns und unserem Ziel Akureyri. Mindestens. Bei dichtem Schneetreiben und einem steten Wind, der stetig Schneewehen auf der Straße produziert, von denen wir inständig hoffen, dass sie die Bodenfreiheit unseres Jeeps nicht übersteigen, dauert es noch etwas länger. Ob die gebuchte Unterkunft auch nach 24 Uhr noch offen hat? Ein Telefonat klärt die Lage. Alles kein Problem, die Fronttür sei offen und unser Schlüssel liege auf der Reception. Zimmer 218.

So erreichen wir kurz nach Mitternacht das Guesthouse, ein ehemaliges Altersheim mit Dreibettzimmer und Gemeinschaftswaschräumen. Aber sehr sauber, sehr liebevoll eingerichtet, sehr günstig. Und nicht umsonst laut Tripadvisor die Nr. 1 aus 28 B&B in Akureyri. Ob auch Personal und Frühstück ein »sehr« vorm Adjektiv verdienen, davon überzeugen wir uns dann morgen. Gute Nacht!

 

Montag, 29. Februar

Der geschenkte Tag eines Schaltjahres beginnt tatsächlich mit einem sehr guten Frühstück. Frisches Brot mit Orange-Ingwer-Chili-Marmelade und dazu ein Rollmops? Die Auswahl ist reichlich, die Qualität überdurchschnittlich. Doch so richtig steht uns der Sinn gar nicht nach Völlerei, steht doch heute der vielleicht spannendste Baustein unserer Fototour auf dem Programm: die vermeintliche Erstbefahrung des Godafoss im Hochwinter. Ob dem so ist, wissen wir nicht, und eigentlich ist es uns auch egal, Bilder mit Eiszapfen und Kajak haben wir aber keine im Netz gefunden. Eine Stunde später stehen wir am Foss. Ich bin gespannt, wie er sich aktuell präsentiert. Bei meinem ersten Winterbesuch vor ein paar Jahren als »embedded journalist« eines Marmot-Teamtrips, sah er imm Winterkleid gut fahrbar aus. Und auch die aktuelle Lage ist eigentlich keine wirkliche Unbekannte.

Foto: Michael Neumann
In Island mit seinen knapp über 320.000 Einwohnern ist es nämlich so, dass jeder jeden über maximal drei Ecken kennt. Und so hat mir Hilmar, der seinerzeit den Marmot-Trip organisiert hatte, den Facebook-Kontakt zu Vilmar hergestellt. Der hat den Godafoss beim Blick aus dem Küchenfenster als Fototapete – und mir fast täglich ein Handyfoto geschickt. Tatsächlich ist die Eissituation so, wie ich sie in Erinnerung hatte. Die Standardroute ganz links ist schlicht zugefroren, rechts davon donnern zwei wuchtige Kanäle etwa 12 Meter ins Unterwasser. Ob unten ein unüberwindbarer Rücklauf lauert, sieht man aufgrund der Gischt leider nicht. Unser Plan sieht aber ohnehin die rechte Seite des Wasserfalls vor. Diese ist drei Meter niedriger und auf einer Breite von zehn Metern fahrbar, so dass man sich wahlweise aus dem Gröbsten raushalten kann. Leider steht ganz rechts, dort wo es am leichtesten ist, eine beachtliche Eisorgel direkt am Wasserfall und bildet im Unterwasser eine gefährliche Unterspülung. Doch Matze hat eh – wozu hat man schließlich eine Sportlerehre – die linke Variante im Hauptwasser im Sinn. Diese sieht machbar aus, beinhaltet aber eine schwierige Anfahrt und einen Must-make-Move. Denn die Locke des Wasserstrahls dreht nach links, man will mit der Bootsspitze aber tunlichst nach rechts landen, um nicht von der Strömung der linken Seite, die einem nämlich unten großflächig entgegen kommt, in eine Höhle in einem Felspfeiler in Flussmitte gedrückt zu werden.

Bildergalerie: Montag, 29. Februar

 

Als Sicherung platziert sich Jobst, ebenfalls wasserdicht in einem Trockenanzug verpackt, mit einem Wurfseil unten am Fall, während ich mich oben auf der Aussichtsplattform bereit mache. 3-2-1, los. Matze schwingt aus dem Kehrwasser und zirkelt virtuos auf die Abrisskante zu. Kein Schlag zu viel, jede Gewichtsverlagerung sitzt. Als wäre es das Leichteste auf der Welt, meistert er die Crux der Locke und landet nach kurzem Flug an exakt der geplanten Stelle, so dass ihn sein eigenes Momentum aus der Gefahrenzone schiebt. Bravo! Das finden auch die anderen 20 anwesenden Fotografen, die wohl ahnen, dass sie gerade ein recht exklusives Motiv im Sucher und hoffentlich auch auf dem Chip hatten.

Altersheim in Flammen. Als wir gerade die Bettdecke über die Nase ziehen wollen, beginnt das Himmelsspektakel. | Foto: Michael Neumann
Es braucht nicht viel Überredungskunst seitens des Fotografens, damit Matze noch einen zweiten Run in Erwägung zieht. Doch erstmal aufwärmen. Während Matze auf und ab hüpft, merken wir gar nicht, wie das Wasser von Geisterhand immer weiter steigt. Eine viertel Stunde später hat sich der für die Minusgrade ohnehin stattliche Wasserstand beinahe verdoppelt. Was ist passiert? Vilmar, der sich mittlerweile zu uns gesellt hat, klärt auf. In den letzten Tagen war es besonders kalt, so dass sich im Oberlauf oft Eisbarrieren bilden, die das Wasser über Kilometer aufstauen. Und so eine muss nun gebrochen sein. Matze hadert. Ob es nicht bereits zu viel ist? Nach neuerlicher Besichtung entscheidet er auf grünes Licht. Zwei Minuten später sitzt er im Boot, drei Minuten später meistert er den Godafoss ein zweites Mal. Aber diesmal zerren die Flussgötter im Unterwasser deutlich vehementer an seinem Kajak und wollen ihn zum Kentern bringen. Danach ist allen klar: eine dritte Befahrung, um noch weitere Fotoperspektiven zu generieren, wird es nicht geben, für heute ist es genug.    

Was tun mit dem halben Tag? Island macht es uns leicht. Nach einer Stunde Fahrt erreichen wir den Mývatn, einen größtenteils zugefrorenen See in einer surrealen Vulkanlandschaft. überall dampft und schwefelt es, während die Sonne sich anschickt, spektakulär die Weite zu beleuchten. Schnell sind die Ski ausgepackt und wir machen eine kleine Feierabendtour. Fotogene zehn Zentimeter Neuschnee liegen auf einer harten Unterlage, so dass wir beinahe mühelos den Berg hochfliegen. Und wieder runter, und zwar mit ein paar schicken Schwüngen vor der untergehenden Sonne.

Als wir nach Einbruch der Dunkelheit zurück im Guesthouse sind, herrscht Einigkeit. Wie soll dieser erste Tag noch zu toppen sein? Bis wir aus dem Fenster blicken und draußen die Nordlichter flackern sehen … 

 

Dienstag, 1. März 

Nach diesem fulminanten ersten Shootingtag dauert das Frühstück heute etwas länger, da wir wissen, was zu tun ist. Nochmal zum Godafoss, in der Hoffnung, dass der Wasserstand wieder unten ist. Und während wir gestern noch dort auf der Suche nach der perfekten Perspektive herumgeirrlichtert sind, wissen wir nun genau, wo der »Moneyshot« ist. So nennen Fotografen ein Bild, dass einen guten Honorarertrag verspricht. Schnell ist Matze im Wasser und fährt seine Linie so exakt wie gestern. Mit einer Kamera fotografiere ich von oben, die andere auf dem Stativ filmt und unten am Fuß des Wasserfalls macht Sicherungsposten Jobst noch ein paar Hochformatperspektiven mit der dritten Kameras. Dazu klicken wieder ein Dutzend Touristenkameras.

Bildergalerie: Dienstag, 1. März

Plicht und Kür sind im Kasten, ich habe, was ich wollte. Wir sind bereits am zusammenpacken, als ein italienisches Kamerateam darum bittet, ob man nicht noch einmal …. Also gut. Der Moderator ist der bekannte Fotograf Luca Bracali, der fürs italienische Staatsfernsehen Rai Uno unterwegs ist und schnell erkannt hat, dass Godafoss + Kajak auch im um Superlative nicht armen Island eher die Ausnahme ist. Und da auch für Jobst das Motto gilt »Wenn die Kamera läuft, fahr ich«, lässt er sich ebenfalls nicht lumpen und tauscht mit Matze nach dessen Sprung die Rollen. Da das gestrige Hochwasser die linke Eisorgel zum Einsturz gebracht hat, steht nun auch eine Route mit weniger Konsequenzen bereit, die Jobst unter dem Jubel der Italiener aus dem Ärmel schüttelt. 

Island deluxe – und so eine Hütte kostet im Winter keine 100 Euro - für bis zu sieben Personen. | Foto: Michael Neumann
Am Godafoss ist nun definitiv ein Haken. Zeit, die Zelte in Akureyri abzubrechen und nach Olafsfjördur auf die Trollhalbinsel umzusiedeln. Dort haben wir für die nächsten drei Tage eine urige Selbstversorgerhütte direkt am Wasser gebucht. Mit eigenem Hottub auf der Veranda. Als wir dort zu fortgerückter Stunde einchecken, wundern wir uns über die drei Landrover Defender vor der Nebenhütte. Mit Surfbrettern auf dem Dachträger. Verrückt, denken wir, und lassen sogleich den Hottub ein …

 

 

Mittwoch, 2 März 

Es interessiert mich natürlich schon, was für eine Truppe hinter den Autos mit den Surfbrettern steckt. Eine Runde auf Facebook bringt Licht ins Dunkel. Ist nicht Chris Burkhard, der US-Shootingstar am Outdoorfotografenhimmel und verantwortlich für das  aktuelle Cover des Globetrotter-Magazins, ein großer Islandfan? Und Surfer? Zwei Klicks später staune ich über ein tolles Nordlichtfoto von ihm, aufgenommen am 29. Februar und getagged mit Olafsfjördur. Bingo. Ein Hashtag bringt noch mehr Licht ins Dunkel. Auch Renan Ozturk ist Teil der Truppe. Als preisgekrönter Filmemacher und zugleich North-Face-Teamkletterer scheint er für die bewegten Bilder des Trips verantwortlich, der das Ziel zu haben scheint: Nordlichter und Surfen zusammen auf ein Foto zu bringen.

Als nach dem Frühstück Leben bei den Nachbarn einkehrt, gehe ich mal rüber, sage Hallo, staune über die Berge von Equipment (allein Renan scheint mit zehn der größtmöglichen Pelicases zu reisen) und frage, was der Plan ist. Es ist ihr letzter Drehtag und für die Mittagszeit sind gute Wellen vorhergesagt. Wo? Na hier in Olafsfjördur, wo im Winter eine der besten Wellen Islands läuft. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Doch zuvor stromern wir noch durch Olafsfjördur und das nahe Siglufjördur, eine hübsch herausgeputze Heringsfischer-Siedlung, und tun so, als würden wir ein Modeshooting machen ;-)

 

Bildergalerie: Mittwoch, 2 März

 

Dann ist Highnoon und Hightide am Hafen. Rund fünf Surfer tummeln sich bei einer Lufttemperatur von knapp unter und einer Wassertemperatur von knapp über null Grad im Lineup. Die Wellen scheinen zwar nicht perfekt, dennoch ist es beeindruckend zu sehen, mit welchem Körpergefühl die Surfer das Beste daraus machen. Am meisten gefällt ein Longboarder, der auf der Spitze des Bretts bei voller Fahrt Pirouetten dreht. Über allem schwebt ein gewaltiger Octocopter mit Red-Kamera darunter, bedient von Renan und einer Assistentin. Die eine fliegt, der andere steuert die Kameraperspektive. Bei einer Bruchlandung würden wohl nicht weniger als 50.000 Dollar im Atlantik versinken. 

Nach einer Stunde schauen beschließen wir, selbst was auf die Beine zu stellen und verkrümeln uns ans andere Fjordende. Dort ermöglicht ein steiler Hang mit Straße eine paar sogenannte »Faketurns« und eine Runde Backflips mit Meerblick. Im Anschluss folgt dann noch eine »echte« Skitour, mangels Licht bleib dabei aber die Kamera daheim.

Ob die Crew ihr Ziel Nordlicht + Surfen erreicht hat? Nun, zumindest hat es an beidem nicht gemangelt … 

 

Donnerstag, 3. März

Heute heben wir ab. Und zwar mit Artic Heli Skiing. Der örtliche Heliski-Anbieter hat zufälligerweise noch exakt drei freie Plätze für uns. Mittels Helikopter, so die Hoffnung, kommen wir bereits in den frühen Morgenstunden zum besten Fotolicht auf höchste Gipfel mit Meerblick. Auch das Wetter spielt mit. Bluebird. Keine Wolke, so weit das Auge blickt. Zumindest um sieben Uhr morgens. Doch auch für den weiteren Tagesverlauf soll das so bleiben. Pünktlich treffen wir im Skidadalur - wenn das kein Omen ist – ein. JB, der Besitzer, empfängt uns und erläutert den Plan seiner Einladung. Erst vor einer Woche hätten sie die Saison eröffnet und die Bedingungen seien in diesem Jahr schlicht sensationell. Daher wäre es dufte, wenn er von uns eine paar Bilder bekommen könne, um damit auf Kundenaquise zu gehen. Deal!

Nomen est omen: da lang geht’s zur Heliski-Lodge. | Foto: Michael Neumann
Nach einer ausführlichen Safetyeinweisung mit realistischer Piepsersuche und Benimmregeln beim Helikopterfliegen – Heckrotor meiden und nicht die Skischuhe beim Einsteigen an der 50.000-Dollar-Tür abschlagen – drehen sich auch schon die Rotoren. Direkt von der Lodge geht es auf den nächsten Gipfel, die Flugzeit beträgt keine drei Minuten. Die 600 Höhenmeter Abfahrt dauern dann ungefähr zwei Minuten. Da die Abfahrt nicht über einen Gletscher verläuft, erlaubt mir JB eine alternative Abfahrtsroute am Gegenhang, was in einem solch großzügigen Gelände meist die beste Fotoposition ist. Keine 15 Minuten später wiederholt sich die Situation, nur dass wir auf einem neuen Gipfel stehen und der Hintergrund wieder unverspurt ist. 

 

Bildergalerie: Donnerstag, 3. März

 

Nach zwei Abfahrten beginnt jedoch das Licht rapide zu schwinden. Wo bitte ist der Bluebird hin? Zum Deckel von oben kriecht jetzt in manchen Tälern auch noch ein Art Seenebel hinauf. Hallo, Wetterbericht, was ist das denn bitte? 

So schabt es uns nicht sonderlich, als JB zum Rückzug bläst. Zwar könnte man sicher noch ein paar Höhenmeter machen, doch der Ertrag steht in keinem Verhältnis zu den Kosten, da sind sich alle einig. 

Und so sind wir nach nur einer Stunde zurück in der Lodge und satteln die Pferde.

Eventuell finden wir ja nahe der Küste besseres Licht und anständige Skitourenbedingungen. Doch Pustekuchen. Und so sitzen wir bereits gegen 16 Uhr wieder in unserem Hottub und schneiden Pläne für den letzten Tag. Der Wetterbericht meldet Schneefall, was sämtliche Skiaktivitäten in der baumlosen Weite Islands ausschließt. Daher wollen wir an einem Tag über die Ostküste zurück zum Flughafen und dabei noch der ein oder anderen Sehenswürdigkeit wie Gletscherlagune und Selfoss einen Besuch abstatten.

 

Freitag, 4. März 

Als wir am morgen aufwachen, ist das Wetter so lala. Nicht Fisch, nicht Fleisch. Der angekündigte Niederschlag scheint auszubleiben, doch die Sonne tut sich auch schwer. Aber egal, die geplante Autofahrt ist bei jedem Wetter schön. Noch vor dem Frühstück melden wir uns bei Arctic Helikski ab. Kein Fotowetter für etwaige Skibilder. 30 Minuten später, wir räumen gerade das letzte Gepäck ins Auto, klingelt das Telefon. JB ist dran. Bei ihnen sei schon die Sonne zu sehen und zumindest für drei, vier Stunden sieht der Flugwetterbericht ein Schönwetterfenster … ob wir nicht doch … Jawohl, sind schon unterwegs. Eine Stunde später sitzen wir in einem neuen, eigens von Reykjavik hochgeflogenen Heli. Und da von den anderen fünf Gästen niemand krank geworden ist, haben wir die gleiche Situation wie gestern: drei freie Plätze, den ganzen Tag lang. Was folgt, ist einer der besten Skitage meines Lebens. Perfektes Licht, perfekte Bedingungen und die Bilder machen sich fast von allein, so dass auch mein Spaß nicht zu kurz kommt. Meist klafft ja das, was man auf solchen Bildern ausdrücken will, himmelweit mit der Realität auseinander. Ich hatte schon Ski-Shootingtage, bei denen ich keinen einzigen Meter selbst gefahren bin.

 

Bildergalerie: Freitag, 4. März

 

Als wir am Abend gegen 18 Uhr zurück in der Lodge sind, kann ich immer noch nicht glauben, was für ein Glück wir mit diesem Tag hatten. 

Einziger Wehrmutstropfen: morgen um sieben Uhr geht unser Flug und vor uns liegen noch sieben Stunden Fahrt bis Keflavik. Und wie auf dem Hinweg lässt es sich das isländische Wetter nicht nehmen, uns noch den ein oder anderen Schneesturm entgegenzuschleudern, was dem Durchschnittstempo nicht gerade förderlich ist. Aber egal, schlafen können wir auch im Flieger …

 
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